Kapitalismus-Thesen

Thesen �ber die wirtschaftlichen Grundlagen der bestehenden Gesellschaft
(24.6.07)

Vorwort

Die folgenden Thesen wurden in einer Arbeitsgruppe der KOMAK-ML im Jahr 2006 erarbeitet und nach Diskussionen und Ver�nderungen von der Organisation im M�rz 2007 als Teil der programmatischen Grundlagen beschlossen. Wir haben uns hier auf die Darstellung der wirtschaftlichen Grundlagen der bestehenden Gesellschaft beschr�nkt und verweisen hinsichtlich Klassenanalyse, politischer Analyse und Perspektive auf unsere programmatischen �Thesen �ber den Weg zum Kommunismus�.
Was den Aufbau betrifft haben wir versucht, vom Allgemeinen zum Besonderen vorzugehen. Historisch �berholte Erscheinungen des Konkurrenzkapitalismus haben wir nicht aufgenommen, sondern uns auf den Kapitalismus des 21. Jahrhunderts konzentriert. So sind die Thesen auch keinesfalls ein Ersatz f�r eine Schulung in Politischer �konomie; im Gegenteil: zu ihrem Verst�ndnis sind grundlegende Kenntnisse der marxistischen Volkswirtschaftslehre (Politischen �konomie) unbedingt notwendig.

Grundlegendes

1. Die wirtschaftliche Basis bestimmt in letzter Instanz den gesamten gesellschaftlichen �berbau (staatliche Institutionen, politische Verh�ltnisse, Kultur usw.). Der gesellschaftliche �berbau wirkt aber auch auf die wirtschaftliche Basis zur�ck.

2. Das heute in der ganzen Welt vorherrschende Wirtschaftssystem ist der Kapitalismus im imperialistischen Stadium. Der Kapitalismus ist eine warenproduzierende Wirtschaftsform zum Zweck der Geldverwertung und der Erzeugung von Mehrwert.

3. In Verlauf der kapitalistischen Entwicklung haben sich zwei antagonistische Hauptklassen, die Arbeiter/innenklasse und die Kapitalistenklasse, herausgebildet, die sich � wie alle Klassen - nach ihrer Stellung zu den wichtigsten Produktionsmitteln unterscheiden. Der Kapitalismus beruht auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln in den H�nden einer zahlenm��ig kleinen Kapitalistenklasse und der Eigentumslosigkeit der Arbeiter/innenklasse, die an eben diesen fremden Produktionsmitteln Lohnarbeit verrichtet.

4. Der Grundwiderspruch des Kapitalismus ist der zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Aneignung der Arbeitserzeugnisse. Dieser dr�ckt sich einerseits im Gegensatz zwischen der Organisation der Produktion innerhalb eines Betriebs und der Planlosigkeit der gesamtgesellschaftlichen Produktion aus, andererseits im Gegensatz zwischen den gewaltigen Wachstumsm�glichkeiten der Produktion und der Verringerung der zahlungskr�ftigen Nachfrage. Der wichtigste gesellschaftliche Ausdruck dieses Grundwiderspruchs ist der Klassenwiderspruch zwischen Arbeiter/innenklasse und Kapitalistenklasse, der nur durch die �berwindung des bestehenden Gesellschafts- und Wirtschaftssystems beseitigt werden kann.

5. Mit der Verf�gungsgewalt �ber die Produktionsmittel bekommen die Kapitalisten auch die Verf�gungsgewalt �ber alle damit geschaffenen Waren. Diese Aneignung des von der Arbeiter/innenklasse geschaffenen Mehrwerts durch die Kapitalisten ist das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung.

6. F�r kapitalistische Ausbeutung ist nicht der formalrechtliche Privatbesitz an Produktionsmitteln entscheidend, sondern die Verf�gungsgewalt �ber diese und �ber den damit von der Arbeiter/innenklasse geschaffenen Mehrwert. Bei Fortdauer oder Restauration des Kapitalismus herrscht auch in verstaatlichten Betrieben kapitalistische Ausbeutung. In verschiedenen Sonderformen z.B. des b�rokratischen Staatskapitalismus ist die Verf�gungsgewalt �ber die verstaatlichten Produktionsmitteln und die Aneignung des entsprechenden Mehrwerts nicht in Grundb�chern eingetragen und in Gesetzen fixiert, sondern �ber verschiedene Sonderregelungen festgelegt. (Wir lehnen reformistische Forderungen nach Protektionismus ab, insbesondere solche, die zur �konomischen oder politischen St�rkung des b�rgerlichen Staats f�hren. Wir bek�mpfen Illusionen �ber die Verstaatlichung als antimonopolistischen Zwischenschritt zum Sozialismus. � vgl. dazu auch die Thesen 22-23)

7. In der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist die Ware Arbeitskraft doppelt frei: frei von Produktionsmitteln und frei sich zu verkaufen, d.h. die Angeh�rigen der Arbeiter/innenklasse sind gezwungen, sich ausbeuten zu lassen um zu �berleben. Das menschliche Arbeitsverm�gen (die Arbeitskraft) wird vom Kapitalisten zum Zweck der Ausbeutung bzw. �Mehrwertaneignung" gekauft.

8. Die Arbeit, d.h. die Anwendung von Arbeitskraft, ist die einzige Quelle von Mehrwert. Die kapitalistische Ausbeutung beruht auf der Bezahlung der Ware Arbeitskraft zu ihrem Wert, d.h. der kulturell notwendigen Reproduktionskosten der Arbeiter/innen und ihrer Angeh�rigen � und der Aneignung des Mehrprodukts durch die Kapitalisten. Formal gesehen sind Arbeiter/innen und Kapitalisten gleichberechtigte Vertragspartner am Arbeitsmarkt.

9. Auf dem Markt, der sich durch die Konkurrenz in letzter Konsequenz �selbst reguliert", und damit auch auf dem Arbeitsmarkt, erscheint Konkurrenz in dreifacher Form: unter den K�ufern und den Verk�ufern selbst und als Konkurrenz beider Gruppierungen untereinander. Bei der Konkurrenz in der Arbeiter/innenklasse spielt die industrielle Reservearmee, d.h. die ��berz�hligen� Anbieter/innen von Arbeitskraft, eine herausragende Rolle. Die sogenannte �Selbstregulierung� des Arbeitsmarktes schlie�t politische Entscheidungen der Herrschenden mit ein, wie z.B. Rettungsaktionen zur W�hrungsstabilisierung oder die Destabilisierung von Volkswirtschaften, Wettr�sten, Faschismus und Weltkriege.

10. Innerhalb der Kapitalistenklasse findet nach dem Prinzip: �Der St�rkere frisst den Schw�cheren� im wiederkehrenden krisenhaften Auf und Nieder eine immer weiter gehende Zentralisation des Kapitals ( d. h. kleinere Kapitale werden den gr��eren direkt einverleibt) und Konzentration (d. h. einzelne Kapitale wachsen unverh�ltnism��ig st�rker als andere) des Kapitals statt. Einzelne Kapitale erringen so eine �Monopolstellung" auf dem Markt.

11. Der Imperialismus ist jene Entwicklungsstufe des Kapitalismus, in der sein monopolistisches Wesen sichtbar an die Oberfl�che tritt; seine wirtschaftliche Grundlage ist der Monopolkapitalismus. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapitals zum sogenannten Finanzkapital, und es bilden sich Oligopole und Monopole heraus, die zunehmend den gesamten Weltmarkt beherrschen.
Ein immer gr��erer Teil der scheinbar selbstst�ndigen Kapitalisten wird so zum wirtschaftlichen Anh�ngsel gro�er Konzerne. �hnlich wie bei formalen Ausgliederungen bestimmter Bereiche geht es dabei nicht um Gegentendenzen zur Zentralisation des Kapitals, sondern um eine f�r das Kapital g�nstigere Organisationsstruktur.

12. Durch die zunehmende Monopolisierung der kapitalistischen Wirtschaft wird die Konkurrenz nicht aufgehoben, sondern auf h�herer Stufenleiter versch�rft. Oligopole bzw. Monopole machen sich den Weltmarkt streitig. Gro�konzerne liefern sich erbitterte K�mpfe um Rohstoffe, Absatzm�rkte, wirtschaftliche, politische und milit�rische Einflusssph�ren. �bernahmeschlachten samt B�rsen- und W�hrungsspekulation und Kriege k�nnen einzeln oder gemeinsam zum wirtschaftlichen Niedergang ganzer Regionen f�hren.

Besonderheiten des Monopolkapitalismus

13. Die f�r die Herausentwicklung kapitalistischer Verh�ltnisse notwendige nationale Gliederung der M�rkte wird mit der globalen Ausdehnung des imperialistischen Kapitalismus unterminiert. Seit langem beherrschen die Monopolkapitalisten der �f�hrenden" (imperialistischen) Nationen mit Hilfe von �Kompradorenbourgeoisien" (d.h. vom Imperialismus v�llig abh�ngigen Kapitalisten) die M�rkte der neokolonialen und abh�ngigen L�nder.

14. Die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts weit verbreitete vulg�rmarxistische These, dass der Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium die Produktivkr�fte nicht mehr (deutlich) weiter entwickeln k�nne, wurde insbesondere durch die Entwicklung und Verbreitung der Informations- und Kommunikations�technologie Ende des 20. Jahrhunderts widerlegt. Der monopolkapitalistische Staat als ideeller Gesamtkapitalist findet immer neue Methoden, um f�r das Monopolkapital das politische �berleben zu sichern. Die Bereiche Forschung und Entwicklung (insbesondere im milit�rischen Sektor) werden mit massiver Unterst�tzung der imperialistischen Staatsapparate zu Motoren neuer technischer Entwicklungen.

15. Ein wesentlicher Widerspruch des Kapitalismus ist die genaue Planung der Produktion innerhalb eines Konzerns bzw. eines Betriebs und die auf Konkurrenz basierende Planlosigkeit der kapitalistischen Produktion und Wirtschaft insgesamt. Das f�hrt zu regelm��igen Wirtschaftskrisen, die jedesmal mit einer massenhaften Vernichtung von Produktionsmitteln und Waren enden, bevor die Wirtschaft wieder in Schwung kommt.

16. Immer h�ufiger und notwendiger kommt es zu massiven Eingriffen des Staates oder von internationalen imperialistischen Agenturen, um noch katastrofalere Einbr�che im letzten Moment abzuwenden. Die Vertreter des Monopolkapitals haben gelernt und d�mpfen aus politischen Gr�nden, so gut es ihnen gelingt und es die zwischenimperialistische Konkurrenz gestattet, Krisenzyklen und den Bankrott von Staatshaushalten. Gleichzeitig gibt es Tendenzen, die Krisenzyklen in anderen L�ndern bewusst zu verst�rken, um die �eigene� Wirtschaft zu retten. Sie haben gelernt einzugreifen, aber sie k�nnen mit ihren kapitalistischen Mitteln die Gesetzm��igkeiten des Kapitalismus nicht aufheben.

17. Das Verh�ltnis zwischen Mensch und Natur gestaltet sich im Kapitalismus nach dem Muster des Ausbeutungsverh�ltnisses zwischen den Gesellschaftsklassen. Die �Ausbeutung" ist hier der Raubbau an der Natur, dessen Ursache ist das Profitstreben der Bourgeoisie. Gegen�ber der Natur z�hlt f�r die Kapitalisten nur der unmittelbarste Nutzeffekt, der zu erzielende Profit ist die einzige Triebfeder, w�hrend die entfernteren sch�dlichen Nachwirkungen auf Natur und Lebensbedingungen unbeachtet bleiben.

18. In den kapitalistischen L�ndern schwankt die L�hnh�he im Durchschnitt um den Wert der Ware Arbeitskraft. Das ist ein auch kulturell bedingtes Lebensniveau und entspricht einem Einkommen in der H�he, dass sich eine Arbeiterfamilie so regenerieren kann, dass sie bis ins Alter arbeitsf�hig bleibt und vorher Nachkommen aufziehen kann. Gewerkschaftliche Organisierung und Kollektivvertr�ge wirken der Konkurrenz unter den Arbeiter/innen entgegen und erm�glichen h�here L�hne und bessere Arbeitsbedingungen. In Zeiten hoher Lohnerwerbs-Arbeitslosigkeit und gro�er Konkurrenz unter den Arbeiter/innen k�nnen die Kapitalisten die L�hne leichter senken und den Arbeitstag (bei gleichbleibendem Lohn) verl�ngern. Je niedriger der Lohn und je l�nger die Arbeitszeit, desto h�her ist der kapitalistische Profit � und umgekehrt.

19. Eine bedeutende zus�tzliche Quelle der Bereicherung der Monopolkapitalisten ist das niedrige Lohnniveau der Arbeiter/innenklasse der neokolonial unterdr�ckten L�nder. Aus politischen (Staatsterror), kulturellen (Religion) und wirtschaftlichen (halbfeudale Zust�nde) Gr�nden leben die Arbeiter/innen (ebenso wie die B�uer/innen) in den Neokolonien auf einem deutlich niedrigeren materiellen Niveau als in den imperialistischen L�ndern. So gibt es in den Arbeits- und Sozialgesetzen dieser L�nder meist keine wirksame Vorsorge f�r Krankheit und Alter; alle Familienmitglieder von den Kleinkindern bis zu den Alten sind unter dem Druck des Hungers gezwungen, lange Arbeitstage zu schuften. Solche elenden materiellen Verh�ltnisse, machen sich die imperialistischen Konzerne zunutze, um Extraprofite zu erzielen - und konservieren die Zust�nde durch politische und milit�rische Interventionen.

20. Eine weitere Quelle von Extraprofiten sind die Arbeitsimmigrant/innen in den imperialistischen und entwickelteren kapitalistischen L�ndern. Sie werden von rassistischen Sondergesetzen geknebelt und vom allt�glichen Rassismus (der Bourgeoisie, ihrer Institutionen und verhetzten Teilen des Volkes) unterdr�ckt. Dadurch sind sie gezwungen, sich mit L�hnen weit unter denen der einheimischen Arbeiter/innen zufrieden zu geben. Der Druck auf diese Teile derReservearmee dient dazu, die Spaltung in der Arbeiter/innenklasse zu versch�rfen und schadet der Arbeiter/inneneinheit.

21. Mit Teilen der Extraprofite aus den Neokolonien wird in den imperialistischen L�ndern auch eine kleine Oberschicht von Arbeiteraristokraten deutlich besser bezahlt. Darunter sind Vorarbeiter und Meister auf Aufpasserposten, Besch�ftigte in Betrieben und Bereichen mit deutlich h�heren L�hnen und gr��erer Arbeitsplatzsicherheit. Teile dieser Arbeiteraristokraten werden mit allen m�glichen Verg�nstigungen (z.B. mit Freistellungsposten) bestochen, um die Arbeiter/innenklasse insgesamt politisch zu desorientieren und auf den Kapitalismus einzuschw�ren. Von diesen Arbeiterb�rokraten erh�lt die Bourgeoisie auch unverzichtbare Informationen �ber die politische Stimmung in der Arbeiter/innenklasse und kann darauf aufbauend ihre konterrevolution�ren Ma�nahmen setzen. Gro�e Teile dieser Arbeiterb�rokratie sind in Westeuropa seit 1945 politisch vollst�ndig auf die Seite der Bourgeoisie �bergegangen. (Ein Teil der �Arbeiterb�rokraten� wird f�lschlicherweise zur Arbeiteraristokratie gerechnet, obwohl sie durch ihre �konomische und politische Stellung in der Gesellschaft l�ngst zu einem Teil der Bourgeoisie geworden sind.)

Widerspr�che und Ausblick

22. Durch die Klassenk�mpfe im 20. Jahrhundert sind in den imperialistischen L�ndern Europas die Sozialversorgung (Kranken-, Arbeitslosen- und Pensionsversicherung) und die Grundversorgung der Arbeiter/innenklasse (Wasser, Strom, �ffentlicher Personenverkehr, Wohnung, Telekommunikation,...) zu wesentlichen Lohnbestandteilen geworden. Durch die Mopoloffensive im Zeichen des Neoliberalismus kam es vor allem in den L�ndern EUropas seit Ende des letzten Jahrhunderts zu einer weitgehenden Privatisierung und Verteuerung dieser Bereiche und damit zu indirekten drastischen Lohnsenkungen.

23. Durch die Privatisierungen der fr�heren Selbstversorgungseinrichtungen der Arbeiter/innenklasse wurden diese der Kontrolle der Arbeiter/innenklasse (bzw. Gewerkschaften) v�llig entzogen, und die Arbeiter/innen m�ssen sich jetzt auf eigene Kosten bei kapitalistischen Unternehmen versichern, um eine ausreichende Vorsorge zu haben. Eine �hnliche Entwicklung ist im Bildungsbereich und in der Grundversorgung zu verzeichnen: Wer eine ordentliche Ausbildung, Wohnung oder Kommunikation usw. haben will, muss (bei gleichbleibenden oder sinkenden L�hnen) immer mehr daf�r bezahlen.

24. Die Verelendung (Pauperisierung) betrifft auch in den entwickelten kapitalistischen L�ndern einen immer gr��eren Teil der Arbeiter/innenklasse, der nur noch von verschiedenen Formen von Lohnerwerbs-Arbeitslosenunterst�tzung und Sozialhilfe lebt (in �sterreich 2007 ca. 15%). Die Tendenz zur Pauperisierung, auf die schon Marx hingewiesen hat, besteht trotz 40 Jahren Gegentendenz nach 1945 weiter. Seit 1985 sinkt auch in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs die Zahl der Erwerbsarbeitslosen nicht mehr und ein immer gr��erer Teil rutscht trotz mehrerer Teilzeit-Jobs deutlich unter das Niveau seiner Klasse. Es h�ngt vor allem vom politischen Drucks der Arbeiter/innenklasse und dem Stand der Klassenk�mpfe ab, wie weit die K�rzungen und Versch�rfungen bei der Sozialhilfe gehen. Wenn die Arbeiter/innenklasse nicht bereit ist, der Bourgeoisie mit Revolution zu drohen, f�rdert sie die Pauperisierung.

25. Dem Kampf zwischen Lohnarbeit und Kapital sind s�mtliche andere Klassen und Schichten unterworfen. Die zwischen der Arbeiter/innenklasse und der Kapitalistenklasse noch weiter bestehenden anderen Klassen und Schichten werden in den entwickelten kapitalistischen L�ndern tendenziell zwischen den beiden Hauptklassen zermalmt, wobei sich der Gro�teil �konomisch der Arbeiter/innenklasse ann�hert oder in ihr aufgeht. Die Scheinselbst�ndigkeit des st�dtischen und l�ndlichen Kleinb�rgertums verdeckt nur die zunehmende Proletarisierung und Unterwerfung unter die gr��ten Konzerne. Auch die Angeh�rigen sogenannter �freier�, meist akademischer Berufe sind in den hochentwickelten kapitalistischen L�ndern fast vollst�ndig vom Gro�kapital und Monopolkapital abh�ngig.

26. Wenn auch der Kapitalismus in allen L�ndern der Welt das bestimmende Wirtschaftssystem ist, so gibt es doch bestimmte Teile der Welt, wo die Bev�lkerung nicht in die kapitalistische Wirtschaft eingebunden ist. Die Automatisierung und Computerisierung vieler Arbeitsschritte und der Neokolonialismus haben zu einer regional bedeutenden Ausgrenzung von Teilen der Bev�lkerung vom kapitalistischen Weltmarkt gef�hrt. Diese kaufen und verkaufen �berwiegend regionale Produkte, die nicht kapitalistisch produziert werden.
Nur in wenigen Regionen spielt der Kapitalexport zur Schaffung arbeitsintensiver (Billiglohn-) Produktionsst�tten eine �hnlich wichtige Rolle wie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, weil das Hauptinteresse der Imperialisten heute oft nur bei den Naturreicht�mern abh�ngiger L�nder liegt.

27. Mit dem Neokolonialismus und dem Ende genau abgezirkelter Kolonialgebiete ist eine Neuverteilung der Welt auch ohne direkte Kriege zwischen den Imperialisten m�glich. (Seit den 1960er Jahren finden immer wieder Milit�rputsche und Stellvertreterkriege statt, bei denen bestimmte imperialistische M�chte dahinter stehen, ohne dass es zu einem Krieg zwischen imperialistischen Staaten gekommen w�re. Ohne zwischenimperialistische Kriege wurde z.B. in Westasien der britische Imperialismus vom USA-Imperialismus abgel�st, ebenso wurden die nichtrussischen Teile der Ex-Sowjetunion neu verteilt.) Das h�ngt auch mit der �berm�chtigen milit�rischen Stellung der USA im imperialistischen Lager nach 1945 und dem politischen Ende der Sowjetunion nach 1990 zusammen. So wurde die imperialistische Tendenz zu periodischen Weltkriegen nicht aufgehoben, aber zeitweilig verlangsamt.

28. Als Reaktion auf Volksaufst�nde in den neokolonial abh�ngigen L�ndern haben die gr��ten imperialistischen M�chte zus�tzlich zu UNO, OECD und �hnlichen Institutionen Ende des 20. Jahr�hunderts gemeinsame imperialistische Gremien und Agenturen neu geschaffen bzw. ausgebaut, wo ihr Vorgehen gegen die V�lker der Neokolonien koordiniert wird � insbesondere WTO, IWF und WB. Die Anf�nge dieser gemeinsamen imperialistischen Gremien liegen in der Zeit des Kalten Kriegs, aber es gibt auch sp�tere Vereinigungen wie WTO oder imperialistischen Abkommen wie GATS, die die Rahmenbedingungen der Konkurrenz festlegen. Sie beweisen, dass parallel zur versch�rften Konkurrenz auch die Zusammenarbeit auf bestimmten Gebieten verst�rkt wird, wenn es um zeitweilige gemeinsame Interessen des Kapitals gegen�ber der Arbeiter/innenklasse und den Volkmassen geht.

29. Die verschiedenen vulg�rmarxistischen Theorien �ber einen notwendigen Zusammenbruch des Kapitalismus sind zwar seit den 1950er Jahren in den Hintergrund getreten, leben aber in neuen pseudo�wissenschaftlichen Spielarten weiter. Dabei wird vor allem die historisch nachweisbare Flexibilit�t und Kreativit�t des Kapitalismus geleugnet, um Ausweglosigkeiten zu konstruieren. Demgegen�ber vertreten ernsthafte Marxist/innen, dass die Beseitigung des Kapitalismus vor allem eine politische Frage � in Abh�ngigkeit von wirtschaftlichen Entwicklungen � ist. Wir betonen das aktive, mobilisierende Element, dass die Arbeiter/innenklasse gezwungen sein wird, den Kapitalismus zu st�rzen.

30. F�r eine wirtschaftliche Umw�lzung, d.h. die Beseitigung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, ist eine politische Umw�lzung notwendig. Innerhalb der b�rgerlich-demokratischen Gesellschaftsordnung sind zwar einzelne Verstaatlichungen m�glich, aber diese �ndern nichts an der kapitalistischen Produktionsweise. Erst die Machtergreifung der Arbeiter/innenklasse in Form von Arbeiter/innen-R�ten und unter F�hrung einer proletarisch-revolution�ren Kampfpartei erm�glichen eine planm��ige und tats�chliche Vergesellschaftung des gesamten kapitalistischen Privateigentums und eine sozialistische Wirtschaftsordnung.




IA.RKP
Initiative f�r den Aufbau einer Revolution�r Kommunistischen Partei
(vormals komak-ml)

Wir verbreiten seit 1995 Flugbl�tter, mit denen wir uns vor allem an klassenbewusste Arbeiter/innen wenden, und geben seit 2001 eine Zeitung, jetzt �Proletarische Revolution�, heraus. Unser Ziel ist eine Gesellschaftsordnung ohne Klassen, ohne Unterdr�ckung und Ausbeutung. Dazu muss die Klasse der Arbeiterinnen und Arbeiter eine eigene Kampfpartei aufbauen, die Macht erobern, die Besitzer der Produktionsmittel enteignen und den Klassenkampf fortsetzen, bis alle Reste der b�rgerlichen Ordnung verschwunden sind. Wir stellen uns in die Tradition der internationalen revolution�r-kommunistischen Bewegung, die Mitte der 1960er Jahre in Auseinandersetzung mit den Fehlern der KPdSU und in scharfem Kampf gegen die Wegbereiter des b�rokratischen Staatskapitalismus in der Sowjetunion eine marxistisch-leninistische Generallinie verteidigt hat und zur Gr�ndung neuer kommunistischer Parteien f�hrte. Wir sind revolution�re Kommunist/innen und deshalb nicht in der KP� organisiert.

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