Sven Hannawald Interview


SPIEGEL ONLINE - 23.Januar 2002 spiegel.de

Sven Hannawald

"Vom F�nf-Meter-Turm w�rde ich nicht springen"

Vierschanzentournee-Gewinner Sven Hannawald hat sich in einem Interview zu seinen Zielen bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City ge�u�ert. Au�erdem spricht der "�berflieger" der letzten Wochen �ber Familienplanung und �ngste.

Herr Hannawald, wie haben Sie das Pfeifkonzert bei der Olympia-Generalprobe in Zakopane verkraftet?

Sven Hannawald: Die Situation war oberh�sslich. Das war das Schlimmste, was ich in meiner Karriere aus dieser Richtung erlebt habe.

Sie haben in Zakopane den Weltrekord von sechs Siegen in Folge als Zweiter knapp verpasst. Wie wichtig sind Ihnen solche Bestmarken?

Hannawald: Es w�re schon sch�n gewesen, aber es ist auch kein Beinbruch, dass es nicht geklappt hat. Solche Rekorde ergeben sich einfach, die kann man nicht planen. Ich konzentriere mich bei jedem Wettkampf. Wenn am Ende etwas Historisches rauskommt, ist es toll.

Sie haben als erster Flieger den Grand Slam mit Siegen in allen Springen der Vierschanzentournee geschafft. Was bedeutet das Ihnen?

Hannawald: Ich stehe dazu, dass mir das wichtiger als ein Olympiasieg ist. Was ich da vollbracht habe, ist 50 Jahre nicht gelungen. In der Zeit hat es so viele Weltmeister und Olympiasieger gegeben. Es ist aber nicht so, dass ich jetzt zu Olympia fahre und denke, dass ich eh etwas Besseres gewonnen habe. Ich gehe hochmotiviert an den Start.

Wie sehen Ihre Ziele in Salt Lake City aus?

Hannawald: Ich fahre nicht mit dem Gedanken dahin, Gold gewinnen zu m�ssen. Meine Gegner schlafen nicht und k�nnten bis zu den Spielen noch etwas finden. Nat�rlich w�rde ich gern eine Medaille mitnehmen.

Was m�ssen Sie in der Vorbereitung auf die Spiele noch verbessern?

Hannawald: Ich m�chte meine Form stabilisieren. Ich m�chte erreichen, dass ich einen Sprung wie den anderen hinzimmern kann. Das ist das Ziel der Vorbereitung.

Werden Sie bis Olympia noch etwas am Material ver�ndern - gerade wegen der ungewohnten H�henlage der Schanzen?

Hannawald: Ich habe mein System, und das passt. Ich werde einen baugleichen Ersatzski probieren, und nat�rlich gibt es neue Anz�ge. Was die H�he betrifft: Das sind dort Schanzen wie alle anderen auch, nur dass sie halt auf 2000 Meter �ber dem Meeresspiegel liegen. Die Probleme sind f�r alle gleich.

Haben Sie Angst vor Terroranschl�gen bei Olympia?

Hannawald: Es ist unglaublich viel Geld in Sicherheit gesteckt worden, mehr konnte man nicht tun. Wenn die Terroristen was machen wollen, sind sie dazu auch in der Lage. Das hat der 11. September bewiesen. Ich will Olympia genie�en, schlie�lich gibt es so ein Fest nur alle vier Jahre.

Tr�umen Sie gar nicht vom Olympiasieg?

Hannawald: Ich habe gerade das mit der Tournee alles noch nicht so richtig begriffen. Ob das jemals kommt, wei� ich nicht. Vielleicht erst sp�ter, wenn ich in 30 Jahren vor dem Fernseher sitze und mein Name immer im Zusammenhang mit der Tournee genannt wird. Sicherlich f�hle ich mich momentan sehr wohl in meiner Haut. Ich habe so viel in den Sport investiert, es ist sch�n, jetzt so viel zur�ckzubekommen.

Wie lange wollen Sie noch springen?

Hannawald: So lange wie's geht. Das h�ngt neben dem Erfolg nat�rlich vor allem von der Gesundheit ab. So lange ich wegen des Krafttrainings keine Knie- oder R�ckenprobleme habe, gibt es keinen Grund zum Aufh�ren.

Also sind auch die n�chsten Olympischen Spiele 2006 noch ein Ziel?

Hannawald: 2006 bin ich 31. Das ist ein Alter, in dem man noch locker mitmachen kann. Der Horngacher ist mit 32 zurzeit auch noch dabei. Vielleicht springe ich auch bis 2010. Da bin ich 35 und im zweiten Fr�hling.

Haben Sie schon Pl�ne f�r die Zeit nach der Karriere?

Hannawald: Keine Ahnung. Als Trainer w�re ich wohl nicht der Richtige. Aber dar�ber mache ich mir keine Gedanken, weil ich die Zeit jetzt extrem genie�e.

In der Vergangenheit lief es nicht immer so gut f�r Sie. Wollten Sie eigentlich irgendwann mal mit dem Skispringen aufh�ren?

Hannawald: In der letzten Saison wollte ich hinwerfen. Ich war extrem fertig und habe acht Wochen Erholung gebraucht. Dann hatte ich wieder Bock aufs Skispringen, habe mich mit viel Krafttraining und ein paar Kilo mehr auf den Rippen wieder rangek�mpft.

Wer hat Ihnen in den schweren Zeiten am meisten geholfen?

Hannawald: Das aktuelle Trainerteam und meine Familie. Unter Wolfi Steierts Hand bin ich nach meinem Wechsel von Ost nach West aufgewacht, habe sportliches Denken gelernt. Bei meiner Familie finde ich die Ruhe zum Nachdenken, da wird nicht nur �ber Skispringen geredet.

Wie wichtig sind Ihnen Freunde und Hobbies?

Hannawald: Freunde sind extrem wichtig als Ansprechpartner, obwohl ich jetzt im Winter wenig Zeit f�r sie habe. Der Sport nimmt mich sehr in Anspruch, aber beim Kino, Tennis oder Kuchenbacken finde ich Ablenkung. Zuhause backe ich oft ruckzuck ein paar Muffins. Den K�sekuchen mache ich lieber mit meiner Mutter. Das mit den hausm�nnischen T�tigkeiten ist �brigens kein Gelaber. Ich habe im Gegensatz zu meinen Kollegen niemanden, der meine W�sche w�scht.

Ihre Einnahmen m�ssten aber auch f�r eine Haush�lterin reichen.

Hannawald: Geld beruhigt mich im Hinblick auf meine Zukunft. Ich wei�, dass ich den einen oder anderen Monat meine F��e hochlegen kann. Aber das spielt die dritte oder vierte Rolle - Gesundheit, Familie und Erfolg sind mir viel wichtiger.

Welche Tr�ume wollen Sie nach der Karriere erf�llen?

Hannawald: Ich tr�ume von einem riesengro�en Haus mit viel Umland. Wo ich das hinzimmere, wei� ich noch nicht. Das h�ngt ja auch davon ab, ob meine k�nftige Frau von ihrem Heimatort weg kann. Dann m�chte ich eine Familie mit zwei Kindern.

Ein Fernsehsender sucht eine Freundin f�r Sie. Weibliche Fans wollen ein Kind von Ihnen - wie wichtig ist Ihnen Intimsph�re?

Hannawald: Die Freundin, bei der es "Klick" macht, suche ich mir schon selbst. Wenn es zu intim wird, ziehe ich eine Grenzlinie. Fragen nach meiner Unterw�sche w�rde ich zum Beispiel nicht beantworten.

Nehmen Sie irgendwelche Maskottchen mit zu den Springen?

Hannawald: Davon mache ich mich nicht abh�ngig. Wenn man mal in so einen Aberglauben reinkommt, ist es schwer, wieder rauszukommen. Au�erdem br�uchte ich einen Lkw, wenn ich die ganzen Geschenke zu den Springen mitnehmen w�rde.

Haben Sie Vorbilder?

Hannawald: David Beckham ist schon ein Idol f�r mich. Was Jan Ullrich bei der Tour de France leistet, finde ich auch beeindruckend. Im Skispringen habe ich eigentlich keine Vorbilder. Nat�rlich habe ich als Kleiner verfolgt, was Nyk�nen oder Wei�flog gemacht haben.

Gibt es eigentlich irgendetwas, vor dem Sven Hannawald Angst hat?

Hannawald: Vom F�nf-Meter-Brett w�rde ich nicht freiwillig springen. Da habe ich einen Horror davor.

Interview: Lars Becker, sid
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