Sven Hannawald Article
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Berliner Zeitung 04.02.1998 Willi Adam Vom magers�chtigen Loser zum MedienstarSeit der Vierschanzentournee nimmt die Karriere von Sven Hannawald eine abenteuerliche WendeZur Halbzeit der Vierschanzen-Tournee suchten Sven Hannawald und Freund Dieter Thoma an einem langweiligen Abend im Hotel ein wenig Zerstreuung. Sie steckten also ihre Nasen in ein Exemplar der Bildzeitung und entdeckten unter dicken Lettern einen rei�erischen Schulbubenreport �ber den 16j�hrigen Michael Wagner, der nach seinem vierten Platz in Oberstdorf gleich als die gro�e deutsche Springer-Hoffnung gefeiert wurde. Und wo war Hannawald? "Irgendwo ganz unten versteckt" hatte der Sportsoldat aus Hinterzarten seinen Namen lesen k�nnen. Immerhin war er nur einen Platz hinter Wagner gelandet sein bis dahin bestes WeltcupErgebnis. "Ich stand noch nicht im Rampenlicht, f�r mich hat sich halt keiner interessiert", sagt der geb�rtige Sachse in akzentfreiem Gebirgsbadisch �ber die Zeit, die nur ein paar Wochen und doch schon eine Ewigkeit zur�ckliegt. Und ganz in der verschmitzten Art der Menschen seiner Wahlheimat im Hochschwarzwald f�gt er hinzu: "Vielleicht war es auch gut so, sonst h�tte ich nicht die Lockerheit gehabt f�r das, was sp�ter kam." Erfolgsserie in nur einem Monat Als da w�ren: zweiter Platz in Innsbruck, Sieg in Bischofshofen, Rang zwei bei der Tournee, Dritter beim Weltcup in Zakopane und zuletzt Silber bei der Skiflug-WM in Oberstdorf mit einem Sieg im ersten Wertungsspringen. Innerhalb eines Monats mauserte er sich vom Loser zum aussichtsreichen Medaillenkandidaten f�r Nagano. "Absoluter Wahnsinn" hatte Hannawald noch in Innsbruck seine ersten Spr�nge unter die drei Besten kommentiert, Bischofshofen empfand er dann wie die "Kr�nung" und f�r den Erfolg bei der Skiflug-WM fehlten ihm die Vergleiche: "Einfach unglaublich." So wie Sven Hannawald �ber seine pl�tzlichen eigenen Erfolge staunt, zeigt sich auch Bundestrainer Reinhard He� �ber die Leistungsexplosion seines einstigen Problemfalls stark verbl�fft. "Mit Hannawalds sportlichem Durchbruch habe ich gerechnet, aber nicht mit solchen Spitzenpl�tzen." Es sah auch lange Zeit gar nicht so aus, als w�rde aus dem Schlacks irgendwann ein richtig Gro�er seines Metiers werden. Im erzgebirgischen Nest Erlabrunn, von wo auch der einstige Vorzeige-Springer Deutschlands Jens Wei�flog kommt, hatten sie ihn noch zu DDR-Zeiten auf die Ski gestellt. Blitzsaubere Sprungtechnik Aber viel mehr als eine blitzsaubere Sprungtechnik konnte Hannawald nicht vorweisen, als er nach der Wende mit seinen Eltern zun�chst ins Allg�u ging, dann im Schwarzw�lder Ski-Internat in Furtwangen eine Lehre absolvierte und sich schlie�lich als Angeh�riger der Bundeswehr-Sportf�rdergruppe Fahl im benachbarten Hinterzarten niederlie�. Sven Hannawald galt als Sensibelchen, als einer, der ohnehin regelm��ig in der Qualifikation scheitert oder gleich verletzt zu Hause bleibt. So einem h�lt man keine Mikrofone vor die Nase, so einem widmet man keine Schlagzeilen. So einer gewinnt nicht. Aber der alte Sven Hannawald ist tot, es lebe der neue. Die Geburt des Skisprung-Sternchens vollzog sich am Dreik�nigstag, als Hannawald im Schnee der Bischofshofener Schanze die Arme den heranst�rzenden Kollegen Dieter Thoma und Hansj�rg J�kle entgegenstreckte. Solche Bilder lassen sich verkaufen, und mit einem Star, der vermeintlich aus dem Nichts kam, schm�kken sich die Fernsehanstalten besonders gern. So tourte Hannawald brav durch die Sender. Das "Aktuelle Sportstudio" zeigte "Hanni" beim W�schewaschen und "Hanni" mit Pokalen im Single-Appartement. Und als Gag kramte der Moderator auch noch die Puschen hervor, in die Hannawald schl�pft, wenn er bei Familie Thoma zu Gast ist. Das ist er oft und als Hannawald auf der Vierschanzentournee von Erfolg zu Erfolg h�pfte, ging noch ein Bild �ber den �ther: Hannawald in herzlicher Umarmung mit Thomas Gattin. Ein Sportler als Statist und seine privaten Gegenst�nde als Requisiten f�r die Johannes B. Kerner-Show. Gerd Rubenbauer gefiel sich bei "Blickpunkt Sport" in Bayern ganz in der jovialen Rolle. Als v�terlicher Freund empfahl er Sven den M�llern des Freistaats als idealen Schwiegersohn. "Ich bin arg aufgeregt" Er ist ja auch wirklich sympathisch, wie er da sitzt, immer nett l�chelt und so selbstverst�ndlich wie der Junge von nebenan einen Dialekt spricht, den er wie eine Fremdsprache gelernt hat. Aber ganz so locker, wie es scheint, ist Hannawald in solchen Augenblicken nicht. "Ich bin arg aufgeregt", erz�hlt er, "und am Anfang habe ich immer Schwierigkeiten." Aber ziemlich schnell hat er einen Trick gegen Studiostre� und Lampenfieber herausgefunden: "Ich stelle mir vor, da� der Moderator mein Kumpel ist." Unter diesen Voraussetzungen kann er auch die immer gleichen Fragen nach seiner einstigen Magersucht ertragen. Wie viele Skiflieger hatte auch Hannawald gehungert. Experten werten die zahllosen gelben Flecken um eine Skischanze herum als Folge harntreibender Mittel. Bei Hannawald wurde die Mastkur zur Krankheit. "Fr�her h�tten mich Fragen dazu genervt", gibt Hannawald zu, "aber mittlerweile habe ich gelernt, offen mit Problemen umzugehen." Da� er das kann, schreibt er seinen Trainern Reinhard He� und Wolfgang Steiert zu. Vor allem aber dem guten Verh�ltnis zu Dieter Thoma. "Wir haben eine wirklich enge Freundschaft, und er hat mir sehr viel geholfen", sagt Hannawald �ber Thoma. Als die beiden sich kennenlernten, steckte der Star Thoma in einer Krise. "Im Internat in Furtwangen haben mir alle gesagt, den Thoma kannst du vergessen, der denkt nur ans Geld", erinnert sich Hannawald. Keine Angst vor Mi�erfolgen In einem Punkt, das hat er sich vorgenommen, will er ganz anders reagieren als der �ltere Thoma: "Dieter tr�gt den Mi�erfolg lange mit sich herum, aber ich bin nicht so dickk�pfig wie die Schwarzw�lder und kann deshalb auch R�ckschl�ge besser verarbeiten." Da� die kommen werden, hat Hannawald schon einkalkuliert. Da� dann dem netten "Hanni" auch kritische Fragen gestellt werden und die Erfolge nur noch Schnee von gestern sind, ist f�r ihn genauso klar. Auch f�r solche F�lle hat sich Sven Hannawald schon einen psychologischen Trick ausgedacht. "Ich sage mir, was ich erreicht habe, kann mir keiner nehmen. Deshalb kann ich ohne Druck springen." |
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