Was ist an "Gargoyles" so besonderes?
Nun, im Vergleich zu den anderen Disneyproduktionen,
die sich an flachen oder urkomischen Gags und seltsammen Gesängen aufbauen,
zeichnet sich "Gargoyles" besonders durch Abwechslungsreichtum in einer kontinuierlich
weitererzählten seriösen Geschichte aus.
Der Serie gelingt eine gute Mischung zwischen Science-Fiction-Fantasy und anspruchsvoller Unterhaltung. Den einfach gestrickten Bösewicht, der nur nach Geld und Macht strebt, gibt es ebensowenig wie den astreinen Helden mit weißer Weste.
Natürlich merkt man das "Gargoyles" in der Endfassung, wie wohl alle anderen Zeichentrickserien auch, für ein jüngeres Publikum konzipiert wurde.
Daher findet sich in fast jeder Folge auch der obligatorische Faustkampf oder eine Schießerei zwischen Gut und Böse.
Nichtsdestotrotz stecken dahinter eine gute Handlung mit tiefschürfenden Themen.
Die Figuren sind mit sehr viel Liebe sehr gut ausgearbeitet und beim Sehen der Episoden mag man vergessen, dass es sich um einen Trickfilm handelt, was natürlich auch mit der genialen Synchronisation zusammenhängt.
Aber das Auge kommt auch nicht zu Kurz, im Gegenteil:
Da die Serie hauptsächlich in der Nacht spielt, wird ausgiebig mit Licht und Schatten experimentiert, ebenso wie mit den sieben Gliedern der Gargoyles. "Einschlafen" beziehungsweise dramatisches "Aufwachen" der Gargoyles bei Sonnenauf- und untergang wird beeindruckend dargestellt. Und ganz besonders die Hintergrundbilder sind manchmal schon wahre Kunstwerke für sich.
Doch wie jede Serie hat "Gargoyles" nicht nur hochtrabende Effekte.
Hervorragender Zeichentrick in Spielfilmqualität (streckenweise 24 Bilder pro Sekunde!) wechselt sich ab mit durchschnittlichem Gezeichne. Zurückzuführen ist dies wohl darauf, dass während der 52 Folgen umfassenden zweiten Staffel verschiedene Animationsateliers mit der Realisierung beauftragt wurden, von denen manche Spitze waren, andere hingegen gerade mal minimalen Disney-Ansprüchen gerecht werden konnten.
Wir lernen Nebenfiguren kennen, die unter dem Strich wichtige Figuren im verstrickten Handlungsnetz sind.
Die Qualität der einzelnen Episoden überzeugt besonders bis hin zu dem Dreiteiler "Avalon". Die Folgen danach waren sehr verschieden zwischen grottenschlecht bis herrausragend. Spannung kam erst wieder als die Odysee zu Ende war und die Serie endete mit einen Kracher: "Die Rache der Erben" eine derartige Geschichte erlebt man unter Umständen nicht einmal im Kino.
Den absoluten Tiefpunkt erreichte Gargoyles dann in der dritten Staffel.
Produziert in America vom TV-sender ABC.
Im Quotentief ist die Serie dann eingegangen und wir alle warten nur auf den Kinofilm, der angekündigt worden ist, doch die Hoffnung schwindet, denn es ist nun 5 Jahre her, seit das letzte Mal etwas "neues" von den "Gargoyles" kam.
Die "Gargoyles" in Deutschland
1995 begann RTL damit, "Gargoyles" unter dem Titel "Gargoyles - Auf den Schwingen der Gerechtigkeit" auszustrahlen.
Die Serie lief immer am Samstag und am Sonntag.
Naja, Hudson und Broadway haben ja auch Lesen gelernt, vielleicht schaffen es ja die TV-Sender in Deutschland auch eines Tages.
So kam es, dass die Folgen im Programm hin- und hergeschoben und in katastrophal falscher Reihenfolge gezeigt wurden oder manchmal ganz ausfielen. Obwohl RTL die Serie zweimal zeigte, kam man nie über Folge 52 ("Der Wachtposten") hinaus.
Leider wurden bei der Synchronisation Eigennamen eingedeutscht oder gegebenfalls übersetzt.
(Fuchs anstatt Fox, Nimroth statt Hunter, Steinhauer anstatt Quarrymen, Elisa Maza wird deutsch betont, auch die Mitglieder des Packteams wurden deutsch ausgesprochen. Die Mutanten bekammen völlig neue namen, die durch die Deutsche Sycro auch noch zu allem überfluss untereinander zwischen Kralle und Pranke getauscht wurden. Bei den Gargoyle-Klonen wurde Lexingtons Clone "Brentwood" in Pasadina umbenannt)
Desweiteren wurde für die Folgen der dritten Staffel der Vorspann der zweiten Staffel beibehalten, anstatt den von "The Goliath Chronicles" zu verwenden.
Doch das Schlimmste von allem: "Gargoyles" wurde in Deutschland als eindeutige "Kinderserie" verkauft und zu entsprechenden Zeitpunkten gesendet. Leider ist den TV-Machern bis heute nicht aufgefallen, dass die Mehrzahl der Fans über 16 Jahre ist und Kinder sich "Gargoyles" zwangsweise nur angesehen haben, weil danach "Power Rangers" und davor "Bimo im Bommelland" (oder etwas dergleichen) lief.