Last not least:

WIR SIND VIELE!









Nach den (konservativsten) Schätzungen werden 70 Prozent aller berufstätigen Frauen mindestens einmal in ihrem Berufsleben am Arbeitsplatz mit sexueller Gewalt konfrontiert; 20-30 Prozent aller Frauen werden mindestens einmal in ihrem Leben mit sexueller Gewalt im allgemeinen konfrontiert.
Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums, für die mehr als 10000 Frauen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren über ihre Lebenssituation befragt wurden, erlebten etwa 13 Prozent der Befragten - und erlebte damit fast jede siebte Frau - sexuelle Gewalt in Form von Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung oder sexueller Nötigung.

Fazit: Was immer man(n) über uns zu sagen beliebt: Wenige sind wir nicht!
Würden wir unsere Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten, unsere kleinlichen Wortklaubereien über "Etiketten-Fragen", wie: ob wir uns als Feministinnen, Frauenrechtlerinnen o.ä. definieren oder nicht, vorübergehend vergessen, unsere Interessen bündeln und gemeinsam handeln, könnten wir unsere Rechtslage und unsere berufliche und soziale Situation verändern. Gib' nicht auf! - geben Sie nicht auf!


Übrigens finde ich es nachgerade erschreckend, dass allein schon die Äußerung der Bezeichnung Feministin oder Feminismus in Deutschland die heftigsten, mindestens verbalen Aggressionen auslöst und mindestens zu der Aussage führt, diese Begriffe seien aber "sehr negativ besetzt" (oder ähnlichen Aussagen). Bei Nachfrage zeigt sich meistens, daß die Leute, die so etwas sagen,
1. über Feminismus meistens überhaupt nichts wissen,
und daher
2. mit diesem Begriff alles Mögliche verbinden, was sie selbst als negativ an Frauen empfinden, oder was sie an einzelnen Frauen als negativ erlebt haben, ohne daß dieses tatsächlich auch nur das Geringste mit Feminismus zu tun hat,
3. allen Feministinnen fälschlich unterstellen, es gehe ihnen nicht um die Verwirklichung ihres Selbstbestimmungsrechts, sondern um die Herrschaft über die Männer bzw. um die Unterwerfung der Männer (- ist dies nicht vielleicht mindestens ein wenig realitätsfremd ist, Jungs???), und
4. glauben, Frauen hätten doch längst "alles" erreicht und versuchten nun (s. 3.), die Herrschaftsverhältnisse umzukehren. - Zu letzterem: Die 13 Prozent Frauen, die laut der obengenannten Studie des Bundesfamilienministeriums, Opfer von Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung oder sexueller Nötigung wurden, reichen schon, um zu zeigen, daß bei weitem nicht(!!) alles erreicht ist.
Und wem das trotzdem nicht reicht, der/die sei an den internationalen Frauenhandel, der auch die deutschen Bordelle mit Prostituierten "beliefert", an die höhere Arbeitslosigkeit unter insbesondere jungen Frauen im Vergleich zu ihrer männlichen Vergleichsgruppe, an den nach wie vor bestehenden Mangel an Frauen in Führungspositionen, an die Diffamierung berufstätiger Mütter in Dtld. (Stichwort: "Rabenmutter") und den Mangel an qualifizierter und für alle zugänglicher Kinderbetreuung und an die verfassungsmäßig (aufgrund der Religionsfreiheit) legitimierte Benachteiligung von und Gewalt an Frauen und Mädchen durch Amtsträger und Anhänger fundamentalistischer Religionsgemeinschaften und LehrerInnen an Schulen solcher Religionsgemeinschaften erinnert. Alle diese Phänomene sind leider in der letzten Dekade - gerade wegen des Abzugs öffentlicher Mittel, z.B. zur Kinderbetreuung oder zur Bekämpfung bestehender sozialer Probleme - eher stärker ausgeprägt als früher und verdienen daher unsere Aufmerksamkeit.
Noch immer gibt es eine strukturelle Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, hinsichtlich ihrer Ausbildungs- und Förderungschancen und ihrer späteren beruflichen Entwicklung und in vielen privatwirtschaftlichen Bereichen der Privatwirtschaft auch hinsichtlich ihrer Löhne und Gehälter. Wer als Mann diese strukturelle Benachteiligung von Frauen leugnet, ist entweder egoistisch und eventueller Mit-Verursacher eben dieser Benachteiligung oder unsensibel oder beides. Wer als Frau dieselbse strukturelle Benachteiligung leugnet, wie es manche Frauen leider tun, ist entweder unehrlich, ggf. auch zu sich selbst, oder anspruchslos (anspruchslos, "bescheiden" zu sein, wurde Frauen schliesslich jahrhundertelang beigebracht, z.B. "Sei wie das Veilchen im Mose..." und ähnlicher Blödsinn). Frauen, die am Arbeitsplatz (oder woanders) Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden, sind in keiner Weise selbst schuld und auch nicht dümmer als die anderen. Die Frauen, denen nichts Derartiges passiert ist, sollte sich besser ihres Glückes freuen, ohne sich überlegen zu fühlen (denn sie hatten einfach nur Glück!) - und sich so gut wie möglich dagegen schützen, selbst Opfer sexueller Gewalt zu werden, z.B. durch Selbstverteidigungskurse. Leider kann "es" nämlich jeder Frau passieren.
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