Dahlem da waren die Dahlien verblüht hinter Dämmen aus Schweigen da blühte in Giftgas-Retorten in Villen verborgen der Wahnsinn hing hilflos der Christus am Kreuze vergeblich sein Held, sein Pfarrer, der wählte die Deutsch-Nationalen und später die Nazis die fingen den Pfarrer und sperrten ihn ein in den Lagern, da dachte der Pfarrer zuweilen an Dahlem da waren die Dahlien schon lange verblüht hinter Dämmen aus Schweigen und Christus stieg heimlich vom Kreuze ging heim über knirschenden Kies mit knirschenden Zähnen zu Clara die Immer-wahr geblieben doch lange begraben war Dahlem da wurde die Clara dem Giftgas geopfert der widerspenstige Pfarrer zum Helden verklärt da kriegte der Krieger der Mörder der Giftmischer einen Nobelpreis gleich neunzehnhundertundachtzehn da wurde sein Name unsterblich da kriegte der Krieger sein Institut da pumpten die lärmenden Pumpen mein Blut durch schmerzende Schläfen in schlaflosen Nächten da lauerten lautlose Hände des großen Direktors da grinste die rotangelaufene Fratze und legte die Hände die großen gewichtigen Hände auf mich Dahlem da trieb ich in endlosen Stunden durch kahle Alleen da trieb ich mit Kirschblütenblättern auf Kies im botanischen Garten da wurde mir Schweigen verordnet da wurde ich land-los da trieb ich durch Niemandsland stieg ich wie Pollen so leicht in die Luft stieg höher und höher in eisige Lüfte des eisigen Schweigens verordnet von eisigen Richtern am eisigen Landgericht lernte zu sehen und sah sie von weitem wie Geier am Grab meiner Zukunft die Hände sich reiben die großen gewichtigen Hände doch am Ende entkam ich Dahlem da waren die Dahlien schon lange verblüht hinter Dämmen aus Schweigen
een baard een baan een maatkostuum een huis een open haard een hond een bril een schoonmaakster sekretaresse en kantoor een limousine en een cabriolet kinderen en een vrouw hij heeft succes
mensen ge-kleineerd gereduceerd tot hun marktwaarde hun sekse hun huidskleur hun afkomst tot goederen tot lichamen tot vrouwen tot slachtoffers tot gevallen tot getallen tot ... niets
Oben im Schlafzimmer hinter Vorhängen das Milch-auge der Sonne schält sich weiß-wund und lustlos aus dem Nebel-film der verdampfenden Nacht letzte Gespenster mit den Socken gesammelt und eingeräumt geschlossene Schubladen Unten das Unbestimmte halbgeöffnete Bücher unterbrochene Notizen Gedanken-sprünge hingekritzelte Verse das Entschlossene einer kreischenden Säge im Fernen und dazwischen mein halbherziger wieder verschobener jedenfalls ausstehender noch zu wagender Auf-bruch
Copyright � Hannah Zorn, 2004
Alle Rechte der Veröffentlichung und Verbreitung, auch der auszugsweisen, vorbehalten.
Mein Land ist nicht mein Land
schon lange nicht mehr mein Land
wenn ich hindurchfahre, fühle ich mich
abgestoßen aus-gestoßen
seit mehr als zehn Jahren
erwarte ich nichts mehr von Ländern
mehr noch von
verirrtem Papier und flatterndem Plastik
häßlichen Resten
an einer Autobahnabfahrt
mehr von
Konserven-musik
aus dem Autoradio
mehr von den
Bändern und Schleifen aus Purpur
an grauen Winter-wolken-paketen
flüchtig rechts oben vorbei an
der Windschutzscheibe befördert
bei Tempo einhundertzwanzig,
dem Spiel der
gespreizten Hände der schwarzen
hochaufgeschossenen Bäume
vor hellem W-Himmel
(W wie in Winter)
mit dem von Hand zu Hand
wandernden kupfernen Sonnen-ball
Volleyball ohne Netz
über den seltenen mensch-losen
Landschaften wo nach den letzten
ausgestorbenen Vögeln
nur noch die Stille singt
...en wij dan
gevangen in
ons broze bestaan
dezelfde ellende / hetzelfde
beperkte inzicht
ons kortstondig geluk
in een ommezien weggevaagd
in éen golf
ondergedompeld
desondanks geen schaduw
van medelijden
niet eens vrijheid
gunnen wij elkaar
laat staan kansen
laat me in vrijheid
mijn keuzes maken
bepaal je eigen weg
niet de mijne
spreid je vleugels
...en vlieg
Op zoek naar mogelijke vertalingen van het woord Furunkel in mijn woordenboek Nederlands (eentalig, met verklaringen) botste ik toevallig op het woord vuurpeloton en bleef eraan hangen als doelde het op mij als vroeg het fluisterend `wat had jij gedaan, daar: aan de overkant?' ik bleef even stil staan en kijken als was het een monument op de Waalsdorper vlakte of ergens in het land Voor Hen die vielen in het verzet en Hen in kampen laf vermoord
nicht mann oder frau
sondern du
schwimmendes eiland
unterwegs
umspielt und
umspielend
umströmt und
umströmend
legst an und
läßt treiben
wie ich
in unseren grünen
inselaugen wächst schilf
waar ik behoor (of juist niet?) waar discriminatie op welke gronden dan ook door de grondwet verboden is waar de kloof tussen vernedering en vertedering breed is en erin verdraagzaamheid soms onverschilligheid toch meestal respect worden beoefend waar vrijheid niet goedkoop was eertijds bekocht met een kwart miljoen levens
Neben Blumenzwiebeln die geplatzten Schädel
selten freigelegte Scherben pinselrein
kleine Zwiebel saug und trink dich satt
in deiner Knochen-Vase
keiner erstanden
außer Narzissen
einmal mehr Granaten statt
Granatäpfel
hier eine hübsche Bombe dort eine
keine die nicht zurückkehrt
(die Frage ist wann - nicht ob)
und nicht einer der aufersteht
(how dare you...)
Jesus begraben unterm Schutt
im nahen Osten irgendwo
in Israel in Palästina
(wie frau es nimmt -
oder mann)
kein Kreuzritter kein rotblonder
Hollywood-Star
kein Herr der Heerscharen
ein kleiner dunkler Mann
ein Jude - was ungern gesagt wird
immer schon ungern gesagt
besonders in dieser Sprache
aus unterschiedlichen Gründen -
oder nicht? -
oder nicht??????
wer warst du Jesus bist du uns
verschüttet selbst dein Name
Yashua - Gott wird retten -
vielleicht
(ganz üblich dieser Name)
begraben unterm Schutt von zwei Jahrtausenden
kirchlicher Hierarchie
männlicher Dominanz
Unfreiheit hat Tradition
immer noch immer
wieder immer
woanders
wer warst du Jesus Mensch vor allem
ein Rabbi unter vielen einer
der ganz von unten kam
Sohn eines Zimmermanns
einer auf Quer-Wegen
ihm nicht erlaubt
nicht vorgezeichnet
Auf- und Aussteiger
einer vielleicht der weitersah
vielleicht weiter gereist war
vielleicht weiter hinauszog
vielleicht tiefer hinabstieg
(WISSEN werden wir das nie mehr)
sicher
einer der störte der
beseitigt werden sollte
zur Abschreckung gekreuzigt
und dann? vielleicht
ein Überlebender
(es ist nicht wenig DAS zu überleben!)
Freund unter FreundInnen die eine Großmacht
erfolgreich überlisteten
(ein kleiner Betrug ich hätte auch betrogen;
sie hatten keine Wahl)
gewisse Kenntnisse von Kräutern
(nicht selten bei Essenern - aus den Veden?)
also wahrhaftig auferstanden
das Grab tatsächlich leer
Simon erschienen und
Myriam von Magdala
und heimgekehrt geflohen
zu seinem "Vater"
(ein Lehrer im Himalaya?)
ganz diesseitig:
"Was ihr wollt,
daß euch die Leute tun sollen,
das tut ihnen auch."*
manche seiner Worte
haben überlebt
ungeachtet ihres Mißbrauchs
sie überleben
immer noch
auch heute
Stein-blut aus karg-land rotbraunes wagnis ins weglose sonnenversengtes hemd grobgesponnen dickblättriges trockene kruste von rinden sonst brache am durstigen leib von erde bist du bin ich ich selbst den üblichen wegen dem herdengetrampel entronnen
das war's:
der ausflug in mein mausoleum
für diesmal wieder eingesargt:
die weihnachtsfeste meiner kindheit kondensiert
im stummen engel, der doch laut zu singen schien,
in zarten vögeln, die ich fliegen ließ
und die doch niemals flogen, und in roten schleifen
die meine mutter flocht, geerbten einfallslosen silberkugeln:
begraben alles wieder unter packpapier
im unansehnlichen karton auf meinem speicher
am weg schon gerippe
entnadelter bäume
drei kreuze: am ende
am anfang und mitten-
drin auch eins
aber
auch der nebel hat flügel am morgen,
selbst mein rad summt
meinen rhythmus, nur meinen,
überlebende atmen
den wind in den leeren
ast-händen
und im nest meines kopfes wächst unbemerkt
mein ungeborenes ich
es ist noch immer advent
morgens auf kürzestem
wege zur arbeit kostüm
und aktentasche und endlich ganz zweck-
erfüllt fast links-liegen-gelassen
die flammenden blätter vereinzelter
bäume und doch diese blicke aus glas
kiemenatmer der busse, der u-bahn
streifen einander meerjungfrau mit
der sportkarre backiges pauskind imitation
sovieler leben gesammelter neid aus
verblichenem wollmantel
frage-zeichen
wie glaswände
einwände
eines aquariums
einfach vorbeischwimmen
entlang an den scheiben ver-
schwimmenden bildern entkommen
reibungslos beinahe
weiter wie immer
weiter wie damals
als auch ich
schäbige mäntel trug
wie die graue graue
person mit verschlissenem neid
in den wunschlosen augen
die ich beinahe auch
geworden wäre
Vater und Mutter
vor zwanzig Jahren
mit über sechzig, über siebzig noch
fast jung - für mich Beweis genug, daß sie auch ohne mich
(ich bin dort nur zu Gast, in den Semesterferien)
auskommen und selbst glücklich sind
(oder was sie dafür halten, aber
wer weiß schon ?)
im eigenen Garten vor Mutters
Steintrog mit roten sehr roten
Geranien der Rasen drum herum zu kurz
und grün, so schrecklich grün
und hier und da schon weiß und bräunlich angesengt
mein Vater silberhaarig sommerbraun
(zu braun für seine helle Haut)
Mutters Gesicht noch frisch, ihr Haar noch kaum ergraut
sie lächeln geheimnislos werbend
(ein deutsches Eltern-Märchen)
in meine Kamera
(die eigentlich ihre war -
mir überlassen)
ein wenig unscharf - Absicht ?
im Hintergrund der Zaun, gekonnt verhüllt
von Flieder und von Immergrünem
Umarmung mit
im Rücken steif gekreuzten Schwertern
pardon, ich meinte: Armen
(wie komm ich nur auf Schwerter ?)
bei größtmöglichem Abstand
Mutter scheint abgerückt,
ein wenig vorgebeugt,
zu mir etwa? Vaters
leidender Raubkatzenblick
vom Lächeln versommert
ansonsten eher
Liebe im Konditional
damals falls ich
zurückkehrte
statt zu studieren
lebte wie sie
diese beiden
und darum der Garten und darum die Pracht und die Arme
im Rücken das Demonstrative
auf jedem Foto
(hier eben meinem)
zu deutschem Soap
geraten oder zum
Beweismittel
Beweis wofür?
inzwischen auch
wozu ? mein Vater
ist nicht mehr, und Mutter
alt, sehr alt
(ob sie sich noch erinnert?)
die Zeit für Liebe
mit oder ohne
Konditional ist
endlich
Herde in Wolle
aufgepflockt un-
gesponnen
wildmähnig
kopfweise rot getupft
Rosenblattrot als die
letzte verglühende
Gabe verbläuender Sonne
an ihre in Rußblau und Kaltgrau
versinkenden Woll-Flocken-Leiber
lammige dicht an dicht kauernde Wolken
die Köpfe wie Spindeln nach Westen gereckt
erstarrte Bewegung Moment-
aufnahme
ich sehe ausnahmsweise hin bevor
alles erlischt
Du noch immer
wie du da sitzt
und dein Netz webst
mitten im Garten mitten
in seinem feinen Netz aus Nebel
zwischen Tiraya-Ranken und Knorrigem
Stachelbeerzweigen und alternden Fichten
dazwischen ausgespannt die Fäden deines Haares
ein Fächer, der mein Paradies bewohnt - ganz selbstverständlich
du wie du plötzlich jubeln kannst trotz allem
im Feuer der Petunien scharlach und rot-violett
soohneÜbergangloderst
in den Flammen der Heide
so überglüht
deine kaum sichtbaren Fäden ausgesandt mit dem Wind
ins bedächtige freundliche Altrosa deiner Hortensien getragen
verbläuend hier und da bräunlich am Rand darüber
weitergeplaudert lässig und tröstlich
auf der Spur der verbleichenden gelben
Sonnblumenfrauen
die sich immer noch stolz und
aufrecht halten trotz der gesenkten Köpfe
einzige
Konzession an Reife, Frucht und Alter
wie du in allen Lebensaltern heimisch bist
und ihre Spuren trägst ganz unverzagt
und deine Iris zwischen Fichten Farn und Turmalin
mit ihrer Sonne füllst und spielen läßt
im Kupfer deines Netzes ihre Strahlen fängst
und in dir ruhst zugleich
Blume und Saatkorn, Baum und Frucht
empfängst mich mit kühlen
windarmen tanggeruch
leckst neckisch träge
an meinen nackten füßen
trägst leicht so leicht mich
wiegst mich an deinem lauen dunklen leib
grünblau geschunden algenübersäht und ölverschmiert
dünnsäure-trächtig
du aber wiegst mich wie vor jahrmillionen
wirbelst mich spielend tanzend lachend auf und nieder
und kleidest mich in deinen schaum
unwissendlich in abschaum
du die geschundene
als könntest du wiedergeboren werden
als mutter
als könntest du mich wiedergebären
als kind
ohne erinnerung
und doch kehr ich noch immer zurück
in deine umarmung und lasse mich liebkosen
ignoriere das gift und die algen
daß wir vereint sind
wir die geschundenen
ist meine kraft
wie alles endet und
aus blütenkelchen
vertropft und schweigt
und unbemerkt das rad darüber wälzt
und jeden grashalm beugt
in allen knochen mahlt
in allen sonnen sengt
aus jedem ozean verdampft
sich aus der dünnen, dünnsten atmosphäre löst
und sich im all verliert
in allen adern bremst
arterien unmerklich an den wänden
verdickt verkrustet und allmählich schließt
bis jedes wesen wieder wesenlos
und namenlos und kaltes fleisch und wachs
und kohlenwasserstoff und mineralien wird
im flieder wurzelt und durch schmale äste
von wasseradern in ein grünes blatt
und höher höher in die blütendolden
und aller worte bar in kronen steigt in saphirblau, in nebelweiß
und wieder niedersinkt unwissend unerkannt
sich seiner nicht bewußt um seine worte irrt
und wort-los keines mehr erkennt,
und jedes wort, das sich ihm tastend nähert,
vor seiner toten starre hilflos weicht
und seine zuflucht schüchtern sucht bei lebenden
in einem winzigen
bedrohten
brombeer-roten
paradies
das mensch-sein heißt und sommertag
wer warst du vater?
auch du ein kind
geschlagen
zweitältestes von sieben
(der pfarrer nennt verhütung eine "unterlassungssünde",
die armen ohne bildung gehn ihm auf den leim)
mit sechs ein wunderkind
mit acht ein musterschüler
mit zehn ein knecht bei bauern
mit vierzehn schlosserlehrling
von lehrherren mishandelt
mit sechzehn arbeitslos
mit siebzehn landarbeiter
mit großen plänen
die alle sterben, als dein vater stirbt,
du die familie unterhältst,
die dir nicht dankt
danach im krieg
traumloser überlebender
(alle deine brüder sind tot)
Wer bist du Vater
ein Hafen bei Dämmerung
ein Schlaflied großer Hände
ein Eiland tiefer Töne
ein Wirbel in der Luft,
in die du mich wirfst
und wieder auffängst
ein Zauberer fremder Welten
tischgroßer Aufsichten
und Längs- und Teilansichten
quergeschnitten
für mich baust du aus Holz, Papier und Leim
erzählst mit feinen schnellen Bleistiftstrichen
Geschichten, die kein Ende finden,
bevor du wieder gehst, so plötzlich wie du kamst
(meine Mutter freute sich, wenn du kamst -
wenn du gingst, freute sie sich auch -
und manchmal selbst noch mehr)
ein seltener Gast in unserer Welt
der Welt der Frauen
dem Kind das ich war
was tust du vater schroffes
gestein verborgen unter wald- und farn-
und matten-grün die kegelspitze
längst abgesprengt doch siedend schon
wie gischt versprüht gestein wie wasser
und deine hände fallen wie granaten
prasseln wie bomben auf mich nieder alles birst
du lieber berg und meine adern schreien unter meiner haut
und ächzen bersten reißen
versickern heimlich blutend oder brennen
zu asche in den flammen deines zorns
mein ur-vertrauen und dein zauber
berserker schiwas sohn und kettenhund
und alles löst sich um mich auf in nichts
in schweigen
nach einer ewigkeit
jäh nach deinem ausbruch
regel- und zügellos
(was tatest du mir vater
und was tat ich dir?
ich damals, mit drei jahren)
und du stirbst
in jedem jähen Ausbruch sterben
Hafen und Schlaflied, Zauberer und Eiland
schon damals starbst du mir
und ich begrub dich
(farbige Tücher markierten zuhause
dein grab - beerdigungen faszinierten mich,
bevor ich sie verstand)
wer bist du Vater ein Gesicht
aus weißem Fleisch gehauen
du bist nicht mehr
bist nur noch eine Hülle aus Papier
welkenden Häuten
weiß-wächsern regungslos
und leer
dein letzter Blick nach innen
(- was sahst du dort?)
um das un-gereimte
un-menschliche
un-sagbare
tasten worte tränken
sich blutig aus dem wort-meer
nur du noch
sitzt am ende am ufer
wie vorher
wieder am anfang
vor allem
und doch nicht
das hünengrab deiner bimsstein-knochen
sonst kein stein von dir
auf dem andern geblieben
nie erreichst du
ein anderes ufer
endgültig
liegst unbeweglich
zum sehen verurteilt
rettungslos schweigend
das auge der insel
nur außen am rande
von worten umspült
und kreist um dich selbst
wieder trägst du deine blessuren davon lautlos heulend gegen die brandung
ich könnte ein lied
nein kein lied
über angst
diese vernichtungsangst
nicht gesprochen nicht einmal gewagt
an sie zu denken stattdessen zur
tagesordnung
übergegangen
ununterbrochene sitzungen vorträge
gleichmäßig ruhiger fluß (versteht sich
vorwiegend baß und tenor selten alt und wenn
dann resolut kaum sopran gilt als lächerlich weil
"natürlich" als sexy) ohne mich
in zukunft (die ich nicht mehr habe)
draußen hier unten am rhein
gleichgültig träge und breit
wie oben die möwe landeinwärts
getrieben gegen den strom (war sie da?)
weiter draußen schon fern
meine felle verschwommen
wie alles verschwimmt und im kaltblau
im kaltblut ertrinkt und erstickt
wie vergiftete biber (deshalb keinen gesehen?)
der märz oder weggefegt einfach
was bleibt ist sein blödes
dümmliches grinsen (andeutung dessen, daß
ich mit ihm rechnen muß)
in seinem lauernden großen
roten gesicht und mein zorn
(mit dem er rechnen kann -
ebenso sicher - oder nicht)
kahle tage
zugluft und warten
verbrauchter atem von
bahnsteigen
abgenutztes im spiegel
wievieler scheiben
zwischen gleise geworfen
anonym
hart-metallischer schmerz
frühjahrs-licht-müde
augen unscharf
zu worten schlagen fluten
erinnerungen über mir
zusammen
längst nicht mehr
er hat es geschafft seinen stempel zu hinterlassen abdruck seiner hände seiner sohlen seiner zunge abdruck der institutionellen macht darunter ich ganz weiß und ziemlich platt- gewalzt mein leben unter seinem stempel dunkel markiert briefumschlag oder marke abgestempelt
einmal ein tag an dem nicht
schon morgens der vorhang fällt
beim absturz der sonnenpappscheibe
an dem nicht jeder möwenschrei zur klage
verkommt nicht jedes lachen zur grimasse
und als verrat im glas ertränkt wird unter eis
und nicht vergänglichkeit aus jedem hahne tropft
(was sonst? - das ende ist nach unten offen)
an dem nicht jeder kuß schon abschied nimmt
ein tag an dem nicht alles blanke
nach schärfe schmeckt und blut
und langen dünnen hälsen
und alle worte schal wie pappmaché
angetastet
weitergehen
einfach weitergehen
würde(-)los(-)
rennen
weg von mir
ohne mich
und du?
eis wieder geworden eisbeinige stämm ich das fahrrad mein starres metallgerüst stumm froststeif sein körper im sarg meines kopfes blut in mir blut in mir steigt in mir steigt sühneblut sühneblut sühne er sühnt nicht ich sühne was sühn ich den zorn nur den zorn der ihn doch nie erreicht die schneeweißen hände laß ruhen laß ruhen die toten im grab des vergessens verschlossen such wärmere orte auf leisere lichter aus eisblumenfenstern die liebenden augen die wartenden briefe sie decken sie un-wissend un-merklich zu flocken streue flocken streue brenne weihrauch daß aus alten gräbern unterm schnee die rose bricht "uns ist ein ros..." "wir haben seinen stern gesé-e-é-e-é-hen" "...im finstern lande..." in solchen jahres-zeiten singt in mir immer der Distler
I Wieviele Schlachfelder
aus denen seltsame Tentakel wachsen
nach oben ausgereckte oder müde abgeknickte
verrenkt gebrochen abgesprengt zerrissen
Felder die Arme Hände Beine tragen
seltsame Ernte halb entfleischte
Schädel statt Kartoffeln
blutdurchtränkte Bündel
die Helden wie die Herden
nichts als ein einziger Schrei kein Entkommen
vor dir "Mann du alles auf Erden" bis du auch
bis jemand dein Ventil - du weißt
du bist nur aufgeblasen -
und alle Luft aus dir entweicht
und du geschrumpft
zu Staub zu Molekülen
zerkleinert Wurzeln düngst
II Oktoberfelder kahl und abgeräumt
das Licht noch immer honigfarben noch zu warm der Mantel
am Boden nur die schweren gelben Kürbisköpfe
daneben pralle überreife Blütenköpfe von Hortensien
im etwas müden angewelkten alten Rosa
er neben mir und ich allein ganz ausgesprochen sprachlos keine Frage
auf eine seiner vielen schnellen sogenannten
Antworten
meine Fragen die ein Schwarm von schlanken Fischen
flüchtig an die Oberfläche treten
tauchen meistens kaum geäußert unbesehen
ein in Salzig-Trübes
selten fängt er einen auf wie zufällig
wiegt ihn langsam in der großen Hand
sieht ihn in der großen Hand ersticken
wirft ihn mißmutig zurück
in meinen Ozean
an den er noch immer nicht glaubt
III gibt es keinen frag ich der fragen hat
einen jenseits
der sieben weisen
antworten jenseits
des großen wagens
des edlen achtfachen pfades
einen der mit mir
die welt aus der taufe
den fugen des wassers hebt
reingespült wieder
wie neu wie am Anfang
du kein jäger ich nicht
gejagt
doch die andern sagen
uns du träumst
(oder weniger freundliches)
und sie werden weiter jagen
in der wüste die nur jäger
und gejagte kennt
wunder(-gläubig könnte ich werden)
daß es dich gibt daß ich dich
ausgerechnet ich dich fand
gegen alle
vernunft und wahrscheinlichkeit
deine flinte im korn
von mir nicht gesucht
du nicht täter
ich nicht rächerin
beide künstlerInnen
und kunstwerke
immer auf der flucht vor
jäger und gejagter
tief in unseren hirnen
wir sind ein wagnis aber
notwendig ein beispiel
für zukunft (gibt es eine?)
hinter den sieben
todsünden
cherubim
wüsten
himmeln
zeitaltern
endlich das mögliche
wagen
endlich uns
das paradies
neu zu erfinden
neu zu erschaffen
das paradies das wir sind
wenn wir eins sind und gleich
aus dem hunger und durst nach gerechtigkeit
der sehnsucht nach
frieden
den staub der äonen
den schweiß der nächte
in gesellschaft kaum gewagter einsichten
sich allmählich enthüllender pläne
vager versprechen und hoffnungen
den mühen des denkens
den ewigen ängsten er-
niedrigungen
die unentwegten hüter
des paradieses von uns abzuschütteln
sooft du oder ich
uns von einander entfernen
auf Irrwegen
(für Helden und Herden)
dort jenseits der mühen
der arbeit an uns
nichts sein als menschen
nichts sein als liebende
wieder am Anfang
von einander
miteinander
nackt in warmen schilfgrasbüscheln
den milchduft von haar trinken
durstig mit honiglippen
rosenzungennarben
lustrote knospen blütenblätter saugen
behutsam in den teich
blaugrüner pupillen mit
bernsteingelben oder erdig braunen inseln gleiten
dunkler aus der nähe oder
einfach nein, nicht einfach
aus liebe
In den Nächten
in denen die Mondscheibe heller
die Dunkelheit dunkler scheint stiller
und du wieder möglich scheinst
anrufbar nahe
und doch niemals näherkommst
aus tausend guten Gründen
mir allzu vertraut um noch
glaubhaft zu sein
in den Nächten
in denen die Angst deine Augen verdunkelt
wie brackiges Wasser die Tümpel
und du sie weder eingestehen noch
sie überwinden kannst
sondern mir ausweichst
in diesen Nächten
öffne ich langsam die Hand
und lasse dich fliegen aus Liebe
kindheit begraben geschlagen regen bogen abgeknickt blutergu�blau- gr�n-braun kalter rauch bei�t fri�t wohnt im baum wolkennest aus haar vertrieben die hand unter der tasche im u-bahnwagen zynisch sein grinsen kein wort verloren nicht zu vergessen: geschlagen flucht-punkt logik brottrocken studium promotion(s- versuch) die zunge des doktorvaters am ohr speichel stinkt das kind schweigt nicht mehr
Knirschen des Schlüssels dann sein Tritt
standhafte Tür getretene hast standgehalten
erschöpfter Schläger
gestikuliert lamentiert lahm kapituliert
Toilettenraumimmunität
die weißgekalkte Wand umarmt das Kind
die Arme vor der Brust gekreuzt
die Wand hört ihr Gebet die Wand
die Wand den dumpfen Echoschmerz
in ihrer kargen Zelle türmen
sich Echowellen dröhnend zu Gebirgen Schrei aus
geplatzten Blutgefäßen Rissen die wie Zweige wachsen
als fräßen Sägezähne
sich unter ihre Haut
Sägezahnchristbaum mit blaugrünen Zweigen
vor dem gekippten Milchglasfenster
zu dem sie schleicht den Teichen ihrer Augen hängt der Purpurball
der Sonne oben eingeschnürt an einer Wolke wie ein Tropfen Blut
das Kind am Fenster wartet wartet darauf daß der Tropfen fällt
sein fuss auf meinem kopf er badet in der gesprungenen knochenschale er springt wahnsinnig spritzt mein hirn aus der pf�tze er lacht seine--ausgestreckte-- zunge--leckt--gierig--haut-- haar--hirn man verleiht ihm preise positionen er dankt liebensw�rdig immer--noch--das--segel-- seiner--langen--zunge-- auf--haut--haar--hirn lebe ich besudle ich ihn mit nichts als gedichten beh�ng ich ihn mit dem lametta von worten den abgestandenen baum kalten kaffeesatz zerreibe ich zwischen malenden z�hnen schrei' zum stein oder meer oder mond mein papierdrache trifft ihn sanft im r�cken er schaut sich nicht einmal um
wieistdasalles gewordenundwarum dertagverstummtihrmund verblaßtdiesonnescheint nichthalbimzornimstreit liegtalles daß kein schrei aushautundblutaufgras ausmolek�len bricht ausnacktemfleisch demschnitt inihrerkehle macht mir angst
Wäre es Winter gewesen,
und nicht das Grauweißgrüne
der Taubeneier zerbrechlich,
verwaist im kargen Rechteck
von Blumenkastenerde,
und nicht Forsythiengelb,
noch eben sichtbar taumelnd,
nicht ungewiß das Rosa
schlaftrunkener Kirschbaumblüten
im schlürfenden Schwarz unter mir,
und nicht das Bild von den Kindern,
die morgens den Schulweg abkürzten
und auf den nachtschwarzen Beeten den
weißen geborstenen Kopf und
verzerrte zerschmetterte Knochen
gefunden hätten, dann wäre ich
gesprungen
Wandauf wandab kreist rastlos
als vergiftete oder gefangene oder verhungernde Maus
mein Blick und dann und wann knallt eine Mine
die Uhr, die alte Katzenmutter,
schlägt wieder (zu) und gerade jetzt
schläft dieses Riesenschwein so friedlich wie ein Säugling
der Professor mein Peiniger schnarcht während ich
beim Klettern o-beinig den braunen Vorhang mit den Füßen würge
den regenschmutzigglasigdürren Winterleib der Tür zertrete
von meinem Balkon aus ein Feuerwerk zünde die zischelnde scharfe Rakete
zum schwachsinnig glotzenden Mond schicke oder dem Mars an den dösenden Kopf
und auf jeden Fall an die zuckende Birne der gleichgültig flackernden Lampe
mit Meisenringen boxe allen Warnungen zum Trotz zur nächsten Brüstung turne und
zur nächsten und von Dach zu Dach auf nackten Dächern öder Quader Hip-Hop tanze
auf der jauchzenden Dogge des Altnazi-Nachtwächters notlande Windsbräute reite
auf der Milchstraße Achterbahn fahre verschlungen vom Staubmeer,
als ihr altersschwaches Rückgrat nachgibt, schmerzhaft knirscht und birst
riesenhaft dröhnt ihr Echo der Professor schläft unbeschwert
irgendwo begraben sie die tiefbraune Bettenkiste, meinen leeren Sarg,
der gleichzeitig mein Tisch war, oder werfen ihn erleichtert auf die Müllhalde
Land der Dichter und Denker
singst noch nicht einmal
Schmalblättriges wie
das ebensolche Weiden-
röschen an Schienen
längst entflohn, längst entflohn
ich die ich über Zäune
Geländer Brüstungen
nur weg nie angekommen
Nestflüchterin aus Not
mit knapper Not entkommen
dem Ungesühnten
eurem Dreck
den ihr mir hinterlassen
den feisten Fingern
unterm Speck
dem fetten Spießer-
wanst der Macht
der Macht als Recht bemäntelt
dem Schmutz im Netz
diesmal entkommen und
nicht eingeholt
(Nestbeschmutzen macht
mir Spaß)
nennt mich doch
wie ihr wollt