WALTER GRAF: Die Domorgel
Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten
am 10. November 1973
Stiftsmusik im Mittelalter
Die Weihe der neuen Domorgel zu St. Pölten am 10. November 1973 soll auch Anlaß zu einem Rückblick in die so ereignisreiche Geschichte der Kirchenmusik dieses altehrwürdigen Gotteshauses sein l. Ist die relativ kurze Zeitspanne der seit der Diözesangründung 1784/85 bestehenden Dommusik gut zu übersehen, so verbirgt nur allzuoft undurchdringliches Dunkel dem Betrachter die noch viel interessantere Kirchenmusikpflege des "Uralt fürstlichen Stift Canonicorum Regularium Sti Augustini zu St. Pölten"2. Die gewaltsamen Ereignisse der Jahre 1784/85, Unglücksfälle und Verständnislosigkeit gegenüber dem kostbaren Erbe liefern wertvolles Quellenmaterial in Verlust geraten und sind Hauptursache einer unvollständig-lückenhaften Darstellung.
Die Lebensgeschichte des hl. Florian, der im Jahre 304 von seinem Wohnsitz Aelium Cetium, dem St. Pölten der Römerzeit, nach Laureacum (Lorch) geeilt war, um seinen bedrängten Glaubensbrüdern beizustehen, bietet erste Hinweise auf christliches Leben in St. Polten. Ihm bereiteten die Wirren der Völkerwanderung ein jähes Ende, und erst im 8. Jahrhundert tritt St. Polten wieder in das Blickfeld der Geschichte: Das um 760 vom bayrischen Tegernsee aus gegründete Kloster, das älteste Niederösterreichs, birgt Reliquien des römischen Martyrerpapstes Hippolyt, der als Schutzheiliger Stadt und Stift den Namen gibt. Das ehemals benediktinische Kloster wird in der Folge der nach dem erfolgreichen Sieg über die Magyaren, 955, begonnenen Neumissionierung des Gebietes in ein Chorherrnstift umgewandelt, in das schließlich der große Reformbischof Altmann von Passau (1065-1091) Augustiner-Chorherrn beruft.
Die geschichtliche Bedeutung des St. Pöltner Chorherrnstiftes lag vor allem in der seelsorglichen Wirksamkeit seiner Mitglieder, die neben der Mutterpfarre St. Pölten eine größere Zahl von Pfarren in näherer und weiterer Umgebung betreuten. Hand in Hand mit der Seelsorge als Dienst am ganzen Menschen ging eine Vermittlung geistig-kultureller Werte. Auch hierin sind die Verdienste der St. Pöltner Chorherrn für das Traisen- und Pielachtal sowie für das Gebiet am Nordwestrand des Wienerwaldes als hoch anzusetzen. Ausgangspunkt und Ziel all dieses Wirkens ist das "Lob des Herrn", das in der feierlichen Liturgie der Chorherrn, vor allem im Meßopfer und Stundengebet, seinen höchsten Ausdruck gefunden hatte. Dem entsprechend stand der gregorianische Choral als der feierliche Gesang der Kirche bei den Augustinern hoch im Ansehen, wie die verschiedenen Generalkapitel des Ordens und die geschichtlichen Verdienste seiner Mitglieder um die Wahrung römisch-benediktinischer Choraltradition hinlänglich beweisen. Dies gilt auch, wie später noch ausführlicher dargelegt wird, für das Stift St. Pölten, das hiemit seinen Beitrag zum hohen Stand mittelalterlicher österreichischer Choralpflege leistet.
2. Die Stiftsschule
Das Herzstück eines jeden Klosters ist seine Bildungsstätte, die Klosterschule. Sie zeichnet als "innere Schule" für die Heranbildung des geistig hochqualifizierten Ordensnachwuchses verantwortlich, betreut darüber hinaus als "äußere Schule" alle Bildungswilligen und -fähigen der Umgebung und wird so zum "Zentrum einer im römisch-christlichen Mutterboden wurzelnden Bildung"5.
Erster Gewährsmann für die Bedeutung der St. Pöltner Stiftsschule ist der
Gottweiger Abt Rupert (1137-1199), der das Kloster St. Polten als "bis zum
heutigen Tage durch seine Schule bedeutend" rühmt: "scholarum studiis
umsque hunc insigne"6; erstbekannter prominenter Schüler der
"hiesigen, weltbekannten Klosterschule" der Passauer Bischof
Reginbert (1138-1147/58), ehemals Propst von St. Pölten7. Von den an
der Spitze des Institutes stehenden "Scholastici" kennen wir einen
Otto " scholasticus" (1204), "Pilgrimus scholasticus et
diaconus" (1260), "Ortulfus scholasticus (1273) und einen "Otto
scholasticus ypolitensis" (zwischen 1300 und 1350).
Dem Scholasticus des Hochmittelalters folgte der Magister, der seinen Titel
an einer, vermutlich französischen, Universität erworben hatte und nunmehr für
den nachhaltigen Einfluß der Universitäten auf das wissenschaftliche Leben des
Klosters verantwortlich zeigte. Einem erstmals 1273 erwähnten " magister
Fridericus" folgte 1388 ein "magister Johannes, plebanus (Pfarrer) in
S. Yppolito".1380 stiftet ein Magister Albrecht, Pfarrer in Gars, in Wien
ein Studienhaus für drei als Sublektoren an der Universität wirkende St.
Pöltner Chorherrn. Sie erhielten ihre Grundschulung ebenso an der St. Pöltner
Klosterschule wie eine bedeutende Zahl von im Wiener Universitätsmatrikel
aufscheinenden St. Pöltner Biargerssohnen. Sie alle bezeugen die Bedeutung
dieser mittelalterlichen Bildungsstatte, aus der später die humanistische
Lateinschule mit ihren Schulmeistern und Gehilfen hervorgehen sollte.
Im Lehrplan der mittelalterlichen Stiftsschule nahm die Musik, die im Verein
mit Arithmetik, Geometrie und Astronomie das Quadrivium bildete, eine
bedeutsame Stellung ein; somit auch der Singmeister, in liturgischen Dokumenten
als "Cantor" und "Rector" bezeugt. Die Knaben der Schule,
die "pueri", waren gleichfalls von der klösterichen Liturgie nicht
wegzudenken, wie ein Rituale aus dem Jahre 1367 bezeugt. Sie übernahmen am
Palmsonntag die Rolle der "pueri Hebraeorum", vertraten am
Gründonnerstag die Stelle der Apostel, denen der Herr, in unserem Falle der
Dekan, dienend die Füße wusch.
Bei der noch naher zu behandelnden Veneratio und Depositio crucis ließen die
Singknaben ihre helle Stimme ebenso erklingen wie bei anderen Gelegenheiten,
etwa Prozessionen, Versehgänge und Bischofsempfänge: "pueri cantantes
neuma"9.
So erfüllte die Stiftsschule, sieht man von den kritischen Reformationsjahren ab, in der Befolgung ihres Bildungsauftrages bis zu ihrer durch Propst Fünfleuthner 1644 erfolgten Auflösung eine bedeutsame Aufgabe; ebenso ihre Singschule, die, wenn auch in stark reduzierter Form, als Sängerknabeninstitut bis zur Aufhebung der St. Pöltner Kanonie weiterbestand.
3. Handschriften - liturgische Feiern
Einige wenige verbliebene Handschriften, ein Missale aus dem 13.
Jahrhundert, ein Rituale aus dem 14. Jahrhundert, ein Antiphonar aus dem 15.
Jahrhundert sowie das prächtig gestaltete spätgotische Antiphonar (1486-88)
bezeugen nebst einer eifrigen Choralpflege der Chorherrn ein erstes Mühen um
die aktive liturgische Beteiligung des gläubigen Volkes, ein Vorhaben, das
besonders an den Festtagen zur Bildung hochdramatischer, für die weitere Musikentwicklung
bedeutsamer Liturgievarianten führte10. Die Karwoche,
Gedächtniswoche des bitteren Leidens und der glorreichen Auferstehung unseres
Herrn Jesu Christi, bietet hiezu die größten Möglichkeiten. Schon in der
Palmsonntagsliturgie lassen sich Ansätze solch bewußt dramatischen Gestaltens
feststellen, besonders in der mit einer Kreuzesverehrung verbundenen
Palmprozession: Die Sängerknaben streuen als pueri Hebraeorum unter
Hosannarufen Palmen vor das Kreuz, die Mitglieder der Choralschola singen mit gebeugten
Knien bei der anschließenden Kreuzesverehrung, "prostratio crucis",
den Hymnus "O crux, ave, spes unica".
Ihren Höhepunkt erreicht jedoch die Kreuzesverehrung, als
"veneratio" und "elevatio crucis" besonders gestaltet, im
zweiten Teil der Karfreitagsliturgie. Nach der Elevatio crucis singen zwei
Priester (popule meus), zwei Knaben (hagios ho theos) und der Chor (sanctus
deus) mit verteilten, in den Klammern angedeuteten Rollen die Improperien.
Anschließend stimmen die Knaben "dulce", mit süßer Stimme, den
Kreuzeshymnus "pange lingua" an. Nach jeder Strophe dieses
Preisgesanges wiederholt der Chor den Kehrvers "crux fidelis . . .".
Im Anschluß an die Kommunionfeier beginnt die von der römischen Ordnung
abweichende Grablegung des Herrn in der Form der "Bestattung des
Kreuzes", der "depositio crucis". Zu der sich außerhalb der
Kirche befindlichen Grabesstätte begeben sich nur die Kleriker, Laien (laicis
exclusis) ist der Zutritt ausdrücklich verboten. Die für die Prozession und der
ihr nachfolgenden Grablegung des mit einem Schweißtuch bedeckten Kreuzes
verwendeten Gesänge sind mit besonderen Vortragszeichen versehen, wie
"lugubri voce", mit trauernder Stimme, und "remisse",
zurückhaltend, gedämpft11.
Zur aktivsten Beteiligung sollte das nach der Ostermatutin stattfindende
Osterspiel, die Visitatio sepulchri, führen. Die biblische Zwiesprache zwischen
den drei Frauen und dem Engel, durch die ebenfalls dialogisierenden Verse der
Ostersequenz
"dic nobis Maria . . . " und dem sinnvoll angefügten Apostellauf
(Apostelspiel) "currebant duo . . . " erweitert, bot Gelegenheit zu
einem Spiel mit verteilten Rollen und vielen Beteiligten.
Diese vermutlich nach einem französischen Vorbild entstandene Visitatio kam
über das Passauer Chorherrnstift St. Nikola zu den österreichischen Augustinern
und ist bei ihnen in leicht voneinander abweichenden Varianten überliefert. Im
Nachfolgenden soll die St. Pöltner Fassung, im Antiphonarium des 15.
Jahrhunderts dem Texte nach überliefert, vollinhaltlich wiedergegeben werden.
Die Einklammerungen betreffen nachträgliche Ergänzungen, nahere Umschreibungen
der handelnden Personen sowie die hochbedeutsame Einschaltung des
volkssprachigen "Christ ist erstanden"12.
In resurrectionem post
matutinam. In exitu ad sepulcrum domini:
R: Dum transisset sabbatum Maria Magdalena et Maria Jacobi et Salome et
emerunt aromata ut venientes ungerent Jesum, alleluja, alleluja.
Postea imponunt Rectores antiphonam: (Mulieres) "Quis revolvet nobis ab
hostio lapidem, que,m tegere sanctum cernimus sepulcrum?"
(Angelus) Diaconus respondeat humili voce sic: "Quem quaeritis, o
tremulae mulieres i`n hoc tumulo gementes?"
(Mulieres) Item presbyteri respondentes: " Jesum Nazarenum crucifixum
quaerimus."
(Angelus) Iterum diaconus:
"Non est hic, quem quaeritis, sed cito euntes et nuntiate discipulis
eius et Petro, quia surrexit Jesus."
(Mulieres ad populum) Iterum presbyteri ad populum se convertentes cantant
antiphona:
"Ad monumentum venimus gementes, angelus domini sedentem vidimus et
dicentem: quia surrexit Jesus."
(Chor) Illis abeuntibus imponitur antiphonam: "Currebant duo simul et
ille alius discipulus praecucurrit citius Petro et venit prior ad monumentum,
alleluia."
(Apostoli) Tunc duo
scolares, qui sunt ad hoc ordinati, cantant:
"Dic nobis Maria, quid vidisti in via?"
(Mulieres) Presbyteri: "Sepulcrum Christi viventis et gloriam vidi
resurgentis."
(Apostoli) Iterum scholares: "Dic nobis . "
(Mulieres) Presbyteri: "Angelicos testes, sudarium et vestes."
(Apostoli) Iterum scholares: "Dic nobis . "
(Mulieres) Presbyteri: "Surrexit Christus spes mea, precedet suos in
galylea."
(Apostoli) Iterum scholares:
"Scimus Christum surrexisse a mortuis vere; tu nobis victor rex
miserere."
(Apostoli) Iterum scholares tollunt sudarium cantando:
"Cernitis o socii, ecce lintheamina et sudarium et corpus non est in
sepulcro inventum."
(Christ ist erstanden.)
In reditu ad chorum incipitur
versus:
,;Surrexit Christus et illuxit populo suo quem redemit sanguine suo."
Postea: Te Deuml3.
Wie der Vergleich mit anderen Überlieferungen zeigt, ist in der St. Pöltner
Fassung der Einschub der Ostersequenz an anderer Stelle, namlich vor dem
Apostellauf, während die Schweißtuchszene "Cernitis . . ." dem
frohlockenden Sequenzenschluß angefügt ist.
Der altehrwurdige Osterleis "Christ ist erstanden" , als jubelnde
Antwort der Gemeinde zum Tedeum überleitend, gilt als das alteste in der
Stiftskirche bezeugte Kirchenlied und bekräftigt die Bedeutung der
Augustiner-Chorherren für die Pflege des deutschsprachigen Kirchengesangesl4,
der sich zweifellos auch in St. Pölten großer Beliebtheit erfreut hat. Dies
gilt besonders für die "uralten Rufe", bedeutende Keimzellen des
vorreformatorischen Kirchengesanges, ,die der Göttweiger Abt David Gregor
Corner (1585-1684) gesammelt und im 1625 erschienenen "Groß catholischen
Gesangsbuch" herausgegebenl5 hatte.
Für das deutsche Kirchenlied gleicherweise bedeutend wie für die Vermittlung musikalischer Neurungen auf dem Gebiete der Mehrstimmigkeit und der Instrumentalmusik waren die ansonsten nicht immer gerne gesehenen "fahrenden Sänger", die auch häufig an die St. Pöltner Stiftspforte pochter. Als sich die Vaganten zu einer immer größer werdenden Landplage entwickelten, mußten die kirchlichen Behörden energisch gegen sie einschreiten, wie Konzile und Synoden, von denen zwei in den Jahren 1284 und 1294 zu St. Pölten abgehalten wurden, bestätigen7.
Stiftsmusik im Zeitalter der Renaissance
1. Vokales und instrumentales Musizieren, Turnermeister und Stiftskantorei
Über den Beginn der Mehrstimmigkeit, die Musik der Gotik und der
angehenden Renaissance herrscht Dunkelheit, wir können aber in Analogie zur
Kirchenmusikpfiege anderer Stifte annehmen, daß der vom neuen Musikempfinden
veränderte Choral. allmählich seine Vormachtstellung an die mehrstimmige Musik,
die Figuralmusik, abgeben muß. Die Stiftskantorei orientiert sich an der
Musikpflege höfischer Kreise und unterliegt auch dem Einfluß der neugegründeten
Universitäten. Mit dem Aufkommen eines Musikerstandes wächst auch die Bedeutung
des weltlichen Personales für die Kirchenmusik, in die das Instrumentarium
immer stärker eindringt. Vorerst noch subsidiär wirkend, vereinen sich später
die Instrumentalisten zu selbständigen Klanggruppen, die den Vokalisten in
edlem musikalischem Wettstreit gegenüberstehen und als "Singer und
Drummeter" im wahrsten Sinne des Wortes konzertierenl8.
Der 19. August und der 4. Dezember 1560 sind ein für die St. Pöltner
Instrumentalmusik bedeutsamer Termin. An diesen Tagen wird "zum Frommen
des Stiftes und der Stadt St. Pölten" vom Propst Leopold Hagn (1539-1563)
und dem Rat der Stadt das Amt des Turnermeisters (Thurner-Turmmeister)
errichtet und Gallus Leitner damit betraut. Zu den Obliegenheiten dieses Amtes
zählten laut Ratsprotokoll vom 12. Februar 1561 die Feuerwache und d,as Blasen
von der Warte des Klosterkirchturms, "Tag und Nacht wacht, auch des
Plassens auf dem Thurm". Zum Zeichen der Wachsamkeit mußte eine weiße
Fahne beziehungsweise eine Laterne geschwungen werden. Das Läuten im Ernst- und
im Normalfall zählte zu den weiteren Verpflichtungen. Von nun an bekamen die
St. Pöltner Biirger und die Insassen des Stiftes drei.mal am Tage die
Trompetensignale des Meisters und seiner Gesellen, insgesamt "sechs
Personen mit Besoldung, Speiß, Kleidung und anderer Nothdurft zu
erhalten", in Richtung auf den Breiten Markt (Rathausplatz) das
Ledererviertel und das Kloster hin zu hören. War der Turnermeister als
Stadtwächter Gemeindeangestellter, so stand er als Kirchenmusiker in stiftlichen
Diensten, wo die Besorgung einer feierlichen Turmmusik sowie die
Verantwortlichkeit um einen gediegenen Instrumentalpart bei der
"Stifts-Cantorey" den Meister und seine Gesellen stark in Anspruch
nahmen. Daß der Turner mit seinen Leuten inner- und außerhalb der Stadt bei den
verschiedensten Anlassen, wie Begräbnissen, Hochzeiten, Ratswahlmahlzeiten,
Neujahrsblasen und Aushilfen an Stiftschoren gerngesehene Gäste waren, sei
ebenso am Rande vermerkt wie die Tatsache, daß der Meister sein Einkommen durch
außermusikalische Betätigungen, wie beispielsweise Weinausschenken, zu erhohen
trachtete. Die bisweilen sehr lukrativen Nebeneinkommen führten gelegentlich zu
einer Vernachlässigung der Hauptbeschäftigung, ebenso ein Gegenstand von
Schwierigkeiten wie die Uneinigkeit beider Dienstgeber hinsichtlich einer
zufriedenstellenden Trennung der Kompetenzenl8.
Turnermeister Gallus Leitner hatte gemäß dem Vertrag mit den Stiftspropsten Georg Hueber (1569 bis 1575) und Melchior Schad (1576-1598) an Sonn- und Feiertagen "zu der Cantorey . . . zween Pusaunen und ain Zinkhen plassen". Über welch beachtliche Blasergruppe die stiftliche Renaissancemusik tatsächlich verfügte, zeigt das nach dem Tode Propst Melchior Schads aufgenommene Inventar: "Item in einen hohen Kasten 5 Trompeten, 7 Krumphorner, 4 Pusaunen, 10 Schallmeyen, drey Zinken, und ein haufen gemeinen Pfeifen, Item ein Celaton, ein Tenor dulcianl9."
Auf Gallus Leitner folgte 1542 der Freistadter Simon Gebhart, der seine Stellung jedoch wegen übermächtiger Konkurrenz des bürgerlichen Geigers Blasius Radl vorübergehend niederlegte und 1597 wegen Gotteslästerung endgültig entlassen wurde2o.
2. Stiftsorgeln, Organisten und Orgelbauer
Über den Bau der ersten Stiftsorgel gibt es keine Hinweise. Im Jahre 1426 zahlt, wie dem Stiftsurbar zu entnehmen ist, ein "Ulreich, organista de domo" für sein Haus in der "Strata claustri", der Klostergasse, der Stifitsherrschaft 10 Pfennig, während er für seinen Acker, "de agro pey dem Nadelpach`, nunmehr als "Orgelmayster" tituliert, 4 Pfennig zu entrichten hatte. Mußte die Hauswirtschaft das karge Einkommen des Stiftsorganisten verbessern2l~
Für das Bestehen einer gutentwickelten Orgelbaukunst in den österreichischen Erblanden zeugt der aus St. Pölten gebürtige Peter Gareis (Gereis, Generis), der 1433-34 am Neubau der Münsterorgel zu Straßburg beteiligt ist. Gareis eröffnet die Reihe der in St. Pölten ansässigen oder aus St. Pölten stammenden Orgelbauer und übt die für die Frühzeit des Orgelbaues so typische Doppelfunktion von Orgelbauer und Organist aus. Nach Vollendung des Werkes blieb Gareis in Straßburg als Münsterorganist, wo er am Rosenmontag, 20. Februar 1480, während des Spieles des "Salve regina" an seiner Orgel starb22. Daß man mit der kleinen, zumindest seit der Zeit des Meisters Ulreich bestehenden Stiftsorgel, die bei der festlichen Liturgie mit dem Sängerchor zu alternieren pflegte und dem Organisten sicher nur in beschränktem Maße die Kunst des Kolorierens ermöglichte, nicht mehr das Auslangen fand, geht aus dem in der Regierungszeit des Propstes Johannes Marquard (1515-1530) stattfindenden Orgelneu.bau hervor. "Nova organa pro Ecclesia nostra Collegiata comparavit", berichtete der Chronist23. Propst Marquard zeichnete für die zweite, nach dem Brande von 1512 erfolgte spätgotische Restaurierung der Stiftskirche verantwortlich. Im Wetterleuchten der Reformation baute er den Nordturm in seiner heutigen Gestalt. Der Schlußstein mit der Zahl 1523 erinnert bis heute daran24. Eine große Glocke, vom Znaimer Meister Sigismund gegossen, kündet ebenfalls tönend das Lob des kunstsinnigen Prälaten.
Die neue Orgel entstand zu einer Zeit, da der Zwettler Laienbruder Jacob Kunigschwerdt als bedeutendster niederösterreichischer Orgelbauer an der großen Orgel zu St. Stephan in Wien arbeitete. Man wird an.nehmen können, daß der mixturbetonte Typ der neuen Stiftsorgel im Verein mit den Sängern und Bläsern der Kantorei zur besonderen Festlichkeit der Liturgie maßgeblich beigetragen hat25.
Musik des Barock
1. Gegenreformation und Anbruch des Barockzeitalters
Die Wirren der Reformation brachten auch das Sankt Pöltner Chorherrnstift
in eine geradezu hoffnungslose Lage. Sein Bestand war bei der Wahl Propst Georg
Hübners im Jahre 1612 auf vier Mitglieder abgesunken. Doch Propst Hübner und
sein Nachfolger Melchior Schad vermochten den Umschwung zugunsten einer inneren
Erneuerung und Konsolidierung des Konvents herbeizuführen. Die Sorge um eine
rechte Wort-Gottes-Verkündigung und eine würdige Liturgie sollten auch die
Bürger der Stadt dem Katholizismus wiedergewinnen. Mit Melchior Klesl
(1588-1630), dem für die Rekatholisierung bedeutungsvollen Passauer Offizial
und nachmaligen Wiener Bischof und Kardinal, sowie dem bereits erwähnten David
Gregor Corner .wirkten zwei bedeutende Persönlichkeiten in der Stadt. Daß
Corner auch in St. Pölten das Kirchenlied als bedeuten,des Mittel der
Rückgewinnung einsetzte, darf mit Bestimmtheit angenommen werden. Schließlich
vollendete die Predigttätigkeit der Jesuiten das Werk der Gegenreformation. Das
Wirken der folgenden bedeutenden Pröpste ergänzte die Bemühungen, erreichte die
endgültige Erneuerung des Stiftes und bedeutete den "Aufbruch
wiedererstarkten katholischen und klöster lichen Lebens und des
Barockzeitalters in St. Pölten"26,
Propst Johannes Fünfleuthner (1626-1661), vor seinem Eintritt Professor der
Medizin und hernach Rektor der Wiener Universität, stach nicht nur durch
außergewöhnliches geistiges Format hervor, er war auch großzügiger Bauherr und
umsichtiger Wirtschafter. Die herbe, frühbarocke Gestaltung des von Grund auf
erneuerten Stiftsgebäudes ist sein Werk27. Daß dieser so universelle
Mann auch der Kirchenmusik besondere Aufmerksamkeit zuwendete, erscheint
selbstverständlich. So galt denn auch seine Sorge der Liturgie: "Cultum
divinum promovit." Er reformierte Kult, Altäre, kaufte neue liturgische
Geräte. Durch den Ankauf eines Orgelpositivs schuf er die Möglichkeit für die
neuen Formen barocken Musizierens28.
Propst Christoph Müller von Prankenheim (1688-1715) führte das Stift aus Türkennot
in eine neue Blütezeit. Propst Christoph ist Bauherr der zweiten Barockisierung
mit der Erhöhung des Südturms und Umgestaltungen im Inneren des Klosters. Der
Kremser Matthias Prinninger gießt sechs neue Glocken und schafft damit
"eines der anerkannt schönsten Geläute, wenn nicht das schönste der
Diözese"29. Als Historiker von Bedeutung schrieb der Propst
eine vom gebildeten Stiftsarchivar Raimund Duellius 1723 herausgegebene und vom
Historiographen Albert von Maderna 1779 fortgeführte Einführung in die
Geschichte der Kanonie, ein auch für die Kirchenmusikgeschichte des Stiftes
wichtiges Quellenwerk. Dieses rühmt besonders die Sorge des Propstes um eine
abwechslungsreiche, wohlklingende Figuralmusik3o.
Wie bedauerlich ist doch der Verlust des stiftlichen Musikarchivs, welches
uns wertvolle Hinweise über den Musikstil und die Aufführungspraxis dieser Zeit
hätte geben können. Gewiß erklang am Stiftschor , jener "neue Stil",
der von Italien, vor allem Venedig Rom und später Neapel, seinen Ausgang nahm und
in den Kirchenmusikzentren unseres Landes seine typisch österreichische Prägung
erfahren hatte und so zum Wurzelboden des Kirchenmusikwerkes der Wiener
Klassiker wurde. Seine Merkmale sind, sehr kursorisch, folgendermaßen zu
beschreiben: Durchbruch des vertikal-harmonischen Denkens (Generalbaß),
Ausbildung eines neuen Formschemas (Periodisierung), Hinwendung zu
liedmäßig-ausdrucksvoller Melodik (Arie). Der kirchliche Zentralraum
versammelte die Kirchenmusik auf der Westempore. Dort erfolgt die Zusammenführung
der ehedem räumlich getrennten, flächenakustisch gegeneinandervvirkenden
Klangkörper zu einer Gesamtheit mit der dynamischen Abstufung von Solo, später
Soli, und Chor. Das Orchester, in dem die Streicher zunehmen, bildet mit dem
Vokalensemble ein sich durchdringendes Ganzes, bei dem der Chor die
Führungsrolle behält. Die Aufgabe des Orchesters reicht von der des stützenden
Faktors über die Ausschmückung durch bereichernde Zusätze bis zur zeitweiligen
Verselbständigung3l.
Neben diesem "stile nuovo" erfreut sich aber auch der "stile
antico", die traditionelle Vokalpolyphonie, aufmerksamer Pflege, vorab in
der Advents- und Fastenliturgie. Daß dies nicht in strenger Trennung geschieht,
beweisen die vielen polyphonen Formen auch im "stile nuovo".
Daß in dieser Zeit auch der Choral, bereits im Verfall begriffen,
hochgeschätzt war, nimmt fürs erste wunder, ist aber aus der großen
Choraltradition der Chorherren zu verstehen. Gar oft rühmen die Totenroteln32
die choralen Leistungen einzelner Konventualen. Ebenso zeigen sie aber, daß der
Choral seiner objektiven Grundhaltung verlustig gegangen war und in den Strom
barocker Kantabilität mit starker subjektiver Wirkung geriet.
So führt das feierliche Gotteslob musizierfreudige Chorherren, die
Sängerknaben, in zeitgemäßen Perücken auftretend, Turnermeister und Gesellen,
weltliches Stiftspersonal sowie Musikliebhaber aus der Stadt zusammen.
An die Türkennot gemahnt der Chorherr Ernst Pauer, einst berühmter Trompeter
am Stiftschor. Als späterer Pfarrer der Stiftspfarre St. Christophen fiel er
einer mordenden und brandschatzenden Türkenschar zum Opfer33. Der am
27. Dezember 1724 zu Retz verstorbene Chorherr Leopold Langwald war ein
eifriger Choralist, die beiden Konventualen Wolfgang Kraus, gestorben äm 12.
Februar 1727, und Leopold Schuster (1673-1727) werden ob ihrer
außergewöhnlichen Gesangesleistungen hervorgehoben. Ersterer zeichnete sich
durch seine "gediegene, gutgeschulte Stimme" aus, letzterer war wegen
seines "wohlklingenden Basses in Choral- und Figuralgesang gleich gern
gehört". Anton Schilling (1670-1729), später Pfarrer zu Kasten und
Kapelln, ließ, wenn er nicht gerade als vielgesuchter Fagottist zur Verstärkung
des harmonischen Fundamentes beitrug, ebenfalls gerne sein prächtig.e Stimme
ertönen.
Als erster, namentlich bekannter Stiftsregenschori scheint der Chorherr
Gottfried Copisi auf. 1683 in Eferding, Oberösterreich, geboren, empfängt er
von seinem Vater, einem Organisten, erste musikalische Impulse. Nach seinem
Eintritt ins St. Pöltner Chorherrnstift stellt er diesem seine musikalischen
Dienste 29 Jahre hindurch zur Verfügung. Als Stütze der Chorgemeinschaft
unentbehrlich, leitet er auch den Figuralgesang durch 19 Jahre. Der
Orchestermusik kundig, galt doch seine besondere Liebe dem Choral, dessen Seele
er war: "Concentus gregorianus anima". Dem Verfasser des Nekrologes
blieb es unvergeßlich, wann Copisi beim Fastenoffizium zum Lesepult schritt und
von dort den Bußpsalm "Miserere" intonierte und die Herzen aller
zutiefst " mit Reue erfüllte34.
Zur selben Zeit machte ein aus St. Pölten stammender Orgelbauer in der
Fremde auf sich aufmerksam, nämlich der am 12. Juli 1672 als Sohn eines
Bierbrauers geborene Jacob Irrlacher. 1704 ist er sel.bständiger Orgelmacher in
Kreuznach, ab 1715 befindet sich seine Werkstätte in Worms. Mit seiner, in
Österreich erworbenen, durch internationale Erfahrung vergrößerten
Kunstfertigkeit erwirbt er sich im Rheinland hohes Ansehen35.
2. Hochbarocker Imperialstil - Johann Adam Scheibl
Wenn die niederösterreichische Heimat in dieser Zeit zur barocken
Kulturlandschaft wurde, verdankt sie es in erster Linie den prachtvollen
Klosterbauten. Ebenso ist es Verdienst der bedeutsamen klösterlichen
Musikpflege, daß diese Kulturlandschaft zum Klingen kam. Schließlich schuf die
Verbindung von Architektur, Plastik, Malerei, vokaler und instrumentaler Kunst
eine nicht mehr zu überbietende ideale Harmonie. Die entscheidenden kulturellen
Impulse kamen vom Wiener Hof. Daß sie so rasch und vollkommen zum Durchbruch
gelangten, läßt sich auf folgende Faktoren zurückführen: Die Stiftsprälaten
kamen durch ihre verschiedenen Funktionen am Hof mit dem dortigen kulturellen
Geschehen in enge Berührung. Ebenso eng gestalteten sich die Kontakte der
Künstler des Hofes mit den Stiften. Schließlich besaßen die Stifte mit ihren
Wiener Stiftshöfen bedeutsame kulturelle Außenposten. Dies alles trug
wasentlich dazu bei, daß auf dem Gebiet der Architektur der
"Reichsstil" eine ebensolche Breitenwirkung erfuhr wie sein musikalisches
Pendant, der hochbarocke imperiale Musikstil.
Die gewaltigen kulturellen Leistungen sind das Ergebnis einer
verständnisvollen und innigen gegenseitigen Zusammenarbeit von Kunstmäzen,
darstellenem Künstler und Musiker. Wiederum erweist sich der kaiserliche Hof
als beispielgebend. Mit ihrer oft überdurchschnittlichen kompositorischen
Begabung und der starken Neigung für Architektur und bildende Künste erbringen
die Mitglieder des Kaiserhauses die innere Voraussetzung für das Mäzenatentum.
Bedeutsam ist ferner die enge geistige Verwandtschaft von darstellenden
Künstlern und Musikern, wie sie beispielsweise in den augenfälligen Parallelen
zwischen den führenden Kräften des Reichsstils und des barocken Musikstils,
zwischen Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Josef Fux, sichtbar ist.
Ähnliches läßt sich auch von den benachbarten Stiften Göttweig, Herzogenburg
und St. Pölten sagen. Das Mäzenatentum der gebildeten und kunstsinnigan
Prälaten Gottfried von Bessel, Wilhelm Schmerling und Johann Michael Führer ermöglichten
die schöpferischen Hochleistungen eines Lukas von Hildebrandt, Jakob Prandtauer
und Daniel Gran ebenso wie die beachtenswerten Kom~ositionen der drei
bedeutsamsten niederösterreichischen Komponisten der theresianischen Epoche:
Johann Georg Zechner, Georg Donberger und Johann Adam Scheibl36.
Das St. Pöltner Chorherrnstift stellte zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit
Propst Johann Michael Führer (1715-1739, gestorben 1745) seinen wohl
kunstsinnigsten Prälaten, dem der Ausbau des Stiftes zum barocken Klosterpalast
erstrebenswertestes Ziel war. So verwandelte denn auch die Barockisierung durch
Jakob Prandtauer und Josef Munggenast den mittelalterlichen Bau in einen
"neuen, fröhlich prachtvollen Kirchenraum . . . mit eleganten Chorstühlen,
Malereien, Bildnereien und Altären"37. Als oberster Erbkaplan,
der anläßlich der Eröffnung des niederösterreichischen Landtages das Hochamt in
der Burgkapelle zelebrierte, wurde er von der höfischen Prachtentfaltung
mächtig beeindruckt. Im St. Pöltner Hof in der Krugerstraße besaß das Stift
einen weiteren kulturellen Umschlagplatz38.
Propst Führer knüpfte würdig an die Tradition seiner musikbegeisterten
Vorgänger an, war selbst ausübender Musiker, spielte Harfe und Flöte und war
auch als Sänger gern gehört39. 1722 erfolgte die Beendigung des
Neubaues der Stiftsorgel mit ihrem prächtig,en Gehäuse und der hochragenden
Gestalt des harfenspielenden David auf dem Rückpositiv. Als Erbauer des
zweimanualigen, 22stimmigen Werkes ist mit einiger Wahrscheinlichkeit der
Passauer Orgelmacher Johann Ignaz Egedacher (1675-1744) anzunehmen, der in der
noch heute bestehenden Zwettler Stiftsorgel 1731 sein bedeutsamstes Werk auf
niederösterreichischem Boden geschaffen hatte. Doch nicht nur der Orgelbau
kündet das Lob des kunstsinnigen, musikbegeisterten Prälaten. Er berief für das
neue Werk auch einen trefflichen Organisten, Johann Adam Scheibl, mit dem das
Stift seinen .bedeutendsten Musiker erhielt. Johann Adam Scheibl wurde am 18.
November 1710 im oberösterreichischen Spital am Pyhrn als Sohn des Johann Georg
Scheibl und der Maria Katharina geboren 40. Für die Musikalität des
Sohnes sorgte vor allem der hochmusikalische Vater: Johann Georg Scheibl,
"Sohn des Pancratii Scheibls Baders und Bürgers in Hall", der vorerst
in Enns als "Musicus bei der Stadtpfarr" und Sänger,
"Altist", wirkte. In Enns wurde auch Scheibls älterer Bruder, Johann
Karl,1697geboren4l.Ebenfalls hochmusikalisch, trat er ins steirische
Benediktinerstift St. Lambrecht ein; 1723 feierte P. Valentin Scheibl Primiz.
In der Folge versah er unter anderem auch das Amt eines Stiftskapellmeisters
und starb, als "bonus compositor und organista" gerühmt, am 22.
Dezember 174542. Von Enns ging Vater Scheibl nach Spital am Pyhrn und übernahm
im dortigen Kollegiatsstift das Amt eines"Choraldirektors".Über den
weiteren musikalischen Bildungsgang Johann Adam Scheibls, der vom Vater sicher
die ersten bedeutenden Eindrücke vermittelt bekam, wissen wir wenig.1734 wirkt
Johann Adam Scheibl als "Organaedo in Seitenstetten", wo er sich auch
als Komponist die ersten Sporen verdient hat. Dem Stifte und seinen Prälaten
blieb er auch nach seiner St. Pöltner Berufung treu ergeben, aber auch die
Seiterrstettner bewahrten ihm und seinem Werk, wie kein anderer Chor, bis zum
Ende des 19. Jahrhunderts die Treue43 Der Zeitpunkt des St. Pöltner
Dienstantrittes ist ununbekannt. 1744 scheint Scheibl erstmalig als
"Organist im HerrnStift" in der Trauungsmatrik auf , befand sich aber
sicher schon früher in der Stadt44. Die Berufung zum "organista
et compositor" dürfte in den letzten Regierungsjahren Propst Führers
erfolgt sein45.Eine Bestellung Scheibls nach 1739 ist
unwahrscheinlich. In diesem tragischen Jahr zwang der hohe Schuldenstand den
Propst zur Resignation und das Stift zu drakonischen Sparmaßnahmen, wie
Entlassung der Werkleute und weitgehende Einstellung der Bautätigkeit.Die
kirchenmusikalische Situation war zur Zeit des Propstes Führer sehr
erfreulich.Gottfried Copisi war dem Chor ein umsichtiger Leiter.Völlig
überraschend starb er am 14. Jänner 1737. Der zum Nachfolger vorgesehene Johann
Prandtauer, einSohn des großen Baumeisters, lehnte demütig die Berufung zum
Stiftskapellmeister ab und ging auf die Pfarre Kapelln.Die endgültige Nachfolge
trat der am 27. November 1704 zu Waiz in der Steiermark geborene, am
Hippolytustage des Jahres 1728 geweihte Stiftspriester Matthias Atteneder an.
Er wußte als Leiter des Figuralgesanges ebenso zu gefallen wie als tüchtiger
Organist 46.
Im Konvent befanden sich jedoch noch weitere gute Sänger und Instrumentalisten, ebenso unter den Stiftsangestellten, wie der 1742 als "Fagottist im Herrnstift" erwähnte Gottfried Roßwurm47. Auch das Turneramt war in guten Händen. Als Scheibl nach St. Pölten kam, hatte gerade Gotthardt Gaugler das Turnermeisteramt inne. Er folgte darin seinem Vater Johann Gaugler, der 1726 bereits als "Wirt und gewester Thurnermeister" erwähnt wird48. Für den Chorgesang sorgten neben den Chorherrn Stiftsangestellte, wie zum Beispiel der 1725 angeführte Bassist und Pfarrmesner Josef Karl, vor allem die Sängerknaben des Stiftes49.
Am 11. Oktober 1744 wunde Johann Adam Scheibl in der Stiftspfarre Gerersdorf mit Maria Elisabeth Werrle, der Tochter des Wiener kaserlichen Kammermalers Johann Georg Werrle, getraut. Mit Joh.ann Georg Werrle tritt ein bisher im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Stiftes und seiner Kirche unbekannter Künstler in das Blickfeld der Erwägungen. Werrles Schüler, der bekannte Maler Daniel Gran, war Scheibls Trauzeuge. Die engen familiären Bindungen mit der Familie Daniel Grans wurden in der Folge noch vertieft, wie die Patenschaft der "Jungfer Catharina de Gran" bei der Taufe von Scheibls Tochter Josefa 1758 beweist. Sind die engen persönlichen Bande der beiden Künstler Ausdruck schöpferischer Gemeinsamkeit, so bezeugen andere gesellschaftliche Beziehungen das hohe Ansehen, das sich Scheibl in St. Pölten erworben hatte. Dies wird auch durch Bezeichnungen, wie "wohledler und kunstreicher Herr", "praenobilis Dominus", "Autor ornatissimus" bekräftigt59.
Der Ehe Scheibls entsprossen zehn Kinder, von denen drei schon in zartester Jugend starben. Von den beiden Söhnen trat Franz Xaver in stiftliche Dienste und wurde später bischöflicher Rentmeister. Ignaz Markus Scheibl (1747-1783) bat um die Aufnahme bei den Piaristen, die damals in St. Pölten einen Konvent sowie eine deutsche und lateinische Schule führten. Zur feierlichen Primiz am 29. September 1771 stellte sich der Vater mit einem sinnigen Geschenk ein: Er komponierte ein feierliches Veni sancte spiritus, "ad primitias R. P. Honorii, Piarista, filii sui"51. Wiederum gibt eine interessante Parallele Aufschluß über die tiefe Gläubigkeit der St. Pöltner Künstler: Jakob Prandtauer vertraute seinen einzigen Sohn dem Stift als Priester an, Daniel Grans Tochter fand bei den Englischen Fräulein in St. Pölten Aufnahme, Johann Adam Scheibl schenkte seinen Sohn den Piaristen. Den Piaristen schenkte Scheibl aber auch seine guten Dienste als Chorleiter. Erstmals winkte er bei der feierlichen Eröffnung der Konventskapelle mit, wo "inter tubarum clangores, alium instrumentorum et vocum concentum" ein Hochamt zelebriert wurde. Der Initiative Scheibls, "perorante et procurante praenobili Domino Adamo Scheibl", war auch ein 1762 geschlossener Vertrag zwischen dem Stiftspropst und dem Piaristenprovirzial zu verdanken. Hiebei verpflichtete sich der Propst zu einer musikalischen Gegenleistung für die schulische Ausbildung der Stiftssängerknaben und stellte für die Hochfeste der Piaristen den Stiftskapellmeister und Turnermeister zur Verfügung. Wie sehr sich Scheibl den Piaristen verbunden fühlte, beweisen die vielen Eintragungen im Buch der Wohltäer der St. Pöltner Piaristen52.
So wirkte Scheibl die Jahre hindurch als "Organista et compositor im
Herren Closter" (1746), 1755 erstmalig als "Organist und Regenschori,
weiters als "Chori regens und Organist" (1772), "Chordirektor im
Stift" (1775)53. Das genaue Datum der Berufung zum
Stiftskapellmeister ist nicht eruierbar. Interessant ist, daß 1755, da Scheibl
zum ersten Male in diesem Amt aufscheint, der ehemalige Stiftsregenschori
Matthias Atteneder zum Propst gewählt wird (1755-1779). Da dieser jedoch schon
ab 1751 als Administrator das Stift leitete, wäre eine Berufung Scheibls zu
dieser Zeit denkbar. Propst Atteneder war ein Wirtschaftstalent und erwarb sich
große Verdienste um die Wiedergenesung des schwer verschuldeten Klosters.
Dieser Umstand sowie die enge Verbindung des Propstes mit der Stiftsmusik waren
sicher für die große künstlerische Entfaltung Scheibls von Bedeutung, dessen
Kompositionen sich immer größerer Beliebtheit und weiterer Venbreitung
erfreuten. Dies bestätigte unter .anderen der vielgereiste und vom Neapolilaner
Leonardo Leo geschulte Regenschori zu Kremsmünster, Franz Sparry (1715 bis
1767), der Scheibl als Komponisten brauchbarer Kirchenmusik schätzte54.
Daß Scheibl auch als Orgelpädagoge in Erscheinung trat, beweist eine jüngst in
Seitenstetten gefundene Orgelschule, die nebst Werken von Albrechtberger, Fux
und Muffat eine Generalbaßschule folgender Bezeichnung enthält: "Kurz und
gründliches Fundament, den general Baßs recht und wohl zu schlagen, gegeben von
H. Johann Georg(!) Scheibl, Compositor und Org. Ad Sctum Hypolitum Bey denen D. D. Canonici
Regulares ad St. Pölten".55
Ein knappes und in Zweifelsfällen stilkritisch noch nicht geklärtes Verzeichnis der bisher eruierten Werke Johann Adam Scheibls möge einen vorläufigen Überblick über sein Schaffen geben. Nationalbibliothek Wien, Musiksammlung: 56
2 Messen (Missa S. Augustini), 1 Hymnus, 2 Arien, 3. Lesung für den Mittwoch in der Karwoche, 1 Oratorio sepulcro.
Musikarchiv Stift Herzogenburg:57
3 Messen (Missa S. Severini,
Missa S. Jacobi,, Missa S. Viti), 2 Litaneien, 1 Te Deum.
Diözesanarchiv Graz:58
2 Messen (Missa festiva St. Angelorum custodum, Missa dimidia solemnis), 3 Offertorien, 2 Veni sancte spiritus, 2 Arien, 1 Duetto de B. M. V., 1 Psalm, 4 Litaneien, 13 Sinfonien, 2 Divertimenti. Musikwissenschaftliches Institut Graz (Pfarre Sankt Jakob bei Leoben):59
2 Messen, 3 Litaneien. Musikarchiv Stift Seitenstetten:60
22 Messen, 13 Offertorien, 12 Litaneien, 1 Vesper, 12 Marianische Antiphonen, 1 Te Deum, 1 Miserere, 1 Sinfonie, 1 Concerto, 7 Orchesterpartien, Applausus, 1 Generalbaßfundament.
Archiv Sonntagberg:61
Tenebrae, 2 Marianische Antiphonen. Musikarchiv Stift Wilhering:62
7 Messen (Missa S. Erasmi,
Missa S. Achatii, Missa S. Viti, Missa S. Blasii), 7 Lauretanische Litanei~e~n.
Musikarchiv Stift Kremsmünster:63
11 Messen, 4 Litaneien, 2 Marianische Antiphonen, 2 Te Deum, 1 Sinfonie.
Kirchenmusikarchiv Pfarre Neuhofen an der Ybbs:61 2 Offertorien, 2 Arien, 1 Motette.
Musikarchiv Stift Seckau:
1 Messe (Missa natalitia), 3
Alrien, 2 Marianische Antiphonen.
Brünn, Moravske-Museum:65
9 Messen (Missa S. Achatii, Missa natalitia, Missa S. Eustachii, Missa S. Philippi et Jacobi, Missa S. Benedicti), 6 Litaneien, 3 Requiem, 1 Marianische Antiphon.
Studienbibliothek Ptuj
(Pettau):
1 Parthia, 3 Concerti.
Musikarchiv Novo Mesto,
Franziskanerkloster:66
1 Messe (Missa S.
Christophori), 1 Requiem, 1 Litanei. 3 Partiten, 1 Concertino in C (Cembalo
solo), Balorosa soldatesca, 12 Baleti.
Eine nähere Betrachtung der kirchenmusikalischen Werke Scheibls zeigt die große Beliebtheit seiner die einfachen Verhältnisse berücksichtigenden Messen. Bei diesem (hier noch nicht als solchen bezeichneten) Typus der Missa brevis treten zum Chorsatz meist nur der Generalbaß und meist akzessorische Bläser (Trompeten und Posaunen) hinzu. Hier finden sich die Anfänge der später so gängigen "Landmessen", die wesentlich zur Verflachung der Musikpflege im 19. Jahrhundert beigetragen haben. Aufwendiger sind die Missae solemnes gearbeitet. Die lnstrumentalbegheitung, Streichtrio mit 2 Trompeten, 2 Posaunen und Orgel und fallweise Violen, paßt sich den St. Pöltner Verhältnissen an. Die Messen Scheibls stehen ebenso wie seine übrigen Kompositionen unter dem Eindruck der Stilwende, die den Anbruch einer neuen Musikkultur ankündigt (Wiener Klassik), zeigen bisweilen eine überraschend fortschrittliche Haltung, entbehren aber auch nicht retrospektiver Züge (Barock, Einfluß J. J. Fux).
Die Dur-Moll-Tonalität ist vorherrschend. Große Bedeutung wird einer gesanglichen, zeitweise pathetischen Melodik beigemessen. Dies zeigt sich besonders in der Vorliebe für ariose, mit Koloraturen versehene Teile, Erbgut der Neapolitaner. Zum anderen finden volkstümliche Elemente, wie zum Beispiel das Pastoralmotiv in der Missa natalitia, einer Vorgängerin der späteren Pastoralmessen, stärkere Berücksichtigung. Der Generalbaß wird mehr in die motivische Arbeit hineinbezogen, bisweilen findet sich auch ein kurzes Orgelsolo. Bemerkenswert ist vor allem das Bestreben nach einer klaren Formgebung. Die Solo-Tuttitechnik findet ebenso reichliche Verwendung wie die häufig eingegliederten Arien. Sie verleihen besonders dem Gloria ein kantatenhaftes Gepräge. Die Arien sind meist zweiteilig, im Benedictus kündigt ein Instrument manchmal das Gesangsthema an (Devisenarie). Das Credo hingegen ist knapper geg.liedert, in kleineren Messen wird bereits ein ineinandergeschachtelter liturgischer Text gesungen, für die Missa brevis in Hinkunt sehr typisch. Auch die beliebten Credoeinwürfe (Credomessen) als formgliedernde Hilfsmittel finden sich schon. Die Kontrapunktik tritt immer mehr zugunsten eines homophonen, durch synkopale Rhythmen belebten Chorsatzes zurück. Fugiert erscheinen, wie allgemein üblich, die Gloria- und Credoschlüsse sowie das Hosanna und Dona. Der Orchesterpart zeigt sich schon stark verselbständigt und übertrifft bisweilen den Vokalpart an Bedeutung. Die fanfarenartige, bei den Neapolitanern beliebte Gloria-lntrada und das reiche Figurenwerk der Violinen erweisen die Bedeutung des Orchesters als schmückender, affekterregender oder auch wortinterpretierender Faktors67.
Ein am Kaiserhof beliebter Brauch wurde ebenfalls übernommen: Das Sepolcro, eine Wiener Sonderform des Oratoriums in Verbindun,g mit der Andacht beim Heiligen Grab in der Karwoche. Scheibls "Oratorio de sepolcro", mit deutschem Text, besteht aus vier Arien und einem abschließenden Chorsatz. Es scheint als würdiger Abschluß der alten Stifitstradition mit der Depositio crucis und der Visitatio sepulchri. Im Proprium missae tritt beim Offertorium die Paraphrase verstärkt in Erscheinung. Einen besonderen Platz nimmt hier die Aria ein, die in ihrer einfachen Form ihre Abkunft vom monodischen Barocklied nicht verleugnen kann.
Die beachtliche Zahl von Sinfonien Concerti, Orchersterpartiten und Divertimenti läßt auf eine rührige weltliche Musikpflege am klösterlichen Hof schließen. Tafelmusik und andere festliche Ereignisse gaben Scheibl Gelegenheit zu reicher musikalischer Betätigung. Die sehr interessanten, fortschrittlich gehaltenen Sinfonien weisen die übliche Streicherbesetzung auf, gelegentlich treten Trompeten, Hörner, Posaunen und Pauken hinzu. Die Dreisätzigkeit ist vorherrschend, das einleitende Allegro weist häufig ebenso die Charakteristica der Sonatenform auf wie das abschließende Presto-Finale. Ein Iangsamer, kantabler Mittelsatz trägt vor allem als Siciliano noch stärkere barocke Züge.
31. Dezember 1773 stirbt Johann Adam Scheibl. Die Trauergemeinde ahnt noch nichts vom so bald hereinbrechenden Unheil.
3. Ausklang der Stiftsmusik, josephinische Klosterverordnungen
Das gewaltige Erbe Johann Adam Scheibls wird nun wieder von einem Konventualen übernommen: Karl Waizing, am 30. Dezember 1720 zu Arnsdorf in Niederösterreich geboren. Mit großem Eifer wirkt er im Chordienst, der "psalmodia divina", in Strenge und Verantwortungsbewußtsein leitet er die Sängerknaben, "iuventus nostra figurali choro destinata". Als Leiter der Figuralmusik geht ihm die Förderung der Frömmigkeit der Gläubigen über alles. Heftig wehrt er sich gegen das Eindringen weltlich-theatralischer Effekte in die Kirchenmusik und beweist dabei ein feines Gespür für deren Würde:69
Ein 1774 zwischen Propst Matthias und dem bürgerlichen Turnermeister Anton Ringsmuth aus Waidhofen an der Thaya geschlossener Vertrag beleuchtet ein letztesmal die große Bedeutung des Amtes für das Stift.
Die erste Sorge des Turners galt der Kirchenmusik. Zu ihrer Bestreitung hatte er "nebst seiner eigenen Person vier Gesellen, worunter ein guter Trompeter und ein guter Posaunist und ein Lehrjung, folglich in allen sechs Personen, zu stellen". Verläßlich und mit den entsprechenden Instrumenten bestückt, hatte er am Chor zu erscheinen und dort in "Subordination" unter dem Regenschori zu stehen. Zu seinen Obliegenheiten zählten je,doch auch weltliche Anlässe, "wann eine Tafl oder andere Music von einer hohen Obrigkeit angeschafet wird". Als Lohn wurden 100 Gulden vereinbart, Naturaldeputate sowie Freitafeln mit genau festgelegter Speisen- und Getränkefolge70.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begegnen wir endlich auch einem in St. Pölten ansässig gewordenen Orgelbaumeister. Ab den siebziger Jahren führt der um 1743 in Enns geborene Karl Seywald in St. Pölten die Werkstätte. Er ist ein verläßlicher Meister mit kleinen, aber für den hohen Stand des niederösterreichischen Orgelbarocks bezeichnenden Werken in der näheren und ferneren Umgebung St. Pöltens: Retz (Dominikanerkirche), Kirchberg an der Pielach, Hafnerbach, Langenrohr, Maria Anzbach, Tulbing, Kasten71.
Am 16. Juli 1784 fiel das Stift den josephinischen Kirchenverordnungen zum Opfer. Obwohl disziplinär und ökonomisch in Ordnung, wurde die altehrwürdige Kanonie aufgehoben. St. Pölten wurde zum Bischofssitz einer die westliche Hälfte Niederösterreichs umfassenden, von Passau abgetrennten Diözese ausersehen. Während Bischof Johann Heinrich Kerens die Transferierung seines Wiener Neustädter Bistums nach St. Pölten vorbereitete, trat Propst Ildefons Schmidbauer (1779-1784) mit vier seinen Chorherren den bitteren Weg in die nunmehrige Propsteipfarre Wiener Neustadt an72
Dem letzten Regenschori des Stiftes, dem Konventualen Malachias Spitzel,
oblag das traurige Amt, das kirchenmusikalische Inventar des aufgehobenen
Chorherrsnstiftes zu besorgen, letztes Zeugnis einer bedeutenden Vergangenheit:
An Instrumenten waren 8 Violinen, 2 Violen, 1 "Bassettl", 3
Kontrabässe, 10 Trompeten, 2 Paar Pauken, 3 Posaunen, 2 Hörner und 1 Fagott
ausgewiesen. Am Chor befanden sich neben der großen Orgel und dem Positiv die
entsprechenden Choralbücher, 2 Gradualien und 2 Antiphonare sowie 4 Kästen voll
Noten. Zwei weitere Orgelpositive, eins davon aus der Barbarakapelle, waren in
der Schneiderei bzw. auf dem Dachboden, ein weiteres Positiv stand in der
Schloßkapelle zu Ochsenburg73.
Die St. Pöltner Dommusik
1. Aufbau - Johann Hubner
Mit dem 8. Mai 1785, dem Tag der feierlichen Inthronisation des ersten St. Pöltner Bischofs Johann Heinrich Kerens (1785-1792), beginnt die Geschichte der St. Pöltner Dommusik.
Ihr Anfang war nicht gerade ermutigend. Durch die Konfiskation des
Stiftsvermögens war eine bislang recht zuverlässige materielle Grundlage in
Verlust geraten. Der mit der Verwaltung dieses Vermögens betraute
Religionsfonds war ein weit sparsamerer Brotgeber und brachte insbesondere
durch seine bürokratische Haltung die Kirchenmusik in große Schwierigkeiten.
Der Verlust des klösterlichen Kirchenmusikpersonals war dagegen leichter zu
ertragen. An seine Stelle traten die mit dem Bischof von Wiener Neustadt
mitgekommenen Choralisten, die im aufgehobenen Franziskanerkloster, dem
späteren bischöflichen Priesterseminar, Quartier bezogen. Die Choralisten, ihre
Höchstzahl war mit 6 limitiert, besorgten den Choral bei sämtlichen feierlichen
liturgischen Funktionen des Bischofs und seines Domkapitels. Sie sangen täglich
Terz, Kapitelamt und Vesper und an den Festtagen die übrigen großen Horen. Des
weiteren bildeten sie am Domchor, wann immer ein Figuralgesang vorgesehen war,
den Grundstock der Unterstimmen und halfen durch "Falsettieren"
bisweilen sogar den schwachen Oberstimmen.
Der anfängliche Choralistengehalt, 200 Gulden und Quartier, war durchaus
angemessen und machte das Amt sogar begehrenswert74. Dieser
begrüßenswerte Zustand sollte sich freilich mit zunehmender Geldverdünnung
ändern. Trotzdem fehlte es nie an guten Choralisten. Bester Beweis hiefür ist
die Tatsache, daß bis zu dem nach dem Ersten Weltkrieg erfolgten Ausscheiden
der Choralisten jeder Domkapellmeister, vorerst Domregenschori genannt, aus
ihren Reihen kam. Erster Regenschori war Johann Hubner (Huebner, Hübner). 1748
geboren, war er vorerst Domchoralist und ab dem 27. August 1787 Leiter der
Dommusik. Laut Vertrag hatte er sämtliche Musikalien und Instrumente zu
übernehmen und sie mit dem bischöflichen Wappen zu signieren. Des weiteren
wurde ihm der Verleih von Noten und Instrumenten ebenso (mit Pönale!) verboten
wie die Verpflichtung von "Leuten aus dem Theater". Schließlich
"Sey dem Regenschori einzuschärfen, die Musiker zur besseren Ordnung und
wärmerem Eifer für den Dienst anzuhalten, eine zweckmäßige Eintheilung nicht
nach den von jeden unter ihnen eigenmächtig suchenden Platz und Rang, sondern
nach ihren Fähigkeiten zu veranlassen, und also auf eine solide Musik Bedacht
zu nehmen, vorzüglich auch den Thurnermeister anzuhalten, daß er sich um
tüchtigere Leute bewerbe". Der Vertrag sah ferner die Beibehaltung des
Choralistendienstes vor, soweit es sich mit dem Dirigentenamt vereinbaren ließ.
Doch auch diese Doppelfunktion ermöglichte noch keine lebensfähige Existenz75.
So sah man sich weiter um und glaubte schließlich, in dem durch den Tod des
Michael Lettner am 9. Oktober 1811 freigewordenen Amt des Mesners an der Dom-
und Franziskanerkirche die endgültige Sicherstellung des Domregenschori
gefunden zu haben. Eine höchst unglückliche Lösung, über die alle Betroffenen,
insbesondere der Meßdiener im Dom sowie der vom Regenschori zu bezahlende
Gehilfe bei den Franziskanern, nicht froh wurden.
Zum besonderen Aufgabenbereich des Regenschori zählte die Schulung der vom
Religionsfonds systemisierten drei Sängerknaben, die bei ihrem Meister auch in
Kost und Quartier standen. Daß man bei maximal 6 Männer- und drei Knabenstimmen
2 Sopranisten und ein Altist, nur mit Einschränkung von einem Domchor sprechen
kann, muß wohl nicht näher erläutert werden. Um so höher sind daher die
Leistungen der Chorregenten zu bewerten, denen in Bischöfen, Domkapitularen und
wohlsituierten Bürgern der Stadt warmherzige Mäzene, in der "Geistlichkeit
und anderen distinguierten Personen" opferbereite, ehrenamtliche
musikalische Mitarbeiter zur Seite standen76.
Mit den Sängerknaben kam dem Regenschori auch ein gerüttelt Maß an
materiellen Sorgen ins Haus. Ein wahrer Aktenberg kündet von den
Schwierigkeiten, das Geld für Kost, Quartier, Kleidung (Rock, Beinkleid, Gilet
und Mantel), Schulrequisiten, Bettzeug, Möbeln und anderes mehr
hereinzubekommen77.
Der Instrumentalpart lag auch weiterhin vornehmlich in den Händen des
Turnermeisters und seiner Gesellen. 1787 kaufte der Melker Anton Kintscher
dieses Gewerbe um 1400 Gulden, nachdem er schon sechs Jahre vorher das Haus am
Rathausplatz 19 samt Gastwirtschaft sein eigen nennen konnte. 1799 erwarb er,
inzwischen "Musikdirektor" geworden, das Haus Domgasse 8. Ein recht
einträgliches Gewerbe also, besonders was die Hochzeits-, Ball-und
Theaterrnusik betrifft78. Letztere mag auch für den unerwünscht
weltlichen Ton am Domchor verantwortlich gewesen sein und zum Chorverbot der
"Theaterleute" geführt haben. Ob Turnermeister und Gesellen dem
Regenschori auch bei Bestreitung der "Bischöflichen Kammermusik" "subordiniert"
waren, ist nicht festzustellen. Der "Catalogus der bischöflichen
Kammermusicalien" unter Bischof Kerens zeigt jedenfalls einen beachtlichen
Umfang an weltlicher Musikpflege am geistlichen Hof und führt folgende Werke
an:
Symphonien: Haydn Josef (45), Vanhal, Haydn Michael (3), van Swieten (6),
Dittersdorf (3), Koze luch (3), Bosetti (3), Pleyel (15), Wranitzky (10),
Hofmeister, Süßmayer (2):
Klavierkonzerte: Preindl (2);
Divertimenti: Haydn Josef (6),
Wranitzky (6);
Quartette: Salieri (8); Quintette: Mozart79.
Während seiner langen Amtszeit diente Hubner nicht weniger als sechs Bischöfen. Neben Bischof Kerens war der kunstsinnige Bischof Johann Nepomuk Ritter von Dankesreiter (1816-1823) ein besonderer Förderer der Musik. Franz Schubert verbrachte als sein Gast einen schönen Herbstmonat des Jahres 1821 in St. Pölten. Zwei Akte der Oper "Alfons und Estrella" waren Frucht dieses Aufenthaltes. Auch die Harfnerlieder op. 12 sind dem Bischof dediziert. Über eine kirchenmusikalische Betätigung Schuberts in St. Pölten gibt es leider keine Anhaltspunkte. Es konnte auch nicht festgestellt werden, ob zwischen dem Meister und dem seit 1819 tätigen, aus Auspitz in Mähren gebürtigen Turnermeister Anton Schubert mehr als bloße Namensgleichheit bestand80.
Auch Bischof Jacob Frint (1827-1834), in seiner Jugendzeit Sängerknabe in
Klagenfurt, zählte zu den besonderen Förderern der Dommusik, wie manche
Notenschenkung beweist8l.
An der nunmehrigen Domorgel waltete bis 10. April 1798 Joseph Allbarth
seines Amtes. Der ehemalige Abstettner Schullehrer wirkte später noch viele
Jahre als Stadtpfarrorganist zu Krems. Anton Allbarths Nachfolger kam ebenfalls
aus dem Lehrerstande: Anton Mader aus Schönbach82. Über 40 Jahre
versah er gewissenhaft seinen Dienst, bis er, altersschwach, am 12. September
1839 eine Pension bewilligt bekam, eine für damalige Verhältnisse beachtliche
Auszeichnung83.
Eine abschließende Betrachtung kann dem Wirken Hubners ein gute,s Zeugnis
ausstellen. Nach der Überwindung beträchtlicher Anfangsschwierigkeiten
vermochte seine solide, sich über eine beachtliche Zeitspanne erstreckende
Tätigkeit ein gutes Aufbauwerk zu vollbringen. Dank guter Mitarbeiter erfreute
sich das Kirchenmusikwerk der Wiener Klassiker und ihner bedeutenden Nachfahren
einer eifrigen Pflege. Am 7. August 1831 starb der 8ljährige Regenschori an
Altersschwäche84. Was er begonnen, erfuhr eine großartige
Fortführung durch seinen Nachfolger Paul Resch, dem wohl bedeutendsten St.
Pöltner Domchorregenten des 19. Jahrhunderts.
2. Höhepunkt klassischer Musikpflege – Paul Resch
Paul Resch erblickte am 25. Oktober 1786 in dem östlich von Krems gelegenen Engabrunn als Sohn des Schuhmachermeisters Ferdinand Resch und der Maria Anna, geborene Fußlin, das Licht der Welt85. Er wendet sich dem Schuldienst zu, wird Schulgehilfe in Traismauer, bewirbt sich 1810 um das Amt eines Choralisten am St. Pöltner Dom. In jenem Jahre kamen durch den Tod des Sängers Gottlieb Gegenbauer und des die Oberstimme fistulierenden Bartholomäus Lischka gleich zwei Dienstposten zur Ausschreibung. Diese verlangte von den Bewerbern eine "gute und ausgiebige Stimme" und einige Übung im Chorgesang. Als Alterslimit waren 35 Jahre festgesetzt86. Neben Resch kam noch Ferdinand Butter in die engste Auswahl.
Durch 21 Jahre erwirbt sich nun Resch als guter Sänger, wertvoller Kopist und ansehnlicher Komponist die Achtung und das Vertrauen seiner Vorgesetzten. So tritt er schließlich die Nachfolge Hubners an. Der Dienstvertrag vom 20. August 1831 bestätigt Resch in allen uns schon von Hubner her bekannten Ämtern und regelt die sich daraus ergebenden Verpflichtungen- In besonderer Weise werden die Sängerknaben der Obsorge des neuen Regenschori übergeben: "Sie in, Kirchengesange gehörig zu unterrichten und ihnen überhaupt eine in jeder Hinsicht wahrhaft väterliche Behandlung, somit eine gute christliche Erziehung angedeihen zu lassen."
Als fixe Bezüge erhält Resch aus den Renten des Religionsfonds für den Dienst als Regenschori 50 Gulden, als Mesner 86 Gulden 55 Kreuzer (!). Als Äquivalent für größere Naturalbezüge kommen 84 Gulden 20 Kreuzer zur Auszahlung, das Naturale beträgt 6 Metzen Weizen, 20 Metzen Korn, 3 Metzen Gerste, je 4 Klafter "harte und weiche Scheiter". Für die Sängerknaben erhält er 617 Gulden und 4 Klafter weiche Scheiter pro Jahr87.
Mit dem Dienstantritt des energischen Regenschori wird am Domchor ein neuer Wind spürbar. Als Choralist mit den Vorzügen und Schwächen seiner Musikerkollegen vertraut, richtet er sich für seine neue Tätigkeit ein gutes Konzept zurecht. Die von Resch verfertigten Aufnahmebedingungen und Dienstverträge für Organist und Turnermeister zeigen die neue, deutlichere Haltung und geben einen guten Einblick in die Musizierpraxis am Dom.
Die Prüfungsordnung für die Bewerber des nach der Pensionierung Maders 1839 freigewordenen Organistenposten ist folgenden Inhalts: "Zu einem bischöflichen Einzuge ein Praeludium, Tempo maestoso, worauf nach einleitendem halben Tonschlusse die Fuge mit einem einfachen oder doppelten Subjecte nach selbstgewählten, aber nicht gebrochenem Thema und selbstgewählter Tonart zu folgen hat und mittels eines ausgezeichneten Orgelpunktes dem Schlusse zugeführt werden muß." Des weiteren hatte jeder Bewerber über das Kaiserlied, das österliche Alleluja und das Ite, missa est zu fugieren, den Part einer Orgelsolomesse zu spielen und den Volksgesang "zweckmäßig und nach dem Verhältnis der Menge der Gläubigen stärker oder schwächer zu begleiten"88.
Die zweifellos hohen Anforderungen lassen auf die Qualitäten der Organisten schließen, sicher eine Folge des so verdienstvollen Wirkens J. G. Albrechtsbergers in Niederösterreich.
Wie mächtig mag es geklungen haben, wenn der als Sieger aus diesem Prüfungswettbewerb herausgegangene und mit 12. Jänner 1840 bestellte Sankt Pöltner Musiklehrer Josef Egkhart beim Bischofseinzug "in pleno organo einleitend maestoso präludirt und darauf schön fugirt"89 hatte.
Erhöhte Anforderungen wurden auch an den neuen Turnermeister Johann Badstieber gestellt. Badstieber, 1815 zu Deutschhaus in Mähren geboren, hatte nach Absolvierung eines zweijährigen Studiums 1840 das städtische Turneramt von Stephan Maierhofer gekauft. Am 24. März 1841 wurde er auch kirchlich bestellte90. Der Vertrag sieht laut der von Resch verfaßten Instruktion vor, daß der Meister an jedem Sonn- und Feiertag die lnstrumentalmusik "durch 5 der Musik kundigen, daher tauglichen Individuen" zu besetzen habe. Dieselben haben eine halbe bis eine vierten Stunde vor Aufführungsbeginn am Chor mit "reiner Stimmung" parat zu sein und stehend zu musizieren, Violoncello und Pauken ausgenommen. In der Karwoche waren die jeweiligen Responsorien der Matutin mit Oboe oder Klarinette, Alt-, Tenor- und Baßposaune zu begleiten. Zu den Obliegenheiten des Karsamstages zählte die Instrumentalbegleitung des "Christus factus est" sowohl um 10 Uhr beim Kreuzaltar als auch am Ende der abendlichen "Pumpermette". Beim Hochamt des Gründonnerstag traten zu der schon bekannten Instrumentalbegleitung noch Violoncello und Violon hinzu. Bei der österlichen Auferstehungsfeier waren hinwieder "ein Trompetenchor nebst Horn, Posaune und Pauken nebst Intraden und Außzügen aus D-Dur zu besorgen" sowie die Begleitung der Figuralmusik beim Te Deum, Regina Caeli und Tantum ergo. "Am Ernte und Dankfest abends (sind) figurierte musikalische Litaneien und Te Deum nebst Tantum ergo und Salve Regina mit Intraden zu besorgen." Bei der Fronleichnamsprozession trat der "Chor von Blechinstrumenten und Pauken" in gleicher Art wie bei der Auferstehung in Aktion, "aber in D-Dur". Schließlich erwartete man an höheren Festtagen nach der Messe um 1/2 11 Uhr von der "Höhe des Domturmes beiderseitig solche lntraden und Aufzüge aus einer beliebigen Tonart gemacht. Gut gewählte, einfache Aufzüge sind die besten"91.
Unter der Regentschaft Paul Reschs erfuhr das Musikarchiv eine bedeutende Erweiterung seines Bestandes. Resch selbst stellte viele von ihm kopierte Kirchenmusikwerke dem Domchor zur Verfügung, kirchenmusikbegeisterte Gönner fanden sich mit namhaften Schenkungen ein: Bischof Frint, Bürgermeister Mayerhofer, Dompropst Eyerl von Eyersberg, Frau von Ritarz, Landesadvokat Marquard, der auch eine aus 1702 stammende Albanus-Geige schenkte, Konsistorialnotar Greth, Apotheker Perthl, Domchoralist Benesch92. Wie sehr sich diese Ausgaben gelohnt haben, zeigen Aufführungsvermerke und interessante Notizen an den Noteneinbänden. Sie künden von einer bemerkenswerten Musikpflege, die im folgenden näher umrissen werden soll. Tragische Eingriffe in das Notenarchiv zu Beginn des 2. Weltkrieges verhindern einen Vollständigkeitsanspruch nachfolgender Bemerkungen.
Besonderer Pflege erfreuten sich die Messen der Wiener Klassiker:
Joseph Haydn: Große
Orgelsolomesse (1766), Mariazeller Messe, Nicolaimesse, Missa S. Bernardi de
Offida (Heiligmesse), Missa in tempore belli (Paukenrhesse), Missa in angustiis
(Nelsonmesse), Theresienmesse, Harmoniemesse;
W.A. Mozart: Missa solemnis in
C (KV 337), Trinitatismesse (KV 167), Missa longa (KV 362), Krönungsmesse (KV
317), Missae breves in F (KV 192), D (KV 194), B (KV 275), C (KV 258), C (KV
259), Requiem (KV 626);
L.v. Beethoven: Messe in C-Dur, 1833 erstmalig erwähnt.
An Sonn- und Feiertagen wurden grundsätzlich nur Orchestermessen zur Aufführung gebracht. An den Festtagen erklangen vornehmlich die Messen Haydns; die Werke Mozarts sowie Haydns Nicolai-Messe, am häufigsten gesungen, standen am Programm der "gewöhnlichen" Sonntage. Mit besonderem Stolz weist Resch auf die Aufführung des Mozart-Requiems hin: "Dieses Requiem wurde seit dem Jahre 1836 unter meiner Leitung auf dem Chor der Domkirche viermal aufgeführt. Paul Resch, Regenschori."
An Komponisten des Spätbarocks beziehungsweise der Vorklassik sind vertreten: G. Bonno (1710 bis 1788), Fr. X. Brixi (1732-1771), A. Caldara (1670 bis 1736), J. E. Eberlin (1702-1762), J. J. Fux (1660 bis 1741), F. L. Gassmann (1729-1774), J. A. Hasse (1699-1783), I. Holzbauer (1711-1783), N. Jomelli (1714-1774), G. Reutterer d. J. (1708-1772), G. Chr. Wagenseil (1715-1777).
Gern gesungen wurden die Werke der heimischen niederösterreichischen Komponisten: J. G. Albrechtsberger (1736-1809, Melk, Maria Taferl), G. Donberger (1709-1768, Herzogenburg), R. Kimerling (1737 -1799, Melk), J. Krottendorfer (1741-1768, Herzogenburg), F. Schneider (1737-1812, Melk), J. Cr. Zechner (1716-1778, Göttweig, Krems). J. A. Scheibl ist mit auffallend wenigen Werken vertreten, sein Nachlaß dürfte nicht in St. Pölten verblieben sein.
Von den Zeitgenossen der Klassiker ist besonders Michael Haydn (1737-1806) hervorzuheben, dessen Oeuvre vor allem wegen der das liturgische Verständnis fördernden Propriumsätze (Offertorien und Graduatien) am umfangreichsten ist. Weiters finden wir K. Ditters von Dittersdorf (1739-1799), L. Hoffmann (1730-1793), J. G. Naumann (1741-1801), A. Salieri (1750-1826).
Franz Schubert findet sich mit keiner einzigen Meßkomposition, hingegen erfreut sich J. Eybler (1756-1846), wiederum der Proprien halber, größter Beliebtheit.
An weiteren bekannten Meistern seien angeführt: A.Diabelli (1781-1851), M. L. Cherubini (1760-1842), J. B.Gänsbacher (1778-1844), J. N. Hummel (1778-1837), der aus Droß bei Krems gebürtige F. Krenn (1816-1897), K. Kreuzer (1780-1849), der Marbacher J. Preindl (1756-1823,) J. B. Schiedermayer (1779-1840), S. Sechter (1788-1867), Bruckners Lehrer, I. Seyfried (1776-1841), der in Maria Taferl tätige J.Spoth (1774-1851), Abbe M. Stadler (1748-1833), aus Melk gebürtig, J. B. Vanhal (1739-1813), J. Weigel (1766-1846), A. Wranitzky (1761-1820). Dazu kommt eine große Zahl heute unbekannter Kirchenkomponisten.
Abschließend sei auf das kompositorische Werk des Paul Resch verwiesen. Sind auch manche Schöpfungen aus einem praktischen Bedürfnis entstanden, also Gebrauchsmusik im besten Sinn des Wortes, so überschreiten einige großangelegte Kompositionen bei weitem den Rahmen liturgischer Gebrauchsmusik.
Nationalbibliothek Wien, Musiksammlung93:
Fastenmesse 1 (1832), Hymnus Jesu redemptor (1846), Messe für den hl. Gründonnerstag, 1. Lamentatio für den Gründonnerstag, 2. Lamentatio (1830), 3. Lamentatio (1827) in B, 3. Lamentatio für den Karsamstag;
Diözesanarchiv St. Pölten:94
Offertorien: Ecce nunc benedicite, In te Dom-ine, Jubilate Deo, Asperges in B, A, H, Tantum ergo in D, Alma redemptoris mater, Te Deum in D, Regina caeli, Große Messe in B, Lamentatio III.
Auf den Notendeckeln befinden sich die Namen von Musikern, wahrscheinlich Instrumentalisten, die sich aus den Leuten des Turnermeisters, Mitgliedern der Regimentskapelle sowie Musikliebhabern zusammensetzten:
Aschenbrenner, Bauer, Bartl, Berger, Carrara, Czechitzky, Fohringer, Freysinger, Gartner, Greysinger, Gruber, Hainzl, Hitzger, Hofmann, Hötzl, Klener, Knappek, Kober, Koller, Lechner, Meier, Moritz, Passecker (1842), Plaichinger, Poppenberger, Rockenbauer, Scholler, Schwarz, Schwarzbauer, Stigileithner, Stingl, Wand l (61), Weintritt, Wenusch.
Die Domorgel befand sich, von kleinen Reparaturen in den Jahren 1786,
1804, 1831 und 1845 abgesehen, in gutem Zustand95. Einige Sorge
bereitete allerdings ihre zu tiefe Stimmung, die einem Gutachten des
Choralisten Benesch zufolge gegenüber der Wiener Stephansdomorgel um einen
Halbton, im Vergleich zur hiesigen Regimentskapelle um einen Viertelton zu tief
lag. Benesch und der Turnermeister, dessen Instrumente angeblich darunter litten,
schlugen eine Übereinstimmung mit der Regimentskapelle vor. Am Ende stimmte
jedoch der seit 1813 in St. Pölten ansässige Orgelbaumeister Joseph Gatto d.
J., ein Mitglied der bekannten Kremser Orgelbauerfamilie und mit Resch
bisweilen in heftige Auseinandersetzungen verwickelt, nur das Positiv höher96".
60 Jahre später wird die tiefe Stimmung der Orgel zugkräftigster Vorwand für
den Abbau des technisch noch immer gut funktionierenden Werkes sein.
Am 30. Juni 1849 verlor der St. Pöltner Dom einen seiner besten Kapellmeister97. Ein am 2. September desselben Jahres aufgenommenes Inventar möge auf dem instrumentalen Sektor das hinsichtlich des Notenarchivs Gesagte bestätigen:
16 Violinen, 3 Violen, 3 Violoncelli, 2 Violen, 2 Oboen (schlecht), 2 Hörner (schlecht), 2 Hörner, 4 Trompeten (Clarini), Alt-, Tenor-, Baßposaune. Ergänzend werden weiters angeführt: 2 Klarinetten, 1 Flöte, 1 Viola, 2 Fagotte, 1 Bassettl, 2 Paar Pauken.
Erwähnenswert sind erstmalige nähere Hinweise auf die Orgeln: "Ein
Positiv mit 2 Ziehbälgen, welches an Wochentagen beim Choralamte und Nachmittag
zur Vesper gebraucht wird (5 Register). Eine große Orgel mit 2 Claviaturen, 4
Bälgen zum Treten, 12 Registern und einem Zug, durch welchen das Positiv' zum
Manual gekuppelt werden kann ... Beide Orgelwerke sind im Jahre 1739 (!) vom
Orgelbauer Sonnenholz aus Salzburg (!) verfertigt worden." Doch gerade der
letzte Satz, einziger bisher vorhandener schriftlicher Hinweis auf den Erbauer
der Domorgel, muß wegen einiger Ungereimtheiten der Jahreszahl und
Lokalisierung des Erbauers als nicht zutreffend gewertet werden. Sollte
Egedacher als Erbauer des Werkes ausscheiden, dann müßte man schon eher den
Orgelbauer Johann des Moyse ins Kalkül ziehen, den Propst Führer 1726 dem
Zwettler Abt wärmstens empfiehlt, weil er in den Pfarren und im Kloster
"Proben getan"98.
3. Ausklang der klassischen Epoche - Johann Radl
Johann Radl wurde am 5. Februar in der dem Stift Lilienfeld
inkorporierten Pfarre Radlbrunn im niederösterreichischen Weinviertel geboren.
Vom Vater, einem Lehrer, empfing er die erste musikalische Ausbildung und die
Neigung zum Lehrerberuf. Zuerst Schulgehilfe in Arbesbach, trat er am 18. Mai
1832 die Nachfolge des verstorbenen St. Pöltner Domchoralisten Matthias Bauer99
an. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, Domregenschori Resch wurde angehalten,
zur Vermeidung "unliebsamer Störungen" die beiden Choralisten Radl
und Wolf in der "Praxis des Choralgesanges" zu unterrichten, dürfte
sich Radl gut in sein Metier eingelebt haben. Ehe er den über ein halbes Jahr
verwaisten Posten des Domregenschori am 17. Dezember 1849 zugesprochen erhielt,
führte er Josefa Lechner, die Tochter seines Choralistenkollegen Georg Lechner,
als Gemahlin nach Hause100.
Radl wirkt ganz im Sinne seines Vorgängers Resch. Nahtlos gehen die
Aufführungsvermerke weiter. Besondere Erwähnung verdient das am 25. April 1852
"für seine Durchlaucht Fürst Schwarzenberg gesungene Mozartrequiem. In
Klammer ist die Zensur "sehr gut" beigefügt. Aus demselben Requiem
erklang bei der Weihe des neuen Domkreuzes "Rex tremendae
maiestatis". Zur Inthronisation des Bischofs Matthäus Joseph Binder
gelangte am 12. Februar 1872 Mozarts Krönungsmesse zur Aufführung, am 25.
Jubiläumstag des Regierungsantrittes Kaiser Franz Josephs, dem 2. Dezember
1873, die " Nelsonmesse", "mit großem Beifall unter Mitwirkung
der Musikkapelle".
Blieben Stil und Quantität der bisherigen Kirchenmusikpflege erhalten, so
wurde es doch immer schwerer, die gewohnte Qualität zu halten. Eine ständige
Teuerung verschlechterte die Situation beim hauptberuflichen
Kirchenmusikpersonal zusehends, wie sich besonders deutlich bei den Choralisten
zeigt: Bewarben sich 1834 noch dreizehn Petenten um einen freien Posten, so
1842 nur mehr neun, 1843 fünf, 1849 vier und schließlich 1851, als der
Choralist Wilhelm Wolf wieder in den Schuldienst zurückging, ganze drei,
nämlich Karl Haas, Wenzl Saitschek und Michael Daurer. Da keiner von ihnen
stimmlich zu gefallen wußte, gab schließlich die größere Musikalität Daurers
den Ausschlag für ihn101.
Auch das Turneramt verlor unter diesen Bedingungen seine Reize. Georg
Badstieber verlegte sich immer mehr auf den ihm 1865 zugesprochenen
"optischen Warenhandel"l02.
Eine sich allenthalben entfaltende, aus dem Geist der Romantik entsprossene kirchenmusikalische Restaurationsbewegung begann immer mehr in neuen Kategorien zu denken und der bisherigen traditionellen Kirchenmusikpflege äußerst kritisch gegenüberzustehenl03. Dies alles vervielfachte die Sorgen des Regenschori. Um so höher muß man seine Leistungen bewerten.
Mit der Schwächung der hauptamtlichen Basis gewann das Engagement der
Musikliebhaber immer mehr an Bedeutung. Von ihnem Einsatz hing es letztlich ab,
wie weit der Chorleiter über das Existenzminimum hinausgehen konnte. Daß diese
"Dilettanten" nicht nur beim Singen, sondern auch bei der mehr als
verdienten "Cäcilienjause" ihren Mann stellten, sei nur am Rand
vermerkt. Im Verein mit den "Himmelträgern" wurden bei einem solchen
Anlaß 18 Portionen Hase mit Knödel, 11'/2 Maß alten Wein, 2 Maß heurigen Wein,
18 Portionen Schinken, Brot, Bier, Emmentaler, 18 Kaffee, 2 Glas Branntwein
konsumiert. Eine zerbrochene Flasche ergänzte die Rechnung104.
Ein Gutteil des hohen Ansehens Radls und der damit venbundenen Erfolge ging
auf das Konto seines kompositorischen Schaffens, durch das er sich ebenfalls
als würdiger Nachfolger Paul Reschs auswies: Nationalbibliothek Wien,
Musiksammlung:
Vocal-Messe, op. 10, 3 Alma redemptoris mat.er, 4 Tantum ergo (1868), Hymnen: Decora lux, Veni creator, Vexilla regis, Ave maris stella, Ibant magi, Iste confessor, Jesu redemptor omnium, Salutis humanae (1865), Veni Creator (1865), Graduale und Offertorium für die Fastenzeit, Trauergesang, Pange lingua für die Karwoche, 2 Hymnen, Tantum ergo105. Die große Zahl mehrstimmiger Hymnenkompositionen läßt auf einen Rückgang der Choralpflege schließen, ein Umstand, der die cäcilianischen Reformer besonders auf den Plan rief. Doch Radl ging seinen Weg unbeirrt weiter. Während sich in Bamberg 1868 der Deutsche Cäcilienverein konstituierte und in Österreich die Stimmen nach einer Kirchenmusikreform immer lauter wurden106; während der vom Restaurationsgedanken begeisterte, hochmusikalische St. Pöltner Bischof Matthäus Josef Binder eine "Aufmunterung zur thunlichsten Hebung der Kirchenmusik" erließ, hielt Radl an der alten Tradition fest, ein Fels in tosender Brandungl07, Erst mit seinem Tod, am 12. Februar 1878, änderte sich die Situation. Dann aber schlagartig, wie die zu Ende gehenden Aufführungsvermerke zeigen. Nun ist auch, mit einiger Verspätung, in St. Pölten der Weg für die "Erneuerung" frei.
4. Cäcilianische Bestrebungen - Michael Daurer
Die kirchenmusikalische Erneuerungsbewegung des 19. Jahrhunderts war ein Teil des großen katholischen Restaurationswerkes zur Überwindung von Rationalismus und Aufklärung, die in Österreich ihren sichtbaren Ausdruck im josephinischen Staatskirchentum gefunden hatten. Den verlorenen kirchlichliturgischen Geist hoffte man auf kirchenmusikalischem Gebiet durch die Rückwendung zum gregorianischen Choral, ".dem Gesang der Kirche", sowie zu der auf ihm basierenden klassischen Vokalpolyphonie Palestrinas und seiner Zeitgenossen wiederzufinden. Das Neuschaffen schien um so kirchlicher zu sein, je mehr es auch rein äußerlich diesem klassischen Vorbild entsprach, also ein kirchenmusikallsches Pendant zu Neuromanik und Neugotik. Die sich seit dem Barock immer mehr von der objektiven liturgischen Norm entfernende und die subjektiwe Begriffsverdeutlichung bevorzugende instrumentalbegleitete Kirchenmusik mit ihrem Höhepunkt zur Zeit der Wiener Klassik wurde entschieden in Frage gestellt. Ihre oft mangelhafte Wiedergabe sowie eine Flut künstlerisch wertloser und obendrein noch unliturgischer Gebrauchsmusik bedeutungsloser Epigonen führte schließlich zur offenen Feindschaft gegenüber allem, was bisher als Ideal österreichischer Kirchenmusik gegolten hatte.
Während die Erneuerungsbewegung in Deutschland stärkere radikale Züge annahm und in dem von Franz X. Witt (1834-1888) gegründeten Allgemeinen deutschen Cäcilienverein (ACV) eine durchschlagskräftige Organisation gefunden hatte, gestaltete sich die Situation in Österreich uneinheitlicher.
Da fanden sich vorerst die bedingungslosen Parteigänger des ACV. Daneben gab es die national gefärbten, vom Gmundner Chorregent Johannes E. Habert (1833-1896) angeführten österreichischen Cäciliarner, die österreichische Eigenart mit den Reformideen verbinden wollten. Ihr kirchenmusikalisches Ideal bestand in einem vokal orientierten, auch das Instrumentarium nicht ausschließenden Zeitstil. Den Wiener Klassikern standen sie fremd, jedoch nicht feindselig gegenüber, verteidigten sie sogar gegen die Angriffe des ACV, mit dem sie im harten Kampf um den Führungsanspruch in Österreich standen.
Ein drittes Lager umfaßt schließlich all jene, die sich zwar vom Geist der Erneuerung tragen ließen, jedoch jegliches Vereins- und Kunstdiktat ablehnten. Sie führten schließlich eine echte Erneuerung herbei und halfen den Cäcilianern aus der künstlerischen Krise, in die sie mit ihrem liturgisch einwandfreien, jedoch musikalisch blutleeren Imitationsstil hineingeraten waren108.
Diese allgemeine Einführung scheint für das Verständnis der Situation notwendig, in die der neue Domregenschori Michael Daurer hineingestellt war. Michael Daurer, 1823 im niederösterreichischen Etmannsdorf geboren, nimmt derselben Entwicklungsgang wie seine Vorgänger. Zuerst "Unterlehrer in Tulln", kommt er; wie bereits oben erwähnt, 1851 um ein Choralistenamt im St. Pöltner Dom ein. Johann Benesch, Johann Papritz, Ignaz Hofstätter und Moritz Resch werden seine Kollegenl09.
Mit der am 1. April 1878 erfolgten Bestellung Daurers zum Domregenschori wird die schon längst fällige Trennung des Chorleiteramtes vom Mesnerdienst vollzogen. Die zusätzliche Verwendung Daurers als Kanzlist, "Diurnist", in der bischöflichen Konsistorialkanzlei versprach, weniger Pflichtenkollisionen mit sich zu bringen. Wieweit von diesen der nunmehrige Mesner und gleichzeitige Choralist Moritz Resch verschont blieb, läßt sich nicht feststellen110.
Mit dem neuen Regenschori gelangte ein reformbegeisterter Cäcilianer an
die Spitze der Dommusik, durch den Besuch mancher cäcilianischer Versammlungen,
Produktionen und Choralkurse entsprechend vorbereitetlll. Sein Lager
war das des österreichischen Cäcilianismus. So verband ihn mit Habert eine
langjährige, treue Freundschaft, Grund genug, um in das Schußfeld der
Deutschcäcilianer zu geraten. Daher schwankt das kirchenmusikalische Bild
Daurers in der Parteien Gunst und Ungunst, wie aus einigen widersprüchlichen
Urteilen der lautstarken, für die Verbreitung der Reformideen hochbedeutenden
cäcilianischen Presse hervorgeht. So berichtet Haberts "Zeitschrift für
katholische Kirchenmusik":
Am erfreulichsten ist die Situation in St. Pölten, wo "cäcilianische Kompositionen
in würdiger Form aufgeführt werden und ein Sängerchor von 32 guten Stimmen
besteht"112.
Anders wissen hingegen Witts "Fliegende Blätter" zu berichten:
"Was hilft das schönste Ausschreiben des Bischöflichen Ordinariates St.
Pölten, wenn man vorher einen Domkapellmeister wählt, der selbst keinen Begriff
vom ächten Kirchenstyl hat, also der Diözese keinen Musterchor heranbilden
kann"113, Erfreuliches und Unerfreuliches bekam Daurer auch aus
nächster Nähe zu verspüren. Da gab es zunächst Kontroversen mit dem greisen
Domorganisten Egkhart, einem Traditionalisten, die dem Regenschori sogar einen
behördlichen Verweis eintrugenll4
Der Widerstand der Choralisten hatte hingegen einen sehr realen Sitz im
Leben. Die "Reform der Kirchenmusik und des Chorgesanges" verlangte
"höhere technische Anforderungen", die in keinem Verhältnis zu den
sich verschlechternden Lebensbedingungen stander115. Erst eine
energische Intervention Domdechants Chalupka am Neujahrstag 1879 führte einen
Klimawechsel herbei116.
Zu den erfreulichsten Tatsachen zählten die gelungenen, von Bischof und Fachleuten gelobten Erstaufführungen cäcilianischer Werke, wie Haberts Thomasmesse, sein Graduale Omnes de Saba sowie Witts Vokalmesse op. 12117. Sehr positiv zu verzeichnen waren auch die kirchenmusikalische Aktivierung der St. Pöltner Theologen sowie der Zöglinge des Lehrerseminars. Um die letzteren nahm sich besonders Prof. Josef Preßl an. Als Lehrerssohn am 29. November zu Ferschnitz in Niederösterreich geboren, wirkte er zunächst in Oberhollabrunn und sodann in St. Pöltenll8. Als Organist bei den Franziskanern brachte er dort mit seinen Schülern erstmalig cäcilianische Musik zu Gehör. Das Vorbild dieses profilierten Musikers, "angesehenster" und in den "Kirchentönen wohlbewanderter Organist der Stadt", gereichte der vornehmlich von Lehrern geleiteten Kirchenmusik der Diözese zum Segenll9. Kein Wunder, daß man der Dienste Preßls auch im Dom nicht entbehren wollte und ihn schließlich nach der Pensionierung Egkharts 1791 zum Domorganisten berief120.
Das hundertjährige Diözesanjubiläum war Anlaß großer Feierlichkeiten, die in drei Pontifikalämtern im Juni 1885 ihren Höhepunkt erreichten. Interessanterweise findet sich in der kirchenmusikalisch sonst so mitteilsamen Lokal- und Fachpresse kein Hinweis auf ein näheres Programml2l. War es vielleicht nicht cäcilianisch?
Ein für die Dommusik bedeutungsvolles Ereignis war die am 22. Juli 1886 erfolgte Gründung des Cäcilienvereines der Diözese St. Pölten, in dessen Vorstand auch Daurer berufen wurdel22. Die Kirchenmusiker der Bischofsstadt übernahmen die Aufgabe, eine für die ganze Diözese beispielhafte cäcilianische Musik zu pflegen: Daurer im Dom, Preßl bei den Franziskanern. Die Theologen, von Domkurat Michael Wandl im Choralgesang, von Daurer, der auch Gesangslehrer im Realgymnasium war, im Figuralgesang unterrichtet, wählten die Herz-Jesu-Kirche zu ihrem Wirkungsort. Auch die Englischen Fräulein wollten bei soviel Eifer nicht zurückstehen. Doch nun wieder zurück zum Dom. Dort wurde der Choralgesang auf Grund der "authentischen Choralbücher" einer gründlichen Reform unterzogen. Die Psalmen bei Terz, Vesper und Begräbnismessen wurden "korrekt" gesungen, ebenso die Responsorien. Die Theologen sangen an Festtagen Introitus, Graduale und Communio choraliter. Die 15 Knaben der von Kurat Wandl geleiteten cäcilianischen Gesangsschule übten sich ebenfalls fleißig im Choralgesangl23.
Die Figuralmusik war ebenfalls ganz auf die cäcilianische Linie eingeschwenkt. Der völlige Bruch mit der Vergangenheit ließ ein neues Chorarchiv entstehen. Dank einer umfangreichen und nicht gerade bescheiden anmutenden Berichterstattung sind wir über diese Periode bestens informiert.
Die so hoch gepriesene klassische Vokalpolyphonie erklang, vermutlich wegen ihres Schwierigkeitsgrades, nur sporadisch. Nur in der Karwoche hatten Motetten und Improperien von G. P. Palestrina, G. B. Nannini und F. Suriano einen festen Platz. Um so stärker war die cäcilianische Vereinsmusik vertreten. Sie umfaßte den strengeren Imitationsstil eines M. Haller, F. Koenen, G. Quadflieg, P. Piel, die Werke Haberts und Witts sowie die Vertreter einer den Zeitstil mehr berücksichtigenden Richtung, wie J. G. Mettenleithner, C. Greith, M. Brosig und I. Mitterer. Besonderer Beliebtheit erfreute sich jedoch die von der Erneuerung beeinflußte, das volkstümliche Empfinden stark berücksichtigende Gebrauchsmusik eines J. Zangl, F. Schöpf, F. Santner, R. Führer, J. Schweitzer, J. Reimann und F. Gruber. Aus ihren Reihen kamen nunmehr die Orchestermessen an den größeren Feiertagen, ein schwacher Ersatz für die Klassikermessenl24. Der wenig anspruchsvolle Orchesterpart verschleierte die Misere, in die die Dommusik geraten war, als mit dem Tode Georg Badstiebers am 8. Jänner 1886 das Turnermeisteramt endgültig erloschen war und Verhandlungen mit der städtischen Musikkapelle zu keinem konkreten Ergebnis führtenl25. Um so mehr sang man A-cappella-Literatur, vornehmliches Betätigungsfeld des neu gegründeten "Cäcilienvereinschores". Er stützte sich besonders auf "die ehrw. Herrn Theologen und mehrere, die Bestrebung,en des Cäcilienvereines, der ganz auf freiwillige, unentgeltliche Mitglieder angewiesen ist, mit anerkennenswertem Eifer fördernde Gesangskräf.te der Stadt" und gestaltete in den Jahren 1892/93 am jeweils letzten Monatssonntag sowie am Gründonnerstag die Liturgie in der Kathedrale. Über sein Verhältnis zum Domchor finden sich keine Hinweise. Am 17. März 1894 nahm der Tod dem von Krankheit und Anstrengungen gleichermaßen gezeichneten Michael Daurer den Taktstock aus der Hand.
5. Krise der Dommusik - Karl Gruber
Die Nachfolge Michael Daurers trat am 1. April 1894 Karl Gruber an. Er kam aus Böhmen und wurde am 10. Jänner 1851 in Hohenfiurth geboren. In St. Pölten wirkte er zuerst bei den Franziskanern als Organist (1872), später, 1878, als Chorleiter. Im Verein mit Josef Preßl musizierte er dort im Sinne der Erneuerungsbewegung. 1885 wechselte er in die Domkirche als Choralist, nachdem er zuvor schon den Posten eines Diurnisten in der Bischöflichen Ordinariatskanzlei erlangt hatte126.
Karl Gruber war wohl der am wenigsten vom Glück begünstigte Domchorleiter. Zwei Ereignisse überschatteten vor allem das Wirken des pflichteifrigen, rechtschaffenen Mannes: die Krise des Cäcilianismus und der 1. Weltkrieg mit seinen schrecklichen Folgen. Dabei zeigt sich der Anfang sehr verheißungsvoll. Die noch gut funktionierende cäcilianische Vereinsmaschinerie schien der Dommusik klare Wege vorzuzeichnen. So erfuhren auch Aufführungsstil und Domchorprogramme keine Veränderungen, sieht man von den Neukompositionen eines J. Gruber, M. Filke und P. Griesbacher ab.
Der durch die Firma Rieger, Jägerndorf, . im Jahre 1903 um den Preis von 18.300 Gulden durchgeführte Neubau der Domorgel, für den Prof. Preßl hauptverantwortlich zeichnete, sollte der Dommusik weitere neue Impulse verleihen. Noch ahnte man nicht, we1chen Fehler man mit dem Abbau des noch immer gut funktionierenden historischen Werkes begangen hatte und welche Hypothek man mit der von Anfang an schlecht funktionierenden, dreimanualig-42registrigen, pneumatischen, "größten Orgel der Diözese" kommenden Generationen aufgehalst hatte127.
Im cäcilianischen Vereinsleben kehrte nach dem Tod der alten Kämpen Witt
und Habert eine friedlichere Haltung ein. 1905 schloß sich der St. Pöltner
Diözesanverein dem ACV an, zwei von Dr. F. X. Haberl, dem prominenten Leiter
der Regensburger Kirchenmusikschule, 1903 und 1906 in St. Pölten geleitete
kirchenmusikalische Schulungskurse wurden zu einem Ereignis von überdiözesaner
Bedeutungl28.
Dessenungeachtet machte sich eine gewisse Müdigkeit und Resignation
bemerkbar und ließ sich auch durch die kirchenmusikalische Gesetzgebung Papst
Pius X. in den ,lahren 1903/04 nicht aufhalten. Leidenschaftlicher Anfangseifer
und organisatorische Spitzenleistungen konnten eben nur eine Zeitlang über
künstlerische Unzulänglichkeiten und innere Leere hinwegtäuschen. Deutsche
Gründlichkeit ; wollte in Österreich ebensowenig heimisch werden wie eine auf
Breitenwirkung hinzielende Choralpflege. Die Ernüchterung war unausbleiblich.
"Wir stehen auf einem ziemlich niederen, noch besser gesprochen seichten
Stufe der Kirchenmusik", stand im Cäcilienvereinsprotokoll des Jahres 1908
zu lesenl29. Der so eifrige Cäcilienvereinschor gab keine
Lebenszeichen mehr von sich. Es ist anzunehmen, daß sich der verbliebene Rest
an Frauen und Männern ebenso im Domchor sammelte wie die Schar der von Gruber
eigens unterrichteten Knaben und Mädchen. Still wurde es auch um die
Kirchenmusik der Theologen. Einzig die Lehrerseminaristen, nunmehr von
Professor Anton Schwalb geleitet, zeigten ihren gewohnten Eiferl30.
Mit der Feier seines 25jährigen Bestandes trat der Cäcilienverein der
Diözese am 23. November 1911 ein letztes Mal in Erscheinung. Die einstigen
Gründungsmitglieder waren mit Ausnahme des Bischofs Johannes Rößler (1894-1927)
nicht mehr am Leben. Mit ihrem Leiter Vinzenz Goller und dem Festredner Dr.
Andreas Weißenböck war hingegen eine neue Institution würdig vertreten: die
Kirchenmusikabteilung an der Wiener Staatsakademie für Musikl3l. Wer
konnte damals ahnen, daß gerade Goller und Weißenböck die Zukunft der Dommusik
so bedeute.nd beeinflussen sollten?
Die Gegenwart sah indessen noch trübe aus, wie sich vor allem in der
weiter verschlechternden Situation der Choralisten zeigte. Die Gehälter waren
seit 1869 nicht mehr geregelt worden, Ansuchen um Gehaltserhöhungen blieben
liegen oder wurden mit einmaligen Zuwendungen höchst ungenügend beantwortet.
Dementsprechend wurden die Vertreter der letzten
"Choralistengeneration", die Herren Georg Nowotny, Ignaz Berger,
Rudolf Mikschowsky sowie Gruber und Preßl, ihres Amtes immer mehr überdrüssigl32.
Am 2. Juli 1909 erlitt die Dommusik mit dem Ableben ihres Organisten Josef
Preßl einen schweren Verlustl33. Die Familie Preßl sorgte jedoch für
einen würdi~gen Nachfofger: Josef Preßl jun., am 23. November 1874 in
Hollabrunn geboren, Sängerknabe zu Göttweig, Substitut seines Vaters bei den
Franziskanern und im Dom, Chorregent in Langenlois und Krems. Mit dem
staatlichen Zeugnis für das Lehramt für Musik und der Zusatzprüfung für Klavier
und Orgel versehen, brachte er die denkbar günstigsten Voraussetzungen für das
ihm am 11. August 1910 definitiv verlieherre neue Amt mit, für das ·eine fast
hundertjährige Dienstinstruktion unverändert verbindlich war: tägliche
Segenmesse (6 Uhr), Choralamt (8 Uhr), Vesper (15 bzw. 16 Uhr), sonntägliches
Hochamt mit anschließendem Predigtlied, Segenmesse (10.30 Uhr), Vesper (14 Uhr)
und Segen (16 Uhr)134
In den ersten Weltkriegsjahren mußte das Sängerknabeninstitut wegen
Verpflegsschwierigkeiten aufgelassen werden. Gruber behalf sich mit Knaben aus
der Stadt und bat, mit den freiwerdenden Geldmitteln zusätzliche
"Frauenstimmen" bezahlen zu dürfen135. Wiederholte Klagen
des Dompfarrers und späteren Bischofs Michael Memelauer (1927-1961) über
wieerholte Disziplinlosigkeiten der Choralisten bereiteten dem kränklichen
Regenschori zusätzliche Sorgen136.
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges schien auch das Ende der Dommusik
gekommen zu sein. Vorerst quittierten die Choralisten ihren Dienst, am 20. Mai
1922 meldete sich Domorganist Preß1 krank und schied bald darauf aus dem
Dienstverhältnis. Nun verließ auch den bis zuletzt diensteifrigen Chorleiter
die Kraft137. 1n einem Gesuch vom 3. Jänner 1924 bat er mit
Rücksicht auf das hohe Alter und den angegriffenen Gesundheitszustand um
Enthebung. Am 1. April 1924, dem 30. Jahrestag seines Dienstantrittes, ging
Karl Gruber in Pension.
6. Aufstieg zu neuen Höhepunkten: Prof. Johann Pretzenberger, DDr. Stephan Matzinger, Dr. Alois Just, Prof. Walter Hofmann
Daß dem bedauernswerten Zustand der Dommusik ein baldiges Ende bereitet
werden mußte, war allen Verantwortlichen klar. Eine Eingabe des Dompfarrers
Memelauer sollte die Entscheidung der kirchlichen Behörde beschleunigen. Sie
enthielt bereits alle Elemente der kommenden Lösung: Bestellung eines
Diözesanpriesters mit der Doppelfunktion Regenschori-Domorganist. Als
Regenschori sorgt er für die Einstudierung der erforderlichen Kirchenmusik und
sucht sich einen geeigneten Dirigenten für die Aufführung, bei der er hinwieder
als Domonganist zu fungieren hat. Der aus ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende
Domchor erhält seine finanzielle Unterstützung durch kirchliche Zuwendungen
(Religionsfonds), Mitgliedsbeiträge aus einem zu gründenden Dommusikverein
sowie aus Konzerterträgnissenl38 Diese eigenartige, höchst
problematische Lösung des Chorleiter- bzw. Organistenproblems ist nur aus der
damaligen Situation heraus zu verstehen. Für zwei hauptamtliche Kirchenmusiker
wollte das Geld nicht reichen, ein Organist war im Augenblick schwerer zu
bekommen als ein Dirigent. Ein durch Jahre vorexerzierter kirchenmusikalischer
Minimalismus stand bei dieser Erwägung gewiß Pate.
So kam es in der Folge zu der in Österreich einmaligen Situation, daß der
Regenschori und spätere Domkapellmeister den Domchor nach außen hin
repräsentierte und geschäftsführend leitete, bei den eigentlichen
kirchenmusikalischen Diensten jedoch als Domorganist fungierte. Hier traten
wiederum Dirigenten ans Pult, die ihren Dienst nebenamtlich versahen oder den
Titel bzw. die Teilverpflichtung eines Domorganisten innehatten.
Daß die Dommusik bei dieser kurios-unglücklichen Konstellation trotzdem
einen ungeahnten Aufschwung nehmen konnte, verdankt sie dem unwahrscheinlichen
Glück, Persönlichkeiten erhalten zu haben, die aus der Unzulänglichkeit ein
Optimum an Möglichkeiten herausholen konnten und miteinander gut harmonierten.
So trugen auch die kirchenmusikalischen Errungenschaften der beiden
folgenden Jahrzehnte im Dom und in der Diözese mehr den Stempel einiger weniger
Persönlichkeiten als die Merkmale einer planvoll von Amts wegen geleiteten
Entwicklung.
Daß bei einer so verschwommenen Dienstabgrenzung persönliche Probleme
unausbleiblich waren, sei ebensowenig verschwiegen wie die Tatsache, daß der
restlose kirchenmusikalische Einsatz einiger (zu} weniger viele der auch hiefür
Verantwortlichen zu der unverständlichen Annahme bewog, unbeteiligt abseits
stehen zu dürfen.
Zu den verschiedenen Organisten, die nach dem Ausscheiden Josef Preßls im
Dom aushalfen, zählten der Theologe Johann Pretzenberger und der l5jährige
Walter Hofmann. Beide sollten im Verein mit DDr. Stephan Matzinger un.d Dr.
Alois Just den entscheidenden Neuaufbau der Dommusik bewirken und sie zu
bedeutsamen Höhepunkten führen. Mit der Skizzierung des Wirkens dieser
Persönlichkeiten soll die Dommusik dieser Phase umrissen werden. Johann
Pretzenberger wurde am 18. November 1897 im niederösterreichischen Purgstall an
der Erlauf geboren. Die Eltern ermöglichten dem Dreizehnjährigen unter großen
Opfern den Eintritt in das Bischöfliche Knabenseminar Seitenstetten und das
Studium am dortigen Stiftsgymnasium. In Seitenstetten wurde man auf die
musikalische Begabung Pretzenbergers aufmerksam. Infolge geringer musikalischer
Bildungsmöglichkeiten war der kunstbegeisterte Student, bald Seminarorganist
und Mitglied des Schulorchesters, vielfach auf das Selbststudium angewiesen.
1916 ereilte den Sextaner der Einberufungsbefehl. Glücklicherweise eröffneten
sich beim Militär günstige musikalische MögIichkeiten: das Organistenamt an
Garnisonskirchen und die Mitwirkung bei der Militärmusik. 1918 kehrte
Pretzenberger in die Heimat zurück, legte die Kriegsmatura ab und trat ins St.
Pöltner Priesterseminar ein. Schon im ersten Studienjahr wurde er Musikpräfekt
und wirkte bald im Dom als Aushilfsorganist. Nach der Priesterweihe kam er als
Kaplan nach Ulmerfeld und Großhollenstein. Kraft seiner musikalisehen
Fähigkeiten wurde er auserwählt, die Reorganisation des darniederliegenden
Kirchenmusikwesens im Dom in die Hand zu nehmen. Mit 1. Jänner 1924 hatte der
als Ordinariatsaktuar und Domorganist bestellte in St. Pölten nach dem Rechten
zu sehen. Nach der am 1. April desselben Jahres erfolgten Pension Karl Grubers
mit der schon erwähnten Doppelfunktion Regenschori-Domorganist betraut, behielt
er auch seine Ordinariatsfunktion noch weitere 23 Jahre.
Im Verein mit dem Bischöflichen Sekretär DDr. Stephan Matzinger, der den
Dirigentenposten übernahm, begann er nun den Aufbau des Domchores. Die durch
eine eigenartige Konstruktion anfänglich erzwungene Fesselung an die Domorgel
wich bald einer großen, freiwilligen Liebe. Zeit seines Wirkens kam der
Domkapellmeister von seiner Orgel, deren Um- und Ausbau sein Werk war, nicht
mehr los.
Um den erhöhten Anforderungen genügen zu können, inskribierte Pretzenberger
1924 an der Kirchenmusikabteilung der Wiener Akademie, die nach dem Ersten
Weltkrieg zu einem Zentrum wurde, das "die Kirchenmusik eines ganzen
Landes umzuwandeln und darüber noch über die Grenzen hinaus andere
fernerliegende Kirchenmusikkulturen zu beeinflussen imstande war"139.
Allen Schwierigkeiten und Studienunterbrechungen zum Trotz konnte 1930 die
Staatsprüfung für Orgel und Klavier abgelegt werden.
Von den akademischen Lehrern wurde der schon erwähnte Vinzenz Goller von schicksalhafter Bedeutung. Er begeisterte seinen Schüler für die von Pius Parsch inaugurierte volksliturgische Bewegung, der von nun an das Lebenswerk des Priesters und Kirchenmusikers Pretzenberger, dem im Priesterdichter K. B. Frank ein idealer Gefährte zur Seite stand, gehörte. Hier die wichtigsten Momente in der volksliturgischen Aufbauarbeit Pretzenbergers, an der sich auch der Domchor in immer steigendem Maße beteiligte: die erste liturgische Karfreitagsfeier 1927, die Advent- und Fastenandachten, die Gemeinschaftsmessen, die Mitarbeit am Diözesangesangsbuch mit DDr. Stephan Matzinger (1930, Neuauflage 1939), die Neuherausgabe desselben als "Volk vor Gott" (1968), das "Vesperbuch", das "Deutsche Requiem", die "Gesänge zur Firmung", die "Feier der Karwoche und Osternacht", die "Deutsche Weihnachtsmesse", die "Gesänge zum Deutschen Hochamt", die "Johannesmesse", die "Hippolytmesse", viele Propriumsparaphrasen und Falsibordonisätze sowie eine Menge weiterer deutscher und lateinischer Kirchenmusikwerke.
Wenn die St. Pöltner Diözese in volkslitungischen Belangen immer als vorbildlich galt, wenn die liturgische Bewegung in den Kriegsjahren des Zweiten Weltkrieges geradezu zum Symbol eines neuen religiösen Aufbruches wurde, wenn schließlich die durch das Zweite Vatikanische Konzil erneuerte Liturgie in ruhiger Bereitwilligkeit eingeführt werden konnte, trägt Domkapellmeister Pretzenberger großen Anteil daran. Daß der Domchor, durch die offizielle Liturgie an der Kathedrale voll in Anspruch genommen, sich auch in den Dienrst der damals noch zusätzlichen volksliturgischen Feiern stellte, gereicht ihm zur Ehre. Über den Anteil Pretzenbergers an der feierlichen lateinischen Liturgie der Bischofskirche wird in einem anderen Zusammenhang gesprochen. War er, wenngleich meist Organist, ja doch als Domkapellmeister für alles mitverantwortlich und an allem mitbeteiligt. Auch die von ihm im Alleingang und unter großen persönlichen Opfern gegründete Kirchenmusikschule der Diözese sei in diesem Zusammenhang erwähnt. Sie sollte eine Segensquelle für die Kirchenmusik der ganzen Diözese werden. Als Lehrer wie als Orgelimprovisator verstand er es vorzüglich, die hohe Kunst vielen verständlich zu machen und sie hiefür zu begeistern.
Eine große Sorgfalt widmete der Domkapellmeister der kirchenmusikalischen Ausbildung des Klerus. Der 1951 erfolgten Ernennung zum Dozenten für Kirchenmusik an der Theologischen Hochschule St. Pölten gingen ein langfähriges privates Dozieren und die erfolgreiche Reaktivierung der Theologen als "Choralisten" voraus. Die durch den Zweiten Weltkrieg gewaltsam unterbrochene Choralpflege erreichte nachher unter den Choralmagistern DDr. Josef Wodka und Dr. Walter Graf und dem erfolgreichen Wirken tüchtiger Musikpräfekten des Priesterseminars einen sowohl quantitativen wie auch qualitativen Höhepunkt.
Von den vielen übrigen kirchenmusikalischen Ämtern Pretzenbergers seien ergänzend angeführt: Vorsitzender der Diözesankommission für Kirchenmusik und Referent für Orgel- und Glockenfragen. Verständlicherweise fand ein so mannigfaches Wirken die entsprechende Würdigung: 1935 erfolgte die Ernennung zum bischöflichen Konsistorialrat, 1942 zum päpstlichen Geheimkämmerer, 1961 zum päpstlichen Hausprälaten. Der Bundespräsident verlieh 1951 den Professorentitel, 1951 kam die Bestellung zum Mitglied der Gesellschaft der Denkmäler der Tonkunst in Österreich.
Die anstrengende Arbeit - über den eifrigen Seelsorger Pretzenberger wäre noch zu berichten - forderte freilich auch ihren gesundheitlichen Tribut. 1960 mußte Prälat Pretzenberger einen Teil seiner Verpflichtungen in jüngere Hände legen, 1967 ging er in den Ruhestandl40
Stephan Matzinger erblickte am 22. Dezember 1885 in Altdietmanns im niederösterreichischen Waldviertel das Licht der Welt. Im bischöflichen Knabenseminar und im Stiftsgymnasium Seitenstetten erhielt auch er seine erste musikalische Schulung als Sänger und Instrumentalist. Nach einjährigem Studium an der bischöflichen Hauslehranstalt in St. Pölten kam er nach Rom ans Collegium Germanicum und promovierte an der päpstlichen Universität Gregoriana zum Doktor der Philosophie und Theologie. Im Collegium Germanicum leitete der junge Theologe den Figuralgesang der aus allen deutschsprachigen Diözesen kommenden Studentenschar. 1913 als Priester in die Heimat zurückgekehrt, war DDr. Matzinger nach kurzer Kaplanszeit in Raabs und Gars Vizerektor am bischöflichen Knabenseminar Melk. 1920 kam er nach St. Pölten als Sekretär des Bischofs Rößler. Am 1. April 1924 erklärte er sich nach "mancherlei Aufregungen und Verdrießlichkeiten" bereit, auch die Leitung des Domchores zu übernehmen. Im Verein mit Pretzenberger begann der energische Chorleiter ein Aufbauwerk "in aller Bescheidenheit, aber mit viel Eifer"141. Zweimal wöchentlich fand die Probe statt, und bald war "ein Stock von sehr guten Sängern" beisammen: mit den Solisten Balbine Kratzl (Sopran), Anna Balt (Alt), Franz Bandion und Josef Schiel (Tenor) und Franz Jungwirth (Baß). Das ganze Jahr hindurch fand man sich an Sonn- und Feiertagen sowie bei außerondentlichen liturgischen Anlässen am Domchor zum feierlichen Gotteslob ein. Setzte man anfänglich die bisherige Tradition mit Gruber, Griesbacher, Brosig, Filke, Pembauer u. a. fort, so fand man doch bald nicht mehr damit das Auslangen. Faist, Rheinberger, Koch, Kromolicki, Goller und Springer kamen hinzu.
Liszts Missa choralis wurde zum Lieblingswerk des Dirigenten. Immer stärker machte sich in der Folge bei der Programmwahl der richtunggebende Einfluß der Wiener Kirchenmusikabteilung der Akademie bemerkbar. Neben der Einstudierung zeitgenössischer Schöpfungen kam nun auch wieder das Kirchenmusikwerk der Wiener Klassik zu Ehren. Mit der Aufführung von Mozarts Missa brevis in D (KV 194) lebte eine alte, fast ein halbes Jahrhundert unterbrochene Tradition wieder auf und wurde mit Begeisterung fortgeführt. Den Orchesterpart übernahmen Musikliebhaber aus der Stadt. Sie bildeten das "Domorchester", ein fortan zuverlässiger und für die weitere Entfaltung der Dommusik hochbedeutender Faktor.
Als wichtigste Ereignisse seiner Ära bezeichnet der heute noch unwahrscheinlich vitale Dompropst folgendes:
a) Die Einführung des traditionellen gregorianischen Chorals am 21. Februar 1926, "allen Widerständen zum Trotz". Es überrascht, mit welcher Hartnäckigkeit sich der durch die pianischen Verordnungen erledigte cäcilianische Reformchoral zu halten suchte. Introitus und Communio werden nunmehr im "neuen Choral" gesungen, die übrigen Teile des Proprium missae mehrstimmig.
b) Anläßlich des 30jährigen Bischofsjubiläums Doktor Johannes Rößlers am 5. Oktober 1924 erreichte der Domchor mit 70 Mitwirkenden seinen bisherigen numerischen Höchststand. Pressestimmen fanden die Aufführung von Faists 9. Messe "grandios".
c) Das beim Begräbnis des Bischofs Rößler am 8. Jänner 1927 gesungene Requiem in D von Max Filke wurde a1s die bisher beste Leistung des durch 30 Mitglieder des Männergesangsvereines verstärkten Domchores bezeichnet.
d) Zur feierlichen Inthronisation Bischof Michael Memelauers erklang Beethovens Messe in C. Diesmal wurden über 100 Mitwirkende gezählt.
e) Am 7. April 1928 wurde zur Auferstehung eine "aus Rom her bekannte Tradition" nach St. Pölten mit dauerndem Erfolg verpflanzt: Das Halleluja aus G. F. Händels Messias.
f) Die Schubertzentenarfeier des Jahres 1928 wurde auch in St. Pölten festlich begangen. Mit der am 18. Dezember aufgeführten, tief beeindruckenden Messe in Es bekam Schubert seinen längst verdienten festen Platz im Dommusikprogramm.
g) Aus Anlaß des 150jährigen Diözesanjubiläums am 30. Juni 1935 übertrug der Österreichische Rundfunk zum erstenmal einen Gottesdienst aus dem Dom. Der Chor sang J. Rheinbergers Messe in C.
h) Die interessanteste Aufführung war die durchkomponierte Messe Puer natus von Max Springer am 16. Februar 1936, die schwierigste hingegen P. Griesbachers Virgo-potens-Messe, die sechsmal zu hören war. "Aber wir haben sie gemeistert."
Mit der f-Moll-Messe von J. Rheinberger beendete DDr. Matzinger, zum Theologieprofessor und ins Domkapitel berufen, am 29. März 1936 seine Dirigententätigkeit.
Nach dem Abgang Dr. Matzingers übernahm Johann Pretzenberger, zum Domkapellmeister ernannt, die Leitung des Domchores.
An der Domorgel waltete nun der St. Pöltner Walter Hofmann seines Amtes. Das lnstrument hatte bisher nur wenig Freude gebracht. Schon das Kollaudierungsprotokoll vom 14. November 1903 war in auffallend sachlichen Worten abgefaßt. Drei Monate später wurde die Orgelbaufirma zum erstenmal aufgefordert, eine Reihe von Fehlern abzustellen. Auch der im Februar 1904 erfolgte Einbau eines Orgelmotors führte keine Änderung herbei, im Gegenteil: ein Gutachten Prof. Preßls vom 21. Juli 1904 über den schlechten Zustand des Werkes ließ an Tragik nichts zu wünschen übrig: In bitteren Worten führt Preßl Klage, daß ihm "solches" in seiner langen Praxis, er hatte "bei mehr als 60 Orgeln interveniert", noch nie untergekommen sei: "Dem nicht genug, daß die Orgel kaum 2½ Monate nach der Übergabe zur Hälfte, wenigstens in den Hauptstimmen, nicht gebraucht werden konnte, zeigt sich jetzt, daß von 42 klingenden Stimmen, die Rohrwerke miteinbegriffen, 36 Stimmen mehr oder weniger große Defekte aufweisen." Eine "gründliche Remedur" sei vonnötenl42. Einer gewissen Komik hingegen entbehrten nicht das Feilschen mit dem Religionsfonds um die Bezahlung des voreilig bestellten Orgelmotors und die hiebei ins Treffen geführten Argumente: Der allzu hohe Winddruck (120 mm) erfordere 3 Kalkanten, von denen jedoch nur einer, der Hausmeister Armer, zur Verfügung stehe. Dieser habe sich zuletzt in treuer Diensterfüllung überanstrsngt und sich eine Lungenentzündung geholtl43
Ein am 20. März 1912 mit der Orgelbaufirma abgeschlossener Wartungs- und Stimmvertrag konnte schließlich das Ärgste hintanhalten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verschlechterte sich die Situation von neuem. Mit einer Haussammlung und Kirchenkonzerten im Dom hoffte man, die nötigen Geldmittel für eine Überholung des Werkes aufzubringen. Der Musikverein und der Männergesangsverein St. Pölten stellten sich dankenswerterweise in den Dienst der guten Sache.
Gastorganist der unter Christian Artl und Josef Etrich stattfindenden Männergesangsvereinskonzerte am 25. November 1923, 3. April 1924 und 15. April 1926 war der Wiener Hoforganist Luis Dite, Star des Musikvereinskonzertes vom 1. Oktober 1925 der bekannte Salzburger Domorganist Franz Sauerl44. Nachdem auch noch das Bundesministerium für Unterricht einen Zuschuß gewährt hatte, konnte 1929 Orgelbaumeister Huber aus Ottensheim die störendsten Fehler beseitigenl45. Von dem 1938 erfolgten Umbau der Orgel erhoffte man sich eine eindeutige Wendung zum Besseren. Das Werk wurde durch die Firma Gebrüder Mauracher, Linz, elektrifiziert und auf 62 Register erweitert, der Preis des Werkes betrug 35.030 Reichsmark. Ein im Presbyterium des Domes aufgestellter zweiter Spieltisch sollte die liturgische Verwendbarkeit des Instrumentes erhöhen146.
Das schicksalsschwere Jahr 1938 und der Zweite Weltkrieg stellten die St. Pöltner Dommusik auf eine harte Probe. Die Schar der Aufrechten hielt sich jedoch, allen Anfechtungen zum Trotz. Für den zum Wehrdienst einberufenen Domorganisten Hofmann ging Domkapellmeister Pretzenberger wieder auf die Orgelbank. Die Leitung des Chores übernahm der mit 1. Juni 1941 zum Dirigenten des Domchores und Domorganisten bestellte Dr. Alois Just.
Alois Just, am 6. August 1902 in Großgerungs, Niederösterreich, geboren, erhielt seinen ersten Unterricht in Harmonielehre und Kontrapunkt beim Salzburger Domkapellmeister Joseph Meßner. Nach Ablegung der Staatsprüfung für Musikerziehung an der Akademie für Musik in Wien promovierte der junge Professor an der Universität nach Vorlage einer choralwissenschaftlichen Dissertation zum doctor philosophiae. Seit frühester Jugend der Kirchenmusik zugewandt, nahm er das unter so schweren Bedingungen erhaltene Dirigentenamt in Sankt Pölten freudig in Angriff. Gemeinsam mit Johann Pretzenberger und den bekenntnismutigen Chor- und Orchestermitgliedern gelang das Unwahrscheinliche: In einer Zeit des Verfalls wirkte der Domchor als einzige musikalische Institution der Stadt bis zum Kriegsende, die Tage der schweren Bombardierungen miteingeschlassen. "Natürlich mußte man sich in dieser Zeit bei der Wahl der Meßkompositionen den jeweiligen Gegebenheiten anpassen, es standen ja bewährte, im liturgischen Geist geschriebene Messen zur Verfügung. Wenngleich die Reihen der Hernen infolge der Einberufungen zum Militärdienst einigermaßen gelichtet waren, konnten dennoch auch Werke der Klassik und Romantik eine würdige Wiedergabe erhalten"147.
Nach Beendigung des Krieges faßte Dr. Just im Herbst 1945 den Entschluß
zu einer "durchgreifevden Erneuerung der Kirchenmusik". Im Verein mit
Pretzenberger stellte er ein Aufführungsprogramm für jeweils zwei Monate
zusammen, "in der Überzeugung, daß die Gläubigen nur durch
überdurchschnittliche Darbietungen in besonderer Weise angesprochen und in
ihrer Glaubenshaltung gefördert werden können". Es folgte ein Jahr voll
dichtester Kirchenmusikpflege, in dem der Großteil des heute vorhandenen
Kirchenmusikwerkes Mozarts, Haydns, Schuberts sowie Beethovens Messe in C
gesungen bzw. erstaufgeführt wurde. Der immer zahlreicher werderde
Hochamtsbesuch bestätigte die Richtigkeit des Vorhabens. So konnte Dr. Alois
Just am 31. August 1946 dem aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Walter
Hofmann einen wohlgeschulten Chor, ein diszipliniertes Orchester und mit Olga
Hofmann (Sopran), Minna Österreicher (Alt), Dr. Karl Schmidt (Tenor) und Hans
Balt (Baß) ein überdurchschnittliches Solistenquartett übergeben.
Prof. Walter Hofmann, der nunmehrige Dirigent, wurde am 24. September 1907
in St. Pölten geboren. Ein musikbegeisterter Vater hielt den Knaben schon
frühzeitig zum Klavier- und Violinspiel an und ließ ihn bald an seiner Seite im
Streicherensemble des Franziskanerchores mitmusizieren. 1922 finden wir den
Gymnasiasten bereits als Aushilfsorganisten an der bischöflichen Kathedrale.
Kein Geringerer als der spätere Bischof Memelauer prüfte den begabten Jungen.
Es folgten Jahre des Zusammenwirkens mit dem neuernannten Domregenschori
Pretzenberger, eine Zusammenarbeit, die in späteren Zeiten für die Musica sacra
der Domkirche so bedeutungsvoll werden sollte. 1927 ging Hofmann an die Wiener
Staatsakademie, wo Franz Schmidt (Theorie) und Franz Schütz (Orgel) seine
Lehrer waren. 1929 wechselte er auf die Kirchenmusikabteilung der Akademie
über. Hiefür war die Berufung Prof. Kar1 Walters zum Orgellehrer maßgeblich.
Daneben formten Josef Lechthaler, Vinzenz Goller, Max Springer und andere den
jungen Kirchenmusiker, der sich 1930 der Staatsprüfung für Klavier und Orgel,
1932 der Reifeprüfung an der Abteilung für Kirchenmusik unterzog. Am 1. April
1936 erfolgte die Berufung zum Domorganisten. In dieser Zeit begann der
Aufstieg zum international anerkannten Orgelvirtuosen, hochgeschätzten Improvisator
und vielgesuchten Pianisten, durch den Krieg leider unterbrochen. Glücklich aus
der Gefangenschaft heimgekehrt, setzte Walter Hofmann als neuer Chorleiter das
Werk seines Vorgängers Dr. Just würdig fort. Der Domchor erarbeitete sich nun
sein größtes Repertoire und machte sich durch Radioübertragungen und
Aufführungen außerhalb der Kathedrale einen guten Namen. An Festtagen erklangen
ausnahmslos, an Sonntagen bisweilen die klassischen Orchestermessen. Die
Orgelmessen aus der nachcäcilianischen und neueren Zeit sowie die in Fasten-
und Adventszeit gesungenen klassischen A-cappella-Messen ergänzten das
Programm. Während die Theologen vom Proprium Introitus und Communio im
gregorianischen Choral sangen, gestaltete der Domchor Graduale und Offertorium,
meist aus den Sammelwerken von Leitner, Mitterer und Goller. Ein alphabetisches
Namensverzeichnis aller in der Periode Hofmann am Domchor gesungener
Komponisten möge einen kleinen Einblick in ein großes Wirken geben: Aiblinger,
Albrechtsberger, Bernardi, Beethoven; Bruckner, Bischoff, Casali, Diabelli,
Erb, Eybler, Faist, Filke, Führer, Fux, Goller, Griesbacher, Gruber, Händel,
Haller, Hassler, J. und M. Haydn, Jaeggi, Jochum, Kagerer, Koch, Kristinus,
Kromolicki, Kronsteiner, Krieg, Lechthaler, Leitner, Liszt, Meßner, Mittmann,
Mitterer, Mozart, Neuhofer, Palestrina, Pembaur, Preyer, Refice, Rheinberger,
Fr. und F. Schubert, Singenberger, Skraup, Stehle, Tittel, Weirich, Wöß,
Ziegelmeier.
Höhepunkt liturgischer Musik war wohl die Aufführung von Anton Bruckners d-Moll-Messe am 30. Mai 1958.
Nachhaltigen Eindruck hinterließen ferner die im Dom veranstalteten Kirchenkonzerte mit der Aufführung folgender Werke: J. Haydn, Die 7 Worte des Erlösers am Kreuz (4. April 1947), G. F. Händel, Messias (7. November 1948, 15. November 1959), J. S. Bach, Johannespassion (1950), W. A. Mozart, Requiem (22. April 1956).
Im Rahmen der Domrestaurierung des Jahres 1949 vergrößerte die Firma Mauracher die Domorgel auf nunmehr 72 Register. Die Kosten des Umbaues betrugen 266.475 Schilling. Die Orgelweihestunden, bisher nur sporadisch veranstaltet, wurden nun,mehr zur stehenden Einrichtung. Walter Hofmann bestritt den Löwenanteil und überzeugte vor allem als Interpret der Orgelwerke von J. S. Bach und Max Reger. Doch nicht nur als Dirigent und Organist, sondern auch als geschätzter Orgellehrer, Mitglied der Kommission für Kirchenmusik und Orgelreferent der Diözese leistete Hofmann Bedeutendes für die Kirchenmusik.
Als langjähriger Dirigent des St. Pöltner Musikvereines, Musikerzieher am Stiftsgymnasium Seitenstetten und am Realgymnasium der Englischen Fräulein in St. Pölten, als Referent für das nö. Musikschulwesen stellte er seine vielseitige und unverwüstliche Schaffenskraft unter Beweis. Sichtbare Würdigung all dessen war die 1951 erfolgte Verleihung des Professorentitels durch den Bundespräsidenten.
Mit dem ersten Fastensonntag 1961, dem 10. Februar, legte Prof. Hofmann das Dirigentenamt in die Hände seines Schülers Walter Graf und kehrte zur Orgel zurück148. Mit 31. Juli 1973 begab er sich in den Ruhestand, aber nicht zur Ruhe. Möge er der Dommuik und der neuen Domorgel weiter erhalten bleiben.
7. Überblick über den gegenwärtigen Stand der Dommusik - Dr. Walter Graf
Walter Graf wurde am 21. September 1931 in Türnitz als Sohn des Lehrers Franz Graf urud der Hildegard, geb. Grumbeck, geboren. Nach Absolvierung der Volksschule geht er ans Gymnasium St. Pölten, wo er 1949 maturiert. 1942 erstmals Aushilfsorganist seiner Mutter, besucht er ab 1946 die Orgelkurse der Kirchenmusikschule St. Pölten und legt die abschließende Prüfung ab. 1949 tritt er ins St. Pöltner Priesterseminar ein und studiert in dieser Zeit bei Prof. Hofmann Orgel. 1953-1955 Musikpräfekt der Theologen, empfängt er nach Abschluß seiner Studien an der Theologischen Hochschule St. Pölten durch Bischof Memelauer 1954 die Priesterweihe. Von 1954 bis 1957 ist er im Seelsorgedienst als Kaplan von Gföhl, Thaya, Studienpräfekt am Knabenseminar Seitenstetten und als Kaplan zu Tulln. 1956 Inskription an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wi.en, Abteilung Kirchenmusik. Seine Lehrer sind unter anderen die Professoren Dr. Gillesberger, Heiller, Dr. Kosch, Mertin, Pach, Dr. Romanowsky, Seidelhofer Suchanek, Tittel, Walter, Weißensteiner. 1958 erfolgt die Inskription an der philosophischen Fakultät der Universität Wien, 1960 die Ablegung der Reifeprüfung an der Akademie. Am 1. August 1960 wird Graf in St. Pölten als Domkurat mit besonderer kirchenmusikalischer Verwendung bestellt. 1961 übernimmt er die Leitung des Domchores und wird nach sechsjähriger Tätigkeit 1967 offiziell zum Domkapellmeister ernannt. 1965 erfolgte nach Abschluß der musikwissenschaftlichen Studien bei Prof. Erich Schenk die Promotion zum Dr. phil. Weitere Verpflichtungen Grafs sind: Dozent für Kirchenmusik an der Theologischen Hochschule St. Pölten, Lehrbeauftragter für Kirchenmusik an der theologischen Fakultät der Universität Wien, Leiter der Kirchenmusikschule der Diözese, Hauptreferent für Orgelfragen, Vorsitzender der Diözesankommission für Kirchenmusik sowie Religionslehrer an der Bundeshandelsakademie St. Pölten.
Als wichtigste Aufgaben schienen dem neuen Dirigenten die Fortführung der bestehen~den Tradition unter Berücksichtigung neuer Gegebenheiten, eine verstärkte Nachwuchspflege sowie die Lösung des immer akuter werdenden Orgelproblems zu sein.
Die Fortführung der so bewährten Tradition wurde dem Dirigenten durch seine frühere Bindung an den Domchor und seine Leiter erleichtert. Ein nachfolgendes Verzeichnis von Aufführungen und Repertoire des Chores möchten darüber nähere Aufschlüsse geben.
Zu den besonders zu berücksichtigenden neuen Begebenheiten ist in erster Linie die durch das Zweite Vatikanische Konzil erfolgte Erneuerung der Liturgie zu zählen, die auch dem Domchor besondere Aufgaben stellte: Weiterpflege des reichhaltigen "Schatzes überlieferter Kirchenmusik" sowie Berücksichtigung der zu liturgisschen Ehren gelamgten Muttersprache149.Daß letzteres vom Domchor problemlos bewältigt werden konnte, war Frucht seiner volksliturgischen Vergangenheit. So wird mit Freuden auch der große Schatz deutscher katholischer und evangelischer Kirchenmusik zu heben versucht.
Zunehmende Motorisierung und ein gesteigertes Erholungsbedürfnis des geplagten Menschen unserer Tage stellen den Chor vor nicht geringe Probleme. Mit der Reduzierung der Chorverpflichtungen auf jeden zweiten Sonntag sucht man ihnen zu begegnen. Die steigende Mobilität führte dem Chor jedoch auch Mitglieder aus der Umgebung, wie Eichgraben, Hafnerbach, Melk, Neidling, Neulengbach, oberwölbling, Totzenbach, Traismauer, Wilhelmsburg, zu. Auch der ständig zunehmenden Abwanderung von Chormitgliedern vom Stadtkern in die Außenbezirke konnte damit begegnet werden.
Zur Intensivierung der Nachwuchspflege wurde 1961 das Jugendensemble des Domchores gegründet. Es wuchs aus kleinen Anfängen zu einem beachtlichen, das Musikleben der Stadt bereichernden Klangkörper. Während sich das alljährlich stattfindende Weihnachtsliedersingen großer Beliebtheit erfreut, brachten die Konzerte "Neue geistliche Musik und Negro Spirituals" dem Chor auch in vielen größeren Orten Niederösterreichs einen guten Ruf ein. Gestaltungen von Jugendgottesdiensten im Dom und anderen Kirchen sowie große Konzerte mit dem Domchor gehören zu den weiteren Aktivposten des Ensembles. Seine Sänger kommen aus den verschiedensten Berufen, vor allem aber aus Studentenkreisen. Der Wechsel ist daher verständlicherweise groß. Findet auch nur ein wenn auch beachtlicher Teil der Sänger endgültig zum Domchor, so macht schon das Bewußtsein, junge Menschen für ernstes Arbeiten und höhere Werte begeistert zu haben, das Wirken lohnend. Zudem bleibt eine Anzahl von Mitgliedern, besonders als Lehrer und Priester, auch andernorts dem Chor treu.
Ein Schülerchor der Dompfarre, vom ehemaligen Domkuraten Permoser 1965 gegründet, rundet das Bild einer umfangreichen Nachwuchspflege ab. Die Hauptaufgabe dieses Chores besteht in der feierlichen Gestaltung der sonntägigen Familienmesse im Dom, die als bestbesuchter und liturgisch lebendiger Gottesdienst für viele Pfarren der Diözese beispielgebend geworden ist.
Abschließende Erwähnung verdient auch der "Kammerchor des
Domchores", der sich aus Mitgliedern des Domchores, des Jugendensembles
und anderer Chöre zusammensetzt und die Pflege hochwertiger A-cappella-Musik
zum Ziel hat.
Zum dritten galt es, sich mit dem immer akuter werdenden Orgelproblem zu
befassen, geschah doch die letzte Erweiterung der Domorgel in einer Periode des
Orgelbaues, in der er sich am weitesten vom Kunsthandwerk entfernt und dem
fabriksmäßigen, mit mangelhaftem Nachkriegsmaterial ausgerüsteten Maschinenbau
genähert hatte. Bald zeigten sich Fehler in der elektropneumatischen Traktur
und verhinderten eine präzise Ansprache der Töne. So kam es, daß eine mühsam
aufgebaute, erfolgversprechende Orgelkonzerttradition zu Beginn der sechziger
Jahre nach letzten Darbietungen von Walter Graf, Wilfried Grasemann, Dr. Hans
Haselböck und Prof. Walter Hofmann wieder aufgegeben werden mußte.
Zwei Katastrophen beschleunigten den weiteren Vefall des Werkes: Ein im Zuge der Löscharbeiten beim Domturmbrand am 6. Dezember 1962 erfolgter Wassereinbruch beschädigte die Windladen des Pedals. Schließlich stürzte in der Nacht zum 1. April 1964 ein Engel von der Bekrönung des Orgelgehäuses auf den Chor. Wenn auch die vollständige Zerstörung des Spieltisches einen großen Schaden verursachte, mußte man dennoch froh sein, einer weit größeren Katastrophe, etwa beim vortägigen österlichen Hochamt, entgangen zu sein.
Der schlechte Zustand der Orgel und die Tatsache, daß ein unvermeidlicher
Neubau nach anderen Gesichtspunkten zu erfolgen hätte, ließen vom Ankauf eines
neuen elektrischen Spieltisches absehen. Man setzte daher den alten Spieltisch
vom Presbyterium auf die Empore und machte ihn recht und schlecht einsatzfähig.
Der nun in beschleunigtem Maße voranschreitende Verfall, durch ständiges
Herumbasteln von Orgelbauern und Organisten zwar gebremst, doch nicht
verhindert, ließ die Orgel auch im liturgischen Bereich immer ungeeigneter
werden. In dieser Situation gab Diözesanbischof Dr. Franz Zak den Auftrag zur
Erneuerung des Werkes und erfüllte damit die mit der Planung Befaßten,
besonders Doktor Walter Graf, Prof. Walter Hofmann und Dr. Gerhard Winner, zugleich
mit Freude und Bangen. Letzteres vor allem wegen der sich aus der eigenartig
räumlichen Situierung des barocken Gehäuses ergebenden technischen und
künstterischen Probleme.
Es war daher oberstes Gebot, eine künstlerisch hochqualifizierte, in der
Wiederherstellurug historischer Orgelwerke erfahrene Firma zu finden. Diese
glaubt man nach sorgfältiger Überlegung und Konsultierung namhafter
österreichischer Orgelfachleute, wie Doktor Hans Haselböck und Ing. Egon Kraus,
in der Schweizer Firma Metzler - Söhne gefunden zu haben, ein Unternehmen, das
sich seit langem und unbeeinträchtigt durch Kriegsnot mit der Restaurierung
bedeutsamer Instrumente sowie mit dem Neubau von Sehleifladenorgeln nach
barockem Vorbild beschäftigt hatte. Diesem Prinzip hatte auch die neue Domorgel
in einer Größenordnung von 3 Manualen, Pedal und 36 Registern zu entsprechen.
Saubere technische Arbeit und ein Maximum an Klangschönheit sollten die
gegenüber dem alten Werk stattgefundene beträchtliche Reduzierung der Register
mehr als wettmachen.
Daß die Wahl einer, wenn auch weltbekannten, ausländischen Firma vereinzelt Kritik eingetragen hat und weiterhin eintragen wird, sei ebenfalls hier angeführt.
Große Sorgen bereitete die Finanzierung des großen Vorhabens. Dankenswerterweise erklärte sich der Herr Landeshauptmann von Niederösterreich, Ökonomierat Andreas Maurer, bereit, im Verein mit dem Herrn Diözesanbischof Dr. Franz Zak den Vorsitz eines am 11. November 1961 gegründeten "Kuratoriums für die Erneuerung der Domorgel St. Pölten" zu übernehmen, in dem sich des weiteren, wie unten angeführt wird, namhafte Vertreter öffentlicher und privater Körperschaften um die materielle Sicherstellung des Vorhabens bemüht waren.
In Anbetracht der Bedeutung der neuen Orgel für die Kirchenmusik an der bischöflichen Kathedrale und ersten Pfarrkirche der Diözese, im Hinblick auf die Aufgabe des Domes als kirchenmusikalisches Zentrum der Diözese (so besuchten zum Beispiel über 2000 Menschen die Orgelkurse) sowie in Berücksichtigung des kulturellen Auftrages St. Pöltens als Herzstück Niederösterreichs wagte man, an das Gewissen und Herz aller zu appellieren. Und nicht vergebens: neben einem bedeutsamen Beitrag der Diözese halfen hochherzige Spenden des Landes Niederösterreich, des Bundesdenkmalamtes, der Stadt und des Bezirkes St. Pölten, bedeutender Körperschaften und Vereine, der Pfarren und Kirchenmusiker der Diözese sowie vieler Einzelpersonen zur Vollendung des Werkes.
Ihnen allen möge als schönster Dank beschieden sein: eine prächtig klingende Domorgel und eine gute Dommusik, die würdig ,an ihre oft so bedeutsame Vergangenheit anknüpft, zur Ehre Gottes und unser aller Freude.
Anmerkungen
1 Allgemeine Literatur: G. Adler, Handbuch der Musikgeschichte, 2 Bde, Berlin 1930; K. G. Fellerer, Geschichte d. kath. Kirchenmusik, Düsseldorf 1949, Kassel 1972, Bd. 1 ; K. Gutkas, Geschichte des Landes Niederösterreich, St. Pölten 1973; A. Hermann, Geschichte der I. f. Stadt St. Pölten, 2 Bde, St. Pölten 1917-1926; A. Kerschbaumer, Geschichte des Bistums St. Pölten, 2 Bde, Wien 1875; Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Kassel 1949 ff.; Riemann-Gurlitt, Musiklexikon, 12. Aufl., 1949; M. Riesenhuber, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, Linz 1923; E. Schenk, 950 Jahre Musik in Österreich, Wien 1946; E. Tittel, Österr. Kirchenmusik, Wien 1961 ; O. Ursprung, Katholische Kirchenmusik, Potsdam o. J.; P. Wagner, Einführung in die greg. Melodien, 19111921; A. Weißenbäck, Sacra Musica, Klosterneuburg 1937; G. Winner, Das Diözesanarchiv St. Pölten, Sankt Pölten 1962; J. Wodka, Kirche in Österreich, Wien 1959; ders.: Das Bistum St. Pölten, Abriß der Diözesangeschichte, St. Pölten 1950.
2 Diözesanarchiv
St. Pölten (DASP), Dompfarre, Karton 6 (Dompf. 6), 1774.
3 S MGG, Art. Augustiner.
4 A. Keller, Musikgeschichte des Stiftes Kremsmünster, Kassel 1956, S. 15 f.
5 J. Wodka, Von der
Klosterschule zum Bundesgymnasium, in: Festschrift Gymn. St. Pölten, St.
Pölten 1963, S. 13 ff.
6 Müllner-Maderna, Historia Canoniae
Sand-Hippolytanae, Wien 1779, Bd. i1/35.
7 J. Fahrngruber, Aus Alt-St. Pölten, St. Pölten 1885, S. 65; Kerschbaumer, I, S. 185; vgl. J. Wodka, Das Bistum St. Pölten, S. 63.
8 J. Wodka, Personalgeschichtl. Studien über das ehem. Chorherrenstift St. P., Jahrbuch f. Landesk. 1939-1943, S. 148-206.
9 DÄSP, HS R 1367.
10 E. Tittel, S. 30 ff.; DASP, HS1; 13; 52
11 DASP, HS 52, S. 79, 95-99; vgl. E. Tittel, S. 45 f., die Karfreitagsliturgie bringt gegenüber der römischen Übung sehr wohl Neues!
12 W. Lipphardt, Studien zur Musikpflege i. d. ma. Augustiner-Chorherren-Stiften des deutschen Sprachgebietes, in: Jahrb. d. Stiftes Klosterneuburg, 7, Wien 1971, S. 7-102.
13 DASP, HS 13, S. 38 ff. 14 Lipphardt, S. 33-102.
15 J. Gabler, Geistliche Volkslieder, Regensburg 1890, S. I I 1 ff.
16 Vgl. MGG Art. Kirchenlied; Keller, S. 74. 17 A. Kerschbaumer I, S. 245 ff.
18 E. Tittel, S. 92.
19 K. Hübner, Aus Alt-St. Pölten, in: St. Pöltner Anzeiger 1943, 68/70; Nö. Landesarchiv, Klosterrat, Karton 305 = Xerokopien DASP, K 4, fol 1005.
20 Siehe unter 19.
21 DASP, I-tHSTA Böhm 177 = weiß 95, S. 68, 229, 4253. 22 Vgl. H. J. Moser, Paul Hofhaimer, Stuttgart-Berlin 1929, S. 87; O. Biba, Alt-St. Pöltner Orgelbauer, in: Die Domorgel, 3, 1973; H. Haselböck, Barocker Orgelschatz in NÖ., Wien 1972, S. 9.
23 Müllner-Maderna II, S. 347.
24 J. Karas, Der Dom zu St. Pölten, 1935, S. 15. 25 H. Haselböck, S. 10, 11, 44, 64.
26 J. Wodka, Kirche in Österreich, 250 f.
27 Vgl. G. Winner, Führer durch das kirchl. St. Pölten. 28 Müllner-Maderna II, S. 398.
29 M. Riesenhuber, S. 279.
30 Müllner-Maderna 11, S. 427.
31 Vgl. E. Schenk, Instrumentale Kirchenmusik, in: Bericht 2. Intern. Kongr. f. Kath. Kirchenmusik, Wien 1955, S. 174 ff.
32 Totenroteln: Aufzeichnungen der Toten von Konventen untereinander in Gebetsverbrüderung stehender Klöster, die von einem zum andern zwecks Bekanntgabe der Verstorbenen zum fürbittenden Gebet und ständiger Ergänzung der Liste weitergesandt werden.
33 DASP, St. Pölten-Stift, Totenrotulae B I.
34 DASP, St. Pölten-Stift, Totenrotulae II 1695, 1715 - 1793.
35 Vgl. O. Biba, Die Domorgel 3.
36
Vgl. F. W. Riedel, Der "Reichsstil" in der deutschen Musikgeschichte
des 18. Jh., in: Bericht Bntern. Musikwissenschafti. Kongr., Kassel 1962, S.
34-36; ders., Abt Berthold von Melk und der kaiserl. Hofkapellmeister J. J.
Fux, in: Unsere Heimat, Wien, 36, 1965,
S. 58 ff.; eiers., Artikel über Stiftsmusik in
Göttweig und Herzogenburg, in: Singende Kirche, Wien 13, 1966; ders., Der
Musikdirektor J. G. Zechner, in: Beiträge zur Geschichte der Musikpflege ab der
Stadtpfarrkirche St. Veit zu Krems, 950 JahrePfarre Krems,Krems 1964, S. 300
ff.; W. Graf, J. A. Scheibl und die Sankt Pöitner Stiftsmusik, in: Unsere
Heimat 39, 1968, 4/6, S. 94-100.
37 A. Karas, S. 18.
38 Vgl. R. Büttner, Die St.Pöltner Höfe in der Wiener Altstadt in der Neuzeit, in: Wiener Geschichtsblätter 16, 1961, 3.
39 Müllner-Maderna 1i, S. 471.
40 Pfarrarchiv Spital/P., Taufb. Il/7.
41 Pfarrarchiv Enns, Trauungsb.iII1108; Taufb.III/356, %376, /398, /433.
42 Lt. frdl. Mitteilung der Abtei St. Lambrecht; vgl. W. Suppan, Steirisches Musiklexikon, Graz, S. 202; von P. Valentin Scheibl sind bisher nur wenige Kompositionen bekannt: StiftLambrecht (2), Diözesanarchiv Graz (2), Stift Seitenstetten (1); bei den nur mit Scheibl signierten und immer J. A. Scheibl zugeschriebenen Kompositionen wird die Verfasserschaft noch zu klären sein.
43 Lt. frdl. Mitteilung von P. Dr. Benedikt Wagner OSB, Seitenstetten; StiftsarchivSeitenstetten, Küchenbuch 18 Z 10/11 ; Camerey Handrapular tom 1749.
44 DASP, Dompf. Trauungsb. II/609.
45 DASP, Taufb. III/816.
46 DASP, St. Pölten-Stift, Totenrotulae B II.
47 DASP, Dompf. Trauungsb. II/571.
48 DASP, Dompf. 6.
49 DASP, Dompf. Trauungsb. il/571.
50 M. Riesenhuber,
S. 575;DASP, Dompf. Trauungsb. III/373; Piaristenarchiv Krems, Historia brevis domus P. P.
Schol. ad S. Hippol.
51 Diözesanarchiv Graz, Titelblatt einer Partitur.
52 Provinzarchiv der Piaristen,Wien, Liber officiorum, 1695 ff., S. 187; Liber suffragiorum, 1778 ff., Nr. 627; Profeßzettel v. 3. 11. 1766;G. Winner, Studienzur Geschichte der Piaristen in Österr. von den Anfängen bis an den Beg[nn des 19. Jh., Wiener phil. Diss. 1952, S. 274; Piaristenarchiv Krems,BenefactoresPatrum P. S. Hippolitens.a. m. nov 1753; Historiabrevis, siehe unter 50.
53 DASP, Dompf. Taufb. I11/816; Sterbeb. III/133; Trauungsb. 1 I i/394.
54 A. Keller, Musikgeschichte des Stiftes Kremsmünster, S. 362 ff.
55 Musikarchiv Seitenstetten, unsigniert.
56 Ein Teil der Bestände des Domchorarchivs St. Pölten gelangte zu Beginn des 2. Weltkrieges unter höchst merkwürdigen Umständenüber Umwegeindie Nationalbibliothek, Musiksammlung, Wien: SM 22.240 -22.778, 22.282; 22.585-22.589.
57 H 785-794.
58 Vgl. Singende Kirche, Wien, 11, 1964, S. 110, vermut- lich aus dem aufgeho,benen Stift Rottenmann.
59 Lt. frdl. Mitteilung von Dr. F. W. Riedel aller im RISM Kassel vorhandenen Titel, betreffend die Archive Stift - Herzogenburg, musikw. Institut Graz, Stift Wilhering, Stift Seckau, Brno Morawske Museum.
60 A XIV, A XVI, E VI, VII, XIV, XVIIle, XXI,F X2qu, XX, V 628, 1095, 1250,
1511-17, A 52, personalia.
61 So VIII 28, VI d11, VII c4.
62 N r. 877-890.
63 A. Keller, S. 380.
64 DASP, Neuhofen.
65 A 1821-23, 1825/26, 2251-57, 2262, 12.979-82, 14.817.
66 Vgl. S. Höfler-I. Clemencic, Glasbeni Rokopisi in Tiski na Slovenskem do leta 18ß0, Ljubljana 1967.
67 Siehe unter 31.
68 DASP, Dompf. S,terbeb. 111/133.
69 DASP, Totenrotulae, B II.
70 DASP, Dompf. 6.
71 O. Biba, Die Domorgel 3.
72 Vgl. G. Winner, DieKlosteraufhebungenin Niecier- österreich und Wien,Forschungen zurKirchen- geschichte Österreichs 3 Wien 1967, S. 196 ff.
73 DASP, Dompf. 6;nach einer späterenMitteilung (ebenda, 9. 12. 1827) handelte es sich bei den Violi- , nen um 1 "Steiner-Violin",1 "Stadelmann-Violin" 2 "Leidolfer-Violin" und 4 "Gichtel-Violin".
74 Die folgenden, dieDommusik betreffendenAusfüh rungen sind, soweit sie nicht ausdrücklich zitiert sind, dem DASP entnommen,Dompfarre 6: Mesner, Regenschori (Dommusikverein), Organist, Choralisten, Sängerknaben, Kirchendiener,Turnermeister,Turmwächter; DASP, Ordinariatsakte (OA) 1808/766.
75 DASP, Dompf. 6, ~7. 8. 1787.
76 DASP, Dompf. 6, 27. 8. 1787, OA 1811/1287/2567.
77 Vgl. DASP, OA 187817067.
78 K. Hübner, Aus Alt-St. Pölten.
79 DASP, Kerens.
80 Vgl. A. Jungwirth, Beziehungen Schuberts zuSankt Pölten, St. Pölten 1912; K. Hübner.
81 J. Fahrngruber, Aus Alt-St.Pölten, S. 372; DASP, Dompf. Inventar, 1833.
82 DASP, Dompf. 6, 28. 4. 1798.
83 DASP, Dompf. 6, 12. 9. 1839.
84 DASP, OA 1831/1687/2261.
85 Pfarrarchiv Etsdorf/Engabrunn, Taufb. (I/2.
86 DASP, Dompf. 6,
16. 1. 1810.
87 DASP, Dompf.
6, 8. 7. 1831; OA 1831/2788.
88 DASP, Dompf. 6, . 11. 1839.
89 DASP, Dompf. 6, 12. 1. 1840.
90 DASP, OA 1841/14.741.
91 DASP, Dompf. 6, 12. 4. 1881.
92 DASP, Dompf. Inventar 1833-1836.
93 SM 22.307, 22.555, 22.666, 22.739-742.
94 DASP, Musikarchiv 8, 9.
95 Vgl. J. Fahrngruber, S. 237.
96 DASP,
Dompf. 6, 31. 1. 1842, 19. 7. 1845; OA 1842/ 1629; O. Biba, Domorgel 3.
97 DASP, OA
1849/3362, 3749, 3928.
98 DASP, Dompf. 6, 2. 9. 49; vgl. H. Göhler, Ein Orgel- bauer im Dienste des Propstes J. M. Führer und des Klosters Zwettl, in: Unsere Heimat 1940, S. 239-242.
99 DASP, OA 1842/1635.
100 DASP, OA 1849/3749.
101 DASP, Dompf. 6, siehe Prüfungstabellen vom 1. 2. 51 u. 8. 4. 51.
102 Vgl. Hübner, Aus Alt-St. Pölten.
103 Vgl. W. Graf, Joseph Gabler und die
kirchenmusikali- sche Erneuerung in Österreich.Mit Beiträgen zum geistlichen
Volkslied der Diözese St. Pölten, Wiener phil. Diss: 1965, S. 41-129.
104 DASP, Dompf. 6, 22. 11. 1877.
105 MS 22.305/06, 22.545/51,22.678/79, 22.706, 22.730, 22.731 /35, 22.737/38.
106 Vgl. W. Graf, S. 103-114.
107 Vgl. Der Kirchenchor, Gaschurn, 24, 1893, S. 66 f.
108 Vergleiche 106; Die folgenden, den Cäcilianismus betreffenden Mitteilungen sind, soweit sie nicht aus- drücklich zitiert sind, folgenden Zeitschriften entnommen: Fliegende Blätter,Regensburg (FIBI), Grego- rianische Rundschau, Graz(GRS), Harmonia sacra, Krems (HS), Musica sacra, Regensburg (MS), Sankt Pöltner Bote, ab 1888 St. Pöltner Zeitung (SPZ, Zeitschrift für kath. Kirchenmusik, Gmunden ZfkKm).
109 DASP, Dompf. 6, 31. 12. 69, 11. 1. 1870.
110 DASP, OA 1878/1868.
111 Oberösterreichisches Landesarchiv, Habert-Daurer, 4. 12. 1879, 30. 7. 1881.
112 FfkKm 12, 1878, S. 94.
113 FIBI 1883, 8, S. 83; vgl. MS 1885, 1, 13 f.; 2, 28. 114 DASP OA 1883/5644; 1884/3663.
115 Vgl. DASP, Dompf. 6, 1901.
116 Oö. Landesarchiv, Habert-Gabler, 6. 2. 1879.
117 Oö. Landesarchiv, Habert-Daurer, 2. 12. 1878; 12. 2., 4. 3. 1880.
118 Pfarrarchiv Ferschnitz, Taufb. VII/72. 119 HS,
1888, 10/11, S. 85 ff.
120 DASP, OA 1890/4329; 1891/2711, 3942. 121 J. Fahrngruber, S. 399.
122 SPZ 5. 6. 1886.
123 HS 1888, 3, 65-70; 1889, 4, 84 ff.
124 Dr. G. Winner, dem St. Pöltner Diözesanarchivar, sei für alle freundschaftliche Hilfe, insbesondere für die Zusammenstellung der cäcilianischen Programme aus der SPZ, herzlichst gedankt.
125 DASP, OA 1886/785.
126 DASP, OA 1894/2144, 4580.
127 DASP, Dompf. 8, Domorgel, 14. 11. 03.
128 M S
1893, 10, 114 ff ; G RS 1906, 10, 157 ; M S 1906, 9, 103.
129 DASP, Cäcilienverein.
130 S P Z 5. 12. 01, 17. 12. 03, 3. 5. 06, 9. 1. 08. 131 SPZ 30. 11. 1911.
132 DASP, Dompf. 6, 1901. 133 DASP, Dornpf. 6,
Parte.
134 DASP, OA 1909/5855; 1910/8666. 135 DASP, OA 1916/2324.
136 DASP, Dompf. 6, 1. 6. 1917, 18. 3. 1919.
137 DASP, Dompf. 6, 3. 7., 30. 6., 8. 7. 1922; 1. 1. 23. 138 DASP, Dompf. 6, Manuskript.
139 E. Tittel, S. 330.
140 Vgl. W. Graf, Die St. Pöltner Dommusik und ihre Vorgeschichte; Musica sacra in der Diözese St. Pölten, in: Singende Kirche 13, 1966, 4, S. 184-192; ders., Prälat Pretzenberger 70 Jahre, in: Singende Kirche, 15, 1967, S. 72.
141 Lt. frdl. Mitteilungen und Aufzeichnungen von DDr. Matzinger.
142 DASP, Dompf. 8, 21. 7. 1904.
143 DASP, Dompf. 8, 19. u. 29. 9. 1904. 144 DASP, Dompf. 8, Konzertprogramme. 145 DASP, Dompf. 8iZl. 3862 v. 21. 6. 1929. 146 DASP, Dompf. 8, 4. 6. 1938.
147 Vgl. Singende Kirche 15, 1967, S. 73; Lt. frdl. Mitteilung von OStR Dr. Just.
148 Vgl. W. Graf, Prof. Walter Hofmann 60 Jahre, in: Singende Kirche 15, 1967, S. 73; Aufführungsverzeichnisse des Domchores St. Pölten 1941-1961; Lt. frdl. Mitteilungen von Prof. W. Hofmann.
149 Vgl. Liturgiekonst. VI, 112 ff.