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  Die Welt, 14.04.2004  
     
 

Zwei Großprojekte sollen Tempelhof aufmöbeln


Tempelhof steht in den Startlöchern. Zwei Projekte sind unterschriftsreif, mit denen der Bezirk neue Akzente in der Berliner Einkaufs- und Kulturszene setzen will. Projekt Nummer eins: Im Tempelhofer Hafen soll ein gemischt genutztes Stadtquartier entstehen. Das zweite Projekt: Gleich neben dem Rathaus am Tempelhofer Damm baut die Stoffel Holding die Rathauspassagen.

12 000 qm Verkaufsfläche und 3000 qm für Dienstleistungen und Gastronomie sind am Rathaus geplant. "Ich bin optimistisch, dass 2005 mit dem Bau begonnen werden kann", sagt Elisabeth Ziemer (Die Grünen), Stadtentwicklungsdezernentin von Tempelhof-Schöneberg. Derzeit verhandelt die Stoffel Holding mit dem Berliner Liegenschaftsfonds über den Kaufvertrag und mit dem Bezirk über den städtebaulichen Vertrag. "Ich hoffe, wir werden noch im April alles unter Dach und Fach haben", meint Thomas Kailer, Leiter Vermietung bei der Stoffel Holding. Anschließend wolle das Unternehmen dann Einzelheiten zum Projekt vorstellen.

Vor dem Baubeginn für die Rathauspassagen am Tempelhofer Damm muss jedoch erst ein Anbau aus den 60er Jahren abgerissen werden, in dem Büros, Tagungsräume und das Bauarchiv der Verwaltung untergebracht sind. "Das liegt in der Verantwortung des Bezirks", erklärt Elisabeth Ziemer. Im Kaufpreis eingeschlossen seien dagegen die Gestaltung des gemeinsamen Vorplatzes von Rathaus und Passagen, der Bau eines Spielplatzes sowie ein Verbindungsweg zum Park.

Die Stoffel AG, ursprünglich aus Straubing stammend, hat schon einige Projekte in Berlin realisiert. Sie baute das Europäische Haus direkt gegenüber dem Hotel Adlon am Pariser Platz, den Sitz des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission Deutschlands. Am Kurfürstendamm Ecke Knesebeckstraße errichtet sie aktuell einen Bau mit einem Mix aus Einzelhandel, Wohnungen und Büros. "Berlin ist für die Stoffel Holding ein wichtiger Standort. Deshalb hat sie auch ihren Firmensitz in die Hauptstadt verlegt", sagt Thomas Kailer.

Von den Rathauspassagen ist es nicht weit zum Tempelhofer Hafen, dem anderen großen Projekt im Bezirk. Auf dem 4,4 Hektar großen Gelände ist rund um das denkmalgeschützte Speicherhaus ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Geschäften, Kulturstätten, einer Jugendherberge und einem Hotel geplant. Den Zuschlag im Wettbewerbsverfahren erhielt die HLG Projektmanagement GmbH aus Münster. Sie will 80 Mio. Euro in das Projekt investieren. "Wichtig ist uns, dass sich die beiden Standorte keine Konkurrenz machen", sagt Stadtentwicklungsdezernentin Ziemer. Deshalb sei die Einzelhandelsfläche am Hafen auf maximal 13 000 qm begrenzt. Auch bei diesem Projekt laufen noch Verhandlungen zwischen Investor und Eigentümer. Sie sind kompliziert, weil der Hafen zum so genannten Teltow-Vermögen gehört. Der alte Kreis Teltow war 1920, als Groß-Berlin durch die Gebietsreform entstand, nicht beigetreten. Demzufolge gehört das Hafengelände heute anteilmäßig seinen Nachfolgern, den Landkreisen Dame-Spreewald, Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark. "Wir gehen davon aus, dass bis Anfang Mai alles über die Bühne geht", so HLG-Geschäftsführer Christian Diesen. Der Tempelhofer Hafen soll vom Architektenbüro Reinhard Müller entwickelt werden.  kf

 
         
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