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  Berliner Morgenpost, 14.06.2002  
     
 

Im Banne des Teltowkanals

Die Eigentümer des Hafens Tempelhof sind zum Verkauf bereit. Entstehen soll ein Mix aus Handel, Kultur, Wohnen und Freizeit. Jetzt wird diskutiert was machbar ist.

Von GERLINDE SCHULTE

Tempelhof - Die Aufgabe lautet: Den Hafen entwickeln, ohne dem T-Damm diesem Jahr das Wasser abzugraben. Und dabei stadtplanerische, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Interessen unter einen Hut bringen.
Das Projekt Hafen Tempelhof wird konkret. Die Eigentümer - die drei Landkreise Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und Potsdam-Mittelmark - sind zum Verkauf bereit und wollen das 4,5 Hektar große Gelände noch in  diesem Monat ausschreiben. Auch das Wasser- und Schifffahrtsamt zieht mit.
Mehr als 15 Interessenten hat allein der Kreis Dahme-Spreewald, der den Verkauf federführend vorbereitet. Bevor die Investoren loslegen können, bündelt Stadtentwicklungsdezernentin Elisabeth Ziemer (Grüne) im Auftrag der BVV die Ideen der Projektentwickler, des Bezirks, der Händler auf dem T-Damm und anderer Interessierter. Dem Ergebnis folgend sollen die Vorgaben im Bebauungsplan soweit wie möglich festgezurrt werden. Nun trat der Runde Tisch zum ersten Mal zusammen. Mit dabei unter anderem die Eigentümer, die Senatsverwaltungen für Wirtschaft und für Stadtentwicklung, Vertreter der Einzelhändler, der IHK und Projektentwickler.
Neben einem städtebaulichen Gutachten des Bezirks stellten sich drei Projekte vor. Die fanden ihre Ideen zum großen Teil im Bezirksgutachten wieder. Klar ist, dass ein Mix aus Handel, Kultur, Woh-nen und Freizeit mit starkem Bezug zum Wasser entstehen soll. Darüber, wie daraus ein finanziell lukrativer Besucher-Magnet werden kann, gingen die Meinungen auseinander.
Die Ufa-Fabrik setzt mit ihrem Modellprojekt "Hafen der Kulturen" auf verschiedene Investoren und Fördermittel. Der Architekt Stefan Schroth appelliert mit seinem Projekt "Afrika in Berlin" an Fernweh und Hafenträume. Er will dort schwerpunktmäßig ein Handelszentrum für südafrikanische Produkte mit Marktplatz schaffen. Die südafrikanische suche derzeit nach einem Ankerpunkt für den Handel mit Ost- und Südosteuropa. Um den zentralen Speicher wird das Projekt von Hotel, Bootshandel, Wohnen, Kultur und Gewerbe und Freizeitangeboten flankiert.
Die von der Ufa-Fabrik geforderten Bezüge zum Umland, Wasser und Ökologie seien selbstverständlich. "Alles wunderbar" befand der Hamburger Projektentwickler ECE. Er bezweifelt jedoch die Wirtschaftlichkeit der vorgelegten Entwürfe und fordert großflächigere Fachmärkte. Hotels und Büros seien an diesem Standort unrentabel.
Mit seinem Ansinnen auf 15 000 bis 20 000 Quadratmetern reine Verkaufsfläche überschreitet Projektentwickler Gerd Wilhelmus etwa um das Doppelte die Größe, die von der Senatswirtschaftsverwaltung als verträglich angesehen wird. Anders seien der kulturelle Anteil und alle anderen vom Bezirk vorgesehenen Nutzungen auf dem Gelände nicht zu finanzieren.
Beim nächsten Treffen am 9. Juli soll aus den gesammelten Ideen ein. Leitbild entworfen werden. Dann will der Runde Tisch auch gleich das Thema Einzelhandel angehen: Welcher Umfang ist nötig und sinnvoll für einen funktionierenden Mix, der dem T-Damm Impulse gibt? Nach der Sommerpause kommen dann bei monatlichen Treffen die anderen Aspekte dran: Wohnen, Dienstleistung, Gewerbe, Kultur und Freizeit, Projekt 17, Verkehr und Wasser, Ökologie, Städtebau und Denkmalpflege, Fördermittel-Akquise und Investoren. Der Runde Tisch ist für Ideen weiterer Interessen offen.
Siegmund Kroll vom Stadtplanungsamt: "Hier ist ein öffentliches Forum, das
die Vorstellungen der Gemeinde festhält. Ein potenzieller Käufer bekommt das Ergebnis in die Hand. Ohne Investor geht das jedoch alles nicht, mit dem müssen wir kooperieren."

 
         
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