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  Die Welt, 20.02.2002  
     
  Tempelhof soll ein Kulturhafen bekommen

Verkauf der historischen Anlage noch in diesem Jahr geplant - Suche nach Investoren läuft bereits

VON SUSANNE ZIEGERT

Tempelhof will sich noch in diesem Jahr von seiner Schmuddelecke befreien. Nach Informationen des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg soll das sanierungsbedürftige Speichergebäude im Tempelhofer Hafen mit seinem Schrottverladeplatz noch in diesem Jahr zum Verkauf ausgeschrieben werden. Im Rathaus erhofft man sich eine Aufwertung der Brache. "Eine attraktive Nutzungsmischung mit Kultur, Wohnungen, Restaurants und Handel - keine Monokultur", wünscht sich die für Stadtentwicklung zuständige Stadträtin Elisabeth Ziemer (B90/Grüne). Dies könnte auch der ausgezehrten Einkaufsmeile am Tempelhofer Damm den lange erwünschten Aufschwung geben. "Kein Passant flaniert zu einem Schrottplatz. Durch eine attraktive Nutzung am Ende der Straße könnten wieder Laufkunden angezogen werden", sagt der Abteilungsleiter Einzelhandel der IHK, Jochen Brückmann.
Das 4,5 Hektar große Gelände ist Gewerbetreibenden und Anwohnern schon lange ein Dorn im Auge. Doch die komplizierten Eigentumsverhältnisse verhinderten bisher einen Ausbau der Fläche mit Wasserblick. Drei Brandenburger Landkreisen - Teltow-Fläming, Potsdam-Mittelmark und Dahme-Spreewald - gehört das Hafengelände seit der Wende. Bisher waren die Landkreise uneinig über die Zukunft der Immobilie.
Visionen für den künftigen Häfen haben Stadtplaner aus dem Planungsbüro "id22" und dem Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Berlin mit Unterstützung der Gemeinschaft der Einzelhändler entwickelt. "Im Hafen der Kulturen sollen sich Kultur, Ökologie, Kommerz und Wohnen ansiedeln. Wir planen eine nachhaltige Entwicklung, die ein EU-Modellprojekt werden könnte", erklärt der Stadtplaner Michael LaFond.
So soll das 18 000 Quadratmeter große Speichergebäude für ein Ökokaufhaus und Büros ausgebaut werden. Künstlerateliers und Räumlichkeiten für Designer könnten in den Büroflächen angesiedelt werden. Die Wasserfront sehen die Planer prädestiniert für Cafés, deren Gäste im Sommer Spektakel auf einer schwimmenden Bühne verfolgen können. Westlich des Hafenbeckens soll ein Veranstaltungsraum geschaffen werden, der die Örtlichkeiten der nahegelegenen UFA-Fabrik ergänzt und für Kultur und Konferenzen genutzt werden kann. Direkt nebenan sehen die Pläne ein Hotel mit 100 Betten vor. Eine Solartankstelle im Hafen soll Sonnenenergieboote betanken. Kanus und Ruderboote können im Hafen ausgeliehen werden. Eine Brücke über den Teltow-Kanal schafft im Modell eine Verbindung das Hafens mit dem benachbarten Modezentrum. Hinter dem Speichergebäude soll die größte Solaranlage Europas montiert werden.
Die Bezirksstadträtin Elisabeth Ziemer findet diese Nutzungsmischung gelungen, die Bebauung mit 20 000 bis 30 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche jedoch zu massiv. Ein Gutachten, das der Bezirk bei einem Architekturbüro in Auftrag gegeben hat, sieht eine Entwicklung mit weniger Bebauung vor. In dieser Woche will die Stadträtin aus beiden Konzepten die Planung über die Entwicklung des Hafens entwickeln.
Die Anlage war von 1904 bis 1908 vom Landkreis Teltow am gleichnamigen Kanal errichtet worden. Die Wasserstraße sollte die überlastete Spree und den Landwehrkanal entlasten. Vor allem Getreide, Mehl, Zucker und Tabak wurden über den Kanal verschifft. Nach der Berlin-Blockade wurde der Speicher als Lagerfläche für die Senatsreserve genutzt. Nach der Wende haben die drei Landkreise als Rechtsnachfolger von Teltow die Immobilie an die Hafen Tempelhof GmbH vermietet. 50 Firmen sind auf dem Gelände ansässig - darunter eine Schrottverwertung, Speditionen sowie ein Malerbetrieb.
Im Hafen ist man nicht erfreut über die Planungen, auch wenn viele der alten Nutzer in die Pläne eingebunden werden sollen. Potentielle Mieter für den künftigen Kulturhafen haben die Planer von "id22" schon gefunden. Der Kölner Ökoanbieter Ecom AG, die Solarhersteller Solon AG und Solar Water World haben Interesse angemeldet. Die Planer von der Ideenwerkstatt gehen nun auf die Suche nach zahlungskräftigen Investoren für die Realisierung ihres Konzeptes. 50 Millionen Euro, so schätzt Michael LaFond wird das Vorhaben kosten. Dazu kommt der Kaufpreis und Altlasten im Boden, die ein Schrottplatz meist mit sich bringt. Andere zahlungskräftige Interessenten stehen offenbar schon in den Startlöchern. So soll Centerbetreiber ECE bereits im Bezirk Interesse bekundet haben.

 
         
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