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Tempelhof soll ein Kulturhafen
bekommen
Verkauf der historischen
Anlage noch in diesem Jahr geplant - Suche nach Investoren läuft
bereits
VON SUSANNE ZIEGERT
Tempelhof will sich noch in diesem Jahr
von seiner Schmuddelecke befreien. Nach Informationen des Bezirksamtes
Tempelhof-Schöneberg soll das sanierungsbedürftige Speichergebäude im
Tempelhofer Hafen mit seinem Schrottverladeplatz noch in diesem Jahr
zum Verkauf ausgeschrieben werden. Im Rathaus erhofft man sich eine
Aufwertung der Brache. "Eine attraktive Nutzungsmischung mit Kultur,
Wohnungen, Restaurants und Handel - keine Monokultur", wünscht sich
die für Stadtentwicklung zuständige Stadträtin Elisabeth Ziemer
(B90/Grüne). Dies könnte auch der ausgezehrten Einkaufsmeile am
Tempelhofer Damm den lange erwünschten Aufschwung geben. "Kein Passant
flaniert zu einem Schrottplatz. Durch eine attraktive Nutzung am Ende
der Straße könnten wieder Laufkunden angezogen werden", sagt der
Abteilungsleiter Einzelhandel der IHK, Jochen Brückmann.
Das 4,5 Hektar große Gelände ist Gewerbetreibenden und Anwohnern schon
lange ein Dorn im Auge. Doch die komplizierten Eigentumsverhältnisse
verhinderten bisher einen Ausbau der Fläche mit Wasserblick. Drei
Brandenburger Landkreisen - Teltow-Fläming, Potsdam-Mittelmark und
Dahme-Spreewald - gehört das Hafengelände seit der Wende. Bisher waren
die Landkreise uneinig über die Zukunft der Immobilie.
Visionen für den künftigen Häfen haben Stadtplaner aus dem
Planungsbüro "id22" und dem Institut für Stadt- und Regionalplanung
der Technischen Universität Berlin mit Unterstützung der Gemeinschaft
der Einzelhändler entwickelt. "Im Hafen der Kulturen sollen sich
Kultur, Ökologie, Kommerz und Wohnen ansiedeln. Wir planen eine
nachhaltige Entwicklung, die ein EU-Modellprojekt werden könnte",
erklärt der Stadtplaner Michael LaFond.
So soll das 18 000 Quadratmeter große Speichergebäude für ein
Ökokaufhaus und Büros ausgebaut werden. Künstlerateliers und
Räumlichkeiten für Designer könnten in den Büroflächen angesiedelt
werden. Die Wasserfront sehen die Planer prädestiniert für Cafés,
deren Gäste im Sommer Spektakel auf einer schwimmenden Bühne verfolgen
können. Westlich des Hafenbeckens soll ein Veranstaltungsraum
geschaffen werden, der die Örtlichkeiten der nahegelegenen UFA-Fabrik
ergänzt und für Kultur und Konferenzen genutzt werden kann. Direkt
nebenan sehen die Pläne ein Hotel mit 100 Betten vor. Eine
Solartankstelle im Hafen soll Sonnenenergieboote betanken. Kanus und
Ruderboote können im Hafen ausgeliehen werden. Eine Brücke über den
Teltow-Kanal schafft im Modell eine Verbindung das Hafens mit dem
benachbarten Modezentrum. Hinter dem Speichergebäude soll die größte
Solaranlage Europas montiert werden.
Die Bezirksstadträtin Elisabeth Ziemer findet diese Nutzungsmischung
gelungen, die Bebauung mit 20 000 bis 30 000 Quadratmeter
Bruttogeschossfläche jedoch zu massiv. Ein Gutachten, das der Bezirk
bei einem Architekturbüro in Auftrag gegeben hat, sieht eine
Entwicklung mit weniger Bebauung vor. In dieser Woche will die
Stadträtin aus beiden Konzepten die Planung über die Entwicklung des
Hafens entwickeln.
Die Anlage war von 1904 bis 1908 vom Landkreis Teltow am gleichnamigen
Kanal errichtet worden. Die Wasserstraße sollte die überlastete Spree
und den Landwehrkanal entlasten. Vor allem Getreide, Mehl, Zucker und
Tabak wurden über den Kanal verschifft. Nach der Berlin-Blockade wurde
der Speicher als Lagerfläche für die Senatsreserve genutzt. Nach der
Wende haben die drei Landkreise als Rechtsnachfolger von Teltow die
Immobilie an die Hafen Tempelhof GmbH vermietet. 50 Firmen sind auf
dem Gelände ansässig - darunter eine Schrottverwertung, Speditionen
sowie ein Malerbetrieb.
Im Hafen ist man nicht erfreut über die Planungen, auch wenn viele der
alten Nutzer in die Pläne eingebunden werden sollen. Potentielle
Mieter für den künftigen Kulturhafen haben die Planer von "id22" schon
gefunden. Der Kölner Ökoanbieter Ecom AG, die Solarhersteller Solon AG
und Solar Water World haben Interesse angemeldet. Die Planer von der
Ideenwerkstatt gehen nun auf die Suche nach zahlungskräftigen
Investoren für die Realisierung ihres Konzeptes. 50 Millionen Euro, so
schätzt Michael LaFond wird das Vorhaben kosten. Dazu kommt der
Kaufpreis und Altlasten im Boden, die ein Schrottplatz meist mit sich
bringt. Andere zahlungskräftige Interessenten stehen offenbar schon in
den Startlöchern. So soll Centerbetreiber ECE bereits im Bezirk
Interesse bekundet haben. |
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