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  Berliner Zeitung, 01.02.2001  
     
  Kultur, Wohnen, Handel ?

Grundstück in Wasserlage: Der Bezirk sucht für seinen Hafen ein Konzept

VON BIRGITT ELTZEL

Aus seinem Büro im Ullsteinhaus kann Claus Pöhland auf den Tempelhofer Hafen blicken. Doch was er sieht, ärgert ihn: ein Schrottplatz am Wasser, verfallende Gebäude... Pöhland ist Geschäftsführer des Mode-Centers Berlin. Der marode Hafen, sagt er, ist kein gutes Aushängeschild für Messen und Präsentationen der in- und ausländischen Modemacher. "Wir warten seit Jahren darauf, dass sich hier etwas tut", sagt Pöhland.
Es wird sich was tun: Seit einigen Tagen liegt im Bezirksamt das Konzept eines Kreuzberger Architekturbüros vor. Das hatte im Auftrag des Bezirks Möglichkeiten für die Entwicklung des 4,5 Hektar großen Geländes am Teltowkanal untersucht. Die Fläche gehört drei Brandenburger Landkreisen. Sie wollen die Immobilie voraussichtlich noch in diesem Halbjahr zum Verkauf ausschreiben. Doch wie der alte Hafen künftig genutzt wird, entscheidet der Bezirk.
Die Kreuzberger Planer hatten zunächst drei Varianten vorgeschlagen: Handel, Wohnen oder Dienstleistungen und Büros, sagt der Chef des Stadtplanungsamtes, Siegmund Kroll. Gemeinsam sei dann eine vierte Variante entwickelt worden: Der Tempelhofer Hafen soll künftig eine urbane Mischung bieten - "Kultur, Kommerz und Wohnen".
Ähnliches sieht auch ein ebenfalls gerade fertig gestelltes Nutzungskonzept der benachbarten Ufa-Fabrik vor. Die Planer der alternativen Kulturmacher haben sich seit fast zwei Jahren mit dem Thema beschäftigt. Michael LaFond, Lehrbeauftragter am Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität, schwebt ein "Kulturhafen" vor, "Tag und Nacht belebt". Ein Ökokaufhaus könnte in den sanierten Speicher einziehen. Händler könnten regionale Erzeugnisse auf einem Wochenmarkt anbieten.

"Aber auch Ateliers für Künstler und Handwerker sowie Räume für Designer, für Tagungen und Kommunikation haben wir vorgesehen ", sagt LaFond. Entwickler und Betreiber moderner Umwelttechnologien könnten im Kultur- und Dienstleistungszentrum Platz finden. "Auch eine Jugendherberge, eine schwimmende Bühne und Biergärten soll es geben", sagt LaFond.
Die Händler und Gewerbetreibenden vom Tempelhofer Damm bezeichnen das Projekt der Ufa-Planer als "hoffnungsvoll". "Das würde ein Anziehungspunkt weit über Tempelhof hinaus", sagt Jürgen Winkelmann, Chef der Werbegemeinschaft. Die Kombination von "Kultur und Kommerz" stärke den Standort, auch der Tempelhofer Damm werde davon profitieren. Noch ein weiterer Grund spricht für das Vorhaben: "Tempelhof ist in kultureller Hinsicht unterversorgt - es gibt ja bisher nicht einmal ein Kino.
Auch die neue Dezernentin für Stadtentwicklung, Elisabeth Ziemer Bündnis 90/Grüne), hegt "gewisse Sympathien" für das Projekt "Kulturhafen ". Geprüft würden allerdings alle Vorschläge zur Weiterentwicklung des Geländes: "Gute Ideen kann man schließlich nicht genug haben." In der Vergangenheit gab es bereits Interesse der Hamburger ECE-Projektmanagement GmbH zur Errichtung eines Einkaufszentrums am Hafen. Der Berliner Architekt Stefan Schroth dagegen hatte 1999 die Vision von einer Stadt im Kleinen entworfen - mit Wohnungen, Hotel, Spezialitätenrestaurants und einem "Südafrika-Zentrum" im alten Speicher.
In den nächsten Monaten werden sich zunächst die Ausschüsse der Bezirksverordnetenversamm-lung mit den vorliegenden Rah-menplanungen für das Gelände beschäftigen. "Wir hoffen, dass sich ein leistungskräftiger Investor findet, der die einzigartige Lage am Wasser für etwas wirklich Besonderes nutzt", sagt Siegmund Kroll.
 

Geschichte: Der Hafen Tempelhof am Teltowkanal wurde von 1904 bis 1908 gebaut. Dort wurden Getreide, Mehl, Zucker, Tabak, Öle und so genanntes Stückgut umgeschlagen. Es gab eine Zollstation und Schienenanschluss. Während des Zweiten Weltkrieges lagerten im Speicher größere Mengen Lebensmittel. Zu Beginn der Berlin-Blockade diente er als Verteilerstation für Güter der Luftbrücke. Nach dem Ende der Blockade wurde dort Vorräte der Stadt Berlin gelagert, um gegen eine erneute Abschnürung der Verkehrswege gewappnet zu sein.

Nutzung: Gegenwärtig wird das Haus von der Lagerhaus Hafen Tempelhof GmbH verwaltet, die große Teile an Firmen weitervermietet hat.

Eigentümer: Der Hafen gehört zum so genannten Teltow-Vermögen. Der Altkreis Teltow, damals einer der reichsten Deutschlands, war 1920 Groß-Berlin nicht beigetreten. Nachfolger Teltows wurden in der DDR die Kreise Königs Wusterhausen, Lübben, Luckenwalde, Zossen und Potsdam-Land. Mit der Kreisreform 1994 erhielten die neuen Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming je 40 Prozent, Potsdam-Mittelmark 20 Prozent des Teltow-Vermögens. Der Barbesitz ist ausgezahlt, Aktien aus dem Vermögen wurden 1999 verkauft. Immobilien wie das Hafengelände werden noch gemeinsam verwaltet.

 
         
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