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Kultur, Wohnen, Handel ?
Grundstück in Wasserlage:
Der Bezirk sucht für seinen Hafen ein Konzept
VON BIRGITT ELTZEL
Aus seinem Büro im Ullsteinhaus kann
Claus Pöhland auf den Tempelhofer Hafen blicken. Doch was er sieht,
ärgert ihn: ein Schrottplatz am Wasser, verfallende Gebäude... Pöhland
ist Geschäftsführer des Mode-Centers Berlin. Der marode Hafen, sagt
er, ist kein gutes Aushängeschild für Messen und Präsentationen der
in- und ausländischen Modemacher. "Wir warten seit Jahren darauf, dass
sich hier etwas tut", sagt Pöhland.
Es wird sich was tun: Seit einigen Tagen liegt im Bezirksamt das
Konzept eines Kreuzberger Architekturbüros vor. Das hatte im Auftrag
des Bezirks Möglichkeiten für die Entwicklung des 4,5 Hektar großen
Geländes am Teltowkanal untersucht. Die Fläche gehört drei
Brandenburger Landkreisen. Sie wollen die Immobilie voraussichtlich
noch in diesem Halbjahr zum Verkauf ausschreiben. Doch wie der alte
Hafen künftig genutzt wird, entscheidet der Bezirk.
Die Kreuzberger Planer hatten zunächst drei Varianten vorgeschlagen:
Handel, Wohnen oder Dienstleistungen und Büros, sagt der Chef des
Stadtplanungsamtes, Siegmund Kroll. Gemeinsam sei dann eine vierte
Variante entwickelt worden: Der Tempelhofer Hafen soll künftig eine
urbane Mischung bieten - "Kultur, Kommerz und Wohnen".
Ähnliches sieht auch ein ebenfalls gerade fertig gestelltes
Nutzungskonzept der benachbarten Ufa-Fabrik vor. Die Planer der
alternativen Kulturmacher haben sich seit fast zwei Jahren mit dem
Thema beschäftigt. Michael LaFond, Lehrbeauftragter am Institut für
Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität, schwebt ein
"Kulturhafen" vor, "Tag und Nacht belebt". Ein Ökokaufhaus könnte in
den sanierten Speicher einziehen. Händler könnten regionale
Erzeugnisse auf einem Wochenmarkt anbieten.
"Aber auch Ateliers für Künstler und
Handwerker sowie Räume für Designer, für Tagungen und Kommunikation
haben wir vorgesehen ", sagt LaFond. Entwickler und Betreiber moderner
Umwelttechnologien könnten im Kultur- und Dienstleistungszentrum Platz
finden. "Auch eine Jugendherberge, eine schwimmende Bühne und
Biergärten soll es geben", sagt LaFond.
Die Händler und Gewerbetreibenden vom Tempelhofer Damm bezeichnen das
Projekt der Ufa-Planer als "hoffnungsvoll". "Das würde ein
Anziehungspunkt weit über Tempelhof hinaus", sagt Jürgen Winkelmann,
Chef der Werbegemeinschaft. Die Kombination von "Kultur und Kommerz"
stärke den Standort, auch der Tempelhofer Damm werde davon
profitieren. Noch ein weiterer Grund spricht für das Vorhaben:
"Tempelhof ist in kultureller Hinsicht unterversorgt - es gibt ja
bisher nicht einmal ein Kino.
Auch die neue Dezernentin für Stadtentwicklung, Elisabeth Ziemer
Bündnis 90/Grüne), hegt "gewisse Sympathien" für das Projekt
"Kulturhafen ". Geprüft würden allerdings alle Vorschläge zur
Weiterentwicklung des Geländes: "Gute Ideen kann man schließlich nicht
genug haben." In der Vergangenheit gab es bereits Interesse der
Hamburger ECE-Projektmanagement GmbH zur Errichtung eines
Einkaufszentrums am Hafen. Der Berliner Architekt Stefan Schroth
dagegen hatte 1999 die Vision von einer Stadt im Kleinen entworfen -
mit Wohnungen, Hotel, Spezialitätenrestaurants und einem
"Südafrika-Zentrum" im alten Speicher.
In den nächsten Monaten werden sich zunächst die Ausschüsse der
Bezirksverordnetenversamm-lung mit den vorliegenden Rah-menplanungen
für das Gelände beschäftigen. "Wir hoffen, dass sich ein
leistungskräftiger Investor findet, der die einzigartige Lage am
Wasser für etwas wirklich Besonderes nutzt", sagt Siegmund Kroll.
Geschichte: Der Hafen Tempelhof am
Teltowkanal wurde von 1904 bis 1908 gebaut. Dort wurden Getreide,
Mehl, Zucker, Tabak, Öle und so genanntes Stückgut umgeschlagen. Es
gab eine Zollstation und Schienenanschluss. Während des Zweiten
Weltkrieges lagerten im Speicher größere Mengen Lebensmittel. Zu
Beginn der Berlin-Blockade diente er als Verteilerstation für Güter
der Luftbrücke. Nach dem Ende der Blockade wurde dort Vorräte der
Stadt Berlin gelagert, um gegen eine erneute Abschnürung der
Verkehrswege gewappnet zu sein.
Nutzung: Gegenwärtig wird das Haus
von der Lagerhaus Hafen Tempelhof GmbH verwaltet, die große Teile an
Firmen weitervermietet hat.
Eigentümer: Der Hafen gehört zum
so genannten Teltow-Vermögen. Der Altkreis Teltow, damals einer der
reichsten Deutschlands, war 1920 Groß-Berlin nicht beigetreten.
Nachfolger Teltows wurden in der DDR die Kreise Königs Wusterhausen,
Lübben, Luckenwalde, Zossen und Potsdam-Land. Mit der Kreisreform 1994
erhielten die neuen Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming je
40 Prozent, Potsdam-Mittelmark 20 Prozent des Teltow-Vermögens. Der
Barbesitz ist ausgezahlt, Aktien aus dem Vermögen wurden 1999
verkauft. Immobilien wie das Hafengelände werden noch gemeinsam
verwaltet. |
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