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Zum Shoppen in den Hafen
Tempelhof will seine
Industriestandorte fördern und den Tempelhofer Damm wieder zu einer
attraktiven Einkaufsstraße machen
Von HARALD OLKUS
Berlin hat sich zwar weitgehend von der
Vorstellung verabschiedet, eine Industriestadt zu sein. Damit die
alten Industrieflächen aber nicht gänzlich in Büro- oder
Dienstleistungsflächen umgewandelt werden, gibt es das
Industrieflächen-Sicherungsprogramm des Senats, mit dem die Nutzung
bestimmter Flächen festgeschrieben wird. Während das Konzept in
anderen Teilen der Stadt recht umstritten ist, findet es beim Bezirk
Tempelhof-Schöneberg durchaus Anklang. "Wir werden weiterhin neben
Spandau der größte Industriebezirk in der Stadt bleiben", sagt
Siegmund Kroll, Leiter des Amtes für Stadtplanung und Denkmalschutz.
Im Ortsteil Tempelhof gibt es große Flächen, die weitgehend vom
produzierenden Gewerbe genutzt werden. Immerhin zehn Prozent der
Gebäude- und Freifläche im Bezirk sind als Gewerbe- und
Industriegebiete ausgewiesen. Sie erstrecken sich vor allem entlang
der S-Bahn-Linien und am Teltowkanal. Die bekanntesten Namen dort sind
Daimler-Chrysler, Jacobs, Bahlsen und Gilette. Der Bezirk sei bemüht,
die Ansiedlung von Industriebetrieben zu unterstützen und auch von
Seiten der Unternehmen sei Nachfrage vorhanden, sagt Kroll. Einige
Firmen wollten ihre Produktionslinien verändern, andere planten zu
erweitern, Tengelmann wolle sogar ein ganz neues Distributionszentrum
aufbauen. Es gebe aber auch partiellen Leerstand, räumt Kroll ein.
Ebenso will Tempelhof verlorenes Terrain als Einzelhandelsstandort
wieder gutmachen. Der Tempelhofer Damm sei in den vergangenen Jahren
im Vergleich zu anderen Einkaufsstraßen der Stadt ins Hintertreffen
geraten und soll nun wieder attraktiver werden. Wesentliche
Voraussetzung dafür sei die Entwicklung des Tempelhofer Hafens, sagt
Stadtplaner Kroll. Die wird derzeit von Baustadtrat Gerhard Lawrenz
mit Volldampf betrieben. Es gibt mehrere Konzepte für eine Nutzung des
denkmalgeschützten Speichergebäudes sowie der umliegenden Freifläche
und des Hafenbeckens. Und es gibt auch mehrere Investoren, die sich
für das Areal interessieren. Einer davon ist der Hamburger
Projektentwickler von Einkaufszentren ECE, der in Berlin unter anderem
mit den Potsdamer Platz Arkaden und dem Gesundbrunnencenter vertreten
ist.
Dass Lawrenz die ECE favorisiert, ist ein offenes Geheimnis im Bezirk.
Das Projekt müsse sich in erster Linie rechnen, meint der Baustadtrat.
Deshalb will er die Entwicklung des Areals lieber "dem Geschick ein
Investors überlassen" anstatt sich auf alternative Konzepte
einzulassen, wie sie das Büro ID 22 der Ufa-Fabrik entworfen hat, oder
auf das von Architekt Stefan Schroth seit Jahren betriebene
"Wirtschafts- und Kulturzentrum Südliches Afrika". In diesem "Warehouse
of Southern Africa" sollen sich verschiedene Länder aus dem südlichen
Afrika präsentieren können. Verschiedene Unternehmen könnten dort
einziehen, die "African Community" Berlins hätte einen Treffpunkt.
Außerdem soll dort Unterhaltung, Musik, Kunst, Kino und Gastronomie
geboten werden.
Michael LaFond von ID 22 meint bei Lawrenz derzeit einen besonderen
Eifer festzustellen, das Projekt Tempelhofer Hafen möglichst bald
unter Dach und Fach zu bringen. Das könnte an den politischen
Gegebenheiten liegen. Denn bei den Wahlen zur
Bezirksverordnetenversammlung hat die SPD im Bezirk weitaus besser
abgeschnitten als bei den vorangegangenen Wahlen. Zusammen mit Grünen
und PDS haben sie die Mehrheit und könnten den Bürgermeister stellen.
Doch die Regierungsbildung ist noch nicht abgeschlossen und könnte
sich unter Umständen sogar bis Januar verzögern. Noch ist man sich
jedoch über den Zuschnitt der Ämter nicht einig. Dass Lawrenz (CDU)
Baustadtrat bleiben wird, scheint sicher. Aber ob er auch das Ressort
Stadtentwicklung behalten wird, steht in Frage. "Deshalb will er die
Auswahl des Investors noch so weit wie möglich vorantreiben", meint
Michael LaFond. Als Nachfolgerin ist die frühere Schöneberger
Bürgermeisterin Elisabeth Ziemer von den Grünen im Gespräch, die die
Pläne der Ufa sicherlich mehr unterstützen würde als Lawrenz. Es
dürfte allerdings schwierig werden, das Projekt in wenigen Wochen zum
Abschluss zu bringen. Denn noch sind sich die drei brandenburgischen
Landkreise, denen der Hafen gehört, über einen Verkauf nicht einig.
Der Hafen ist nicht die einzige Stelle entlang, des Tempelhofer Damms,
an dem ein Einkaufszentrum entstehen soll. "Wir haben insgesamt drei
Standorte für mittelgroße Einkaufszentren vorgesehen", sagt
Stadtplaner Kroll. Die "Rathauspassagen" sollen auf einem Parkplatz
am Rathaus errichtet werden. Bislang gibt es dafür acht Bewerber.
Anfang kommenden Jahres soll das Auswahlverfahren gestartet werden, in
dem "das beste städtebauliche und handelsstrukturelle Konzept" den
Zuschlag erhalten soll. Das dritte Center ist zwischen Ringbahn und
Borussiastraße geplant. "Einzelheiten sind hier aber noch nicht
festgelegt", sagt Kroll.
Den drei geplanten Einkaufszentren schreibt der Stadtplaner eine
"Magnetfunktion" zu. Durch sie könnte das Angebot der Einkaufsstraße
verbessert werden. Die Planung sei mit der lnteressengemeinschaft der
Tempelhofer Einzelhändler abgestimmt, sagt Kroll. Die Geschäftsleute
in der Straße seien mit der Errichtung von Einkaufszentren
einverstanden, so lange sie eine Größenordnung hätten, die sie nicht
an die Wand drängen, aber mehr Kundschaft anziehen, wovon die
Einzelhändler ebenfalls profitieren könnten. |
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