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Familienfreundliche Kulturoase
mit Hafenambitionen
Die Tempelhofer
UFA-Fabrik hat jährlich bis zu 300 000 Besucher
VON SABINE NÖBEL
Auf dem 18 000 m² großen Gelände der
Ufa-Fabrik an der Viktoriastraße geht es familiär zu, mit einem Hauch
alternativer Lebensweise - mit Kinderbauernhof und Freier Schule,
Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum, Vollkornbäckerei und
Naturkostladen. Und daneben Theater, Studios, Varieté,
Kinderzirkusschule, Kabarettsalon, Cafe Olé.
Doch ist hier auch nicht alles auf dem Stand geblieben, wie es nach
der friedlichen Besetzung des einstigen Ufa-Kopierwerkes 1979 und in
den 80er Jahren entstand. Davon künden unübersehbar Solaranlagen auf
mehreren Dächern. Ökologie spielt ohnehin eine wichtige
Rolle in der Kulturoase unweit des U-Bahnhofs Ullsteinstraße. Zwei
Windräder und die Regenwasserzisterne gehören ebenso dazu wie
Blockheizkraftwerk und begrüntes Dach.
Bei den ersten Vorfrühlingsstrahlen saßen bereits Sonnenanbeter vor
dem Cafe Olé (das jeden Montag übrigens kostenlos eine Jazz-Session ab
22 Uhr anbietet). Jetzt kommt die schönste Familienausflugszeit für
die Ufa-Fabrik. Denn viel passiert hier ja auch im Freien. Da gibt es
den Spielplatz, den Kinderbauernhof und die Sommerbar. Auch die Solar
Crêperie wartet auf sonnige Tage und erst recht der Sommergarten vor
der Open-Air-Bühne, wo noch die Stühle übereinander gestapelt sind. Ab
Juni gastieren hier internationale Künstler.
Für die rund 40 Mitglieder der auf dem Gelände lebenden Großfamilie
vom Baby bis zu über 60-Jährigen ist die Ufa-Fabrik Lebensmittelpunkt.
Vier der Initiatoren von 1979 wohnen noch hier, darunter der
stadtbekannte Juppy (den Nachnamen Becher kennt kaum einer, da er ihn
nicht benutzt), der Vater vons Janze. Er stellte voriges Jahr ein
neues Projekt vor: einen Kulturhafen.
Auf der anderen Seite des Tempelhofer Damms liegt der Hafen. Der
siebentagige Speicher würde 22000 zusätzliche m² für kulturelle,
ökologische und wirtschaftliche Projekte bedeuten. Juppy schwebt u. a.
ein Saal für 1000 Besu-cher vor und eine Artistenschule. Erste
Vorschläge für den Kulturhafen, der durch einen Uferweg mit der
Ufa-Fabrik verbunden werden könnte; hat Michael LaFond vorgelegt,
Lehrbeauftragter am Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU.
Dazu gehören auch ein Biergarten am Kanal, eine schwimmende Bühne für
Theateraufführungen, ein Café, ein Beachvolleyball-Platz,
Handwerksbetriebe, Geschäfte. Bis Oktober sollen die Pläne
konkretisiert werden. 5000 Mark gab die Investitionsbank Berlin da-für,
30 000 Mark kamen aus einer Prämie für das Konzept im Rahmen des aus
Lottomitteln finanzierten Projekts "Zukunftsfähiges Berlin". Die
Werkstatt im Februar hatte 150 Gäste - aus Bezirksamt und
Senatsverwaltung, aber auch Anwohner, Studenten, Geschäftsleute.
Doch es gehen sicher noch drei bis vier Jahre ins Land, bis der Hafen
der Kulturen (hier soll es auch ein Lateinamerika- und ein
Afrika-Zentrum geben) verwirklicht wird, schätzt Michael LaFond ein.
Intensiv seien die Verhandlungen mit den Eigentümern (drei
Brandenburger Landkreise, Nachfolger des einstigen Hafenerbauers
Landkreis Teltow) und Nutzern (rund 50 Firmen). Doch derzeit gehe es
vor allem um die Philosophie der Anlage, um ein ausgewogenes
Verhältnis von Ökologie und Wirtschaft.
Die bisherige Ufa-Fabrik bietet Arbeit für über 200 Menschen. Jedes
Jahr zieht das Kulturzentrum bis zu 300 000 Besucher an. Nächste
Höhepunkte: Der dritte Teil der Musik-Comedy-Show "Über Samenspender
und andere R-Güsse" läuft seit gestern jeweils von Mittwoch bis
Sonnabend um 20 Uhr im Theatersaal. Ab 18. April im Varieté-Salon: das
absurde Krimi-Melodram "Fahr zur Hölle, Schwester". Die Litfaßsäule
auf dem Gelände wirbt auch für den Trödelmarkt am 25. März von 11 bis
14 Uhr, für das Familien-Frühlingsfest mit Osterbasteleien am 1. April
von 15 bis 18 Uhr. Und für Kurse, Infoabende und Wochenendseminare.
Das reicht von Schwangerschaftsgymnastik bis zu Yoga. Auch
Selbstverteidigung, Tanz, Akrobatik werden hier gelehrt. Am 6. April
um 11, am 7. und 8. April um 15 Uhr steigt das 15.
Kindercircusfestival mit Akrobatik, Tanz, Jonglage, Clownerie. Infos:
030/75 50 30.
Sabine Nöbel |
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