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  Berliner Morgenpost, 09.01.2001  
     
  Visionen für einen Hafen

Ausstellung in der Stadtbibliothek zeigt unterschiedliche Nutzungskonzepte

VON DANIELA NOACK

Tempelhof-Schöneberg - "Wie wärs mit Kultur am Hafen Tempelhof? Würden Sie dort gerne bummeln oder etwas essen gehen? Was halten Sie von öffentlichem Nahverkehr auf dem Wasser?" Solche Fragen können Besucher der Ausstellung "Hafen Tempelhof - Hafen der Kulturen", die jetzt in der Stadtbibliothek Tempelhof zu sehen ist, beantworten.
Präsentiert werden Arbeiten von Stadtplanungsstudenten der Technischen Universität Berlin, die ihre Vision von einer zukünftigen Nutzung des attraktiven Tempelhofer Wassergrundstücks zu Papier gebracht haben. Autoren des Fragebogens und Organisatoren der Ausstellung sind die sieben Mitglieder der "Projektentwicklungsgruppe Hafen Tempelhof` im Kulturzentrum Ufa-Fabrik.
Dass ein solches "innerstädtisches Juwel" nur als Industriestandort und Schrottplatz genutzt wird, bedauert Juppy Becher, Gründungsmitglied der Ufa-Fabrik. Damit das nicht immer so bleibt, organisierte die Projektgruppe bereits im Sommer 2000 ein Hafenfest und eine öffentliche Ideenwerkstatt. Dieses Engagement
wurde im Herbst mit zwei Preisen ausgezeichnet. 30 000 Mark stiftete die "Projektagentur zukunftsfähiges Berlin", 5000 Mark die "Projektbörse" der Investitionsbank Berlin.
Doch mit der Umsetzung des Projektes hapert es bislang. Dennoch gibt sich Architekt und Stadtplaner Michael LaFond von der Ufa-Fabrik optimistisch. In Phase II soll es konkreter werden. Am 2. Februar wird es in der Ufa-Fabrik erneut eine Ideenwerkstatt geben, zu der, wie im vergangenen Jahr, Vertreter von Bezirk und Senat, Geschäftsleute, Anwohner und am Hafen Ansässige eingeladen werden. Die Stadtplanungsstudenten wollen anlässlich des Treffens ein Gesamtkonzept für den Hafen vorstellen. Auch die Suche nach Investoren soll beginnen.
Doch das wird nicht leicht. Denn die Verhältnisse am Hafen sind kompliziert. Die Wasserfläche sowie das Hafenbecken werden vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin verwaltet. Das übrige Gelände gehört den
Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und Potsdam-Mittelmark. Die können sich seit Jahren über eine zukünftige Nutzung nicht einig werden. Das Sagen am Hafen hat derzeit der Pächter des 22 000 Quadratmeter großen Lagerhauses Jürgen Dalhoff. 50 Firmen sind nach seinen Aussagen in dem denkmalgeschützten Gebäude ansässig
Dem Angebot einer friedlichen Koexistenz mit Mitarbeitern der Ufa-Fabrik am Hafengelände steht er misstrauisch gegenüber. Der Hafen ist für ihn ein Industriestandort, und damit basta. Den Visionären kann er deshalb nur wenig Hoffnung machen. Dalhoff: "Mit unseren Firmen haben wir Verträge. Bis die auslaufen, das dauert ewig." Kommentare möchte Eigentümervertreter Ralf Zielke zurzeit keine abgeben.
Von dem Rummel um den Hafen hält er wenig. Von der Fragebogenaktion noch weniger. Zielke: "Ich bezweifle, dass eine Bürgerbefragung über ein fremdes Grundstück ohne Einwilligung der Eigentümer überhaupt rechtmäßig ist."
Rolf Eggeling von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung begrüßt dagegen die Anstrengungen der Ufa-Fabrik, das Thema Hafen an
die Öffentlichkeit zu bringen. Eggeling: "Zurzeit werden in einer Studie auch andere Berliner Hafengelände im Hinblick auf eine zukünftige Nutzung untersucht " Auch Tempelhof-Schönebergs Bürgermeister Dieter Hapel (CDU) hofft weiter auf "eine vernünftige städtebauliche Nutzung des bezirklichen Highlights". Um die Landkreise zum Verkauf oder zur Verhandlung zu bewegen, gäbe es aber nur einen realistischen Ansatzpunkt: "Einen Großinvestor finden, der sich in das Grundstück verliebt."
Das sieht auch Albrecht Dieter von der Kreisverwaltung Teltow-Fläming so. Sein Landkreis ist einem Verkauf prinzipiell nicht abgeneigt: Es habe allerdings in der Vergangenheit schon viele gute Ideen gegeben. Dieter: "Die sind alle gescheitert, denn sie waren nicht finanzierbar."

Ausstellung "Hafen Tempelhof -Hafen der Kulturen": bis 16. Februar in der Bezirkszentralbibliothek, Eva-Maria-Buch-Haus, Götzstraße 8-12, Mo. - Fr., 10-12 Uhr.

 
         
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