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Visionen für einen Hafen
Ausstellung in der
Stadtbibliothek zeigt unterschiedliche Nutzungskonzepte
VON DANIELA NOACK
Tempelhof-Schöneberg - "Wie wärs mit
Kultur am Hafen Tempelhof? Würden Sie dort gerne bummeln oder etwas
essen gehen? Was halten Sie von öffentlichem Nahverkehr auf dem
Wasser?" Solche Fragen können Besucher der Ausstellung "Hafen
Tempelhof - Hafen der Kulturen", die jetzt in der Stadtbibliothek
Tempelhof zu sehen ist, beantworten.
Präsentiert werden Arbeiten von Stadtplanungsstudenten der Technischen
Universität Berlin, die ihre Vision von einer zukünftigen Nutzung des
attraktiven Tempelhofer Wassergrundstücks zu Papier gebracht haben.
Autoren des Fragebogens und Organisatoren der Ausstellung sind die
sieben Mitglieder der "Projektentwicklungsgruppe Hafen Tempelhof` im
Kulturzentrum Ufa-Fabrik.
Dass ein solches "innerstädtisches Juwel" nur als Industriestandort
und Schrottplatz genutzt wird, bedauert Juppy Becher,
Gründungsmitglied der Ufa-Fabrik. Damit das nicht immer so bleibt,
organisierte die Projektgruppe bereits im Sommer 2000 ein Hafenfest
und eine öffentliche Ideenwerkstatt. Dieses Engagement
wurde im Herbst mit zwei Preisen ausgezeichnet. 30 000 Mark stiftete
die "Projektagentur zukunftsfähiges Berlin", 5000 Mark die
"Projektbörse" der Investitionsbank Berlin.
Doch mit der Umsetzung des Projektes hapert es bislang. Dennoch gibt
sich Architekt und Stadtplaner Michael LaFond von der Ufa-Fabrik
optimistisch. In Phase II soll es konkreter werden. Am 2. Februar wird
es in der Ufa-Fabrik erneut eine Ideenwerkstatt geben, zu der, wie im
vergangenen Jahr, Vertreter von Bezirk und Senat, Geschäftsleute,
Anwohner und am Hafen Ansässige eingeladen werden. Die
Stadtplanungsstudenten wollen anlässlich des Treffens ein
Gesamtkonzept für den Hafen vorstellen. Auch die Suche nach Investoren
soll beginnen.
Doch das wird nicht leicht. Denn die Verhältnisse am Hafen sind
kompliziert. Die Wasserfläche sowie das Hafenbecken werden vom Wasser-
und Schifffahrtsamt Berlin verwaltet. Das übrige Gelände gehört den
Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und Potsdam-Mittelmark.
Die können sich seit Jahren über eine zukünftige Nutzung nicht einig
werden. Das Sagen am Hafen hat derzeit der Pächter des 22 000
Quadratmeter großen Lagerhauses Jürgen Dalhoff. 50 Firmen sind nach
seinen Aussagen in dem denkmalgeschützten Gebäude ansässig
Dem Angebot einer friedlichen Koexistenz mit Mitarbeitern der
Ufa-Fabrik am Hafengelände steht er misstrauisch gegenüber. Der Hafen
ist für ihn ein Industriestandort, und damit basta. Den Visionären
kann er deshalb nur wenig Hoffnung machen. Dalhoff: "Mit unseren
Firmen haben wir Verträge. Bis die auslaufen, das dauert ewig."
Kommentare möchte Eigentümervertreter Ralf Zielke zurzeit keine
abgeben.
Von dem Rummel um den Hafen hält er wenig. Von der Fragebogenaktion
noch weniger. Zielke: "Ich bezweifle, dass eine Bürgerbefragung über
ein fremdes Grundstück ohne Einwilligung der Eigentümer überhaupt
rechtmäßig ist."
Rolf Eggeling von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung begrüßt
dagegen die Anstrengungen der Ufa-Fabrik, das Thema Hafen an
die Öffentlichkeit zu bringen. Eggeling: "Zurzeit werden in einer
Studie auch andere Berliner Hafengelände im Hinblick auf eine
zukünftige Nutzung untersucht " Auch Tempelhof-Schönebergs
Bürgermeister Dieter Hapel (CDU) hofft weiter auf "eine vernünftige
städtebauliche Nutzung des bezirklichen Highlights". Um die Landkreise
zum Verkauf oder zur Verhandlung zu bewegen, gäbe es aber nur einen
realistischen Ansatzpunkt: "Einen Großinvestor finden, der sich in das
Grundstück verliebt."
Das sieht auch Albrecht Dieter von der Kreisverwaltung Teltow-Fläming
so. Sein Landkreis ist einem Verkauf prinzipiell nicht abgeneigt: Es
habe allerdings in der Vergangenheit schon viele gute Ideen gegeben.
Dieter: "Die sind alle gescheitert, denn sie waren nicht
finanzierbar."
Ausstellung "Hafen Tempelhof -Hafen der
Kulturen": bis 16. Februar in der Bezirkszentralbibliothek,
Eva-Maria-Buch-Haus, Götzstraße 8-12, Mo. - Fr., 10-12 Uhr. |
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