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Aufbruchstimmung im Hafen
Kultur statt Industrie:
Entwurf der Ufa-Fabrik ausgezeichnet - Realisierung umstritten
VON DANIELA NOACK
Tempelhof - Aus dem tristen Tempelhofer
Hafen soll ein Kultur- und Dienstleistungszentrum werden. Diese Vision
haben Studenten der Technischen Universität Berlin und Mitarbeiter des
Tempelhofer Kulturzentrums Ufa-Fabrik entwickelt - und wurden dafür
jetzt ausgezeichnet: Die "Projektagentur Zukunftsfähiges Berlin", eine
Stiftung, die sich über Lottomittel finanziert, verlieh gestern einen
Preis in Höhe einer Förderung von 30 000 Mark an die "Werkstatt
Kulturhafen Tempelhof". Zwei Wochen zuvor hatte die Werkstatt bereits
5000 Mark von der "Projektbörse" erhalten, einer Einrichtung der
lnvestitionsbank Berlin in Zusammenarbeit mit dem Forum zur
Durchsetzung der Agenda 21.
Der Grundstein für den Erfolg wurde bereits im Sommer gelegt. Damals
hatte die Ufa-Fabrik eine Ideenwerkstatt zur Zukunft des Hafen
Tempelhof veranstaltet. "Die 5000 Mark sind zwar nur ein symbolischer
Betrag. Aber der Preis hilft, das Vorhaben in der Öffentlichkeit
bekannt zu machen und ihm Zugang zu Förderstrukturen zu ebnen", so
Erhard O. Müller von der "Projektbörse".
Doch obwohl der Hafen Tempelhof berlinweit auf Interesse stößt - die
Ideenwerkstatt in der Ufa-Fabrik wurde auch vom Senat mitfinanziert -
liegt eine Verwirklichung der Ideen aufgrund komplizierter
Eigentumsverhältnisse noch in weiter Ferne. Die Wasserfläche sowie das
Hafenbecken werden vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin verwaltet.
Das übrige Gelände gehört den Landkreisen Teltow-Fläming,
Dahme-Spreewald und Potsdam-Mittelmark. Eigentümervertreter Ralf
Zielke: "Die Diskussion über die Hafennutzung ist im vollen Gange."
Eine Einigung sei aber noch nicht erzielt worden.
Das Sagen am Hafengelände hat zurzeit noch der Pächter Jürgen Dalhoff.
Der möchte am liebsten, dass alles beim Alten bleibt. Der Hafen, an
dem derzeit mehr als 50 Firmen. ansässig sind, sei ein wichtiger
Wirtschaftsstandort. Dalhoff meint: "Die Landkreise würden sich
niemals auf Verhandlungen mit der Ufa-Fabrik einlassen."
Nicht bei allen Landkreisen allerdings stoßen die ehrgeizigen - Ideen
das Hafenprojektes auf Widerstand. Dieter Albrecht von der
Kreisverwaltung Teltow-Fläming findet die Ideen der Studenten sogar
toll. "Doch was nützen die besten Ideen, wenn sie nicht finanzierbar
sind?", fragt er. Albrecht sagt, dass sein Landkreis einem Verkauf des
Geländes an das Land Berlin "bei maximalem Profit" nicht abgeneigt
wäre. Darauf habe sich der Kreis in einem Grundsatzbeschluss
festgelegt. Was das zukünftige Schicksal des Hafens betrifft, habe
aber der Bezirk Tempelhof ohnehin "die Planungshoheit."
Bürgermeister Dieter Hapel (CDU) hofft, dass die Verhandlungen zügig
zu Ende gehen. Hapel: "Der Hafen ist ein innerstädtisches Juwel, das
geradezu nach Veränderung schreit " Für jede Anregung zeige er sich
dankbar. Hapel: "Wenn wir dann noch einen passenden Investor finden,
kann ein Stück Utopie wahr werden." Veränderungen am Hafen stehen auf
jeden Fall an. Ei-gentümervertreter Zielke: Entscheidungen müssen in
absehbarer Zeit getroffen werden, in der einen oder der anderen Form."
Wofür das Fördergeld von insgesamt 35 000 Mark eingesetzt werden soll,
weiß Michael LaFond, Leiter vom "Projekt Kulturhafen Tempelhof",
schon. "Wir wollen eine Lenkungsgruppe einrichten, an der sich neben
Projektmitgliedern auch Mitarbeiter von Bezirk und Senat,
interessierte Bürger oder potenzielle Investoren beteiligen können.
Ferner sollen in Arbeitsgruppen weiter Konzepte für den Hafen erstellt
werden."
Ganz anders sieht das Pächter Jürgen Dalhoff: "Der Hafen ist und
bleibt Industriegebiet. Die Ufa-Fabrik hat hier nichts zu suchen." |
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