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  Berliner Morgenpost, 09.11.2000  
     
  Aufbruchstimmung im Hafen

Kultur statt Industrie: Entwurf der Ufa-Fabrik ausgezeichnet - Realisierung umstritten

VON DANIELA NOACK

Tempelhof - Aus dem tristen Tempelhofer Hafen soll ein Kultur- und Dienstleistungszentrum werden. Diese Vision haben Studenten der Technischen Universität Berlin und Mitarbeiter des Tempelhofer Kulturzentrums Ufa-Fabrik entwickelt - und wurden dafür jetzt ausgezeichnet: Die "Projektagentur Zukunftsfähiges Berlin", eine Stiftung, die sich über Lottomittel finanziert, verlieh gestern einen Preis in Höhe einer Förderung von 30 000 Mark an die "Werkstatt Kulturhafen Tempelhof". Zwei Wochen zuvor hatte die Werkstatt bereits 5000 Mark von der "Projektbörse" erhalten, einer Einrichtung der lnvestitionsbank Berlin in Zusammenarbeit mit dem Forum zur Durchsetzung der Agenda 21.
Der Grundstein für den Erfolg wurde bereits im Sommer gelegt. Damals hatte die Ufa-Fabrik eine Ideenwerkstatt zur Zukunft des Hafen Tempelhof veranstaltet. "Die 5000 Mark sind zwar nur ein symbolischer Betrag. Aber der Preis hilft, das Vorhaben in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und ihm Zugang zu Förderstrukturen zu ebnen", so Erhard O. Müller von der "Projektbörse".
 Doch obwohl der Hafen Tempelhof berlinweit auf Interesse stößt - die Ideenwerkstatt in der Ufa-Fabrik wurde auch vom Senat mitfinanziert - liegt eine Verwirklichung der Ideen aufgrund komplizierter Eigentumsverhältnisse noch in weiter Ferne. Die Wasserfläche sowie das Hafenbecken werden vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin verwaltet. Das übrige Gelände gehört den Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und Potsdam-Mittelmark. Eigentümervertreter Ralf Zielke: "Die Diskussion über die Hafennutzung ist im vollen Gange." Eine Einigung sei aber noch nicht erzielt worden.
Das Sagen am Hafengelände hat zurzeit noch der Pächter Jürgen Dalhoff. Der möchte am liebsten, dass alles beim Alten bleibt. Der Hafen, an dem derzeit mehr als 50 Firmen. ansässig sind, sei ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Dalhoff meint: "Die Landkreise würden sich niemals auf Verhandlungen mit der Ufa-Fabrik einlassen."
Nicht bei allen Landkreisen allerdings stoßen die ehrgeizigen - Ideen das Hafenprojektes auf Widerstand. Dieter Albrecht von der Kreisverwaltung Teltow-Fläming findet die Ideen der Studenten sogar toll. "Doch was nützen die besten Ideen, wenn sie nicht finanzierbar sind?", fragt er. Albrecht sagt, dass sein Landkreis einem Verkauf des Geländes an das Land Berlin "bei maximalem Profit" nicht abgeneigt wäre. Darauf habe sich der Kreis in einem Grundsatzbeschluss festgelegt. Was das zukünftige Schicksal des Hafens betrifft, habe aber der Bezirk Tempelhof ohnehin "die Planungshoheit."
Bürgermeister Dieter Hapel (CDU) hofft, dass die Verhandlungen zügig zu Ende gehen. Hapel: "Der Hafen ist ein innerstädtisches Juwel, das geradezu nach Veränderung schreit " Für jede Anregung zeige er sich dankbar. Hapel: "Wenn wir dann noch einen passenden Investor finden, kann ein Stück Utopie wahr werden." Veränderungen am Hafen stehen auf jeden Fall an. Ei-gentümervertreter Zielke: Entscheidungen müssen in absehbarer Zeit getroffen werden, in der einen oder der anderen Form."
Wofür das Fördergeld von insgesamt 35 000 Mark eingesetzt werden soll, weiß Michael LaFond, Leiter vom "Projekt Kulturhafen Tempelhof", schon. "Wir wollen eine Lenkungsgruppe einrichten, an der sich neben Projektmitgliedern auch Mitarbeiter von Bezirk und Senat, interessierte Bürger oder potenzielle Investoren beteiligen können. Ferner sollen in Arbeitsgruppen weiter Konzepte für den Hafen erstellt werden."
Ganz anders sieht das Pächter Jürgen Dalhoff: "Der Hafen ist und bleibt Industriegebiet. Die Ufa-Fabrik hat hier nichts zu suchen."

 
         
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