Das Wampelerreiten in Axams .... (19. Feb. 2004)
Der Axamer Wampeler ist von seinem Aussehen her wohl eine
der originellsten Fasnachtfiguren im Alpenraum. Über seine
Entstehung gibt es mehrere Versionen, wobei die Axamer selber meinen,
dass in früher Zeit die Menschen zum Bärenfang Heu und
Laub unter die Kleidung „schoppten”, um sich vor Verletzungen zu schützen.
Den Hauptteil der Axamer Fasnacht bilden die Wampeler. Sie sind
vom Aussehen her sehr originelle Figuren - das Wampelerreiten
soll so wie die meisten Fasnachtfiguren u. -bräuche bis in vorchristliche
Zeiten zurückreichen. In der Fasnachtszeit, vor dem alljährlichen
„unsinnigen Donnerstag” (= der letzte Donnerstag vor der Fastenzeit),
melden sich junge, schneidige Burschen beim Wampeler-Vater,
einem ehemaligen Wampeler, wer selbst als Wampeler geht oder wer reiten
möchte.
Der Aussenstehende versteht unter „reiten” meistens, dass jemand
auf einem anderen reitet. Dem ist aber nicht so, denn meim Wampelerreiten
muss der Reiter versuchen, den Wampeler mit einem gekonnten
Griff von hinten auf den Rücken zu werfen.
Das Ausschoppen: Bis zu 50 Burschen aus dem Dorf treffen
sich am Unsinnigen Donnerstag in Gruppen von ca. 5-6 Mann vormittags
bei verschiedenen Bauern in der Tenne.
Dort helfen „alte Wampeler und Reiter” beim Ausschoppen und stehen
den jüngeren Burschen mit Rat und Tat zur Seite und so manchen
juckt es heute noch, oft nach 50 Jahren und mehr, einen Wampeler mit
geschicktem Griff zu packen, denn ein richtiger Fasnachtler „hat das
eben im Bluat”. Nachdem die Wampelerpfoad vorne zugenäht
ist, wird der Wampeler meist von 2 Reitern mit Grummet ausgeschoppt.
Am Körper trägt der junge Bursch ein altes Hemd zwischen
den beiden Hemden kommt nun das Grummet. Wichtig sind Arme und
Brust; hier darf nur so fest ausgeschoppt werden, dass Atmung und
Durchblutung noch gut funktionieren. Das Ausschoppen nimmt etwa 1
Stunde in Anspruch.
Die Bekleidung besteht aus einem groben, weissen Leinenhemd,
um die Mitte wird ein breiter Ledergurt oder ein Ranzen angelegt;
dazu gehört ein knielanger roter Rock, lange Hose, grobe Schuhe
und ein ca. 80 cm langer Stock, der zum Halten der Balance, aber auch
zum Abwehren von Angriffen die von vorne kommen, benützt wird.
Das Wampelerreiten: Treffpunkt für alle Wampeler und
Reiter ist die alte Stube im Gasthof Weiss, um ca. 13 Uhr. Bis
Anfang der 50er Jahre trugen die Wampeler beim Reiten (wobei sie
3 Runden ums Dorf zogen) schöne Holzmasken. Dadurch war
jedoch ihr Blickfeld stark beeinträchtigt - heute tragen die
Wampeler leider keine Larven mehr. Die Regeln beim Wampelerreiten
sind jedoch noch immer die alten (Eherne Regeln). Der Wampeler
darf nur von hinten angegriffen werden. Steht er mit dem Rücken zur
Wand, darf der Reiter nicht angreifen. Liegt der Wampeler am Boden (Bauch
oder Knie), muss ihm das gefahrlose Aufstehen ermöglicht werden; ist
er aber durch einen gekonnten Wurf eines Reiters auf den Rücken gefallen,
ist er besiegt und hat „ein Ganzes” bekommen. Gegen Angriffe von
vorne wehrt sich der Wampeler mit seinem Stock. Wenn das Leinenhemd am Rücken
„ fest dreckig” ist, hat er ein Ganzes oder gleich mehrere bekommen;
ein sauberer (weisser) Rücken zeugt jedoch davon, dass dieser Wampeler
zu den besten zählt; es gibt aber noch so manchen Zweikampf zu überstehen,
um „weiss ums Dorf ” zu kommen.
Nach zwei Runden ums Dorf ist das Wampelerreiten beendet, dies muss noch
vor dem Betläuten sein. Reiter und Wampeler sind von den Zweikämpfen
gezeichnet. Alle treffen sich jetzt wieder beim Ausgangspunkt - es wird
nun getrunken, gegessen und natürlich debattiert, ob alles korrekt
verlaufen ist; so manche Unklarheit muss noch „ausgerauft” werden.
Schlussendlich wird jedoch immer eine Einigkeit zwischen Wampeler und
Reiter hergestellt und meist wird auch schon ausgemacht, dass man beim nächsten
Wampelerreiten wieder dabei sein wird.
Dieser einmalige Fasnachtsbrauch ist nur etwas für „harte Burschen”,
denen ein paar Kratzer und blaue Flecken nichts ausmachen dürfen.
Nachwuchssorgen hat man in Axams aber keine!
Text und weitere Infos: siehe Hans Gapp: Die grossen Fasnachten Tirols, Edition
Löwenzahn 2003