Der Imster Schemenlauf.... (Bilder vom 15. Feb. 2004)
   
Dem Schemenlaufen liegt mit Sicherheit ein altgermanischer Segenskult zugrunde, der im Laufe der Jahrhunderte Wandlungen durchgemacht hat und in dem die Wiedererneuerung der Natur im Wechsel von Winter und Frühling und das  Austreiben der Dämonen, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen besondere Beachtung fand. Es ist sicher, dass solche Fasnachtsbräuche im gesamten Alpenraum gepflegt wurden. Durch Verbote und Gelöbnisse ist dieses Brauchtum mancherorts ausgeblieben, in Imst aber hat es sich besonders ausgeprägt und farbenprächtig erhalten. Leider gibt es nur sehr spärliche urkundliche Nachweise.
1683 erwähnte der berühmte Prediger Abraham à Santa Clara in einem Brief das Imster Schemenlaufen. 1775 wird es im grossen Schemenprozess zu Pfunds in verschiedenen Details genannt und in der Schulchronik vom Jahre 1829 erwähnt der Schreiber, dass wegen des gestrigen Schemenlaufens der Nachmittag ein Ferialtag wurde.
Das Schemenlaufen, in Imst Fasnacht genannt, wird in Zeitabständen von drei bis fünf Jahren durchgeführt. Teilnameberechtigt sind nur ortsansässige Männer.
Am Fasnachtstag ist um 7 Uhr in der Pfarrkirche ein Gedächtnisgottesdienst für die verstorbenen Fasnachtler und um 8 Uhr beginnt das Figatter. Dabei wird die Fasnacht ausgerufen und einige Schildbürgerstreiche, die sich in den vergangenen Jahren ereignet haben, theatralisch aufgeführt.
Um 10:30 Uhr beginnt der Aufzug. Es ziehen die Masken einzeln und in Gruppen in der Oberstadt zum Gasthof Hirschen.
Nach dem 12-Uhr-Läuten heisst es: „Larven auf!” und der eigentliche Maskenzug formiert sich. Die Ordnungsmasken schaffen Platz für den Zug, der von der Stadtmusikkapelle im Faschingskostüm angeführt wird. Dahinter vollzieht sich das fasnachtliche Zeremoniell der Roller und Scheller, der wilden Hexen und deren Hexenmusik, gefolgt von der Bärengruppe, den Fasnachtwägen und von der Labera. Der Zug bewegt sich vom Gasthof Hirschen durch die Pfarrgasse und Kramergasse zum Rathaus, dann durch die Dr. Pfeiffenbergerstrasse, Gebhardstrasse zum Postplatz und schliesslich durch die Ballgasse zum Stadtplatz. Zum sogenannten „Einführen” macht der Zug an einigen Stellen halt. Roller, Scheller und Hexen holen zunächst Ehrengäste und dann auch andere bekannte Personen aus den Zuschauern und geleiten sie zur Kasse. Dort erhalten sie ein Abzeichen und eine Breze und werden dann wieder an ihren Ort zurückgeführt. Für die betreffenden Personen bedeuet dies eine besondere Ehre und Auszeichnung, wofür sie dann auch bei der Kasse einen Obolus entrichten. Mit dem Betläuten endet das bute Treiben.
Zum besseren Verständnis hier kurz die einzelnen Maskentypen.
Die Hauptgestalten sind der Roller und der Scheller. Sie bilden jeweils ein Paar. Der Roller, er soll den Frühling verkörpern, trägt eine jugendliche, weibliche Maske mit Kopfputz, ein weisses reichverziertes Leinenhemd, von der linken Schulter zur rechten Hüfte ein Ritterband, um die Hüfte das Geröll, schwarze Kniehose, weisse Stutzen und Schnallenschuhe. Über Scheitel, Hinterkopf und Rücken hängt der Schleier. Mit der rechten Hand schwingt er den „Pemsel” (=Pinsel).
Der Scheller soll den Winter versinnbildlichen. Die Kleidung ist dem Roller sehr ähnlich. Das Charakteristische seiner Maske ist der überdimensionale Schnurrbart und der grosse Kopfputz, Hinterkopf, Schulter und Rücken werden vom Schellertuch verdeckt. Um die Lenden trägt er „s'Gschall”, das sind 4 bis 8 grosse Kuhglocken, die er zum Schellen (=Läuten) bringt, wenn ihn sein Roller durch den entsprechenden Tanz dazu auffordert. In seiner Rechten hält er den Schellerstab.
Den Rollern und Schellern folgen einige Paare Laggeroller und Laggescheller. Sie sind in Kleidung und Bewegung äusserst originell und verulken die eleganten Sprünge und Tänze der Roller und Scheller.
Die Hexen mit ihrer Hexenmusik bilden ein weiteres Kernstück. Die Hexenmasken sind zweiteilig, sie werden Schnapplarven genannt und sind mit ihren wildverzerrten borstenbestückten Nasen und Kinnen Inbegriff der Hässlichkeit. Auf dem Kopf tragen sie eine Flachsperücke mit zwei langen Zöpfen. Weiters kleidet sie ein weisses Hemd mit breiten Armspitzen, ein Miederleibchen mit rotem Faltenrock und Schürze, weisse Kniestrümpfe, Schnallenschuhe und mit den Händen schwingen sie das Sinnbild der Hexen, den Besen.
Angeführt wird die „Bande” von der Hexenmutter, die das Kostüm einer Sacknerin trägt und zum Zeichen ihrer Macht eine Rute schwingt. Der Hexenvater oder auch Hexenmeister genannt, im Kostüm eines Altfrank, spielt eine untergeordnete Rolle. Das Hexenbuch, in das sich alle Hexen eintragen und der Stab sind die Embleme seines Amtes. Die dritte Figur im Bunde ist das hinkende „Hexennale” (=Hexengrossmutter).
Die Hexenmusik, in schwarzen Kniehosen und teils in rote und teils in blaue Wams gekleidet, spielt unter ihrem Kapellmeister misstönende rhytmische Weisen, die Hexen machen dazu ihre wilden Tänze. Das dabei einzige aber sehr originelle Holzblasinstrument führt die zwar wenig ästhetische aber äusserst urtümliche Bezeichnung „Scheisshäuslbass”.
Die Ordnungsmasken, die ursprünglich Dämonen vertreiben sollten, bereiten den Weg für den Zug. zu ihnen gehören die Sackner, Spritzer und Kübelemajen.
Unter den Sacknern, die mit einem ballonartigen mit Maisflitschen oder Sägespänen gefüllten Sack die Zuschauer zurückdrängen, gibt es drei Typen und zwar: die Wiflingsacknerin, den Turesackner (Ture=Turm) und den Bauresackner.
Für erstere ist die Fatzelkappe, eine wilde hässliche, weibliche Larve, ein schwerer Faltenrock mit Mieder (=Wifling) und bunte Schürze charakteristisch.
Der Turesackner ist vom männlicher Gestalt, trägt einen hohen, kegelförmigen Hut (=Ture), Lodenjanker oder Tuxer, Halskrause, Pumphose in zwei verschiedenen Farben und verschiedenfarbige Strümpfe.
Der Bauresackner trägt die Kleidung eines Bauern aus dem vergangenen Jahrhundert, kurze Lederhose mit lager weisser Unterhose.
Ebenfalls drei Typen gibt es bei den Spritzern, die mit ihren meterlangen Metallspritzen tänzelnden Schrittes mithelfen, den Weg freizuhalten. Wer sich sträubt, bekommt einen leichten Wasserstrahl ab.
Der Altfrankenspritzer in der typischen Barockkleidung mit Dreispitzhut und einer spöttischen Knebelbartmaske ist die markanteste Figur.
Möglicherweise aus der „Veredelung” des wilden Mannes hervorgegangen oder ein Überbleibsel höfischer Lakaien ist der Mohrenspritzer, der wie ein Negerfürst gekleidet ist. Das Gegenstück dazu ist der Engelspritzer.
Die Kübelemajen, eine sehr alte Maskentype, trägt die einfache Tracht einer Almsennerin. In der einen Hand hält sie einen kleinen Holzkübel mit etwas Puder, in der anderen ein Tüchlein, mit dem sie Wohlgeruch auf die Gesichter der Zuschauer zu zaubern versucht.
Nicht fehlen dürfen die Kaminkehrer oder Ruassler, die als elegante Rauchfangkehrer mit Leitern manches Fenster erklimmen und Zuschauer mitunter etwas anschwärzen.
Etwas Furcht unter manchen Zuschauern mögen die Bären und Affen mit ihren Treibern heraufbeschwören. Sie erinnern an kleine Wandergruppen, die in alter Zeit von Ort zu Ort zogen.
Für die allgemeine Belustigung sorgen die Wägen. Auf sie werden Gäste aus den Zuschauern geholt, um mit ihnen etwas Schabernack zu treiben. Dafür aber werden sie dann bewirtet. Zu guter Letzt kommt noch die Labera in Frack und Zylinder. Mit ihr existiert wohl noch ein altes Rügerecht, denn sie zieht einen Schildbügerstreich auf ihre Weise durch die „Hachl”. Die Moritat wird bildlich darbestellt und dazu noch mit Wort und Gesang auf lustige Art angeprangert.
(Text: aus dem Prospekt des Fasnachtkomittee, Imst. Für den Inhalt verantwortlich: Josef Zangerle, Obmann, Imst)
Weitere Informationen: Haus der Fasnacht
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