1683 erwähnte der berühmte Prediger Abraham
à Santa Clara in einem Brief das Imster Schemenlaufen. 1775 wird es
im grossen Schemenprozess zu Pfunds in verschiedenen Details genannt und in
der Schulchronik vom Jahre 1829 erwähnt der Schreiber, dass wegen des
gestrigen Schemenlaufens der Nachmittag ein Ferialtag wurde.
Das Schemenlaufen, in Imst Fasnacht genannt, wird in Zeitabständen
von drei bis fünf Jahren durchgeführt. Teilnameberechtigt sind
nur ortsansässige Männer.
Am Fasnachtstag ist um 7 Uhr in der Pfarrkirche ein Gedächtnisgottesdienst
für die verstorbenen Fasnachtler und um 8 Uhr beginnt das Figatter.
Dabei wird die Fasnacht ausgerufen und einige Schildbürgerstreiche, die
sich in den vergangenen Jahren ereignet haben, theatralisch aufgeführt.
Um 10:30 Uhr beginnt der Aufzug. Es ziehen die Masken einzeln und in Gruppen
in der Oberstadt zum Gasthof Hirschen.
Nach dem 12-Uhr-Läuten heisst es: „Larven auf!” und der eigentliche
Maskenzug formiert sich. Die Ordnungsmasken schaffen Platz für den Zug,
der von der Stadtmusikkapelle im Faschingskostüm angeführt wird.
Dahinter vollzieht sich das fasnachtliche Zeremoniell der Roller und Scheller,
der wilden Hexen und deren Hexenmusik, gefolgt von der Bärengruppe,
den Fasnachtwägen und von der Labera. Der Zug bewegt sich vom Gasthof
Hirschen durch die Pfarrgasse und Kramergasse zum Rathaus, dann durch die
Dr. Pfeiffenbergerstrasse, Gebhardstrasse zum Postplatz und schliesslich durch
die Ballgasse zum Stadtplatz. Zum sogenannten „Einführen” macht der Zug
an einigen Stellen halt. Roller, Scheller und Hexen holen zunächst Ehrengäste
und dann auch andere bekannte Personen aus den Zuschauern und geleiten sie
zur Kasse. Dort erhalten sie ein Abzeichen und eine Breze und werden dann
wieder an ihren Ort zurückgeführt. Für die betreffenden Personen
bedeuet dies eine besondere Ehre und Auszeichnung, wofür sie dann auch
bei der Kasse einen Obolus entrichten.
Mit dem Betläuten endet das
bute Treiben.
Zum besseren Verständnis hier kurz die einzelnen Maskentypen.
Die
Hauptgestalten sind der
Roller und der Scheller. Sie bilden jeweils ein Paar.
Der Roller, er soll den Frühling verkörpern, trägt eine jugendliche,
weibliche Maske mit Kopfputz, ein weisses reichverziertes Leinenhemd, von
der linken Schulter zur rechten Hüfte ein Ritterband, um die Hüfte
das Geröll, schwarze Kniehose, weisse Stutzen und Schnallenschuhe.
Über Scheitel, Hinterkopf und Rücken hängt der Schleier.
Mit der rechten Hand schwingt er den „Pemsel” (=Pinsel).
Der Scheller soll den Winter versinnbildlichen. Die Kleidung ist dem Roller
sehr ähnlich. Das Charakteristische seiner Maske ist der überdimensionale
Schnurrbart und der grosse Kopfputz, Hinterkopf, Schulter und Rücken
werden vom Schellertuch verdeckt. Um die Lenden trägt er „s'Gschall”,
das sind 4 bis 8 grosse Kuhglocken, die er zum Schellen (=Läuten) bringt,
wenn ihn sein Roller durch den entsprechenden Tanz dazu auffordert. In seiner
Rechten hält er den Schellerstab.
Den Rollern und Schellern folgen einige Paare
Laggeroller und Laggescheller.
Sie sind in Kleidung und Bewegung äusserst originell und verulken die
eleganten Sprünge und Tänze der Roller und Scheller.
Die
Hexen mit ihrer Hexenmusik bilden ein weiteres Kernstück. Die
Hexenmasken sind zweiteilig, sie werden Schnapplarven genannt und sind mit
ihren wildverzerrten borstenbestückten Nasen und Kinnen Inbegriff der
Hässlichkeit. Auf dem Kopf tragen sie eine Flachsperücke mit zwei
langen Zöpfen. Weiters kleidet sie ein weisses Hemd mit breiten Armspitzen,
ein Miederleibchen mit rotem Faltenrock und Schürze, weisse Kniestrümpfe,
Schnallenschuhe und mit den Händen schwingen sie das Sinnbild der Hexen,
den Besen.
Angeführt wird die „Bande” von der Hexenmutter, die das Kostüm
einer Sacknerin trägt und zum Zeichen ihrer Macht eine Rute schwingt.
Der Hexenvater oder auch Hexenmeister genannt, im Kostüm eines Altfrank,
spielt eine untergeordnete Rolle. Das Hexenbuch, in das sich alle Hexen eintragen
und der Stab sind die Embleme seines Amtes. Die dritte Figur im Bunde ist
das hinkende „Hexennale” (=Hexengrossmutter).
Die Hexenmusik, in schwarzen Kniehosen und teils in rote und teils in
blaue Wams gekleidet, spielt unter ihrem Kapellmeister misstönende
rhytmische Weisen, die Hexen machen dazu ihre wilden Tänze. Das dabei
einzige aber sehr originelle Holzblasinstrument führt die zwar wenig
ästhetische aber äusserst urtümliche Bezeichnung „Scheisshäuslbass”.
Die Ordnungsmasken, die ursprünglich Dämonen vertreiben sollten,
bereiten den Weg für den Zug. zu ihnen gehören die
Sackner, Spritzer
und Kübelemajen.
Unter den Sacknern, die mit einem ballonartigen mit Maisflitschen oder
Sägespänen gefüllten Sack die Zuschauer zurückdrängen,
gibt es drei Typen und zwar: die
Wiflingsacknerin, den Turesackner (Ture=Turm)
und den Bauresackner.
Für erstere ist die Fatzelkappe, eine wilde hässliche, weibliche
Larve, ein schwerer Faltenrock mit Mieder (=Wifling) und bunte Schürze
charakteristisch.
Der Turesackner ist vom männlicher Gestalt, trägt einen hohen,
kegelförmigen Hut (=Ture), Lodenjanker oder Tuxer, Halskrause, Pumphose
in zwei verschiedenen Farben und verschiedenfarbige Strümpfe.
Der Bauresackner trägt die Kleidung eines Bauern aus dem vergangenen
Jahrhundert, kurze Lederhose mit lager weisser Unterhose.
Ebenfalls drei Typen gibt es bei den
Spritzern, die mit ihren meterlangen
Metallspritzen tänzelnden Schrittes mithelfen, den Weg freizuhalten.
Wer sich sträubt, bekommt einen leichten Wasserstrahl ab.
Der
Altfrankenspritzer in der typischen Barockkleidung mit Dreispitzhut
und einer spöttischen Knebelbartmaske ist die markanteste Figur.
Möglicherweise aus der „Veredelung” des wilden Mannes hervorgegangen
oder ein Überbleibsel höfischer Lakaien ist der
Mohrenspritzer,
der wie ein Negerfürst gekleidet ist. Das Gegenstück dazu ist
der
Engelspritzer.
Die
Kübelemajen, eine sehr alte Maskentype, trägt die einfache
Tracht einer Almsennerin. In der einen Hand hält sie einen kleinen Holzkübel
mit etwas Puder, in der anderen ein Tüchlein, mit dem sie Wohlgeruch
auf die Gesichter der Zuschauer zu zaubern versucht.
Nicht fehlen dürfen die
Kaminkehrer oder Ruassler, die als elegante
Rauchfangkehrer mit Leitern manches Fenster erklimmen und Zuschauer mitunter
etwas anschwärzen.
Etwas Furcht unter manchen Zuschauern mögen die
Bären und Affen
mit ihren Treibern heraufbeschwören. Sie erinnern an kleine
Wandergruppen, die in alter Zeit von Ort zu Ort zogen.
Für die allgemeine Belustigung sorgen die Wägen. Auf sie werden
Gäste aus den Zuschauern geholt, um mit ihnen etwas Schabernack zu treiben.
Dafür aber werden sie dann bewirtet. Zu guter Letzt kommt noch die
Labera in Frack und Zylinder. Mit ihr existiert wohl noch ein altes Rügerecht,
denn sie zieht einen Schildbügerstreich auf ihre Weise durch die „Hachl”.
Die Moritat wird bildlich darbestellt und dazu noch mit Wort und Gesang
auf lustige Art angeprangert.
(Text: aus dem Prospekt des Fasnachtkomittee, Imst. Für den Inhalt
verantwortlich: Josef Zangerle, Obmann, Imst)
Weitere Informationen: Haus der Fasnacht