Der Mullerlauf in Thaur ...

Thaur ist eine Ortschaft in der Nähe von Innsbruck, in der sich altes Brauchtum besonders gut erhalten hat; so auch die Fastnacht - das Mullerlaufen (oder Huttlerlaufen), das im Abstand von mehreren Jahren veranstaltet wird.
Hauptfiguren und Mittelpunkt sind dabei die Spiegel- oder Altartuxer mit ihrem mächtigen Kopfschmuck, in dessen Mitte ein Spiegel, ein Abwehrzauber gegen Dämonen, nicht fehlen darf. Der Altartuxer tänzelt leichten Schrittes einher, plötzlich wendet er sich, sackt die Knie und springt überraschend wieder auf. Keine leichte Übung mit dem Kopfputz, der bis zu 12 Kilo Gewicht erreichen kann.
Die Spiegeltuxer werden von peitschenknallenden und schuhplattelnden Hüatltuxern (mit kleinerem Kopfschmuck) und den Melchern umtanzt.
Die stärkste Gruppe der Thaurer Fasnachtfiguren bilden die Muller oder Huttler, die das Abmullen besorgen, indem sie jedem, dem sie wohlgesinnt sind, einen kräftigen oder sanften Schlag mit flacher Hand auf die Schulter versetzen; dabei machen sie mit den Lippen ein Geräusch, das Schnaggln heisst. Der leichte Schlag der Muller auf die Schultern ausgewählter Zuschauer, abmullen gennannt verspricht den Freuen Fruchtbarkeit und Kindersegen, den Männer Manneskraft für lange Jahre.
Je nach der Kleidung der Muller, die entweder aus unzähligen bunten Stoffflecken (Fleckler), buten Fransen (Zottler) oder Quasten (Zaggler) besteht oder mit kleinen Holzplättchen benäht ist (Klötzler) ergeben sich die Namen der Figuren.
Allen gemeinsam ist die holzgeschnitzte Gesichtslarve, die mit dem Hut und Aufputz ein Ganzes bilden.
Der Kopfputz ist aufwendig gestaltet: bei den Altartuxern erreicht er eine Höhe von etwa einem Meter und ist mit zahllosen weissen Hahnenfedern, mit Spielhanstössen, Kunstblumen und Flitterwerk dekoriert; die Rückseite ist mit gestreiftem Stoff überzogen und mit zahllosen ordenähnlichen Schmuckstücken benäht.
Zum Zug gesellen sich eine grössere Zahl von Hexen sowie der Alte, der die vier Jahreszeiten verköpert aber auch perchtenähliche Figuren, die durch ihre Larven die von Wurzelgestrüpp gekrönt sind an Waldgeister erinnern.
Zum gesamten Umzug gehören natürlich auch mehrere Musikkapellen und überlieferte Darstellungen wie das Fasserrössl oder die Thaurer Vogelfocher und die Krameter, aber auch Faschingswägen auf denen beispielsweise die Thauerer Bärenjagd, die Altbäurischen, eine Altweibermühle und ähnliches dargestellt werden.
Beim Thauerer Mullerlauf beteiligen sich auch  Gruppen aus den Nachbarorten Absam (Absamer Maschgerer) und Rum (Rumer Muller) - verantwortlich für die Veranstaltung  an der 600 bis 900 Aktive teilnehmen, zeichnet die Schützenkapelle Thaur. (die Bilder stammen vom Thauerer-Mullerlauf am 8. Feb. 2004 - Text: siehe Otto Swoboda: Alpenländisches Brauchtum, Schneider/Pflanzer: Brauchtum und Feste in Österreich u. Günther Haas: Tiroler Brauchtum


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