Das Fest der Jakobischützen in St. Jakob am Thurn ...

Jakob der Ältere war ein Bruder von Johannes dem Evangelisten und gleich ihm Apostel. Er wurde zu Ostern anno 44 von Herodes Agrippa I. enthauptet; seine Reliquien wurden in Spanien aufgefunden und in Santiago di Compostela beigesetzt, wo seit dem 9. Jahrhundert eine der berühmtesten Wallfahrtsstätten der Welt entstand. Aber nicht jedermann konnte die weite Kirchfahrt wagen und finanzieren und so entstanden zu seiner Verehrung überall Ersatzwallfahrten.
Jakobus wurde seit dem 12. Jahrhundert fast ausschliesslich als Pilger dargestellt - mit Pilgerhut und Jakobsmuschel darauf, mit Pilgerstab und Flasche, Wanderbeutel und Rosenkranz. Er gilt als Pilgerpatron, vorallem aber auch als wichtiger Ernte- und Bauernheiliger.
Im zu Ehren wurde in den Ostalpen der Erntebeginn mit kultischen Tänzen, Kraft- und Kampfspielen sowie sonstigen Unterhaltungen eingeleitet.
Einer dieser uralten Kulttänze hat sich in St. Jakob am Thurn, einem kleinen Dorf zwischen Hallein und Salzburg erhalten. Dort wird das Patronatsfest nach wie vor auf besondere Art festlich begangen: Bereits am Vormittag versammelt sich die Bevölkerung am Kirchplatz, um ihren Kirchenpatron, den Heiligen Jakob bei einer Feldmesse zu ehren. Beim anschliessenden Flurumgang wird eine Statue des Heiligen von einer Abordnung der Jakobischützen mitgetragen. Immer wieder werden Salven aus den schweren Prangerstutzen abgefeuert und die Prozessionsteilnehmer beten um reichen Erntesegen.
Am Nachmittag tanzen die Jakobischützen dann ihren einzigartigen Schützentanz, der sich in dieser Form nur noch in St. Jakob am Thurn erhalten hat.
Sein Ursprung soll auf die Türkenbedrohung zurückgehen und bereits 1738 wird dieser Tanz beschrieben. Die Legende berichtet über seine Entstehung folgendes:
Ein Flurschützer von St. Jakob am Thurn stellte eines Tages einen Mann in Pilgerkleidung, der durch ein reifes Kornfeld eilen wollte. Nach dem damaligen Leitspruch: „Wer einem Troadfeld Frevel antuet, der hat verwirket seinen Huet“, wollte er ihm seinen breitkrempigen Pilgerhut abnehmen. Der Fremde gab ihm zur Antwort: „So du mir lassest meinen Huet, halt ich St. Jakob in meiner Hut“!
In diesem Augenblick erkannte der Flurwächter in dem Wanderer den Heiligen Jakob, den Schutzpatron des Dorfes. Nun erzählte Jakob, dass Späher der Türken bereits unterwegs seien, um Schleichwege nach Salzburg auszukundschaften und er empfahl den Bauern, sich zu bewaffnen. Sie befolgten diesen Rat so schnell sie konnten und schon kurz danach erschienen die ersten türkischen Spähtrupps.
Die Thurner hatten aber schon überall Wachen postiert und beim ersten Anblick des Feindes liessen sie die Kirchenglocken läuten. Als dieses vereinbarte Zeichen ertönte, griffen alle Wehrleute zu den Waffen und stellten die Gegner. Diese waren derart überrascht, dass sie eilends das Weite suchten und nicht wieder zurückkamen.
Diese Legende wird Jahr für Jahr beim Jakobi-Kirtag, am Sonntag nach Jakobi (25.Juli) in Form des Schützentanzes bildlich dargestellt. Dem Zuschauer erscheint dieser historische Tanz als Mischung von Schwerttanz, Prangerschützenbrauch und mittelalterlichem Schauspiel.
Obwohl dieser uralte Männertanz irgendwann in Vergessenheit geriet, konnte er 1929 nach alten Aufzeichnungen, bis auf wenige Passagen, originalgetreu wiederbelebt werden.
Der Jakobi-Kirtag ist ein schönes Fest, das die Thurner Bevölkerung, die Pfarre, die Musikanten und vorallem die Jakobischützen zu Ehren ihres Kirchenpatrons ausrichten - ein Fest, das nicht grosse Publikumsmassen anlocken will, sondern das im dörflichen Kreis unter sich gefeiert wird.
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