Die Dani - Menschen wie Gott sie schuf.
Die Dani sind mit etwa 180 000 Seelen wohl die grösste ethnische Gruppe
Neuguineas. Sie gehören zu den Ureinwohnern der zweitgrössten Insel
der Welt und leben auf einer steinzeitähnlichen Kulturstufe.
Ursprünglich waren sie halbnomadische Sammler und Jäger und lebten
in den sumpfigen Küstenniederungen. Neuankommende melanesische Völkerschaften
drängten die Dani immer weiter in das zentrale Bergland zurück,
wo sie sich im Laufe der Zeit zu sesshaften Gartenbauern entwickelten. Etwa
knapp die Hälfte der Dani, die in zwölf Stammesgruppen gegliedert
werden können, leben heute im Baliem-Tal, wo sie in kleinen Dorfgemeinschaften
siedeln.
Erst ab 1930 wurden die Dani im Baliem-Tal entdeckt und der Amerikaner Richard
Archbold unternahm schliesslich 1938 eine Expedition, um das Gebiet näher
zu erforschen. Er entdeckte Menschen, die sich noch in der Steinzeit befanden.
Christliche Missionare, holländische und später indonesische Soldaten
haben die Region nachhaltig verändert, aber man kann nach wie vor Elemente
der alten Kultur begreifen.
Lange Fussmärsche sind eine Voraussetzung, um zu den entlegenen und
versteckten Dörfern zu gelangen. Diese Dörfer sind durch dichte
Zäune und Sträucher befestigt und meist nur durch einen schmalen
Einstieg zu begehen.
Kommen Fremde in die Nähe solcher Dörfer, so demonstrieren die
Dani nach wie vor ihre Verteidigungsbereitschaft, indem sie mit Pfeilen und
Steinbeilen bewaffnet, die Ankömmlinge erwarten.
Früher befanden sich die Dani im Hochland fast ständig im Kriegszustand.
Solche Kämpfe und Stammeskriege gehören jetzt der Vergangenheit
an; meist war Frauenraub, Schweinediebstahl oder eine Grenzverletzung der
Anlass dafür. Aber auch die von Naturgeistern und Ahnenkulten beseelten
Naturreligionen lösten oft blutige Aus- einandersetzungen aus.
In der Bekleidung und in vielen Gewohnheiten hat sich bei den Dani aber bis
zum heutigen Tag nur sehr wenig verändert.
Trotz der oftmals sehr niedrigen Temparaturen in den Bergen tragen die Danimänner
als Schutz und Schmuck ihrer Männlichkeit lediglich einen röhrenförmigen
Köcher, der in der Danisprache „Holim“ heisst und einige Schmuckelemente
aus Federn oder Pflanzenteilen. Auch die Frauen haben fast nichts am Leib.
Sie sind nur mit einem Schamschurz, dem sogenannten„Yokal“ bekleidet.
Ein gewohnter Anblick sind schwerbepackte Frauen, die mit ihren Tragenetzen
alles transportieren, was zum täglichen Leben gehört. Süsskartoffel,
Bananen, junge Schweine und nicht selten befindet sich im gleichen Netz auch
noch ein Kleinkind.
Die Familien wohnen nicht im gleichen Haushalt; die Männer schlafen
im Männerhaus, während die Frauen mit den Kleinkindern und den
jungen Schweinen in kleineren Hütten leben.
Die Hauptlast der Arbeit liegt bei den Frauen - sie sind verantwortlich für
die tägliche Nahrung, für die Kindererziehung und die Schweinezucht.
Die Männer hingegen verbringen viel Zeit damit, sich zu schmücken,
sich mit Russ und Schweinefett einzureiben und im Männerhaus Tabak zu
kauen oder zu rauchen.
Trotz aller Einflüsse, die die Zivilisation den Dani aufdrängt,
sind sie sehr bescheiden geblieben, sind in ihrer kindlichen Einfalt liebenswerte
Menschen, die den wenigen Fremden, die sie in ihren entlegenen Dörfern
aufsuchen mit Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft entgegenkommen. Möge
es ihnen noch lange vergönnt sein, in ihrer Abgeschiedenheit glücklich
zu leben und Menschen zu bleiben, so wie Gott sie schuf.