wer sich mit aktueller popmusik in deutschland beschäftigt, kommt an den fantastischen vier nicht vorbei. textlich, musikalisch, soziologisch.
bereits ende der achtziger begannen andy, michi beck, smudo und thomas d. das phänomen hiphop für die hiesigen verhältnisse zu übersetzten. einfach so; frei von der leber weg. ein turbulentes wechselspiel von internationalen strömungen und individueller reife.
die geschichte der band erzählt somit viel über die popkulturellen ströme der alten bundesrepublik. am anfang standen die vorbilder aus england oder amerika: sie wurden kopiert. auf die konkrete lebenssituation vor ort angepasst. zu eigenständigen spielarten umgeformt. es lag in der hand der musiker, diesen prozess stetig voranzutreiben.
die fantastischen vier haben genau diesen weg beschritten. schließlich wollten sie stars werden und verließen recht bald das sichere terrain des undergrounds. dafür hagelte es erst kollegen- und kritikerschelte, dann goldene schallplatten.

als die sugarhill gang im september 1979 mit 'rapper´s delight' aus dem nichts heraus einen welthit landete, hatten die vier gerade mal ihre grundschulzeit hinter sich gebracht. die erfolgsjahre der old school - kurtis blow, grandmaster flash, bambaataa bis hin zum hiphop-schlüsselfilm 'wild Style' - verglühten recht bald.

doch die beats der pioniere hallten lange nach. insbesondere im südwesten, wo afn und army-clubs die traditionen der schwarzen musik pflegten. es lief electro-hiphop, als sich die jugendzimmer-kumpels smudo und andy ihre programmiertricks vorführten. der musikalisch weniger festgelegte ortsnachbar thomas d träumte unterdessen von einer bühnenkarriere. auf schülerparties im gerlinger 'kraftraum' wagte man erste rap-versuche.

. mit michi beck (alias dj hausmarke) war ein ungehobeltes stuttgarter city-kid zu den vorstädtern gestoßen

als terminal team rockten sie gemeinsam das jugendhaus heslach. die texte in englisch, baseballkappen auf den köpfen. die images kamen direkt aus übersee, wo längst die new school regierte: run dmc brachen die barrieren zur rockmusik. die beastie boys kämpften für ihr recht auf party. und boogie down productions oder public enemy verknüpften radikale lyrics und harte sounds.

bei einem ausgedehnten usa-trip entdeckten smudo und thomas d. die eigene muttersprache für ihre musik. es waren zwar nur strandparties im kleinen kreis, doch amerikanischen freunden gefiel es. reime auf deutsch - warum eigentlich nicht!? nur so konnte man sich an den vorbildern orientieren und trotzdem einen eigenen weg nehmen. wieder zuhause wurde das terminal team ad acta gelegt. im sommer 1989 die wiederauferstehung als die fantastischen vier.
noch war die band kaum mehr als ein hoffnungsvolles projekt, als wenig später der ostblock zusammenbrach und entlang der deutsch-deutschen grenze weltgeschichte geschrieben wurde. die fantastischen vier sammelten derweilen bühnenerfahrungen bei selbstorganisierten auftritten zwischen kornwestheim und dem kunstverein nürnberg. im september ´90 ging es erstmals nach dresden. stets mit von der partie: dj und 'record-store'-besitzer andreas 'bär' läsker, der als unermüdlicher antreiber, fahrer und guter geist das management übernommen hatte. gemeinsam ging man auf überlandtour.

international war hiphop zum großen geschäft geworden. In den usa wucherten zig stile und subgenres. dazu tobten breite diskussionen über rassismus, politik, gewalt und anzügliche texte. trotz vieler fans stand die szene hierzulande noch ganz am anfang. sie blühte im verborgenen, in sprayer- oder breaker-kreisen. nur wenige crews produzierten eigene musik. erst 1991 kursierten verstärkt tapes und maxis. das compilation-album 'krauts with attitude' versuchte eine erste bestandsaufnahme.

auch für die fantastischen vier wurde es nun ernst. auf verschlungenen wegen hatte man einen plattenvertrag mit cbs (der späteren sony music) ergattert. im september ´91 erschien die erste single 'hausmeister thomas d.', kurz darauf das album 'jetzt geht´s ab'.
beim großen hiphop-festival auf der loreley mit de la soul, ice t und galliano sowie im vorprogramm von caveman und run dmc musste sich die band vor großem publikum beweisen. das eis für hiphop aus heimischen landen war gebrochen.

die fantastischen vier durchliefen ihre frühe phase. leichtfüßig die sounds, verspielt bis albern die lyrics. bei den livegigs bewiesen sie entertainer-qualitäten und das debutalbum geriet mit 18.000 verkauften 'einheiten' zum achtungserfolg. in der szene wusste man nicht so recht. einerseits bekamen die vier selbst auf amtlichen jams ihren beifall, andererseits häuften sich die sticheleien über den allzu poppigen ansatz. kein echter hiphop, lautete das gestrenge urteil. die band selbst setzte sich trotzig (so kritikfest ist man in jungen jahren noch nicht) über das geraune hinweg.

ende august stand das zweite, wiederum selbstproduzierte album 'vier gewinnt' vor der veröffentlichung. mitte september rappte man noch relaxt für die stuttgarter freunde auf einem straßenfest, zwei wochen später musste man in heidelberg 1.000 leute wegschicken.

ausverkauft! die single 'die da' schoss in die top ten. die begleitende herbsttour geriet zum triumph. plötzlich waren sie teenie-helden inklusive 'bravo', gekreische und dubiose tv-angeboten. bei den rap-kollegen gingen die rolladen runter: 'sellout-pop-rapper' lautete das urteil diesmal. die fantastischen vier hatten andere sorgen: wie erklärte man ray cokes bei mtv in london oder dieter thomas heck in 'musik liegt in der luft', was da verdammt noch mal passiert war...


binnen weniger monate kannte sie jeder taxifahrer. rap war damit sozusagen 'gebreakt'. 'it`s hip hop and deutsch' titelte der britische guardian im mai `93 und die bild-zeitung witterte in fetten titelzeiten gar 'sampling-skandal' bei 'die da'. es reichte. die nachteile einer allzu grellen öffentlichkeit nagten am nervenkostüm. was lag also näher, als das aus dem ruder gelaufene image zu versenken. gedacht, getan: der nachfolger 'die vierte dimension' lieferte mit psychedelischen sounds, filtereffekten und dem wegweisenden triphop-vorläufer 'ein tag am meer' kaum mehr nachschub für die klatschspalten. fürs fernsehen drehten sie in windeseile 26 folgen eine anarchistische clip-show mit dem selben titel. die fantastischen vier führten ihr leben wieder auf normalspur zurück. ansonsten wurde herumexperimentiert. mit den frankfurter megalomaniacs unternahmen sie als megavier einen musikalischen crossover-ausflug ins land der stagediver und rockgitarren. smudo gastierte als solist beim debut der jazzkantine.

bis 1995 hatten sich die fronten um den wahren weg des hiphop weitgehend aufgelöst. das spektrum war mittlerweile breiter geworden: die durchgeknallte ironie von tobi und das bo, das böse-buben-image vom rödelheim hartreim projekt und die unermüdliche alte schule existierten nebeneinander. gelegentliche seitenhiebe gehörten dazu. die fantastischen vier arbeiteten derweilen an einem neuen livekonzept. angefixt von den konzerten mit megavier wollten sie auch ihr reguläres set aufwendiger instrumentieren. die band disjam kam dazu. sie sollten für die nächsten jahre zu ständigen live-begleitern werden. und irgendwie lag es in der luft, das reifezeugnis der vier, die nach gerade mal sechs jahren bereits zu den veteranen der zunft zählten.

'lauschgift' mit dem nummer-eins-hit 'sie ist weg' versöhnte die band mit kritik und fans gleichermaßen. aus der verschworenen jugendgemeinschaft waren eigenständige songschreiber geworden, was in den songs des albums hörbar niderschlug . eine klangreise von thomas ds mystischem 'krieger' bis zum kickenden 'populär'.
das folgende jahr verstreicht mit ausgedehnten tourneen und der suche nach neuen zielen. als band hatten die fantastischen vier ein nie erwartetes plateau erreicht. doch wie sollte es weitergehen? die lösung präsentierte einmal mehr manager bär. er regte die gründung eines eigenen labels an, das die einmalige chance bot, sich über die eigene gruppe hinaus künstlerisch weiterzuentwickeln oder gleich auseinander zu gehen.

so kam es. zur popkomm ´96 wurde four music aus der taufe gehoben. parallel dazu bilanzierte 'live & direkt' eindrucksvoll die bisherige schaffensperiode. die fantastischen vier hatten sich eine homebase mit studio, büros und neuen acts von no sé bis freundeskreis geschaffen. was prompt neue energien freilegte.
ein vielteiliger masterplan entstand.
· mit umzügen nach hamburg (smudo),
· ins hymer-wohnmobil (thomas),
· mit studioausbau (andy)
· und verstärkten dj-gastspielen (hausmarke).
dazu gesellten sich die albumprojekte von thomas d. (solo, 1997) und hausmarke (weltweit, 1998), bei denen sich die band wechselseitig unterstützte.


reiche erfahrungen, die ab dem frühjahr 1998 nahezu übergangslos ins nächste, gemeinsame album mündeten. mit neuem elan ging es an die studioarbeit: samples auswählen, songs entwickeln, texte schreiben. exakt zum anpfiff der fußballweltmeisterschaft in frankreich - ein zufall - schoben die fantastischen vier ihr zehnjähriges bühnenjubiläum dazwischen. eine rauschende party in stuttgart, gleichzeitig ein blick zurück nach vorne; denn hiphop war zu einem der lebendigsten genres der heimischen musiklandschaft geworden. kaum ein monat, wo nicht eine nachwachsende crew ihren Weg in clubs und charts findet.
im nächsten frühjahr waren dann wieder die pioniere am zuge: das fünfte (reguläre) album '4:99' mit der simpel-genialen hitsingle 'mfg' verband spontane geistesblitze, vertrackte produktionstechnik und wahnwitzige textentwürfe a la 'michi beck in hell'.
die fantastischen vier bleiben dran... always one step ahead...


und auch im neuen jahrtausend wird das musikalische level ausgebaut. auf anfrage von mtv entschließt sich die band zu einer ureigenen interpretation der berühmten 'unplugged'-serie. highlights des repertoires werden für ein großes orchester neu arrangiert und in der unvergleichlichen akustik einer tropfsteinhöhle im sauerland eingespielt.

die geschichte der fantastischen vier fließt weiter, unbeirrbar. neue gesichter auf dem label, neue projekte der mitglieder. für 2001 z.b. die zweiten soloplatten von thomas und hausmarke. um es - noch ein letztes mal - mit der old school zu sagen: wir werden die tests besteh'n, die uns das leben stellt !


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