doch die beats der pioniere hallten lange nach. insbesondere im südwesten, wo afn und army-clubs die traditionen der schwarzen musik pflegten. es lief electro-hiphop, als sich die jugendzimmer-kumpels smudo und andy ihre programmiertricks vorführten. der musikalisch weniger festgelegte ortsnachbar thomas d träumte unterdessen von einer bühnenkarriere. auf schülerparties im gerlinger 'kraftraum' wagte man erste rap-versuche.
. mit michi beck (alias dj hausmarke) war ein ungehobeltes stuttgarter city-kid zu den vorstädtern gestoßen
als terminal team rockten sie gemeinsam das jugendhaus heslach. die texte in englisch, baseballkappen auf den köpfen. die images kamen direkt aus übersee, wo längst die new school regierte: run dmc brachen die barrieren zur rockmusik. die beastie boys kämpften für ihr recht auf party. und boogie down productions oder public enemy verknüpften radikale lyrics und harte sounds.
bei einem ausgedehnten usa-trip entdeckten smudo und thomas d. die eigene muttersprache
für ihre musik. es waren zwar nur strandparties im kleinen kreis, doch
amerikanischen freunden gefiel es. reime auf deutsch - warum eigentlich nicht!?
nur so konnte man sich an den vorbildern orientieren und trotzdem einen eigenen
weg nehmen. wieder zuhause wurde das terminal team ad acta gelegt. im sommer
1989 die wiederauferstehung als die fantastischen vier.
noch war die band kaum mehr als ein hoffnungsvolles projekt, als wenig später
der ostblock zusammenbrach und entlang der deutsch-deutschen grenze weltgeschichte
geschrieben wurde. die fantastischen vier sammelten derweilen bühnenerfahrungen
bei selbstorganisierten auftritten zwischen kornwestheim und dem kunstverein
nürnberg. im september ´90 ging es erstmals nach dresden. stets mit
von der partie: dj und 'record-store'-besitzer andreas 'bär' läsker,
der als unermüdlicher antreiber, fahrer und guter geist das management
übernommen hatte. gemeinsam ging man auf überlandtour.
international war hiphop zum großen geschäft geworden. In den usa wucherten zig stile und subgenres. dazu tobten breite diskussionen über rassismus, politik, gewalt und anzügliche texte. trotz vieler fans stand die szene hierzulande noch ganz am anfang. sie blühte im verborgenen, in sprayer- oder breaker-kreisen. nur wenige crews produzierten eigene musik. erst 1991 kursierten verstärkt tapes und maxis. das compilation-album 'krauts with attitude' versuchte eine erste bestandsaufnahme.
auch für die fantastischen vier wurde es nun ernst. auf verschlungenen
wegen hatte man einen plattenvertrag mit cbs (der späteren sony music)
ergattert. im september ´91 erschien die erste single 'hausmeister thomas
d.', kurz darauf das album 'jetzt geht´s ab'.
beim großen hiphop-festival auf der loreley mit de la soul, ice t und
galliano sowie im vorprogramm von caveman und run dmc musste sich die band vor
großem publikum beweisen. das eis für hiphop aus heimischen landen
war gebrochen.
die fantastischen vier durchliefen ihre frühe phase. leichtfüßig
die sounds, verspielt bis albern die lyrics. bei den livegigs bewiesen sie entertainer-qualitäten
und das debutalbum geriet mit 18.000 verkauften 'einheiten' zum achtungserfolg.
in der szene wusste man nicht so recht. einerseits bekamen die vier selbst auf
amtlichen jams ihren beifall, andererseits häuften sich die sticheleien
über den allzu poppigen ansatz. kein echter hiphop, lautete das gestrenge
urteil. die band selbst setzte sich trotzig (so kritikfest ist man in jungen
jahren noch nicht) über das geraune hinweg.
ende august stand das zweite, wiederum selbstproduzierte album 'vier gewinnt' vor der veröffentlichung. mitte september rappte man noch relaxt für die stuttgarter freunde auf einem straßenfest, zwei wochen später musste man in heidelberg 1.000 leute wegschicken.
ausverkauft! die single 'die da' schoss in die top ten. die begleitende herbsttour geriet zum triumph. plötzlich waren sie teenie-helden inklusive 'bravo', gekreische und dubiose tv-angeboten. bei den rap-kollegen gingen die rolladen runter: 'sellout-pop-rapper' lautete das urteil diesmal. die fantastischen vier hatten andere sorgen: wie erklärte man ray cokes bei mtv in london oder dieter thomas heck in 'musik liegt in der luft', was da verdammt noch mal passiert war...
binnen weniger monate kannte sie jeder taxifahrer. rap war damit sozusagen
'gebreakt'. 'it`s hip hop and deutsch' titelte der britische guardian im mai
`93 und die bild-zeitung witterte in fetten titelzeiten gar 'sampling-skandal'
bei 'die da'. es reichte. die nachteile einer allzu grellen öffentlichkeit
nagten am nervenkostüm. was lag also näher, als das aus dem ruder
gelaufene image zu versenken. gedacht, getan: der nachfolger 'die vierte dimension'
lieferte mit psychedelischen sounds, filtereffekten und dem wegweisenden triphop-vorläufer
'ein tag am meer' kaum mehr nachschub für die klatschspalten. fürs
fernsehen drehten sie in windeseile 26 folgen eine anarchistische clip-show
mit dem selben titel. die fantastischen vier führten ihr leben wieder auf
normalspur zurück. ansonsten wurde herumexperimentiert. mit den frankfurter
megalomaniacs unternahmen sie als megavier einen musikalischen crossover-ausflug
ins land der stagediver und rockgitarren. smudo gastierte als solist beim debut
der jazzkantine.
bis 1995 hatten sich die fronten um den wahren weg des hiphop weitgehend aufgelöst. das spektrum war mittlerweile breiter geworden: die durchgeknallte ironie von tobi und das bo, das böse-buben-image vom rödelheim hartreim projekt und die unermüdliche alte schule existierten nebeneinander. gelegentliche seitenhiebe gehörten dazu. die fantastischen vier arbeiteten derweilen an einem neuen livekonzept. angefixt von den konzerten mit megavier wollten sie auch ihr reguläres set aufwendiger instrumentieren. die band disjam kam dazu. sie sollten für die nächsten jahre zu ständigen live-begleitern werden. und irgendwie lag es in der luft, das reifezeugnis der vier, die nach gerade mal sechs jahren bereits zu den veteranen der zunft zählten.
'lauschgift' mit dem nummer-eins-hit 'sie ist weg' versöhnte die band
mit kritik und fans gleichermaßen. aus der verschworenen jugendgemeinschaft
waren eigenständige songschreiber geworden, was in den songs des albums
hörbar niderschlug . eine klangreise von thomas ds mystischem 'krieger'
bis zum kickenden 'populär'.
das folgende jahr verstreicht mit ausgedehnten tourneen und der suche nach neuen
zielen. als band hatten die fantastischen vier ein nie erwartetes plateau erreicht.
doch wie sollte es weitergehen? die lösung präsentierte einmal mehr
manager bär. er regte die gründung eines eigenen labels an, das die
einmalige chance bot, sich über die eigene gruppe hinaus künstlerisch
weiterzuentwickeln oder gleich auseinander zu gehen.
so kam es. zur popkomm ´96 wurde four music aus der taufe gehoben. parallel
dazu bilanzierte 'live & direkt' eindrucksvoll die bisherige schaffensperiode.
die fantastischen vier hatten sich eine homebase mit studio, büros und
neuen acts von no sé bis freundeskreis geschaffen. was prompt neue energien
freilegte.
ein vielteiliger masterplan entstand.
· mit umzügen nach hamburg (smudo),
· ins hymer-wohnmobil (thomas),
· mit studioausbau (andy)
· und verstärkten dj-gastspielen (hausmarke).
dazu gesellten sich die albumprojekte von thomas d. (solo, 1997) und hausmarke
(weltweit, 1998), bei denen sich die band wechselseitig unterstützte.
reiche erfahrungen, die ab dem frühjahr 1998 nahezu übergangslos ins
nächste, gemeinsame album mündeten. mit neuem elan ging es an die
studioarbeit: samples auswählen, songs entwickeln, texte schreiben. exakt
zum anpfiff der fußballweltmeisterschaft in frankreich - ein zufall -
schoben die fantastischen vier ihr zehnjähriges bühnenjubiläum
dazwischen. eine rauschende party in stuttgart, gleichzeitig ein blick zurück
nach vorne; denn hiphop war zu einem der lebendigsten genres der heimischen
musiklandschaft geworden. kaum ein monat, wo nicht eine nachwachsende crew ihren
Weg in clubs und charts findet.
im nächsten frühjahr waren dann wieder die pioniere am zuge: das fünfte
(reguläre) album '4:99' mit der simpel-genialen hitsingle 'mfg' verband
spontane geistesblitze, vertrackte produktionstechnik und wahnwitzige textentwürfe
a la 'michi beck in hell'.
die fantastischen vier bleiben dran... always one step ahead...
und auch im neuen jahrtausend wird das musikalische level ausgebaut. auf anfrage
von mtv entschließt sich die band zu einer ureigenen interpretation der
berühmten 'unplugged'-serie. highlights des repertoires werden für
ein großes orchester neu arrangiert und in der unvergleichlichen akustik
einer tropfsteinhöhle im sauerland eingespielt.
die geschichte der fantastischen vier fließt weiter, unbeirrbar. neue gesichter auf dem label, neue projekte der mitglieder. für 2001 z.b. die zweiten soloplatten von thomas und hausmarke. um es - noch ein letztes mal - mit der old school zu sagen: wir werden die tests besteh'n, die uns das leben stellt !