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Bomben und Kekse. Der Weltpräsident im Einsatz.Unzeitgemäße Gedanken zur Zeit.Früher gab es nur Propaganda und Flügblätter. Jetzt gibt es was zu knabbern. Während die Amerikaner und ihre liebsten Verbündeten eine weitere Angriffswelle gegen die Terroristen überschwappen lassen, lernen wir also den neuen Krieg kennen, den uns der amerikanische Präsident versprochen hatte. Es ist ein humanitärer Krieg. Das bedeutet, es werden nicht nur Menschen erschossen (inklusive diverser UN Mitarbeiter), sondern es gibt auch Kekse für die Kleinen. Das ist das einzig Neue an diesem Krieg. Alles andere kennen wir schon. Ein paar Beispiele:
Neu ist daran wirklich nichts. Schon gar nicht die Schwarz Weiß Malerei. Auf der einen Seite die Guten (Amerikaner), auf der anderen die bösen (Menschen mit merkwürdigen Dialekten und Religionen). Damit mir niemand (gut gemeint natürlich) die Fenster einwirft: es gibt keine auch nur annähernde Rechtfertigung für die Anschläge der selbst ernannten Gotteskrieger. Die Frage ist hier nur, gibt es eine Rechtfertigung dafür, dass die ganze Welt sich der Definition von gut und böse des amerikanischen Präsidenten anschließt ( nein, ich bin nicht anti amerikanisch; das muss man ja jetzt wieder wie in den 70ern hinzufügen, um eine abweichende Meinung äußern zu können). Ein Präsident, der hundert Todesurteile als Gouverneur unterzeichnet hat. Ein Präsident, der mit Schulgutscheinen das Bildungsproblem beheben will, wobei er in Kauf nimmt, das dann alle zu den Privatschulen gehen und die öffentlichen Schulen weiter verfallen übrigens in vielen Fällen wörtlich: die Gebäude verfallen in Bezirken mit mehrheitlich schwarzen Schülern sehr häufig. Ein Präsident, der den oberen Einkommensschichten eine Billiarde Dollars an Steuern geschenkt hat, die jetzt, nachdem die Wirtschaft zurück geht wie das von liberalen Fachleuten vorhergesagt wurde diese Gelder von den Sozialabgaben abziehen will. Ein Präsident, der Kekse abwerfen lässt, um die Afghanen vom amerikanischen Weg zu überzeugen (nein, ich bin wirklich nicht gegen Amerika, nur gegen dumme Unverschämtheit). Das schlimmste an diesem Krieg ist vielleicht die vom (CNN Regierungs - ) Fernsehen verbreitete Vereinfachung der Welt. Es sieht bei jedem Angriff der Amerikaner so aus, als hätte der Terrorismus eine Heimat, eine Nation. Als wäre Terrorist eine Staatsbürgerschaft und Amerika im Krieg mit einer feindlichen Nation. Daran ändern auch die öffentlichen Verlautbarungen des Präsidenten G. W. Bush nichts. Ganz im Gegenteil, ständig beruft er sich auf die "Great Nation" und seine Weltauffassung, wonach alle, die nicht für Amerika sind, dagegen sein müssen. Noch schwarz weißer geht es doch nicht. Natürlich müssen bin Laden und seine Fanatikerbande zur Verantwortung gezogen werden. Dafür gibt es internationale Gerichte. Deren Mühlen arbeiten langsamer, als es das Fernsehen und der Mob akzeptieren können. Doch ist diese Langsamkeit ein Ausdruck der Werte der westlichen Demokratie: Gerichtsbarkeit, Toleranz, Sicherheit vor Übergriffen der Polizei oder des Militärs. In der Boulevard Presse und dem dazugehörigen Fernseh Journalismus sind das natürlich alles Weichei Sprüche. Doch in einer Welt, in der die internationalen Kontakte zu immer mehr Konflikten führen, muss erst nachgedacht und dann gehandelt werden. Wohin führt dieses Nachdenken? Dazu, dass die Schlächter ungestraft davon kommen?Gerechtigkeit und Demokratie können in der Tat dazu führen, dass schlimme Verbrechen nicht bestraft werden. Das liegt daran, das eine rechtstaatliche Demokratie nicht wie ein Fundamentalist einfach jemanden zum Feind erklären und ihn dann exekutieren kann. Demokratie und Gerechtigkeit sind komplizierter. Das macht sie so unbeliebt bei Schreihälsen aller Fraktionen. Wenn wir den Terror in der Welt verringern wollen, müssen wir uns um die Ursachen kümmern. Das heißt aber auch, das wir wahrnehmen müssen, das ein Bin Laden erst durch seine Benutzung groß gemacht wurde und nur darum heute eine Gefahr für alle friedliebenden Menschen ist. Laden wurde systematisch gegen die UDSSR eingesetzt, die von den Amerikanern als Reich des Bösen bekämpft wurde. Das hat die amerikanische Wirtschaft nicht daran gehindert, gute Geschäfte mit diesen Feinden zu machen. Bis vor wenigen Monaten konnten man von US Managern noch lobende Worte über die frauenfeindlichen Taliban hören. Der militärische Schlag gegen die Taliban ist hauptsächlich gut für Bush und Blair. Beide können ihre innenpolitischen Probleme kaum in den Griff bekommen. Blair kommt nicht mit der sozialen Lage der unteren Schichten zurecht, vom Gesundheitswesen ganz zu schweigen. Bush kann seine Versprechen nicht halten ohne an die Sozialhilfe zu gehen und den Armen zu nehmen. Kurz vor dem 11. September war das sogar in der US Presse noch ein Thema. Europa hat jetzt die Aufgabe, den Neo Kolonialismus, der sich anbahnt, in die Schranken zu verweisen und die Politik und Wirtschaft Europas nicht von der Militär Politik des US Präsidenten schreiben zu lassen. Andernfalls werden wir - wie bereits in vielen Reden des Präsidenten angedeutet noch einige Einsätze dieser Art erleben. Und die Kritik daran wird dann immer schwieriger, denn es gibt ja Kekse. Alois Kück, Atheist und MA Politikwissenschaft. Köln 2001.
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