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Verbietet den Struwelpeter!
Zur sprachlichen Gewalt nach Erfurt.
Als wären die Video Spiele erst gestern erfunden worden, toben sie herum, die Damen und Herren Sachverständigen von der Politik. Kann ja sein, dass diese Freizeitgestaltung erst neulich in die veröffentlichte Wahrnehmung der politische Spitzen und Nebendarsteller gelangt ist. Doch das ändert nichts daran, dass die Realität eine ganz andere ist. Wer sich die Mühe macht, als lesefähiger Bürger die Polizeistatistik zu konsultieren, wir feststellen, dass die Gewaltkriminalität in zurück gegangen ist (www.bundesregierung.de) Das passt natürlich überhaupt nicht in das Weltbild der sprachlichen Gewalttäter aus allen Lagern der geistigen Armut. Da wiederholt sich das Schema anlässlich der PISA Studie: es wird nach den Schulen gefragt, nach den Lehrern, nicht aber nach den Ideologen, nicht nach sechzehn Jahren Politik. Niemand will, scheint es, wissen, das sechzehn Jahre lang das Bafög so gestalten wurde, das nur etwas über zehn Prozent Arbeiterkinder studieren konnten. Niemand fragte, ob dies womöglich damit zu tun haben könnte, dass 70 Prozent der Bafög Empfänger Arbeiterkinder sind. Niemand wollte wissen, das die Bibliotheken so unter Geldmangel gesetzt wurden, dass immer mehr Studenten sich um immer weniger Exemplare der neuesten Ausgabe streiten mussten. Das galt natürlich nicht für die Sprösslinge akademischer Eltern. Das Schema ist bekannt, aber nicht gebannt. Der junge Mensch von Erfurt war 19 Jahre alt. Ab 18 tritt man bei uns unfreiwillig in die Bundeswehr ein, so man nicht clever genug ist, die Befragung zur Verweigerung zu bestehen. In der Bundeswehr lernt man, soweit ich informiert bin, wie auf Menschen schießt und zwar in der Absicht, diese zu töten. Alle paar Jahre gibt es dazu Auffrischungskurse. Die nennt man Reservistenübungen. Wenn man ernsthaft die Forderungen nach dem Verbot der Video Spiele und der Gewaltdarstellung unterstützt, muss man auch die Abschaffung der Armee fordern. Alles andere ist Heuchelei oder Ideologie, was keinen großen Unterschied macht. Und dann die Bücher! Bisher hat noch niemand nach der Gewalt in der Literatur gefragt. Das liegt möglicherweise aber nur daran, das unsere Geistesmenschen an der politischen Spitze so wenig Zeit haben, etwas zu lesen, dass dicker als die Bild Zeitung ist. Sonst hätten sie gemerkt, das etwa die Klassiker, die nach den Beschlüssen der Kultusminister Konferenz zur Pflichtlektüre harmloser junger Menschen gehören, voller Gewalt sind. Und dann dieser Shakespeare, der immer so gerne auf staatlichen Bühnen inszeniert wird. Wollen wir den auch verbieten? Auf europäischer Ebene? Wann verbrennen wir wieder Bücher? Natürlich nur in Form von Filmen und Videos! Die Schreierei nach Verboten ist ignorant und Teil einer Diskussionskultur, in der das gebildete Argument nichts wert ist. Gewalt, welcher Art auch immer, kommt nicht aus Büchern, nicht aus Videos, nicht aus dem Kino. Sie kommt aus der Gesellschaft. Das will natürlich keiner wissen. Darum muss sonst was verantwortlich gemacht werden. Andernfalls müsste sich ja jeder an die superschlaue Nase fassen und versuchen, die Welt friedlicher zu machen. Dazu eignet sich aber die Brutalität einer Konkurrenzgesellschaft nicht besonders. So muss denn die Kulturszene dran glauben, denn das sind die nächsten nach den dusseligen Games in der Spielekonsole oder dem PC. Fehlt nur noch, dass der Struwelpeter verboten wird. Gute Nacht, Deutschland, du hast deine Akademiker so verdient wie deine Politiker.
Alois Kück, MA Politikwissenschaft
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