Globales Lernen -

Neue Leitbilder für die Schule

 

Die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung ist in den letzten Jahren stark geprägt durch eine Globalisierung, die ursprünglich vor allem von der Wirtschaft, der Kommunikation und der Politik ausging. Sie betrifft heute alle Lebensbereiche, woraus sich die Notwendigkeit globalen Denkens in einer kulturell vielfältigen Welt ergibt. Angesichts dieser Veränderungen und als Folge der damit verbundenen individuellen Verunsicherung hat Bildung zwei Herausforderungen anzunehmen: Sie soll sich einerseits mit der Frage der eigenen Identität beschäftigen. Andererseits wird von ihr auch ein Beitrag zur Bewältigung globaler Probleme (Entwicklung, Umwelt, Frieden, Menschenrechte) erwartet. Beide Aspekte – Individualität und Gesellschaftsfähigkeit, eigene Identität und globale Weltsicht - gehören untrennbar zusammen und wirken wechselseitig aufeinander ein.

 

Um diesen Herausforderungen gerecht werden zu können, benötigen wir Fähigkeiten und Fertigkeiten, die im Konzept des "Globalen Lernen" zusammengefasst sind. "Globales Lernen" ist kein abgeschlossenes, neues Konzept. Vielmehr nimmt es verschiedene Erkenntnisse und Forderungen neuerer Lernformen auf und stellt sie unter dem durch die Globalisierung erweiterten Bildungshorizont akzentuiert dar. Unter Globalem Lernen verstehen wir die Vermittlung einer globalen Perspektive und die Hinführung zum persönlichen Urteilen und Handeln in globaler Perspektive auf allen Stufen der Bildungsarbeit. Globales Lernen ist also nicht primär Wissensvermittlung über Themen, sondern kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt, mit Anliegen und Haltungen. Die Fähigkeit, Sachlagen und Probleme in einem weltweiten und ganzheitlichen Zusammenhang zu sehen, bezieht sich demnach nicht auf einzelne Themenbereiche. Sie ist vielmehr eine grundsätzliche Perspektive des Denkens, Urteilens, Fühlens und Handelns, eine Beschreibung wichtiger sozialer Fähigkeiten für die Zukunft.

Erkenntnisse der neueren Forschung über Lernprozesse sind ebenso Bestandteil des Konzeptes vom Globalen Lernen, um zu einer bewußteren Auswahl von Methoden und Inhalten zu kommen. So kann es in Zukunft möglich werden, Wissen und Handeln nicht voneinander zu trennen (oder gar die beiden Bereiche gegeneinander auszuspielen), sondern Lernprozesse so anzulegen, daß sie in allen Dimensionen wirksam werden.

"Globales Lernen" ist keine Weiterentwicklung von entwicklungspolitischer Bildung, Interkultureller Erziehung, Umwelterziehung, Friedenserziehung, Menschenrechtserziehung (auch wenn es sich thematisch hauptsächlich mit diesen Fragen beschäftigt), sondern eine erweiterte Perspektive, unter der die angesprochenen Themen und Probleme betrachtet werden müssen.

 

Methodisch-didaktische Grundsätze des Globalen Lernens

Die Ausrichtung der Bildungsarbeit auf eine globale Weltsicht ist eine allgemeine didaktische Forderung. Sie setzt nicht voraus, Gegenstand eines eigens dafür eingerichteten Schulfaches zu sein, sondern ist vielmehr eine Dimension, die durch alle Schulfächer aller Stufen hindurchgeht. Die Vermittlung einer globalen Weltsicht im Unterricht und die ganzheitliche Förderung der Kinder und Jugendlichen erfordern Strukturen und Methoden, die die Fähigkeiten der Heranwachsenden fördern, sich in einer immer komplexer werdenden Welt zu entwickeln und zurechtzufinden. Das globale Verständnis kann durch Lernerfahrungen in der Schule erlernt werden, welche dem Alter und den Möglichkeiten der Kinder angepaßt sind. (Schule ist und kann aber nicht der einzige Bildungsträger sein !!!). Gemeinsame Recherchen, Zusammenarbeit, Gruppenlernen und Lernen durch praktisches Tun sind besonders wertvolle Lernerfahrungen. Außerschulische Bereiche sind unbedingt und immer wieder einzubeziehen.

Denken in Zusammenhängen, Lernen von der Zukunft, forschendes Lernen, sowie soziales, teilhabendes Lernen und selbsttätiges, aktives Lernen, Lernen in konkreten Situationen und natürlich auch ganzheitliches Lernen sind didaktische und methodische Grundsätze des Globalen Lernens. Die globale Welt muß in der Schule erfahrbar gemacht werden. Die Neugierde der Kinder und Jugendlichen, ihr Streben nach Freiheit, ihre Kreativität sollen gefördert und nicht im Keim erstickt werden.

 

Die Rolle der Lehrerin, des Lehrers

Eine wichtige Voraussetzung dafür, daß Globales Lernen in der Schule stattfinden kann, ist die Veränderung des Rollenverständnisses von LehrerInnen hin zu einer auf Gegenseitigkeit beruhenden Lehr- und Lernkultur, in der sich, der Lehrer / die Lehrerin selbst als Lernende/r definiert. Der Verlust der Überzeugung, immer "wissen" zu müssen, ist eine wesentliche Vorraussetzung, in Teams mit anderen LehrerInnen nach neuen Formen des Lehrens zu suchen und den eigenen Unterricht zu hinterfragen. Das Miteinander von Lehrkräften und SchülerInnen soll durch gegenseitigen Respekt und Kooperation gekennzeichnet sein. Unterricht muß ein Interaktionsprozeß zwischen LehrerInnen und SchülerInnen sein, der Gegenseitigkeit, d.h. wechselseitiges Wahrnehmen und Berücksichtigen der Gefühle und der kognitiven Positionen des anderen verlangt. Nur so wird es möglich sein Menschen heranzubilden, die zu Neuem fähig sind und nicht nur nachmachen können, was frühere Generationen ihnen vorgemacht haben - schöpferische, erfinderische und entdeckungsfreudige Menschen aber auch kritische Geister, die in der Lage sind zu hinterfragen und nicht nur hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird.

 

Schule und Globales Lernen

Globales Lernen stellt eine Herausforderung für die Schule dar, damit sie nicht zum Selbstzweck, ohne Bezug zu der sich verändernden Umwelt, verkümmert.

Globales Lernen setzt voraus, daß die "erweiterten Lernformen" und die Arbeit in Projekten den Schulalltag bestimmen. Dies bedingt die Zusammenarbeit der Lehrkräfte in Teams, die Öffnung von Schule nach außen, die Mitwirkung der Eltern sowie die Gewährung von Autonomie, ohne daß dadurch auf bisher erbrachte Leistungen verzichtet werden muß.

Im Sinne von Globalem Lernen heißt Unterricht, miteinander zu lernen, ein Lernklima zu schaffen, in dem Experimentieren, autonomes Denken, eigenverantwortliche Mitgestaltung erwünscht sind. Die Erfahrung, daß die Kategorien falsch/richtig relativ sein können, kann im Unterricht gemacht werden. Unterricht soll emanzipatorisch, exemplarisch, ganzheitlich, kommunikativ und kooperativ sein.

 

Globales Lernen darf nicht den Anspruch haben, Lösungen für strukturelle, weltweite Probleme zu finden, es sollen aber Lösungen angedacht werden dürfen, radikale Fragestellungen von Jugendlichen zugelassen und ernst genommen werden und Handeln und Denken in Alternativen erprobt werden.

Sich auf Lernprozesse einzulassen, die eine globale Perspektive ermöglichen, ist eine Herausforderung und faszinierende Aufgabe gleichzeitig, der wir uns stellen sollten!

 

Wenn Sie nun neugierig darauf geworden sind, wie Globales Lernen in die alltägliche Arbeit umgesetzt werden kann, dann wenden Sie sich bitte an:

Bündnis für Eine Welt / ÖIE, Karin Thaler, Rathausgasse 2, 9500 Villach, Tel. 04242/24617-3

 

Quellen: Globales Lernen – Anstösse für die Bildung in einer vernetzten Welt

(Forum "Schule für eine Welt")

Globales Lernen – Seminarbeitrag von Mag. Helmut Hartmeyer

Neue Leitbilder für Schulentwicklung – Dr. Peter Bieniussa

 

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