"Dialog Afrika-Europa - Veränderung durch Globales Lernen"
Jacob Sovoessi:
Benin, derzeit in Paris - Ausbildung zum Bildungsadministrator, Fachlehrer, Mitglied d. RED, Beschäftigung mit Globalem Lernen in Verbindung mit der Verbesserung von Schulsystemen, Evaluation von Bildungssystemen, Verbindung und Integration von Bildungsprogrammen und Qualitätsverbesserung, Management von Bildungssystemen (Finanzen, Verwaltung, Schulqualität), Dissertation über pädagogisches Management.
1. Welche Partnerschaft (Jakob Sovoessi)
Die Globalisierung ist eine Realität, der sich heutzutage niemand entziehen kann. Sie beruht auf der Verbindung der Liberalisierung des Gütertausches, der Dienstleistungen und des Kapitals mit der schnellen weltweiten Diffusion kultureller Elemente bestimmter privilegierter Nationen unseres Planeten. Dieses keineswegs neue Phänomen wird durch einen politischen und ideologischen Kontext, der für seine Beschleunigung und Entwicklung besonders günstig ist, intensiviert. Die Verantwortlichen der Bildungs- und Erziehungsorganistionen können bezüglich der Auswirkungen der Globalisierung auf den Bildungs- und Erziehungsprozeß nicht gleichgültig bleiben, dies ist auch der Ursprung des Workshops: "Dialog Afrika-Europa: Wandel durch globale Bildung", an welchem Afrikaner sowie Europäer teilgenommen haben.
1.1. Die Partnerschaft: Eine dringende Notwendigkeit
Von Basel bis Wien über Salzburg, Linz und Klagenfurt sind Europäer sowie Afrikaner darin übereingekommen, daß die Globalisierung eine Nord-Süd-, und eine Süd-Nord-Partnerschaft erfordert. Diese Partnerschaft erweist sich als eine moralische Pflicht wenn man davon ausgeht, daß die Solidarität eine von der Menschheit gleichsam geteilte Tugend ist. Auch ist die sie die direkte Folge des Austausches zwischen den unterschiedlich entwickelten Teilen unseres Planeten Erde. Zur Partnerschaft gehört gleicherweise Solidarität, und das Paar Partnerschaft-Solidarität wird für das Überleben des Südens aber auch des Nordens zu einer politischen, strategischen, wissenschaftlichen und kulturellen Dringlichkeit. Ist die wirksame Teilnahme von afrikanischen Unterrichtenden, Pädagogen, Herausgebern, Schriftstellern am Stand "Dialog Afrika-Europa" in Basel nicht eine zu unterstützende Initiative? Unserer Meinung nach ja! Die von Südwind initiierte Einladung dreier Vertreter des "Netzwerkes Schule und Entwicklung" zur Fortsetzung in Österreich bezüglich Austauschmöglichkeiten sowie verschiedene wissenschaftliche und pädagogische Konferenzen und Treffen ist ein Ausdruck der neuen Partnerschaftslinie, welche man heutzutage entwickeln sollte: Eine Partnerschaft, welche gegenseitigen Austausch bewirken soll, Austausch und nicht Assistenz, ein gegenseitiger und nicht ein einseitiger Fluß. Hierin besteht die Partnerschaft, die über globale Bildung als ein Mittel unter anderen, zu einer dauerhaften Entwicklung führen kann.
1.2. Die globale Bildung, ein Mittel, die Zukunft der Welt zu planen
Ohne das Risiko einzugehen, uns zu täuschen, ist - oder sollte - das Ziel der Menschheit die Verwirklichung einer globalen und dauerhaften Entwicklung sein. Ein nützliches Instrument, um dahin zu gelangen, ist selbstverständlich die globale Bildung. Sie ist ein Mittel, die Zukunft des Planeten Erde zu planen, ein Dorf, das manchmal klein und manchmal groß ist, wo alles miteinander in Beziehung steht, oftmals ohne Kenntnis der Betroffenen selber. Sie kann durch folgende drei Dimensionen charakterisiert werden:
Der Bildungsnutznießer als zukünftige Verursacher eines positiven Wandels der Gesellschaft, wird so ausgebildet, daß er Verantwortlichkeit auf sich nimmt, indem er an der Verwirklichung seiner Ausbildung teilnimmt; von einem einfachen Konsumenten des Wissens des Unterrichtenden wird er zu einem aktiven Produzenten seines Wissens dank aktiver pädagogischer Methoden, dank einer ständigen Beziehung zwischen sozialem und schulischem Wissen, zwischen Familie und Schule, zwischen Stadt oder Dorf und Schule. Die Bildungsinstitution wird somit integraler Bestandteil des Mikrokosmos des Betroffenen.
Durch den Austausch und die Treffen in der Schweiz und v.a. in Österreich kann festgestellt werden, daß es im Norden in bezug auf die globale Bildung andere Überlegungen gibt als im Süden.
Wir können z.B. feststellen, daß im Norden die globale Bildung darin beruht, die Schüler auf die Weltbürgerschaft, die internationale Solidarität, den Dialog mit dem "Anderen" - egal welches seine sozio-kulturelle Herkunft ist - den interkulturellen Dialog ohne Verachtung, Überlegenheit- oder Minderwertigkeitskomplexe auszurichten.
Unsere Meinung nach müßte zur konkreten Gestaltung dieser Erziehung zu Solidarität noch mehr getan werden, indem man den Auszubildenden konkrete Beispiele von sozialen und ökonomischen Modellen von Solidarität und Dialog darbringt. Es handelt sich um die Wichtigkeit aus dem Diskurs hinaus zum Schüler zu gelangen. Sollte nicht die Dimension der Globalität des Menschen, egal was für ein Mensch es ist, die Beziehung der bilateralen und multilateralen Kooperation zwischen den Staaten lenken?
Im Süden gibt es noch große Probleme in bezug auf Einschulung (Alphabetisierung !), somit muß die globale Bildung Kinder sowie Erwachsene betreffen. Es ist eine Bildung mit verschiedenen Komponenten, je nachdem, ob sie schulisch ist oder nicht. Sie betrifft die globale Gesellschaft.
Die globale nichtschulische Bildung muß insbesondere die Beherrschung der Probleme des direkten Umfeldes angehen, der sozialen Umgebung, und die Bevölkerung dazu bringen, global zu denken, um auf lokaler Ebene wirksamer arbeiten zu können. Diese Bildung kann durch verschiedene Mittel verwirklicht werden; durch die Medien, Alphabetisierungsausschüsse ...
Für eine globale Bildung muß:
Diese Bildung ermöglicht es, einem afrikanischen Schüler, nicht vor die Alternative zwischen einem spezialisierten lokalen Wissen, welches keine globale Sichtweise integriert, und einem globalen Wissen, welches verschwommen ist und nicht hilft, lokales zu verstehen, gestellt zu werden (Edgar MORIN).
Damit die globale Bildung wirksam sein kann, müssen die Schulinstitutionen und das Unterrichtswesen reformiert werden; dies setzt die Reform der Denkweisen voraus, denn eine komplexe Denkweise ermöglicht es, dem Kind nicht nur Zusammenhänge, sondern auch Zufälliges, Unvorhersehbares und Ungewißheiten zu erfassen. Man muß auch die Überzeugung gewinnen, daß der Schüler nur dann wirksam lernen kann, wenn er am Projekt einer Aktivität teilnehmen kann, an der Analyse dieses Projekts und der Interpretation der Auswirkungen. Daher ist es notwendig, eine Art von Bildung einzurichten, die befreit und es dem Kind ermöglicht, sich vollständig zu verwirklichen. Diese Freiheit in der Bildung bedeutet, daß das Kind an der Wahl seiner Aktivitäten teilnimmt, was wiederum voraussetzt, daß das Kind über ein Projekt verfügt, welches an ein Ziel ausgerichtet ist, welches das Kind in bezug auf seine Fähigkeiten, auf die Umgebung und auf die Notwendigkeit von Fortschritt umändern kann.
Die WORLDDIDAC 98, die nun in Österreich im Rahmen eines Dialoges Südwind-Agentur und "Netzwerk: Schule und Entwicklung" weitergeführt wird, zeigt große Dialogfährten auf: Austausch von Unterrichtenden, Besuch von Piloteinrichtungen, von praktischen Arbeitsplätzen für globale Bildung, schulische Verbindung zwischen den Einrichtungen, gemeinsame Produktion der Südwind-Agentur-RED über das Verständnis von globaler Bildung.
Es ist ersichtlich, daß eine gute Zusammenarbeit zwischen den implizierten Organisationen angekurbelt wurde. Ein gutes Beispiel für eine Nord-Süd-Partnerschaft, die zu verewigen und weiterzuführen ist.
Jacob Sovoessi ist von 19. - 25. 4. 1999 erneut in Österreich. Im folgenden beschreibt er die Themen des Treffens:
in Africa.
Linz: Di., 20. April, 14.00 Uhr, Pädagogische Akademie
Thema: Globales Lernen, LehrerInnenausbildung/-austausch, Schulpartnerschaften
Klagenfurt: Mi., 21. April, 16.00 Uhr, Universität
Thema: Dialog über Globales Lernen, konkrete Kooperation auf UNI-Ebene
Wien: Do. 22. oder Fr. 23. 4., Wien
Thema: Gesprächskreis über Globales Lernen mit TeilnehmerInnen aus verschiedenen Kontinenten