Sag' mir, wie viel Sternlein stehen

Dinge finden zueinander, das ist im Netz genauso wie im so genannten Real-Life.
Des weiteren heißt es, „gleich und gleich gesellt sich gern“. Da ist was dran.

Ganz besonders, wenn man T-online als Internet-Provider gewählt hat,
und sich als „User“ bei SternShortnews rumtreibt.
Denn da haben sich wirklich zwei gefunden.

  Bei einem T-online-Zugang erlebt man keine einzige Woche unter 5 Ausfälle.
Zu guten Zeiten – etwa in den Ferien – schafft man’s mitunter 2 Tage nacheinander
ohne Probleme nach dem 3. Versuch ins Netz zu kommen.
Das wäre nicht weiter schlimm, wenn man für diese 3.-klassige Technik nicht noch BEZAHLEN müsste.

Bei SternShortnews sieht das anders aus. Dort ist der Zugang gratis, dafür klappt dort aber noch weniger.
Shortnews – oder „Sternshortnews“, wie man sich seit kurzem nennt, ist ein so genanntes Nachrichtenportal.
Hobbyreporter suchen im Netz nach Neuigkeiten, formulieren sie um, 
und posten dies dann als „News“ in den vorgesehenen „Channels“.
Ein Link zur Quelle sorgt dafür, dass sich der © - Inhaber der Originalquelle nicht allzu sehr bestohlen fühlt.
Eine Art virtuelles „Joint-Venture“.

Die „Channels“ sind eigentlich überflüssig, da sowieso kaum jemand begreift, wo eine News hingehört.
Die meisten Umformulierer sind froh, wenn sie einen Satz fehlerlos schreiben können.
Außerdem stehen die angehenden Schmierfinken unter enormem Zeitdruck, denn es gilt „Shorties“ einzusacken.

„Shorties“ nennt sich das Gehalt des meist minderjährigen Webreporters.
Bares Geld bekommen sie nicht. Nach einem simplen Punktessystem werden besagte „Kurze“ angerechnet,
die – wenn sich genug angesammelt haben – gegen einen Sachwert eingetauscht werden können.
Hört sich fair an? Weit gefehlt.
Einige der ganz Schlauen eignen sich mehrere Usernamen (Nicks) an und bewerten ihre eigenen News.
Denn Bewertung bringt Punkte, wer viele Punkte einfährt, kommt in einen „High-Score“,
und die Highest-Scores werden mit Shorties gesegnet.
Einige haben sich zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen und bescheißen kollektiv.
Mit dem hauseigenen Message-System bettelt man sich gegenseitig an: „bewerte mal meine News“.

Nach ca. 2 Jahren ist nun auch die selbsternannte Geschäftsführung dahintergekommen,
dass einige dem unlauteren Wettbewerb fröhnen.
Einige Nicks wurden daraufhin gesperrt, hart erschlichene Shorties gingen den Bach hinunter.

Und über genau diese unangemessen harte Strafe mokieren sich die Ertappten dann in den so genannten Foren.

SSN – so die Kurzform des Kinderportals – hat nämlich auch Foren, in denen der gestresste Nachwuchsjournalist entspannen kann,
in dem er Songtexte, uralte Witze oder seinen Unmut postet.
Jeder registrierte User kann dort einen neuen „Thread“ eröffnen, zu nahezu jedem Thema.
Was nun opportun ist und was nicht, entscheidet die hauseigene Gestapo, CXe, Checker und Admins genannt.
Diese virtuelle Stasi besteht aus altgedienten Usern und ist inoffiziell dazu angehalten,
objektiv zu urteilen, wenn eines der Nachrichtenkinder mal wieder in den Sandkasten scheißt.

Dass die wenigsten überhaupt wissen, was „objektiv“ bedeutet ist zwar allgemein bekannt, aber nicht zu ändern.
Und so kommt es immer wieder zu regelrechten Schlammschlachten im virtuellen Sandkasten, wenn’s mal wieder geregnet hat.
Und es regnet oft, seitdem der Frühling den Hormonhaushalt in Schwung bringt.

Diese „Flamewars“ sind es, was Shortnews für den außenstehenden Besucher so interessant – oder besser „unterhaltsam“ macht.
Nach einer gewissen Zeit erkennt man die Fronten, und man erkennt die meterlangen Schleimspuren, die manch einer hinterlässt.
Sei es, um die mühsam erschlichenen Shorties zu behalten oder um selbst einmal das Amt eines „Groß-Stern-Stasi-Operators“ zu bekleiden, um dann den verhassten Gegnern zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Doch ab und zu scheint sogar beim „führenden deutschen Nachrichtenportal“ die Sonne und es will einfach kein Zoff aufkommen.
Dann buddelt man uralte zwischenmenschliche Diskrepanzen aus und postet, wer wann mit wem gevögelt hat.
Solche Threads werden in kürzester Zeit besonders lang, weil jedem noch ein paar besonders wichtige Einzelheiten einfallen.

Da jeder Thread, jeder persönliche Message – also jeder noch so größte Schwachsinn – gespeichert wird,
sind die Ladezeiten natürlich recht lang.
So kann es passieren, dass man zum posten eines Beitrags, oder zum bloßen einloggen ins System schon einmal 6 – 7 Versuche braucht. Trotzdem regen sich manche auf, dass 1½ Jahre alte Foreneinträge nicht mehr zugänglich sind.
Man könnte dort ja etwas finden, womit sich User X blamiert hat,
oder beweisen, dass User Y in den letzen 12 Monaten seine Meinung revidierte.

Einige der „Offiziellen“ – die so genannten CXe – sind mit ihrem verantwortungsvollen Job recht überfordert.
Genervt drohen sie mit Rücktritt.
Bei den meisten bleibt es bei der Drohung.
Wohl nicht zuletzt, weil im eigens eröffneten Abschiedsthread duzende arschkriechende User ihr Beileid bekundeten.

Die Abschiedstreads sind auch bei den Usern sehr beliebt, um für ein paar Minuten ein wenig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Da diese Praxis aber mittlerweile durchschaut wurde, fährt so mancher ganz andere Geschütze auf.
So erschienen 3 – 4 Threads in nur einer Woche, die auf das eigene baldige Ableben hinwiesen,
in einem weiteren wurde versucht, noch schnell ein paar Musikanten für ein gemeinsames Liedlein zusammenzutrommeln.
Alles von ein und demselben User, innerhalb weniger Tage.

Man ist sich für nichts zu schade.

Da werden Lobeshymnen veröffentlicht, gefolgt von Vermisstenanzeigen – nicht 1 oder 2 – nein, duzende.
Alle derselben Person gewidmet, die sich längst verabschiedet hat.

Würde ist ebenso ein Fremdwort wie Bildung.

Man weiß zwar, wer’s wann auf welchem UT mit wie viel ‰ im Blut getrieben hat, kann aber keine Suchmaschine bedienen.
Und so findet man im Forum immer wieder verzweifelte Such-Threads – „Wo kann ich ein Poster von Brittney Spears bestellen?“

Alles in allem gleicht der ganze Apparat einem herkömmlichen Chatsystem – nur halt mit dem permanenten Gewinnspiel „News einliefern“. Das Portal nennt sich – wie jede Ansammlung verschiedener Individuen im Netz – „Community“, kämpft nur mit mehr Problemen.

Das auf „PHP“ basierende Machwerk besticht so denn durch die vielen Lücken.
Vieles wirkt wie „gewollt aber nicht gekonnt“.
Beim Bewerten der News z.B. sagt die folgende Meldung:
IHRE  Bewertung wurde erfolgreich aufgenommen, DEINE  Punktzahl hat sich um ... erhöht.“

So was wirkt zwar nicht besonders professionell, aber es gibt halt wichtigere Probleme, die es zu lösen gilt.

Nebenbei streitet man sich seit Äonen, ob man das Punktesystem nicht ganz abschaffen oder überarbeiten sollte.

Die Server sind – nicht zuletzt aus weiter o.g. Gründen permanent überlastet.

Die vielen kleinen Problemchen werden erst Wochen lang in den Foren diskutiert,
dann wird ein Machtwort gepostet, in dem es heißt, man würde alles weitere intern – ohne Mitspracherecht der User entscheiden.
Dies erscheint durchaus vernünftig, da die meisten dieser User nur mit Mühe ihren eigenen Namen richtig schreiben können und Rhetorik für einen griechischen Gott halten, jedoch wird dieses Machtwort bei jedem der Problemchen neu gepostet.
Fragt sich warum. Man entfacht auf diese Art zunächst immer wieder dieselben Threads mit immer gleichen Protestpostings,
anstatt die Kinderlein vor vollendete Tatsache zu stellen – was letztendlich ohnehin geschied.

Dieser ganze Vorgang wirkt ein bisschen wie eine Trainingsmaßnahme für die CXe.
“Wie bewältige ich Konflikte?“
So gesehen kann man der Sache einen gewissen Sinn nicht absprechen,
denn im Umgang mit Menschen haben die gerne Gott spielenden Offiziellen ebensoviel zu lernen,
wie die pubertierende, „menschwerdende“ Userschar in Sachen Eloquenz und Allgemeinbildung.

 
Fragt sich, wieso sich STERN.de in dieses Chaos-Portal einklinkte.

Wer bei der inoffiziellen „Vorstellung“ des stern.de – Chef-Reds im portaleigenen Chatraum dabei war,
konnte als Argument lesen, dass SN gut zum Gesamtkonzept des Stern-Internetauftritts passe.

Wer den Wandel des Sterns als Gesamtmedium in den letzten 1½ Jahrzehnten beobachtet hat, kann dem sogar auf halber Linie zustimmen.
Der Stern in seiner Printversion war ein äußerst ernstzunehmendes – und vor allem meinungsbildendes Organ im deutschen Blätterwald.

Dass „der stern auch anders kann“ wurde um 1989/90 beschlossen und – zum Bedauern vieler auch in die Tat umgesetzt.
Das ehemals zeit- und sozialkritische Blatt mutierte nach und nach zu einem Ja-Sager – Magazin in Springer-manier.
Viele der damaligen Redakteure machten zwar noch den Umzug von der Hamburger Warburgstrasse zum Baumwall mit,
nahmen aber irgendwann resigniert den Hut.
So wurde das Blatt nicht nur im Hinblick auf die Leserklientel, sondern auch innen nachhaltig umgekrempelt,
und diese Entwicklung wird konsequent fortgesetzt.

So gesehen ist die Kooperation mit SN nur ein weiterer logischer Schritt in Richtung „Bla-Bla – Journalismus“.
In seichtem Wasser kann man nicht absaufen, aber auch leider auch nicht allzu tief tauchen.

In dieser gesichtslosen Zeit scheint dieses Konzept allerdings aufzugehen.

Kurz, knapp, bedeutungslos . . .

 

. . . zum Glück gibt´s Alternativen!

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