Sag' mir, wie viel Sternlein stehen
Dinge
finden zueinander, das ist im Netz genauso wie im so genannten Real-Life.
Des weiteren heißt es, „gleich und gleich gesellt sich gern“. Da ist was
dran.
Ganz
besonders, wenn man T-online als Internet-Provider gewählt hat,
und sich als „User“ bei SternShortnews rumtreibt.
Denn da haben sich wirklich zwei gefunden.
Zu guten Zeiten – etwa in den Ferien – schafft man’s mitunter 2 Tage
nacheinander
ohne Probleme nach dem 3. Versuch ins Netz zu kommen.
Das wäre nicht weiter schlimm, wenn man für diese 3.-klassige Technik nicht
noch BEZAHLEN müsste.
Bei
SternShortnews sieht das anders aus. Dort ist der Zugang gratis, dafür klappt
dort aber noch weniger.
Shortnews – oder „Sternshortnews“, wie man sich seit kurzem nennt, ist ein
so genanntes Nachrichtenportal.
Hobbyreporter suchen im Netz nach Neuigkeiten, formulieren sie um,
und posten
dies dann als „News“ in den vorgesehenen „Channels“.
Ein Link zur Quelle sorgt dafür, dass sich der © - Inhaber der Originalquelle
nicht allzu sehr bestohlen fühlt.
Eine Art virtuelles „Joint-Venture“.
Die
„Channels“ sind eigentlich überflüssig, da sowieso kaum jemand begreift,
wo eine News hingehört.
Die meisten Umformulierer sind froh, wenn sie einen Satz fehlerlos schreiben können.
Außerdem stehen die angehenden Schmierfinken unter enormem Zeitdruck, denn es
gilt „Shorties“ einzusacken.
„Shorties“
nennt sich das Gehalt des meist minderjährigen Webreporters.
Bares Geld bekommen sie nicht. Nach einem simplen Punktessystem werden besagte
„Kurze“ angerechnet,
die – wenn sich genug angesammelt haben – gegen einen Sachwert eingetauscht
werden können.
Hört sich fair an? Weit gefehlt.
Einige der ganz Schlauen eignen sich mehrere Usernamen (Nicks) an und bewerten
ihre eigenen News.
Denn Bewertung bringt Punkte, wer viele Punkte einfährt, kommt in einen „High-Score“,
und die Highest-Scores werden mit Shorties gesegnet.
Einige haben sich zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen und bescheißen
kollektiv.
Mit dem hauseigenen Message-System bettelt man sich gegenseitig an: „bewerte
mal meine News“.
Nach
ca. 2 Jahren ist nun auch die selbsternannte Geschäftsführung
dahintergekommen,
dass einige dem unlauteren Wettbewerb fröhnen.
Einige Nicks wurden daraufhin gesperrt, hart erschlichene Shorties gingen den
Bach hinunter.
Und
über genau diese unangemessen harte Strafe mokieren sich die Ertappten dann in
den so genannten Foren.
SSN
– so die Kurzform des Kinderportals – hat nämlich auch Foren, in denen der
gestresste Nachwuchsjournalist entspannen kann,
in dem er Songtexte, uralte Witze oder seinen Unmut postet.
Jeder registrierte User kann dort einen neuen „Thread“ eröffnen, zu nahezu
jedem Thema.
Was nun opportun ist und was nicht, entscheidet die hauseigene Gestapo, CXe,
Checker und Admins genannt.
Diese virtuelle Stasi besteht aus altgedienten Usern und ist inoffiziell dazu
angehalten,
objektiv zu urteilen, wenn eines der Nachrichtenkinder mal wieder in den
Sandkasten scheißt.
Dass
die wenigsten überhaupt wissen, was „objektiv“ bedeutet ist zwar allgemein
bekannt, aber nicht zu ändern.
Und so kommt es immer wieder zu regelrechten Schlammschlachten im virtuellen
Sandkasten, wenn’s mal wieder geregnet hat.
Und es regnet oft, seitdem der Frühling den Hormonhaushalt in Schwung bringt.
Diese
„Flamewars“ sind es, was Shortnews für den außenstehenden Besucher so
interessant – oder besser „unterhaltsam“ macht.
Nach einer gewissen Zeit erkennt man die Fronten, und man erkennt die
meterlangen Schleimspuren, die manch einer hinterlässt.
Sei es, um die mühsam erschlichenen Shorties zu behalten oder um selbst einmal
das Amt eines „Groß-Stern-Stasi-Operators“ zu bekleiden, um dann den
verhassten Gegnern zu zeigen, wo der Hammer hängt.
Doch
ab und zu scheint sogar beim „führenden deutschen Nachrichtenportal“ die
Sonne und es will einfach kein Zoff aufkommen.
Dann buddelt man uralte zwischenmenschliche Diskrepanzen aus und postet, wer
wann mit wem gevögelt hat.
Solche Threads werden in kürzester Zeit besonders lang, weil jedem noch ein
paar besonders wichtige Einzelheiten einfallen.
Da
jeder Thread, jeder persönliche Message – also jeder noch so größte
Schwachsinn – gespeichert wird,
sind die Ladezeiten natürlich recht lang.
So kann es passieren, dass man zum posten eines Beitrags, oder zum bloßen
einloggen ins System schon einmal 6 – 7 Versuche braucht. Trotzdem regen sich
manche auf, dass 1½ Jahre alte Foreneinträge nicht mehr zugänglich sind.
Man könnte dort ja etwas finden, womit sich User X blamiert hat,
oder beweisen, dass User Y in den letzen 12 Monaten seine Meinung revidierte.
Einige
der „Offiziellen“ – die so genannten CXe – sind mit ihrem
verantwortungsvollen Job recht überfordert.
Genervt drohen sie mit Rücktritt.
Bei den meisten bleibt es bei der Drohung.
Wohl nicht zuletzt, weil im eigens eröffneten Abschiedsthread duzende
arschkriechende User ihr Beileid bekundeten.
Die
Abschiedstreads sind auch bei den Usern sehr beliebt, um für ein paar Minuten
ein wenig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Da diese Praxis aber mittlerweile durchschaut wurde, fährt so mancher ganz
andere Geschütze auf.
So erschienen 3 – 4 Threads in nur einer Woche, die auf das eigene baldige
Ableben hinwiesen,
in einem weiteren wurde versucht, noch schnell ein paar Musikanten für ein
gemeinsames Liedlein zusammenzutrommeln.
Alles von ein und demselben User, innerhalb weniger Tage.
Man
ist sich für nichts zu schade.
Da
werden Lobeshymnen veröffentlicht, gefolgt von Vermisstenanzeigen – nicht 1
oder 2 – nein, duzende.
Alle derselben Person gewidmet, die sich längst verabschiedet hat.
Würde
ist ebenso ein Fremdwort wie Bildung.
Man
weiß zwar, wer’s wann auf welchem UT mit wie viel ‰ im Blut getrieben hat,
kann aber keine Suchmaschine bedienen.
Und so findet man im Forum immer wieder verzweifelte Such-Threads – „Wo kann
ich ein Poster von Brittney Spears bestellen?“
Alles
in allem gleicht der ganze Apparat einem herkömmlichen Chatsystem – nur halt
mit dem permanenten Gewinnspiel „News einliefern“. Das Portal nennt sich –
wie jede Ansammlung verschiedener Individuen im Netz – „Community“, kämpft
nur mit mehr Problemen.
Das
auf „PHP“ basierende Machwerk besticht so denn durch die vielen Lücken.
Vieles wirkt wie „gewollt aber nicht gekonnt“.
Beim Bewerten der News z.B. sagt die folgende Meldung:
„IHRE Bewertung wurde erfolgreich aufgenommen, DEINE
Punktzahl hat sich um ... erhöht.“
So
was wirkt zwar nicht besonders professionell, aber es gibt halt wichtigere
Probleme, die es zu lösen gilt.
Nebenbei
streitet man sich seit Äonen, ob man das Punktesystem nicht ganz abschaffen
oder überarbeiten sollte.
Die
Server sind – nicht zuletzt aus weiter o.g. Gründen permanent überlastet.
Die
vielen kleinen Problemchen werden erst Wochen lang in den Foren diskutiert,
dann wird ein Machtwort gepostet, in dem es heißt, man würde alles weitere
intern – ohne Mitspracherecht der User entscheiden.
Dies erscheint durchaus vernünftig, da die meisten dieser User nur mit Mühe
ihren eigenen Namen richtig schreiben können und Rhetorik für einen
griechischen Gott halten, jedoch wird dieses Machtwort bei jedem der Problemchen
neu gepostet.
Fragt sich warum. Man entfacht auf diese Art zunächst immer wieder dieselben
Threads mit immer gleichen Protestpostings,
anstatt die Kinderlein vor vollendete Tatsache zu stellen – was letztendlich
ohnehin geschied.
Dieser
ganze Vorgang wirkt ein bisschen wie eine Trainingsmaßnahme für die CXe.
“Wie bewältige ich Konflikte?“
So gesehen kann man der Sache einen gewissen Sinn nicht absprechen,
denn im Umgang mit Menschen haben die gerne Gott spielenden Offiziellen
ebensoviel zu lernen,
wie die pubertierende, „menschwerdende“ Userschar in Sachen Eloquenz und
Allgemeinbildung.

Fragt sich, wieso sich STERN.de in dieses
Chaos-Portal einklinkte.
Wer
bei der inoffiziellen „Vorstellung“ des stern.de – Chef-Reds im
portaleigenen Chatraum dabei war,
konnte als Argument lesen, dass SN gut zum Gesamtkonzept des
Stern-Internetauftritts passe.
Wer
den Wandel des Sterns als Gesamtmedium in den letzten 1½ Jahrzehnten beobachtet
hat, kann dem sogar auf halber Linie zustimmen.
Der Stern in seiner Printversion war ein äußerst ernstzunehmendes – und vor
allem meinungsbildendes Organ im deutschen Blätterwald.
Dass
„der stern auch anders kann“ wurde um 1989/90 beschlossen und – zum
Bedauern vieler auch in die Tat umgesetzt.
Das ehemals zeit- und sozialkritische Blatt mutierte nach und nach zu einem
Ja-Sager – Magazin in Springer-manier.
Viele der damaligen Redakteure machten zwar noch den Umzug von der Hamburger
Warburgstrasse zum Baumwall mit,
nahmen aber irgendwann resigniert den Hut.
So wurde das Blatt nicht nur im Hinblick auf die Leserklientel, sondern auch
innen nachhaltig umgekrempelt,
und diese Entwicklung wird konsequent fortgesetzt.
So
gesehen ist die Kooperation mit SN nur ein weiterer logischer Schritt in
Richtung „Bla-Bla – Journalismus“.
In seichtem Wasser kann man nicht absaufen, aber auch leider auch nicht allzu
tief tauchen.
In
dieser gesichtslosen Zeit scheint dieses Konzept allerdings aufzugehen.
Kurz,
knapp, bedeutungslos . . .
. . . zum Glück gibt´s Alternativen!