Der
Weg zum Zahnarzt der Behörden
So,
jetzt geht´s mir besser!
Es
geht doch nichts über ein ordentliches Frühstück –
auch wenn es für ein Frühstück noch viel zu früh ist, so 20 nach 12.
Aber es gibt Tage, da lässt es sich nicht vermeiden, dem Tag in sein hässliches
Angesicht zu blicken.
Ich mache dann meist die Nacht durch, weil ich das Klingeln eines Weckers
entweder ignoriere
oder den Wecker für immer zum Schweigen bringe.
Na ja, meist Letzteres.
Ich
sitze hier also vor meinem improvisierten Frühstück,
bestehend aus zufällig bei Penny gefundenen frischen Brötchen und einigem zum
drauf legen.
So frisch, dass sie noch nicht richtig abgekühlt waren.
Und der Duft von frischem Weißbrot, ganz egal ob französisches Meterbrot,
Fladenbrot oder einer ganz ordinären Schrippe,
hat etwas betörendes, ja - inspirierendes.
Meine Inspiration war, für die Dinger ein bisschen Gesellschaft zu besorgen.
Etwas Schafskäse und diese ungeheuer scharfe Salami vom Türken im Erdgeschoss.
Zusammen mit einem vernünftigen Kaffee
(ja KAFFEE, nicht dieses gottverdammte Abwaschwasser, das einem in all den
Hotels & Kaschemmen zugemutet wird,
die man im Laufe seines Lebens kennen – und verachten lernt),
also einem Kaffee mit mindestens zwei Esslöffeln frisch Gebrühtem pro Tasse,
könnte dieser angebrochene Tag vielleicht doch noch dazu dienen, ein paar
andere, lange aufgeschobene Dinge zu erledigen.
Irgendwie
mag ich diese Spätherbstzeit nicht, oder besser: ich verachte sie zutiefst.
Vor
zwei Jahren eskalierte der Zustand meines maroden Magen -Darmsystems komplett,
während solch einer Epoche.
Der ständige Psychokrieg mit meiner damaligen Lebensabschnitts-Kratzbürste
ging mir dramatisch auf die Nüsse, bis mein Magen den Befehl gab, den
kontrollierten Rückzug anzutreten.
Seitdem ist aus dem üblichen Frust eine handfeste Aversion geworden, wenn der
Himmel über Monate grau bleibt.
Wenn ich schon tagsüber wach bin, will ich gefälligst Sonne sehen!
Vor
einigen Monaten kam eine Mahnung vom Finanzamt.
Irgendwas stimmte angeblich bei meiner Steuererklärung nicht.
Da ich eine erste Mahnung seit jeher nicht sonderlich ernst nehme, kam vor
einigen Wochen eine Zweite.
Man merkte am etwas schärferen Ton, dass es diese Wegelagerer im Dienste des
Staates durchaus ernst meinten
und so blieb mir nichts anderes übrig, als ein paar Belege zu besorgen,
einzuscannen und zu bearbeiten,
bis der Fehler behoben war.
Drei Wochen dauerte dieser Spaß, denn es erwies sich immer schon als schlauer,
möglichst korrekt zu arbeiten, wenn es um Staatsdienste geht.
So
gegen ½ 11 begab ich mich dann also auf den Weg zum Zahnarzt unter den Behörden.
Mies gelaunt, nach 1½ Nächten ohne Schlaf marschierte ich zur U-Bahn
(dass der Bus vor der Haustür einem an solchen Tagen vor der Schnur wegeiert,
muss ich sicher niemandem erzählen).
Die U-Bahn war angenehm halbvoll, denn die Büro-Mufties waren schon in der 2.
Frühstückspause
und die Gören wahrscheinlich zu Tode gelangweilt und in der Nase popelnd in
ihren Umerziehungslagern.
Das einzige was sich in der Bahn umherkutschieren lies, war ein Haufen farbloser
Gestalten,
die vor 20 Jahren wahrscheinlich genauso ausgesehen hätten.
Ich kam mir vor wie in einer Zeitmaschine –
zurückgeschossen in die frühen 80er und war kurz davor, die Notbremse zu
ziehen,
um ein bisschen Schwung in den lahmen Haufen zu bringen.
Zum
Glück hatte ich meine „Hallo-Wach-Disc“ im MD-Player.
Dieser Mix wirkte Wunder. Jeder der Musik zu schätzen weiß,
kennt jene Seratonin-Schübe, die die richtigen Tonfolgen zur richtigen Zeit
auslösen.
Diese MD war ein Mitschnitt irgendeines Sets irgendeiner Party.
Ich weiß nur, dass ich in jener Nacht die ohnehin schon recht hastigen Tracks
noch ein wenig hochgepitched hatte,
um den Party-Fraggles den Rest zu geben.
Es fing so bei 140bpm an und passte prima zu meiner Stimmung:dumpfer,
unmelodischer Acid-Trance.
Ich schloss die Augen und lies mir von diesen abstrusen Klängen ein wenig die
Synapsen verknoten und stellte mir vor,
wie ich diesen Sound in all diese langweiligen Schädel projizieren würde,
immer lauter, immer massiver, so lange, bis deren verdammten Eierköpfe endlich
begannen im Takt zu wippen
und zu wackeln bis ihnen ein Licht aufginge und sie merken, wie verdammte räudig
ihr blasses Dasein doch war.
Zwei
Stationen weiter.
Ein paar der Gestalten wurden durch andere ausgetauscht.
Der Beat lag nun bei 148bpm und meine Schaltzentrale entschied grad,
dass zum Seratonin noch ein wenig Adrenalin gehört um den Kopf so richtig in
Schwung zu bringen.
Der Mix macht´s! Das trifft in jeder Situation unserer Existenz zu – immer!
Einmal mehr fragte ich mich, wieso sich so viele Leute zu dieser Musik zu Drogen
einpfiffen
– XTC, Trips, Speed, Koks – am besten alles durcheinander.
Was für ein paar Schwachköpfe, die Musik war mit ein bisschen Phantasie schon
Droge genug.
Aber wer sich permanent die Leitungen verstopft, wird das wahrscheinlich nie
begreifen.
Was soll´s, andererseits waren diese Typen auf Partys immer eine willkommene
Abwechslung:
Lustig anzuschauen und im Hinblick auf Ärger sehr pflegeleicht.
Die
Fahrt über 6 Stationen war im Fluge vergangen und ich stieg aus,
die Hallen
Nun liegt zwischen der Behörde mit dem verbotenen Namen und der Haltestelle
der Schmelztiegel des vorweihnachtlichen Konsumrauschs und mir blieb nichts
anderes übrig,
als mitten durch zu spazieren.
Der Sound war bei 155bpm angelangt und ich ging festen Schrittes und mit
entschlossenem Blick in Richtung Verderben.
Die Leute wuselten umher und durcheinander, als seien sie alle gerade aus einem
Albtraum aufgewacht.
In einem fremden Bett, in einem andern Haus, in einer unbekannten Stadt,
in einem fernen Land. Soviel Planlosigkeit, soviel Rastlosigkeit, soviel
Konsumgeilheit in all den Gesichtern.
Es hatte etwas Surreales.
Ich musste an Kafka denken und an Bilder von Max Ernst.
Ein gern zitierter Satz von Wolfgang Joop fiel mir ein: „Diese
Modejournalistinnen sehen kollektiv schlecht gevögelt aus!“
Gut
erkannt, Wolle!
Und all diese verhärmten Muttchen mit Männe und Teppichratten im Schlepptau
sahen aus, wie kollektiv gehirngewaschen.
Allerdings mit weit fragwürdigeren Methoden, als dem täglichen
Fernsehprogramm.
Mir kamen üble Trash-Filme in den Sinn,
wo böse Russen im allerfernsten Osten Stromstösse durch böse Amerikaner
jagten.
Ich dachte an die eine „Simpsons“-Folge, wo Homer, Bart & Konsorten
im Rahmen einer Studie sich gegenseitig ein paar Volt verpassen konnten.
Im übertragenen Sinne taten diese armen Einkaufsschweine genau das Gleiche.
„Oh Gott, was tu ich nur, wenn Werner´s Geschenk wieder 75.- teurer war? –
WAS ???“
Und dann erst diese grausamen Bälger, die ihren leidgeplagten Eltern schon seit
dem Spätsommer
mit irgendwelchen neuen Aktionfiguren und Plem-Plemdo-Spielen in den Ohren lagen.
Ein
phantastisch gelungener Übergang auf der Disc sagte mir,
dass mein Leben gar nicht so beschissen war und ich beschloss,
mir dieses enorm erheiternde Getümmel noch ein wenig anzusehen.
160bpm – rising!
Am
Anfang der langen Einkaufstraße stand dieses 6stöckige Saturn-Gebäude.
Es war äußerst erbauend, all diese Freddies zu beobachten,
die sich dort an den Schaufenstern ihre Nasen plattdrückten.
Es gab 3 Kategorien:
die Väter, die dort die Digi-Cam (oder was auch immer) ihrer Träume sahen,
aber angesichts ihrer gierigen Weiber und dreisten Gören niemals in der Lage
sein würden,
diesen Traum in Erfüllung gehen zu lassen. ---
die
Gören, die dort all diese tollen neuen kleinen Spielzeuge sahen,
wie Discmen in allen Formen und Farben, diese neuen tragbaren MP3-Player,
Computer, Play-Stations und weiß der Teufel, aber haargenau wussten,
dass der unlängst arbeitslos gewordene Vater zum Fest der Liebe
bestenfalls die Mama nur bewusstlos schlägt und nicht krankenhausreif ---
und
die
„einsamen Wölfe“, jene Kleinanzeigen-Casanovas, die sich besonders zu
dieser erbaulichen Zeit
ihre krummen Wichsgriffel wund schrieben, hoffend irgendeine Schickse würde
sich
ihrer erbarmen und man könne so über die Feiertage ein paar Kühlschränke
leer fressen,
etwas Heizöl oder Brennholz sparen und das ganze Ereignis noch mit einem guten
Fick krönen.
Aber
die Welt ist hart, besonders im Herbst. Langsam in Schwung kommend, sinnierte
ich vor mir her,
wissend, dass deren Wünsche nie die Entwicklungs-Phase eines Gedankens übersteigen
würden.
Träume
sind Schäume! Ein Satz voller elementarer, niederschmetternder Wahrheit.
Mich wunderte, dass dieser Satz voller Pathos nicht eines jener Camps zierte,
an deren Toren sonst solch unzutreffender Schwachsinn stand, wie:
„Arbeit macht frei“ – wovon sollte Arbeit denn frei machen?
Von guter Laune?!
Na ja, scheiß drauf – jedem das Seine!
Wie
heile eine Welt doch sein konnte, wenn man sich nichts vormacht.
165bpm und das Amt mit dem unaussprechlichen Namen rückte näher.
Ich
hatte noch gut 15 Minuten Zeit und plötzlich sah ich das erste offenbar glückliche
Paar an diesem Vormittag.
Die beiden kamen aus einem Elektronikfachhandel und hatten sich offenbar einen
dieser Komplett - PCs gekauft.
Ich konnte mir ausmalen, wie lange dieses junge Glück noch Bestand haben würde,
wenn man erst einmal das Netz und seine Tücken entdeckt hatte.
All diese wunderbaren Chatrooms für alle nur erdenklichen Perversionen.
Wie oft die beiden wohl aneinander geraten würden in absehbarer Zeit,
wenn sich die verschiedenen Interessen erst einmal herauskristallisiert haben
und es von Tag zu Tag weniger Spaß bringt, zu zweit vor dem Monitor zu hocken.
Ich
erinnerte mich an ein befreundetes Paar, dass sich über einen dieser Sabbel - Räume
kennen – und lieben gelernt hatte.
Sie hatten sich dann nach 1½ Jahren vorbildlicher Leidenschaft entschlossen,
das Ersparte in einen Topf zu schmeißen und in eine Eigentumswohnung zu
investieren.
Natürlich kamen nur etwa 15% zusammen und man entschied sich den Rest in Raten
statt Miete abzustottern.
Wer von den beiden heute noch in der sauteuren Bude lebt, weiß ich nicht,
denn nach ihrem Umzug hatte sich das seltsame Paar von der Clique abgesondert
und wurde zusehends sonderbarer.
Erst ein Anruf von Ihm unterrichtete mich (und die anderen) von jenem
verheerenden Streit, der „sein Leben zerstörte“.
Schadenfreude
ist die beste Freude, daran wird sich so schnell nichts ändern.
So
viele jener absehbaren Zukünfte latschten mir entgegen und mit dem 165bpm
„Soundtrack of their Lifes“ im Ohr,
hat man den Lauf deren kommender Leben schnell in ein Storyboard
zurechtgesponnen.
Der
Tag begann mir immer besser zu gefallen, auch wenn das Unvermeidbare näher rückte.
5
vor 12!
High-Noon in den Hallen des Grauens.
Ich fühlte mich wie in diesem hochgradig kafkaeskem Film „Brazil“.
Zusammen mit meinem „Soundtrack“ war das ein Gefühl zwischen latenter
Beklemmung und einer erhabenen Überlegenheit.
Absolut schizophren und völlig absurd – normal eben für diese Tageszeit.
Im
zweiten Stock angekommen, ging´s instinktiv zu jenem Büro das ich nun seit
Jahren kannte.
Niemals waren dort Wartende, ich ging dort immer hin, beantwortete ein paar
dusselige Fragen,
gab meine kunstvoll frisierten Belege ab und verschwand.
Bis auf heute! 5 dieser farb – und leblosen Gestalten aus der U-Bahn hatte die
kleine Zeitmaschine offenbar hierhin katapultiert.
Ungläubig starrte ich die Blutleeren an, aber es lies sich nicht leugnen, die
warteten auch.
Ich
ärgerte mich, das Notebook nicht mitgenommen zu haben.
Nicht dass das dämliche Geglotze sonderlich erbauend ist (es ist extrem
erbauend),
ich hätte einiges erledigen können, während ich aufgrund des willkürlichen
Staatsterrors meine kostbare Zeit vertrödelte.
Wertvolle Minuten tropften vor sich hin und mein Mix begann seinen Zenit hinauf
zu klettern
– 168bpm –
die Musik war geprägt durch diese massive, kickende Roland TR 909
Bass-Drum.
Das war nicht die Mutter aller Drumcomputer, sondern die noch viel begabtere
Tochter.
Die Hi-Hats hatten ein hörbares Problem, mit dem Tempo Schritt zu halten.
Außerhalb meiner Stöpsel muss sich das so angehört haben, wie ein Sack voller
Vipern
und genau so sahen mich die anderen Wartezimmer-Sklaven auch an.
Die wollten´s offenbar wirklich wissen.
Jedes mal, wenn mich eine dieser Leichen mit strafendem Blick musterte,
starrte ich zurück und versuchte dieses „Na-komm-doch-du-mieses-Arschloch –
Flackern“ in die Augenwinkel zu legen.
Scheinbar war das von Erfolg gekrönt, denn alle sahen nach ein paar Sekunden
pikiert zu Boden, mit einem Gesichtsausdruck,
als hätte ich bei einer goldenen Hochzeit auf´s kalte Büffet gepisst.
Es gibt schon putzige Waffen um die Zeit tot zu schlagen.
Das
obligatorische „Verhör“ dauerte knapp 3 Minuten.
Meine Belege wurden anstandslos hingenommen und ich hatte für ein weiteres Jahr
meine Ruhe vor diesen Parasiten.
“Erleuchtung ist eine Frage der Software“, hatte die einzigartige Mariko
Mori – diese phantastische japanische Foto-Designerin
- einmal gesagt.
Recht hatte sie – auch wenn meine kleinen Unikate weder nach Kunst noch nach
Erleuchtung aussahen.
Zurück
ins Viertel hieß es nun also.
Mir den Konsumdrang meiner pervertierten Mitmenschen noch einmal anzutun, stand
nicht auf dem Plan,
also machte ich mich schnurstracks auf den Weg Richtung Heimat-Ghetto.
Da es an Lungenbrötchen fehlte, war der Weg durch die innenstädtische Drogenhölle
der kürzeste Weg dorthin.
Die Giftszene am Hauptbahnhof ist ein inspirierendes Fleckchen Großstadt.
Man könnte meinen, Tom Savini, der Mann der in George Romero´s
„Zombie“
neben seiner Nebenrolle und vielen Stunts auch für die Special-FX sorgte,
hätte hier ein paar Polaroids geschossen, um nach diesen Modellen dann das
Make-up für die Untoten zu entwerfen.
Wenn´s einem ein mal so richtig miserabel geht, wirkt ein Spaziergang durch
diese Gestalten besser,
als jedes sündhaft teure Antidepressivum.
Nur – mir ging´s keineswegs miserabel, also besorgte ich Fluppen und ging in
Richtung U-Bahn weiter,
quer durch dieses ganze Feld von Langzeitüberlebenden des wohl verheerendsten
Hobbys unserer Zeit.
Irgendwie
schien das mein Tag zu sein!
Kaum aus der Wandelhalle raus, wieder unter glasüberdachtem Himmel,
kam eine halbe Hundertschaft Bullen im Stechschritt angestiefelt und begann, die
Junkies zu umstellen.
Fein, endlich ein paar passende Shots für dieses gottverdammte Innen-Cover
für diese
Eine kleine Digi steckt immer in der Jackentasche.
Stellen Sie sich vor, eine Boeing räumt beispielsweise das SAS Radison Plaza
– Hotel ab,
oder sonst ein denkwürdiges Gebäude und ich stünde da, ohne das für die
Nachwelt festhalten zu können
(hast du keine Digi in Tasch, kuckst du nur). Ich wäre dann für den Rest
dieses Lebens traumatisiert.
Wahrscheinlich würde das Trauma sogar für die nächsten drei Leben reichen.
Ungefähr
so wie Onkel Karl, der seit 38 Jahren dieselben Zahlen tippt und am Tage, als
sie dann endlich gezogen werden,
feststellen muss, dass er den verfluchten Zettel verloren hat.
So was DARF einfach nicht passieren!
Deswegen steckt neben der kleinen Digi auch immer noch ´ne Packung
Ersatzbatterien.
Den Uniformierten hingegen schien meine Spontanität eher zu missfallen.
Einer der in Kampfanzüge gewandten SEK-Fraggles kam mit aufrechtem Gange auf
mich zu, eher zornig als mürrisch war sein Blick zu deuten.
Aber anstatt mir auch gleich die Arme auf´s Kreuz zu schnallen, fragte er mich,
WAS ich denn hier tue!
Einen Augenblick lang spielte ich mit dem Gedanken, einen dämlichen Spruch zum
Besten zu geben, so etwas wie:
„Ich warte auf deine Mami, die trifft sich hier immer mit ihren Freiern
und heut gab´s Sozialhilfe!“
Aber dann besann ich mich auf meine heilen Knochen und sagte: „Nüühüüchts!“
Der Uniformierte fragte nach einem Presseausweis,
aber ihm meine Verarsche-Card von der ‚Blöd-Zeitung’
zu zeigen,
wäre höchstwahrscheinlich auch die falsche Option gewesen, also sagte ich dem
guten Sheriff, dass ich so was verwerfliches nicht besitze.
Es kam, wie es kommen musste. Der SEKommander streckte mir fordernd seine Rechte
entgegen und rief: „Den Film!“
Weil
ich nie viel Interesse daran hatte, mir irgendwann meine Rechte vorlesen zu
lassen und noch weniger,
mir 2 – 3 mal die Woche einen neuen Speicherchip zu kaufen, hatte ich immer
einen uralten unbelichteten Film einer uralten,
längst verlorenen Pocketkamera in der Tasche.
Zusammen mit der Cam nahm ich diese alte Film-Kassette nun raus, friemelte etwas
an der Cam
und überreichte dem triumpfierenden Gesetzeshüter das Teil.
Mit einem Gesicht, so traurig, so maßlos enttäuscht, wie ein Mensch nur sein
kann, dem die Grundlage seines Schaffens entzogen wurde.
Ich durfte gehen.
Die Rückfahrt nach Hause war erholsam und ruhig und bei Penny gab es frische, noch warme Brötchen . . .