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Das
Rätsel |
"Da
merkte er wohl, daß er zu dem Hause einer Hexe gekommen war, doch
weil es finster wurde und er nicht weiter konnte, sich auch nicht
fürchtete, trat er ein." |
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| e
Abreise (-n) - departure
bei Anbruch der Nacht (des Tages) - at nightfall (day- break)
anreden - address
berauben - rob
bereiten - prepare
r Biß (Bisse) - bite
brauen - brew
e Dunkelheit - darkness
festschnallen - buckle securely
geraten (ä; ie, a) in (auf) (w/ acc.) - come into (upon) |
s Getränk (-e) -
drink, beverage
s Gift (-e) - poison
heftig - vehement; intense
hinstürzen - fall down
e Kohle (-n) - coal
e Kunst (¨-e) - art
r Lehnstuhl (¨-e) - reclining chair
mitnehmen (nimmt mit; a, mitgenommen) - take along
r Mörder (-) - murderer
nachlaufen (äu; ie, au) (w/ dat.) - run after |
spritzen - spray
r Trank (¨-e) - drink, beverage
treiben (ie, ie) - drive; practice (arts, science); carry on
umbringen (brachte um,
umgebracht) - kill
vorsichtig - cautious(ly), careful(ly)
warnen - warn
zubringen (brachte zu; zuge- bracht) - spend, pass (time)
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Es war einmal ein Königssohn, der bekam Lust, in
der Welt umherzuziehen, und nahm niemand mit als einen treuen Diener.
Eines Tages geriet er in einen großen Wald, und als der Abend kam,
konnte er keine Herberge finden und wußte nicht, wo er die Nacht
zubringen sollte. Da sah er ein Mädchen, das nach einem kleinen
Häuschen zuging, und als er näher kam, sah er, daß das Mädchen
jung und schön war.
Er redete sie an und sprach: "Liebes Kind,
kann ich und mein Diener in dem Häuschen für die Nacht ein
Unterkommen finden?"
"Ach ja", sagte das Mädchen mit
trauriger Stimme, "das könnt ihr wohl, aber ich rate euch
nicht dazu; geht nicht hinein."
"Warum soll ich nicht?" fragte der
Königssohn.
Das Mädchen seufzte und sprach: "Meine
Stiefmutter treibt böse Künste. Sie meint's nicht gut mit den
Fremden." |
umherzuziehen:
to rove
niemand als: no one but
Herberge: shelter
zuging: was walking
Unterkommen: lodging
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Da merkte er wohl, daß er zu dem Hause einer
Hexe gekommen war, doch weil es finster wurde und er nicht weiter
konnte, sich auch nicht fürchtete, trat er ein. Die Alte saß auf
einem Lehnstuhl beim Feuer und sah mit ihren roten Augen die Fremden
an. "Guten Abend", schnarrte sie und tat ganz freundlich.
"Laßt euch nieder und ruht euch aus."
Sie blies die Kohlen an, bei welchen sie in einem kleinen Topf
etwas kochte. Die Tochter warnte die beiden,
vorsichtig zu sein, nichts zu essen und nichts zu trinken, denn die
Alte braue böse Getränke. Sie schliefen ruhig bis zum frühen
Morgen. Als sie sich zur Abreise fertig machten und der Königssohn
schon zu Pferde saß, sprach die Alte: "Warte einen Augenblick,
ich will euch erst einen Abschiedsttrank reichen." |
schnarrte: spoke
with a rattling voice
tat: acted
blies an: blew on
Abschiedstrank: parting
drink
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Während sie ihn holte, ritt der Königssohn
fort, und der Diener, der seinen Sattel festschnallen mußte, war
allein noch zugegen, als die böse Hexe mit dem Trank kam. "Das
bring deinem Herrn", sagte sie, aber in dem Augenblick sprang
das Glas, und das Gift spritzte auf das Pferd, und war so heftig,
daß das Tier gleich tot hinstürzte.
Der Diener lief seinem Herrn nach und erzählte
ihm, was geschehen war, wollte aber den Sattel nicht im Stich lassen
und lief zurück, um ihn zu holen. Wie er aber zu dem toten Pferde
kam, saß schon ein Rabe darauf und fraß davon. "Wer weiß, ob
wir heute noch etwas Besseres finden", sagte der Diener,
tötete den Raben und nahm ihn mit. |
zugegen: present
im Stich lassen: abandon
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Nun zogen sie in dem Walde den ganzen Tag weiter,
konnten aber nicht herauskommen. Bei Anbruch der Nacht fanden sie
ein Wirtshaus und gingen hinein. Der Diener gab dem Wirt den Raben,
den er zum Abend- essen bereiten sollte. Sie waren aber in eine
Mördergrube geraten, und in der Dunkelheit kamen zwölf Mörder und
wollten die Fremden umbringen und berauben.
Ehe sie sich aber ans Werk machten, setzen sie
sich zu Tisch, und der Wirt und die Hexe setzten sich zu ihnen, und
sie aßen zusammen eine Schüssel mit Suppe, in die das Fleisch des
Raben gehackt war. Kaum aber hatten sie ein paar Bissen
hinuntergeschluckt, so fielen sie alle tot nieder, denn dem Raben
hatte sich das Gift vom dem Pferdefleisch mitgeteilt. |
Mördergrube:
murderers' den
sich ans Werk machten: began
zu ihnen: with them
gehakt: chopped
hatte sich mitgeteilt: had spread
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| Beantworten
Sie die folgenden Fragen!
1. Wen nahm der Königssohn mit auf seinen Ritt durch
die Welt?
2. Was fragte er das Mädchen, das er gegen Abend sah?
3. Wie antwortete sie auf seine Frage?
4. Warum wollte sie nicht raten, daß der Königssohn
dort übernachte?
5. Warum trat er trotzdem ein?
6. Wovor warnte das Mädchen?
7. Was geschah, als die alte Hexe dem Diener ein
Abschiedsgetränk für seinen Herrn reichte?
8. Was machte der Diener, als er zum toten Pferd
zurückging?
9. Warum gab der Diener dem Wirt den toten Raben?
10. Warum haben die Räuber den Königssohn und seinen
Diener nicht beraubt?
11. Wie war der Rabe vergiftet worden?
| abreißen
(i, -issen) - tear off
abschlagen (ä; u, a) - knock off; cut off (head)
aufschlagen (ä; u, a) - open; break open
ausfragen - interrogate, question
behalten (ä; ie, a) - keep
bekanntmachen - make known, disclose
sich besinnen (a, o) - reflect, consider
blenden - blind |
daransetzen
- wager, bet
zu Ende - over, finished
erraten (ä; ie, a) - guess (correctly); hit upon (answer)
herbeibringen (brachte herbei, herbegebracht) - bring (here,
there)
e Magd (¨-e) - maid
pflegen - attend to, nurse; be accustomed to
s Rätsel (-) - puzzle; riddle
r Richter (-) - judge
e Rute (-n) - rod; switch |
s Schlafgemach (¨-er)
- bedroom
r Teil (-e) - part
vergiften - poison
verkündigen - announce
vorlegen - put forward, propose; present
e Weise (-n) - manner, way;
auf diese Weise - in this way
r Wirt (-e) - innkeeper; host
sich nicht zu helfen wissen (wußte, gewußt) - be at a loss
what to do |
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Es war nun niemand mehr im Hause übrig als die
Tochter des Wirts, die es redlich meinte und an den gottlosen Dingen
keinen Teil genommen hatte. Sie öffnete dem Fremden alle Türen und
zeigte ihm die angehäuften Schätze. Der Königssohn aber sagte,
sie möchte alles behalten, er wolle nichts davon, und ritt mit
seinem Diener weiter.
Nachdem sie lange hergezogen waren, kamen sie in
eine Stadt, worin eine schöne aber übermütige Königstochter war.
Sie hatte bekanntmachen lassen, wer ihr ein Rätsel vorlegte, das
sie nicht erraten könnte, der sollte ihr Gemahl werden. Erriete sie
es aber, so müßte er sich das Haupt abschlagen lassen. Drei Tage
hatte sie Zeit, sich zu besinnen. Sie war aber so klug, daß sie
immer die vorgelegten Rätsel vor der bestimmten Zeit erriet. |
die
es redlich meinte: who was
sincere
möchte: should
hergezogen waren: had traveled
übermütig: arrogant
sollte: would
Erriete sie: If she guessed correctly |
| Schon waren neune auf diese Weise
umgekommen, als der Königssohn anlangte und, von ihrer großen Schönheit
geblendet, sein Leben daransetzen wollte. Da trat er vor sie hin und
gab ihr sein Rätsel auf. "Was ist das", sagte er, "einer
schlug keinen und schlug doch zwölfe."
Sie wußte nicht, was das war. Sie sann und sann,
aber sie brachte es nicht heraus. Sie schlug ihre Rätselbücher
auf, aber es stand nicht darin. Kurz, ihre Weisheit war zu Ende. Da
sie sich nicht zu helfen wußte, befahl sie ihrer Magd, in das
Schlafgemach des Herrn zu schleichen. Da sollte sie seine Träume
behorchen, und dachte, er rede vielleicht im Schlaf und verrate das
Rätsel. Aber der kluge Diener hatte sich statt des Herrn ins Bett
gelegt, und als die Magd herankam, riß er ihr den Mantel ab, in den
sie sich verhüllt hatte, und jagte sie mit Ruten hinaus.
In der zweiten Nacht schickte die Königstochter
ihre Kammerjungfer; die sollte sehen, ob es ihr mit Horchen besser
glückte, aber der Diener nahm auch ihr den Mantel weg und jagte sie
mit Ruten hinaus. |
schlug:
killed
sann: thought
brachte es nicht heraus: didn't figure it out
behorchen: listen in on
verhüllt: wrapped up
Kammerjungfer: chambermaid
ob es...besser glückte: if she had better luck with
listening |
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Nun glaubte der Herr für die dritte Nacht sicher
zu sein und legte sich in sein Bett. Da kam die Königstochter
selbst, hatte einen nebelgrauen Mantel umgetan und setzte sich neben
ihn. Und als sie dachte, er schliefe und träume, so redete sie ihn
an und hoffte, er werde im Traume antworten, wie viele tun. Aber er
war wach und verstand und hörte alles sehr wohl.
Da fragte sie: "Einer schlug keinen, was ist
das?"
Er antwortete: "Ein Rabe, der von einem
toten und vergifteten Pferde fraß und davon starb."
Weiter fragte sie: "Und schlug doch zwölfe,
was ist das?"
"Das sind die zwölf Mörder, die den Raben
verzehrten und daran starben."
Als sie das Rätsel wußte, wollte sie sich
fortschleichen, aber er hielt ihren Mantel fest, daß sie ihn
zurücklassen mußte. |
nebelgrau: fog
gray
umgetan: put on
verzehrten: consumed
daran: from it
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Am andern Morgen verkündigte die Königstochter,
sie habe das Rätsel erraten, und ließ die zwölf Richter kommen
und löste es vor ihnen. Aber der Jüngling bat sich Gehör aus und
sagte: "Sie ist in der Nacht zu mir geschlichen und hat mich
ausgefragt, denn sonst hätte sie es nicht erraten."
Die Richter sprachen: "Bringt uns ein
Wahrzeichen."
Da wurden die drei Mäntel von dem Diener herbeigebracht, und als
die Richter den nebelgrauen erblickten,
den die Königstochter zu tragen pflegte, so sagten sie: "Laßt
den Mantel sticken mit Gold und Silber, so wird's Euer
Hochzeitsmantel sein." |
bat sich Gehör aus:
requested a hearing
Wahrzeichen: sign
|
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| Beantworten
Sie die folgenden Fragen!
1. Was machte der Königssohn mit den angehäuften
Schätzen der Räuber?
2. Was hatte die Königstochter bekanntmachen lassen?
3. Wodurch hatten neun Männer schon das Leben verloren?
4. Was war das Rätsel des Königssohns?
5. Wie versuchte die Königstochter in der ersten Nacht
die Lösung zu bekommen?
6. Warum gelang der erste Versuch nicht?
7. Wen schickte die Königstochter in der zweiten Nacht?
8. Was konnte diesmal der Königstochter
zurückgebracht werden?
9. Wer ging in der dritten Nacht zu dem Königssohn,
und was erfuhr sie dort?
10. Warum verurteilten die Richter den Königssohn
nicht?
11. Was mußte die stolze Königstochter tun?
* * * * *
Worin liegt das Märchenhafte bei
diesem Märchen? Wie würden Sie die Geschichte umschreiben, um sie
realistisch zu machen?
* * * * *
In einigen Märchen kommt es vor,
daß eine übermütige Frau die richtige Demut lernt. Inwiefern ist dieses
Motiv auch im "Rätsel" vorhanden? |
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Getting with Grammar |
For
unreal conditions in present time, one needs the present
subjunctive II. To form the
present subjunctive II of most irregular verbs, one takes the
second-last principal part (narrative past), "umlauts" if
possible, and adds these endings:
| ich -e |
wir -en |
| du -est |
ihr -et |
| er, sie, es -e |
sie, Sie -en |
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Several
prepositions are possible after sterben
to indicate the cause of death, but the most popular is an , e.g.,
sie ist an Krebs grestorben ("she died of cancer").
Vor is used when the dying is only figurative, e.g.,
ich sterbe vor Langeweile ("I'm dying of boredom"). |
| Examples:
ich sähe ginge trüge riefe
du sähest gingest trügest riefest
er,sie,es sähe ginge trüge reife
wir sähen gingen trügen riefen
ihr sähet ginget trüget riefet
sie, Sie sähen gingen trügen riefen |
The present
subjunctive II of regular verbs is exactly the same in form as the
narratrive past. Here is a conditional sentence using present
subjunctive II in both clauses: Wenn ich seinen Vater hätte,
wäre ich auch reich. |
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