German Fairy Tales
Der Wolf und die sieben
jungen Geißlein
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"Dann schnitt sie dem Ungetüm den Wanst auf, und
kaum hatte sie einen Schnitt getan, so streckte schon ein Geißlein den
Kopf heraus, und als sie weiterschnitt, so sprangen nacheinander alle
sechse heraus...." |
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| r
Bäcker (-) - baker
betrügen (o, o) - deceive
r Bösewicht (-e) - villain
bringen (brachte, gebracht) - bring; take
dauern - last; take (time)
erkennen (erkannte, erkannt) - recognize
fressen (i; a, e) - eat (like an animal)
s Futter - fodder; feed
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e Geiß (-en) - she-goat
gleich - (adv.) right away; (adj.) same
jeder - each, every
r Krämer (-) -
shopkeeper
e Kreide -
chalk
lieb haben - love, like
lieblich - lovely
meckern - bleat
s Mehl - flour
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r Müller (-) - miller
e Pfote (-n) - paw
rauh - rough
e Sorge (-n) - care, worry
stoßen (ö; ie, o) - push; hit
streichen (i, i) - stroke; spread
streuen - sprinkle, spread
r Teig (-e) -
dough |
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Es war einmal eine alte
Geiß, die hatte sieben junge Geißlein, und hatte sie lieb, wie eine Mutter ihre Kinder lieb hat. Eines
Tages wollte sie in den Wald gehen und Futter holen, da rief sie alle
sieben herbei und sprach: "Liebe Kinder, ich will hinaus in den Wald.
Seid auf eurer Hut vor dem Wolf. Wenn er hereinkommt, so frißt er euch
alle mit Haut und Haar. Der Bösewicht verstellt sich oft, aber an seiner
rauhen Stimme und an seinen schwarzen Füßen werdet ihr ihn gleich
erkennen."
Die Geißlein sagten: "Liebe Mutter, wir wollen
uns schon in acht nehmen, Ihr könnt ohne Sorge fortgehen." Da
meckerte die Alte und machte sich getrost auf den Weg.
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da rief sie
alle sieben herbei: she called all
seven to her
Seid auf der Hut vor: Be of your guard against
mit
Haut und Haar: completely
verstellt sich: disguises himself
in acht nehmen: take care
fortgehen: leave
machte
sich getrost auf den Weg: set out confidently
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Es dauerte nicht lange, so klopfte jemand an die
Haustür und rief: "Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da
und hat jedem von euch etwas mitgebracht."
Aber die Geißlein hörten an der rauhen Stimme, daß
es der Wolf war: "Wir machen nicht auf", riefen sie. "Du
bist unsere Mutter nicht, die hat eine feine und liebliche Stimme, aber
deine Stimme ist rauh; du bist der Wolf."
Da ging der Wolf fort zu einem Krämer und kaufte sich ein großes
Stück Kreide. Die aß er und machte damit seine Stimme fein. Dann kam er
zurück, klopfte an die Haustür und rief: "Macht auf, ihr lieben
Kinder, eure Mutter
ist da und hat jedem von euch etwas mitgebracht."
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Es dauerte nicht lange, so: It was not long until
ihr lieben Kinder:
(adjectives following the personal pronouns wir and ihr take
the weak adjective ending -en)
fein: delicate
Stück:
piece
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Aber der Wolf hatte seine schwarze Pfote in das Fenster
gelegt, das sahen die Kinder und riefen: "Wir machen nicht auf,
unsere Mutter hat keinen schwarzen Fuß wie du; du bist der Wolf."
Da lief der Wolf zu einem Bäcker und sprach: "Ich
habe mich an den Fuß gestoßen, streich mir Teig darüber."
Und als ihm der Bäcker die Pfote bestrichen hatte, so
lief er zum Müller und sprach: "Streu mir weißes Mehl auf meine
Pfote."
Der Müller dachte: "Der Wolf will einen betrügen",
und weigerte sich.
Aber der Wolf sprach: "Wenn du es nicht tust, so
fresse ich dich." Da fürchtete sich der Müller und machte ihm die
Pfote weiß. Ja, das sind die Menschen.
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Ich habe mich an
den
Fuß
gestoßen: I hit my foot
bestrichen hatte: had coated
einen: someone
weigerte sich: refused
das sind die Menschen: people are like that
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| Beantworten
Sie die folgenden Fragen!
1. Wohin wollte die Geiß eines Tages gehen?
2. Was war ihr mütterlicher Rat an die Geißlein?
3. Wie werden die Geißlein den Wolf erkennen?
4. Wie trösteten die Geißlein ihre Mutter?
5. Wer kam dann tatsächlich nach kurzer Zeit an die
Haustür?
6. Was rief der Wolf, nachdem er angeklopft hatte?
7. Woran erkannten die Geißlein den Wolf?
8. Was kaufte sich der Wolf beim Krämer? Warum?
9. Warum ließen die Geißlein den Wolf immer noch
nicht ins Haus hereinkommen?
10. Warum ging der Wolf jetzt zum Bäcker und nachher
zum Müller?
11. Machten beide Männer gern das, was der Wolf
verlangte?
12. Warum machte es der Müller dann aber doch?
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| e
Bank (¨-e) - bench
e Decke (-n) - cover; ceiling
erschrecken (i; erschrak, o) - be terrified
r Kasten (-) - chest, case, box
s Kissen (-) - pillow
nacheinander - one after another
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niemand - no one
nirgendwo - nowhere
r Ofen (¨) - oven; stove
schlucken
- swallow
r Schrank (¨-e) - cabinet, closet
suchen - look for
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umwerfen (i; a, o) - overturn, upset
(sich) verstecken - hide
e Waschschüssel (-n) - wash bowl
e Wiese (-n) - meadow
sidemen (zog, gezogen) - (tr.) pull; (intr.) move
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Nun ging der Bösewicht zum dritten Mal zu der
Haustür, klopfte an und sprach: "Macht mir auf, Kinder, euer
liebes Mütterchen ist heimgekommen und hat jedem von euch etwas aus dem
Walde mitgebracht."
Die Geißerchen riefen: "Zeig uns erst deine
Pfote, damit wir wissen, daß du unser liebes Mütterchen bist."
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zum dritten Mal: for the third
time
ist heimgekommen: has come home
Geißerchen = Geißlein
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Da legte er die Pfote ins Fenster, und als sie sahen,
daß sie weiß war, so glaubten sie, es wäre alles wahr, was er sagte,
und machten die Tür auf. Wer aber hereinkam, das war der Wolf. Sie
erschraken und wollten sich verstecken. Das eine sprang unter den Tisch,
das zweite ins Bett, das dritte in den Ofen, das vierte in die Küche,
das fünfte in den Schrank, das sechste unter die Waschschüssel, das
siebente in den Kasten der Wanduhr. Aber der Wolf fand sie alle und
machte nicht langes Federlesen: eins nach dem andern schluckte er in
seinen Rachen; nur das jüngste in dem Uhrkasten, das fand er nicht. Als
der Wolf seine Lust gebüßt hatte, trollte er sich fort, legte sich
draußen auf der grünen Wiese unter einen Baum und fing an zu schlafen. |
Küche: kitchen
machte nicht langes Federlesen: made
short work of it
Rachen: throat
seine Lust gebüßt hatte: had satisfied his desire
trollte er
sich fort: he toddled off
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| Nicht lange danach kam die alte Geiß aus dem Walde
wieder heim. Ach, was mußte sie da erblicken! Die Haustür stand
sperrweit auf. Tische, Stühle und Bänke waren umgeworfen, die
Waschschüssel lag in Scherben, Decke und Kissen waren aus dem Bett
gezogen. Sie suchte ihre Kinder, aber nirgendwo waren sie zu
finden. Sie
rief sie nacheinander bei Namen, aber niemand antwortete. Endlich, als
sie an das jüngste kam, da rief eine feine Stimme: "Liebe Mutter,
ich stecke im Uhrkasten." Sie holte es heraus, und es erzählte ihr,
daß der Wolf gekommen wäre und die andern alle gefressen hätte. Da
könnt ihr denken, wie sie über ihre armen Kinder geweint hat. |
danach : after that
heim: home
stand sperrweit (= sperrangelweit) auf: stood wide
open
Scherben: broken pieces
waren sie zu finden: they could be found (in German, the active
infinitive is used with forms of the verb sein as a passive-voice
substitute)
stecke: am
holte es heraus: got it out
gekommen wäre, gefressen hätte: The Grimms, or their sources,
prefer subjunctive II in indirect discourse
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| Beantworten
Sie die folgenden Fragen!
1. Warum machten die Geißlein dem Wolf doch
schließlich auf?
2. Was machten die Geißlein, als der Wolf hereinkam?
3. Fand der Wolf alle sieben Geißlein?
4. Was machte er mit denen, die er fand?
5. Wohin ging der Wolf, als er sich satt gefressen
hatte?
6. Was fand die alte Geiß, als sie nach Hause kam?
7. Wen rief sie?
8. Wer antwortete?
9. Was erzählte das jüngste Geißlein seiner
Mutter?
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| ausschlafen
(ä; ie, a) - sleep one's fill
r Bauch (¨-e) - belly
s Bein (-e) - leg
(sich) bewegen - move (oneself)
sich bücken - bend, stoop
r Durst - thirst
e Freude (-n) - joy
füllen - fill
e Geschwindigkeit (-en) - speed
|
gottlos - godless
lauter - nothing but
am Leben - alive
r Magen (¨-) - stomach
meinen -
mean; think; say
merken
- notice
e Nadel (-n) - needle
nähen - sew
sich regen - move, stir
e Schere (-n) - scissors
|
schleppen - drag, lug, tote
schnarchen - snore
schneiden (schnitt, geschnitten) - cut
r Schneider (-) - tailor
solange - (conj.) as long as
stecken - stick, put; be
strecken - stretch
zittern - shiver, shake, quiver
r Zwirn (-e) - thread |
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| Endlich
ging sie in ihrem Jammer hinaus, und das jüngste Geißlein lief mit.
Als sie auf die Wiese kam, so lag da der Wolf an dem Baum und schnarchte,
daß die Äste zitterten. Sie betrachtete ihn von allen Seiten und sah,
daß in seinem angefüllten Bauch sich etwas regte und zappelte.
"Ach, Gott", dachte sie, "sollten meine armen Kinder, die
er zum Abendbrot hinuntergewürgt hat, noch am Leben sein?"
Da mußte das Geißlein nach Hause laufen und Schere,
Nadel und Zwirn holen. Dann schnitt sie dem Ungetüm den Wanst auf, und
kaum hatte sie einen Schnitt getan, so streckte schon ein Geißlein den
Kopf heraus, und als sie weiterschnitt, so sprangen nacheinander alle
sechse heraus und waren noch alle am Leben und hatten nicht einmal
Schaden gelitten; denn das Ungetüm hatte sie in der Gier ganz
hinuntergeschluckt.
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Jammer: misery
Äste: branches
betrachtete: looked at
Seiten: sides
angefüllt: stuffed
zappelte: wriggled
sollten: is it possible that
Abendbrot: supper
hinuntergewürgt
hat: choked down
schnitt sie dem Ungetüm den Wanst auf: cut open the monster's
belly
kaum hatte sie einen Schnitt getan, so: she had scarcely
made a cut when
heraus (verb prefix): out weiterschnitt:
continued to cut
sechse = sechs
hatten...gelitten: had not even been injured
hatte...hinuntergeschluckt: had in his greed swallowed them whole
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|
Das war eine Freude! Da herzten sie ihre liebe Mutter
und hüpften wie ein Schneider, der Hochzeit hält. Die Alte aber sagte:
"Jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen
Tier den Bauch füllen, solange er noch im Schlafe liegt."
Da schleppten die sieben Geißerchen in aller Eile
die Steine herbei und steckten sie ihm in den Bauch, soviel sie
hineinbringen konnten. Dann nähte ihn die Alte in aller Geschwindigkeit
wieder zu, daß er nichts merkte und sich nicht einmal regte.
Als der Wolf endlich ausgeschlafen hatte, machte er
sich auf die Beine, und weil ihm die Steine im Magen so großen Durst
erregten, so wollte er zu einem Brunnen gehen und trinken. Als er aber
anfing zu gehen und sich hin und her zu bewegen, so stießen die Steine
in seinem Bauch aneinander und rappelten. Da reef er:
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herzten: hugged
Hochzeit hält: is getting married
Wackersteine: large stones
damit: with them
Tier: animal / im Schlafe: asleep
in aller Eile: in great haste
Steine: stones
herbei (verb prefix): there
soviel: as many as hineinbringen: get in
nähte ihn zu: sewed him shut
machte er sich auf die Beine: he stood up
erregten: caused
aneinander: against eath other
rappelten: rattled
|
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"Was rumpelt und pumpelt
in meinem Bauch herum?
Ich meinte, es wären sechs Geißlein,
so sind’s lauter Wackerstein."
Und als er an den Brunnen kam und sich über das
Wasser bückte und trinken wollte, da zogen ihn die schweren Steine
hinein, und er mußte jämmerlich ersaufen. Als die sieben Geißlein das
sahen, da kamen sie herbeigelaufen, riefen laut: "Der Wolf ist tot!
Der Wolf ist tot!" und tanzten mit ihrer Mutter vor Freude um den
Brunnen herum. |
rumpelt und pumpelt herum: rumbles and tumbles around
jämmerlich: miserably
ersaufen = ertrinken: drown
kamen sie herbeigelaufen: they came
running up
um (...) herum: around
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| Beantworten
Sie die folgenden Fragen!
1. Wohin gingen die Geiß und das Geißlein?
2. Was machte der Wolf, als Mutter und Kind ihn
fanden?
3. Was merkten sie, als sie den Wolf genauer
betrachteten?
4. Was mußte das Geißlein von zu Hause holen?
5. Was machte die Geiß mit der Schere?
6. Wie lange mußte sie schneiden, bis das erste
Geißlein herauskam? 7. Wieviele Geißlein waren noch am Leben?
8. Warum hatten die Geißlein keine schweren
Verletzungen?
9. Zu welchem Zweck holten die Geißlein schnell
Wackersteine herbei?
10. Was machte die Geiß mit Nadel und Zwirn?
11. Warum hatte der Wolf so großen Durst, als er
endlich aufwachte?
12. Was geschah, als der Wolf zu gehen anfing?
13. Was versteht der Wolf nicht?
14. Wie ist der Wolf in den Brunnen hineingefallen?
15. Was machten die Geißlein, nachdem sie sahen,
daß der Wolf tot war?
Kurze Aufsätze
Stellen Sie sich
vor, der Bäcker und der Müller
treffen sich am andern Morgen. Schreiben Sie ihr Gespräch!
Was würden Sie
tun, wenn ein sprechender Wolf ins
Klassenzimmer käme?
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Getting with Grammar
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| With most verbs, one uses the present-tense stem (with or without a
final e) as the singular informal imperative (command
form), e.g., Geh(e)! Sing(e)! If the verb stem ends in d
or t, a final e is required, e.g., Arbeite! Rede!
Verbs with a present-tense vowel change from e to i or
from e to ie use the changed vowel in the singular
informal imperative (without final e), e.g., Gib! Lies!
The verb sein has a special form: Sei! All verbs use the
2nd plural present-tense form as the plural informal imperative, e.g.,
Arbeitet! Gebt! Seid! |
The following prepositions
always take accusative objects:
durch - through; by means of
für - for
gegen - against; toward
ohne - without
um - around
wider - against
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