BR Silvia Amreither am 12.6.2002
Mehrsprachig
Wir
alle sind uns darüber einig, dass wirksame Beteiligung von Minderheiten am öffentlichen
Leben wesentlich für friedliches und demokratisches Zusammenleben ist. Jeder
Mensch hat Recht auf Muttersprache, außerdem ist erwiesen, dass man lesen und
schreiben und andre Sprachen nur mit genauer Kenntnis der Muttersprache LERNT.
Mit Steuergeldern wird eine Menge getan, um Minderheitensprachen zu fördern, ein Beispiel dafür sind Förderprogramme zur Übersetzung von Kinderbüchern in Minderheitensprachen. diverse Resolutionen auf EU-Ebene zur Förderung von Minderheitensprachen. Das EP hat eine Arbeitsgruppe für Minderheitensprachen, weiters wurde das Büros for lesser used languages eingerichtet. Auch der Europarat unterhält entsprechende Budgetmittel.
Umgekehrt
Die
Stadt Wien führt unzählige Sprachkurse durch den Integrationsfonds durch,
insbesondere für Frauen und Kinder. Alle Kinder, die es brauchen, werden in
Vorschul-Vorlauf-Gruppen auf die Schule vorbereitet.
Europ.
Sprachenvielfalt nicht nur eine Bereicherung, sondern auch eine Belastung. Durch
erhöhte Gefahr von Ungenauigkeit und Sinnverlust bei Übersetzungen sowie durch
die Kosten. Derzeit wird jede offizielle Amtssprache der EU in alle anderen übersetzt,
das sind 110 mögliche Kombinationen. Die Kosten belaufen sich auf 274 Millionen
EURO jährlich. Ich sage auch, wo das hinführt. Bei 40 Sprachen wären das 1560
Übersetzungsmöglichkeiten, das ist undurchführbar.
Wir
haben in Österreich eine Umgangssprache für ein gemeinsames Leben. Ich
verstehe die lobenswerte Absicht des Grünen Antrages durchaus. Es ist jedoch
auch kontraproduktiv für MigrantInnen, wenn nicht genügend Anreize vorhanden
sind, diese gemeinsame Umgangssprache zumindest zu versuchen, zu verstehen. Sie
würden in weiterer Folge auch den Zugang zu den Informationen in den europäischen
Amtssprachen verlieren und viele haben einfach Probleme im öffentlichen Leben
was Gespräche mit Arbeitgebern, Gespräche in Spitälern oder bei Behörden
betrifft.
Ich
möchte aber auch noch von einer Entwicklung auf EU-Ebene berichten : Ich
zitiere dabei Dr. Warasin, Generalsekretär des Europäischen Büros für
Sprachminderheiten, Brüssel:
„In
Brüssel fällt ein neuer Trend auf, nämlich, nur mehr eine Ausgangssprache zu
verwenden. Es gibt eine vereinbarte Relaissprache, von der aus in alle anderen
übersetzt wird. Die Organisation der Vielsprachigkeit ist nicht nur eine
Budgetfrage sondern auch eine der Kreativität und der
Kompromissbereitschaft.“
Ich möchte
von einem Erlebnis berichten, welches ich anläßlich eines Kinderfestes im
Wopenka-Hof hatte. Wir hatten ein Hufeisenwerfen organisiert. Ein ca. 3-4jähriges
Kind hat sich dem Wurfziel genähert. Ich habe es mehrfach aufgerufen, ein Stück
weg zu gehen, um nicht gefährdet zu sein. Es hat nicht reagiert. Daraufhin ging
ich hin und wollte das Kind wegtragen; es hat sich gewehrt und geschrien. Von
irgendwoher kam dann die Mutter und erklärte mir, dass das Kind kein Deutsch
versteht. Es ist ohne eine gemeinsame Sprache nicht einmal möglich, jemanden zu
warnen. Ein Erlebnis, welches mich sehr nachdenklich stimmte.
Im gemeinsamen Leben sind wir alle auf Kompromisse angewiesen. Diese Kompromißbereitschaft erwarten wir von allen BewohnerInnen dieses Landes. Es ist schließlich zum eigenen Vorteil, sich die landesübliche Sprache anzueignen, keine Strafe. Daher Ablehnung.