BR Silvia Amreither am 12.6.2002
GENDER
BUDGET
In
diesem Antrag werden zwei in der politischen Diskussion relativ neue Themen
miteinander verbunden. Das gender mainstreaming wird wohl vielen ein Begriff
sein, das gender budget in Österreich erst in jüngster Zeit als Thema
aufgekommen.
In
meinen Referaten in der Erwachsenenbildung über die Europäische Einigung freue
ich mich immer, als einen Erfolg des Vertrages von Amsterdam das Gender
Mainstreaming darzustellen, das ähnlich wie der Umweltschutz bedeutet, dass
Gender Fragen in allen Politikbereichen der Europäischen Union Berücksichtigung
finden müssen.
Dies beinhaltet das EU-Recht , Gemeinschaftsinitiativen, insbesondere um den Beschäftigungsbereich, Bildung, Frauenförderprogramme, die Strukturfonds, Frauen in Entwicklungsländern in KMU und die Anerkennung der Frauenrechte nach der Weltfrauenkonferenz. Für die Förderprogramme bedeutet das, dass bei Projekteinreichung Frauenförderung ein Zielkriterium ist.
Unter
der irischen Präsidentschaft sagte der Gleichstellungsminister dass die
Mitgliedstaaten nun eigene Wege der Umsetzung finden sollten. Er betonte weiter,
dass jede Politik wenn sie konzipiert wird, untersucht werden soll, welche
Auswirkungen sie auf Männer und Frauen hat.
Ich
möchte aber hier auch die kritischen Worte von Ex-Frauenministerin Konrad
anbringen, die sagte, mainstreaming sei auch skeptisch zu bewerten, denn wer im
Hauptstrom schwimme anerkenne die vorherrschende soziale Ordnung. Auch die europäische
Frauenlobby befürchtet, dass Frauenförderung im Hauptstrom untergehen könnte.
Ich will damit sagen, dass das zwar toll klingt, aber auch nicht der Weisheit
letzter Schluß ist.
Was
hat das mit dem Budget von Simmering zu tun fragen Sie sich ?
Lokal
bewegen – global verhandeln ist das Schlagwort. Die Feministische Wissenschaft
von der internationalen Politik wendet sich gegen Trennung von Innen- und Außenpolitik.
Sie sieht internationale Politik als Gesellschaftspolitik mit Verankerung in der
Lebenswelt. Gesellschaftliche Verhältnisse gelten als Ausgangspunkt und
Zielpunkt der Neustrukturierung internationaler Politik. Maßgeblich für diese
Denkrichtung ist ein Frauen-Netzwerk der südlichen Hemnisphäre unseres
Planeten namens Development Alternatives with women für a new Era, welches der
Überzeugung ist, dass Politik sich zwar international orientieren muß, diese
aber lokal praktiziert werden muß.
GenderBudget
kann man von der Gerechtigkeits- oder Effizienzperspektive betrachten. Ich möchte
mich mehr der Effizienzfrage widmen, da Gerechtigkeitsfragen wohl allen hier im
Saal ein Begriff sein werden.
Australien
war das erste Land, das über ein Frauenbudget verfügte. Berühmt ist auch die
South African Women’s Budget Initiative und
das alternativ federal budget AFB Kanadas.
Die
Idee eines genderorientierten Budgets geht davon aus, dass es Auswirkungen von
Budgets auf Frauen gibt, nachdem sich Fraueninteressen oft von denen der Männer
unterscheiden. Sie sagt weiter, dass Budgets Einfluß auf die wirtschaftliche
Unabhängigkeit von Frauen haben und fragt danach ob Frauenfragen angemessene
Ressourcen erhalten. Regierungen können zB soziale Dienstleistungen wie
Kinderbetreuungseinrichtungen garantieren, damit mehr Frauen berufstätig sein können.
Wien ist bei Kinderbetreuungseinrichtungen wohl unschlagbar.
Die
Verfechter der Idee eines genderorientierten Budgets gehen davon aus, dass bei
einem genderneutralen Budget wirtschaftliche und soziale Zielsetzungen der
Budgetpolitik verfehlt werden. Sie gehen weiter davon aus, dass die unbezahlte
Arbeit oder sogenannte Versorgungsökonomie ebenso ein Teil des
Wirtschaftskreislaufes ist wie die Privatwirtschaft und die staatliche
Dienstleistungsökonomie.
Damit
meint man zB, es ist ein Unterschied ob jemand bei einem privaten Unternehmen
als Baby-Sitter angestellt ist, ob er im Staatsdienst ist oder ob jemand
unentgeltlich nach Kindern schaut. Die unentgeltliche Arbeit scheint in der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht auf und wird daher bei politischen
Entscheidungen nicht mitgedacht.
Man
geht indirekt davon aus, dass diese menschliche –meist weibliche - Leistung
uneingeschränkt zur Verfügung steht. Da das nicht so ist, hat es negative
Auswirkungen auf Marktwirtschaft und öffentlichen Sektor.
ZB
können Auswirkungen sein: schlechte Gesundheit, Stress, niedrige Produktivität.
Von einem gewissen Punkt an sind also Investitionen in dieser Versorgungsökonomie
nötig. ZB anständig bezahlte Jobs in dem Sektor.
Das
erreicht man zum Großteil nur über staatlicher Leistungen. Durch überzogene
Budgetkürzungen die nicht auf zyklische Vorgänge eingehen, werden diese
staatlichen Leistungen in die unentgeltliche Versorgungsökonomie verschoben wo
sie statistisch verschwinden. Überzogene Budgetkürzungen können verhindern,
dass Menschen in der Versorgungswirtschaft ein Minimum an sozialer Sicherheit
haben.
Sie
bringen aber Nutzen für Staat und Privatwirtschaft. Wie effizient nun
Ressourcen genutzt werden, hängt also auch davon ab, ob man unbezahlte Arbeit
in Budgets einbezieht. Tut man das nicht, können menschliche Ressourcen erschöpft
und soziale Rahmenbedingungen verschlechtert werden. Denn das soziale Netz lebt
von der Aufrechterhaltung unbezahlter Frauenarbeit.
Budget
soll also untersucht werden auf Auswirkungen auf unbezahlte Arbeit, ob Geld für
Projekte ausgegeben wird, die sich speziell an Frauen und Mädchen richten, ob
Geld für Chancengleichheit bereitgestellt wird –zb Kinderbetreuung, ob Geld für
die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen zb im Bildungsbereich ausgegeben
wird. Von besonderem Interesse sollen für uns Frauen sein, die benachteiligt
sind. Migrantinnen, und verarmte Frauen. Gender-Budgetfragen sind weiters auch
daran zu messen, wie Entscheidungen über Prioritäten zustande kommen.
Um
zwei Details herauszunehmen, Simmering zeigt besonders in letzter Zeit seine
spezielle Priorität für Kinderbetreuungseinrichtungen und auch der Mädchengarten
sei hier erwähnt.
Zu
überlegen gilt ein Einbezug von Ökonomen und ForscherInnen sowie in diesem
Bereich engagierten NGO’s. und die Möglichkeit eines Koordinationskommitee für
genderorientierte Vorschläge.
Da es sich wie eben dargestellt um eine komplexe Materie mit einem gewissen Novitäts-Charakter handelt, die auch finanziell zu diskutieren ist, ersuche ich im Namen meiner Fraktion um Zuweisung in den Finanzausschuß.