| Ingo Taubhorn:
VaterMutterIch
work in progress
Fotografien
19. November 1999 - 12. März
2000
Wir
zeigen eine Installation mit Fotografien des in Berlin lebenden Künstlers
Ingo Taubhorn unter dem Titel "VaterMutterIch".
1986 erschien Taubhorns Buch "Mensch
Mann". Eine Bestandsaufnahme männlicher Identität in der Bundesrepublik
Deutschland. Taubhorns Interesse an Nacktheit ist jedoch verbunden mit
einem Interesse an Biografien.
Die Werkgruppe "VaterMutterIch" fokussiert
nun den Blick auf die eigene Familie, die biologische Familie, der Ingo
Taubhorn entwachsen ist. Dabei findet er in seinen Eltern zwei vorzügliche
Darsteller. Im März 1994 stirbt der Vater.
"Die
Bilder der Eltern sind ungewöhnlich genug: eine aufmerksame, analytische
Fotografie, wach für Symbole und Metaphern. Das Projekt hat aber eine
zweite Hälfte, nämlich sein schwules Leben in Berlin. Taubhorn
feiert aber nicht das schwule Leben, sondern schildert die ihm wohlbekannten
Riten aus mittlerer Distanz. Er entdeckt, dass die Gruppe im Park sich
gebärdet wie eine Familie. Er registriert, dass manche Paare quasi
Ehen führen. Und er schildert die lüsterne Vibration der jungen
Männer mit derselben Treue zum Detail wie ihren Hang zum sexuellen
Exzess. Dabei vermischt Ingo Taubhorn die Bilder der biologischen Familie
und der Wahlfamilie. Indem Taubhorn den Tod des Vaters erzählt, negiert
er das Bedürfnis nach dem fortwährend "jungen" schwulen Leben
und dem stereotypen Kreislauf von Bildern, das damit einhergeht. In dem
Wunsch, dass die Kernfamilie und die Wahlfamilie zusammengehören,
ist auch die Frage des Zusammenhangs von Leben und Werk verborgen. Wie
andere Künstler vor ihm, erkennt Ingo Taubhorn die prägende Macht
der Kindheit; anders als viele andere Künstler, spiegelt er das vorstädtische
Milieu der Eltern in das urbane Milieu, das seine künstlerische Arbeit
möglich macht." (Ulf Erdmann Ziegler in "Die Macht des Alters" 1998)
In
der Ausstellung "Die Macht des Alters - Strategien der Meisterschaft" im
Kronprinzenpalais (DHM) zeigte Taubhorn 1998 (z.Z. in der Galerie der Stadt
Stuttgart bis 28.11.99) erstmalig 28 Bilder seiner Werkgruppe in einer
Rauminstallation. Ein Jahr nach der Berliner Premiere versteht sich die
Präsentation Taubhorns im Schwulen Museum Berlin als Wiederaufnahme
und Ergänzung es immer noch wachsenden Projektes unter dem Titel "VaterMutterIch".
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