Phönix
Nur ein einziger Vogel besamt und erneuert sich selber, Die Assyrer nennen ihn Phönix, nicht Früchte noch Kräuter Nähren ihn, sondern der Saft von Amonum und Tränen des Weihrauchs. Wenn nun dieser sein Leben auf fünf Jahrhunderte brachte, Baut er auf Eichengeäst oder Gipfeln schwankender Palmen Sich ein Nest mit den Krallen und rein erhaltenem Schnabel. Wenn er dann Cassia sich und die Ähren geschmeidiger Narden Untergestreut und zerstoßenen Zimt mit gelblichen Myrren, Setzt er sich oben darauf und endet in Düften sein Leben. Dann, so berichtet die Sage, entsteht aus dem Leib des Vaters Wieder ein kleiner Phönix, um gleichviel Jahre zu leben.-- Ovid
Ovid berichtet, dass der Phönix aus Assyrien kommt, Konrad von Megenburg meint wiederrum, er komme aus Arabien; was ist nun wahr? Fakt ist, dass es chinesische (Fêng-Huang), japanische (Ho-oo), russische, ägyptische (Benu) und indianische (Firebird) Legenden um diesen Feuervogel gibt (dazu mehr am Ende des Artikels). Aber alle diese Varationen haben eine enge Verbindung mit dem Feuer und/oder der Sonne. Einer der Ersten, die über den Phönix schrieben war Solinus:"... Der Phönix ist ein Vogel aus dem Land Arabien ... er lebt dreihundert und vierzig Jahre ... hat die Größe eines Adlers ... trägt auf dem Kopf eine Krone (wie ein Pfau) und hat einen faltigen Schlund ... Am Hals ist er goldig, am Hinterleib purpurroth gefärbt. Sein Schwanz ist wachsgelb mit untermischten, wunderbar schillernden rosenrothen Federn. Wenn ihn das Alter drückt, sucht der Phönix im Osten den schönsten Baum auf den höchsten Bergen in der Nähe einer sehr anmutigen Quelle, und baut auf dem Baum sein Nest von Weihrauch, Myrrhe, Zimt und anderen kostbaren Gewürzen und Kräutern. Wenn dann die Sonne ihre Hitze auf das Nest ausstrahlen lässt, so fächelt der Phönix mit seinen Fittichen so lange, bis die angehäuften Kostbarkeiten in Brand geraten. Dann legt er sich in das Feuer und verbrennt. Nach einigen Tagen entsteht aus der Asche ein kleiner Wurm, der Flügel bekommt. Daraus wird ein vollkommener Phönix ..." Konrad von Megenburg erzählt weiter eine Geschichte von Isidorus: "Es sei vordem ein Phönix in die egyptische Stadt Heliopolis geflogen, im Monat Adar, das ist im April, dem nächsten Monat vor dem Mai. Auf seinen Flügeln trug er allerlei edle Kräuter und Gewürze und liess sich auf einen Holzstoss nieder, den die Priester zu einem Opfer gesammelt und angezündet hatten. Da verbrannte er sich zwischen den kostbaren Specereien, die er auf den Flügeln mitgebracht hatte. Am Tage nachher kam der Priester zum Altar und fand das Holz verbrannt. Als er die Asche besah, fand er darin einen kleinen Wurm, der einen höchst angenehmen Geruch verbreitete. Tags darauf war das Würmchen zu einem Vogel geworden und am dritten Tag zu einem Phönix ausgebildet, der davon flog."-- Konrad von Megenburg
Besonders daran ist, dass alle Varationen des Phönix gleich oder zumindest sehr ähnlich aussehen, nämlich wie ein Adler mit goldenen Federn (nur die chinesischen Art ist ist fünffarbig). Ausserdem wird ihm ein schöner Gesang nachgesagt. Der Phönix erreicht ein hohes Alter; je nach Quelle 500 Jahre, 540 Jahre, 1000 Jahre, 1461 Jahre oder auch 12 994 Jahre. Der Phönix, wie er in unserem Kulturkreis bekannt ist, verbrennt wenn er stirbt und es steigt aus der Asche wieder empor. So wurde der Phönix zum Symbol der Wiederauferstehung und der Erneuerung und darin erst viele Jahre später von dem Kreuz abgelöst."Bey den Arabischen wird der Vogel Phönix beschrieben in der Grösse eines Adlers/ mit einem schweren harten Kopff/ wie ein Pfau/ und aufgereckten Federn/ einen harten Schnabel/ am Hals Güldenfarb/ am Hinterteil Purpurfarb/ und am Schwanze der mit Rosenfarbe Federn geteilt wird/ scheinet es Wasserfarben."
Kapitel LXXXIII"Am östlichen Rand der Welt gab es ein nebliges Land in ewiger Dunkelheit. Wolkenberge verhüllten Felder und Hügel und versperrten die Sicht zum Himmel. Alles war in Stille und Finsternis gehüllt. Kein Tier bewegte sich im Gebüsch oder im Wald und nirgenwo waren Vögel zu hören. Der Ort war in tiefem Schlaf versunken, des Todes Bruder.
In der Mitte dieses Landes, versteckt im Nebel, gab es einen Palast, still und eingehüllt in die Schwärze der Nacht. Im Hof des Palastes lag auf einem Bett aus kalten und harten Blumen ein bleiches, schönes Mädchen, die Herrin des in Nacht gehüllten Landes. Ihre Augen waren geschlossen und ihre Brust hob und senkte sich im langsamen Rhythmus einer Schlafenden.
Wie lange sie schon verzaubert war konnte niemand sagen. Aber alle wußten, wie sie befreit wurde. Eines Nachts zog quer über den Himmel des schattigen Königreiches ein funkensprühendes feuriges Band. Es kreiste über dem Palast, brach durch die Wolken und - plötzlich ganz langsam - landete im Palasthof, in dem die Prinzessin schlief. Helles Licht tanzte auf den Wänden und wurde von überallher reflektiert. Das Mädchen öffnete die Augen: Das Ritual des Erwachens hatte begonnen.
Der Feuervogel stand neben ihr und erfüllte den Palasthof mit seinem funkelndem Licht. Auf seinem Rücken, zwischen den leuchtenden Federn, saß ein Mann. Der Feuervogel hat ihn gerufen und ihm geholfen, das Mädchen zu befreien - wie es dem Mann bei seiner Geburt prophezeit wurde.
Als der Mann vom Feuervogel abstieg, flog der Vogel in den Nachthimmel hinauf. Seine Schwingen trugen ihn immer höher hinauf. Wieder durchbrach er den Wolkenvorhang mit seiner Hitze und seiner Helligkeit und verschwand. Eine einzige schimmernde Feder fiel herab in das Blumenbett, aber weder der Mann noch die Frau schenkten ihr Aufmerksamkeit. Sie hatten nur Augen füreinander: Liebende die sich gefunden haben.
Nach dem Verschwinden des Feuervogels teilten sich die Wolken und schmolzen dahin, der Himmel war in rosiges Morgenrot getaucht. Irgendwo in den Gärten des Palasts zwitscherte ein Vogel, den Morgen grüßend.
Das Liebespaar konnte nur einen Tag gemeinsam verbringen. Spät am Abend, als die Dunkelheit hereinbrach - natürliche Dunkelheit diesmal - und die Schatten länger wurden, sstürzte der junge Mann bewußtlos zu Boden. Mitten im Satz wurde er bleich, zitterte, stöhnte und fiel zu Boden, wo er wie ein Toter liegenblieb.
Die Prinzessin weinte lange um ihren Geliebten und irrte vor Trauer blind durch den Palast. In ihrer Trauer spürte sie kaum, wie sie über so manchen Gegenstand im Palast fiel. Der Palasthof schien sie wieder in ihren totenähnlichen Schlaf zu rufen. Als sie sich aber wieder auf das Blumenbett legen wollte, bemerkte sie ein sanftes Glühen inmitten der Blumen. Sie fand die Feder des Feuervogels, die ihr Wärme gab.
Nach einiger Zeit erschienen wieder flammende Schwingen am Himmel und der Palast wurde wieder von der Brillianz des Feuervogels erleuchtet. Der große Vogel wurde von der Not der Prinzessin, die die Feder hielt, gerufen. Er landete vor ihr und gab ihr mit einem Nicken seines Kopfes zu verstehen, sie solle aufsteigen.
Sobald die Prinzessin sich auf dem Rücken des Vogels in seinem warmen Gefieder niedergelassen hatte, flog dieser los. Der Vogel flog hoch in den Nachthimmel hinein, umgeben von seiner Aura der Helligkeit. Die Prinzessin konnte auf dem Rücken des Vogels weder die Sterne über ihr, noch das Land weit unter sich erkennen, so hell war der Vogel. Irgendwann wurde der Flügelschlag langsamer und der Boden kam immer näher und wurde sichtbar. Eine desolate Landschaft mit Abgründen, tiefen Felsspalten und von Felsen übersäten Abhängen. Der Feuervogel landete am Fuß einer Steilwand. Die Schatten, die beim Flug über die Landschaft wie verrückt umhertanzten, wurden wieder länger. Der Vogel neigte seinen Kopf in die Richtung eines Höhleneinganges.
Die Prinzessin schlich sich hinein und bemerkte, daß die Höhle bewohnt war. Eine magere Frau, in schwarz gekleidet, sang Beschwörungsformeln über ein Feuer, das kein Feuer zu sein schien, sondern eher ein Haufen rauchig schwarzen Eises. Auf dem Feuer stand ein dampfender Kessel.
Als die Prinzessin die Frau und ihren Kessel sah, begannen Erinnerungen in ihr Form anzunehmen. Sie erinnerte sich an ihre Kindheit im Palast, wie sie in vom Tageslicht erfüllten Hallen spielte. In der Nacht gab es Kerzenlicht und das tanzende Licht des Feuers im Kamin. Sie erinnerte sich an eine dunkle Schwester, die sich in denselben Hallen herumtrieb, jedoch den Schatten und das Zwielicht bevorzugte. Sie erinnerte sich daran, wie die Schwester immer haßerfüllter wurde und viele Stunden damit verbrachte, staubige Bücher zu studieren und mit fremdartigen Frauen und schwarz gekleideten Männern Umgang pflegte, die irgendwoher um ihre Interessen wußten. Eines Tages verschrieb sich ihre Schwester der Dunkelheit und wurde eine schwarze Hexe. Sie belegte das Land mit einem machtvollen Schlafzauber. Die Prinzessin sah sich nun dieser Hexe gegenüber.
Sie handelte ohne nachzudenken, rein instinktiv: sie rannte in die Höhle und trat den Kessel vom Feuer. Der Kessel stürzte um und verteilte seinen dampfenden Inhalt in der Höhle. Ein herzförmiges Juwel sprang ebenso aus dem Kessel. Die Prinzessin fing es auf und hielt es fest (Einige Erzähler sagen, dieses Objekt sei ein lebendes Herz gewesen). Die Hexe schrie auf und verschwand.
Außerhalb der Höhle wartete immer noch der Feuervogel. Die Prinzessin setzte sich wieder auf seinen Rücken und hielt in ihren Händen das Juwel, mit dem die Hexe den Zauber auf ihren Geliebten legte.
Das Märchen des Feuervogels hat ein gutes Ende: Das Mädchen fand ihren Geliebten lebend und wach. Sie heirateten und am Hochzeitstag flog hoch über ihren Köpfen der Feuervogel und tanzte wie ein Stern oder eine kleine Sonne."
Kapitel CXXIV"Zu Kephra werd ich, in den Urstoff tauchend;
Ich keime durch die Weltallkraft des Keimens.
Schildkröten gleich bedeck ich mich mit einem Rückenschild.
Ich trag in mir die Keime aller Götter;
Ich bin der Schlangengöttinnen vier Gestern;
In mir verberg ich der Amenti Sieben Zonen;
Ich bin Gott Horus,
Dessen Körper leuchtet, da er Seth bekämpft.
Und Thoth zugleich bin ich, der die zwei Kämpfer trennt;
In seines Schreines Tiefen, mit der Junu-Götter Beifall,
Fällt er sein Urteil.
Und ihm gleich errege ich die Sturmflut,
Die beide Kämpfer trennen muß.
So schreite ich ins volle Tageslicht;
Wie Khonsu unbesiegbar
Werd ich zum Gott gekrönt.
"
"Meine Seele baut mir einen Wohnsitz zu Dschedu;
Und während ich in Buto gedeihe,
Schaffen emsig die magischen Diener, meine Felder bebauend.
Meiner Palme Anblick ist an Schönheit vergleichbar
Mit Amsu-Gott. (Nein, nein! Den Schmutz will ich nicht essen!
Er ist mir ein Ekel! Ferne seien davon meine Hände!
Selbst meine Sandalen dürfen ihn nicht berühren!)
Nicht geh ich verloren, denn köstliche Opfergaben
Stehen mir zur Verfügung: Brot aus Weizen und Bier
Aus Gerste bereitet; täglich bringen die Barken "Sektet" und "Mandschit"
Mir Gaben. Unter dem schönen Gelaub der Bäume sitzend,
Die mir lieb sind, koste ich Frieden, betrachtend
Meinen Reichtum an Opfergaben. O könnt ich
Zu einem geheiligten Geiste werden! Möge die Schlangengöttin
Mich aufrichten! Möge sie auf mein Haupt
Die weiße Königskrone setzen! Ihr, o Geister,
Die ihr Pfortenhüter seid des in zwei Ländern herrschenden
Friedensfürsten, wisset! Mein Wesen bring ich als Opfergabe
Für die Götter! Stehet mir bei! Helft mir zu heben
Den dichten Nebel, der mich bedrückt und umwölkt!
Mögen die geheiligten Geister die Arme mir öffnen!
Und ihr, Götterordnungen, bewahret das Schweigen!
Offenbart nicht die Reden, die ich mit den künftigen
Menschengeschlechtern wechsle! Mächtig unter den Wesen,
Die in den Lüften schweben, lenk ich die Herzen
Der mich beschützenden Götter. Wahrlich, jeder Gott wird
Und jede Göttin, die Kraft mir verleihen, zum Range
Des führenden Geistes des Jahres erhöht.
Unter den grünen Zweigen kostend die gebotenen Gaben,
Bin ich Osiris gleich, so wie er in Abydos aufsteigt.
In mir erkennt man Ra´s Urahn und der leuchtenden Wesen Urvater.
In des gestirnten Himmels breiten Mantel gehüllt,
Mit den Urgöttern weile ich Aug in Aug;
Mit dem heiligen Brote im Munde trete ich
Vor die Götter Ahiu. Mögen sie sprechen zu mir;
Dann leiste ich Antwort. Mit der Sonnenscheibe
Werde ich Worte wechseln und mit den Wesen des Lichtes.
Groß ist meine Macht inmitten des Dunkels, das vorherrscht
In den Welten der Mehurt, ganz nahe dem Heiligen Wesen.
Wahrlich, mit Osiris nun zu einem Wesen verschmolzen
Werd ich vollkommen, wie Osiris vollkommen ist unter den Göttern.
Wohlan, zu Osiris werde ich sprechen wie ein menschliches Wesen;
Er aber leistet die Antwort in der Sprache der Götter.
Denn ein geheiligter Geist bin ich nun und gelange hierher,
Unter dem Schutz der magischen Kräfte, Maat, die Göttin geleitend
Hin zu jenen, die sie verehren. Denn ein gewappneter
Geheiligter Geist bin ich nun im glorreichen Licht eines Sahu
Und als solcher erschein ich in Städten:
Junu, Hneni-Nesu, Ebdu und Dschedu."