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| S T A R T S E I T E | P O R T A L |
S A S C H A B E R L I N S K I J Z U B A Y E R 0 4
Die
spielerisch beste Mannschaft der Fußball-Bundesliga hat erneut knapp und unter
ähnlich dramatischen Umständen wie vor zwei Jahren (damals noch trainiert von
meinem Namensvetter Christoph-"gib'-mal-noch-'ne-Line"-Daum) die Meisterschaft
verpasst. Kein Ozean ist groß genug, meine Tränen ... äh ... zu verdünnen, kein
Canyon tief genug, sie aufzunehmen.
Aber Fußball ist eben ungerecht - wie das Leben. Meister wurde Borussia
Dortmund, und damit die Konsensmannschaft der Neuen Mitte schlechthin. Ihr
Motto: nirgendwo anecken und sich hintenrum an die Spitze schleichen. Dass
Bayern München letztendlich nur den dritten Platz im Endklassement errungen hat,
ist dann auch nur ein schaler Trost.
Immerhin ist Bayern eine Mannschaft mit einem - wenngleich schlechten -
Charakter. Diese Münchner stehen dazu, Hass auf sich zu ziehen; das motiviert
sie sogar. Bayer Leverkusen dagegen ist eine Mannschaft für Leute, die mit
traditionellem Vereins- und sonstigem Chauvinismus nichts anfangen können; eine
Mannschaft für alle, die einfach guten und schönen Fußball lieben.
Bayern München ist destruktiv: immer die besten Spieler der Konkurrenz
aufkaufen, sie moralisch zu Arschlöchern machen, zeigen, wie effektiv hässlicher
Fußball bzw. wie hässlich effektiver Fußball sein kann. Bayer Leverkusen dagegen
ist konstruktiv: Talente entdecken, sie aufbauen und zu großen Fußballern
machen, zeigen, wie schön (wenn auch leider oft vergeblich) offensiver Fußball
ist.
Das sind die Antipoden der deutschen Ballschieberei: Bayern München ist für
Leute mit schlechtem Charakter, Bayer Leverkusen ist für Leute mit gutem
Charakter - und Borussia Dortmund für Leute ... ohne Charakter! Der Erfolg
Dortmunds ist der Erfolg der Neuen Sozialdemokratie: eigentlich Schwein sein -
aber so tun, als wärst du es nicht (sondern als wärst du noch ein
Arbeiterverein, haha).
Der Herr Emerson aus Brasilien (als er noch bei Leverkusen spielte, war er einer
der besten Bundesliga-Profis, die es je gab) vertrat, nachdem er sich von einem
reicheren Verein einkaufen ließ, nach dem erwähnten Scheitern im Jahr 2000 die
Meinung, Leverkusen würde nie (nie, nie!) einen Titel gewinnen.
Möglicherweise behält er recht. Na und? Dafür ist auch noch nie aus einem
Spieler, der Leverkusen verließ, um (noch) mehr Kohle abzugreifen, irgendetwas
geworden. Der Herr Emerson ist inzwischen Sportinvalide, und das Schicksal von
Michael Ballack, der zu den Bayern wechseln wird, steht in den Sternen.
Lange habe auch ich die Meinung vertreten, Fan von Bayer Leverkusen zu sein, sei
eigentlich unmöglich, weil dieser Verein so vollkommen traditionslos ist und
emotional nicht besetzbar. Mit dem letzten Spieltag der Bundesliga in der Saison
2001/2002 habe ich nun meine Meinung geändert: Bloße Opposition gegen Bayern und
Dortmund, gegen Edmund Stoiber und Gerhard Schröder, genügt nicht (mehr).
Sondern die Alternative muss benannt und unterstützt werden. Darum: Lieber schön
und erfolglos (leben und spielen) als hässlich und erfolgreich! Gegen die Neue
(alte) Rechte und die Neue Sozialdemokratie! Für einen dritten Weg! Für ...
Bayer Leverkusen!
Sascha Berlinskij
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