| Sinopulos, Takis ZWISCHENREICH (REIHE POESIE) (GRIECHISCH-DEUTSCH) ISBN 3-923728-78-6 / 1997 / 172 S. Uebersetzt von Andrea Gabriella Kapsaski Sinopulos Dichtung ist von unruhiger, zutiefst nachdenklicher Art; stets auf der Suche nach neuen Wegen findet er immer wieder andere Ausdrucksmoeglichkeiten, doch Grundelement bleibt das Gefuhl einer existentiellen Einsamkeit. Takis Sinopulos wird neben Jannis Ritsos als einer der bedeutendsten politisch motivierten Nachkriegslyriker Griechenlands angesehen. 1917 in Pyrgos auf der Peloponnes geboren, siedelte Sinopulos 1934 nach Athen ueber, um dort Medizin zu studieren. Zu Beginn der vierziger Jahre entstanden erste Gedichte, die ab 1943 publiziert wurden. Darueber hinaus uebersetzte der Dichter franzoesische Kollegen, etwa H. Michaux, J. Tardieu und andere. Nachdem Sinopulos bereits als Arzt am Krieg zwischen Griechenland und Italien teilgenommen hatte, wurde er im Buergerkrieg von Regierungsseite als Militararzt zwangsrekrutiert, ein traumatisches Erlebnis , das auch grossen Einfluss auf seine Dichtung haben sollte. 1949 liess sich Sinopulos schliesslich als Praktischer Arzt in Athen nieder. Wahrend der Obristendiktatur (1967-74) leistete der Dichter zusammen mit anderen Intellektuellen Widerstand im Rahmen seiner schriftstellerischen Arbeit . Seit seinen ersten Veroffentlichungen publizierte der Lyriker regelmaessig und in gleichbleibender Qualitat , insgesamt 14 Gedichtsammlungen. Seine Arbeit konzentrierte sich thematisch auf die Jahre 1939 bis 1949, das heiss also auf die Zeit des Krieges und der deutschen Okkupation, insbesondere aber auf die Jahre des griechischen Buergerkriegs. Angesichts dieser Themen verwundert es nicht, wenn ein Kritiker feststellt, dass Sinopulos' Gedichte "voller Dunkelheit und Bruchstueckhaftigkeit" sind und teilweise schockieren. Die Aufarbeitung der Vergangenheit war dem Lyriker ein Anliegen und wurde von seiner nachdenklichen, unruhigen Natur angetrieben. Neben dieser historischen Dimension lotet seine Dichtung die Tiefe der menschlichen Psyche aus und muendet oftmals in der Darstellung existenzieller Einsamkeit. Die erste Gedichtsammlung des Schrifstellers, die 1951 unter dem Titel "Zwischenreich" erschien, belegt diese Tendenz und zeigt gleichzeitig den Einlfu? des Surrealismus und von Autoren wie Elliot, Pound oder Seferis. Allerdings entwickelte Sinopulos einen ganz eigenen Stil, eine unverwechselbare Handschrift, indem er namlich seine zum Teil recht langen Gedichte wohlbedacht und klar strukturierte. Ob dabei abstrakter Intellektualismus die wahre Poesie verbannt , wie behauptet wurde, muss der Leser selbst entscheiden. Denn vielleicht ist ein "ontologisches Bekenntnis" im Sinne einer trotz aller Defizite emphatischen Bejahung des Lebens in unserem Jahrhundert nicht mehr moeglich und gerade die gelungene poetischen Gestaltung von Isolation, sprachlicher Ohnmacht und geistiger Heillosigkeit zeichnet Sinopulos als einen modernen europaeischen Dichter aus. Seine Werke wurden in mehrere Sprachen uebersetzt. Takis Sinopulos starb 1981 in Pyrgos. Die Gedichte des vorliegenden Bandes wurden den Baenden "Sammlung I" und "Sammlung II" entnommen, die im Juni 1976, bzw. im November 1980 im Verlag ERMIS in Athen erschienen sind. Leseprobe: JAHRESZEIT Herbst. Oder wie man es nennt dass die Tage kuerzer werden das Licht geringer. Oder auch der endlose Regen an den Scheiben. Zwischenstation zu anderen Situationen. Genauer: Oktober der Monat in dem man fuer kurze Zeit die Niederlage so vieler Tage akzeptiert. Oder auch das vage Knarren der Stufen. Hinuntergehen ins untere Stockwerk als kaeme letztendlich doch jemand. Aber - und das ist sicher - niemand wird kommen. Im Grund deines Herzens wartest du da? er kommt. Wer? - es ist die Stimme der Niederlage die danach fragt. |