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Die Geschichte zu unserer Schwarzen Madonna, der Heiligen Gottesmutter Maria von Kaltenleutgeben


Ein Einsiedler in Altötting machte sich eine Marienstatue - eine getreue Nachbildung des dortigen Gnadenbildes.
Er gab ihr die Weihe, indem er sie mit dem Urbild berührte.
Kurze Zeit danach erhielt der Einsiedler die Nachricht von der Erkrankung eines nahen Verwandten in Wien.
Er reiste mit der Muttergottesstatue zum Kranken und ermahnte ihn, zur Wiedererlangung seiner Gesundheit Maria um ihre Fürbitte bei Gott anzuflehen, da schon viele Verehrer dieses Bildnisses Hilfe in der Not gefunden hätten.
Der Kranke befolgte den Rat des Einsiedlers und wurde gesund.
Der fromme Klausner wandte sich darauf an seine in Wien lebende Mutter mit der Bitte, die Marienstatue einer dem Hl. Jakob geweihten Kirche auf dem Lande zu schenken.
Wie nun aus einer Kirchenrechnung vom Jahre 1707 ersichtlich ist, brachte tatsächlich ein Mautner das Bildnis um diese Zeit in die alte Kirche zu Kaltenleutgeben.
Soweit berichtet die Chronik von Pfarrer Willvonseder um 1766.


Spiritueller Aspekt


Marienstatuen sind bei der ersten christlichen Evangelisierung von bis dahin nicht-christianisierten Landstrichen eine übliche Repräsentantin der Mutter Erde und des Wassers. Als Symbol für die Empfänglichkeit und Hingabe soll sie die Öffnung des Volkes für christliche Inhalte unterstützen.
In zahlreichen Religionen sind schwarze Madonnen bekannt. Im tibetischen Buddhismus, zum Beispiel, gibt es die Grüne Tara und auch noch dunklere, die genau die selbe Qualität haben. Je erdfarbener die Madonna ist, desto mehr deutet es auf die noch dichte und irdische Spiritualität der Menschen hin. Je heller die Madonna ist, desto mehr ist die Spiritualität vergeistigt und gereift. (Vergleiche Weiße Tara)
Da die Waldmark erst sehr spät christianisiert wurde, war zu der Zeit der Schenkung dieser Statue der spirituelle Reifegrad dieses Tales offenbar einer schwarzen Madonna entsprechend. Dass eine Schwarze Madonna nach Kaltenleutgeben kam, ist sicher kein Zufall, sondern vielmehr ein Ausdruck spiritueller Rahmenbedingungen und das entspricht den damals wie heute gültigen Grundlagen der christlichen Missionstheologie.


Historische, allgemeine Erläuterungen zum Phänomen der Schwarzen Madonnen

Schwarze Madonnen sind einen Erscheinung der Romanik und frühen Gotik. Die Hochblüte der Madonnenschnitzkunst ist im Frankreich des 11., 12. und beginnenden 13. Jh. anzusetzen, von wo diese Madonnen dann ihren Weg nach Spanien fanden. So führt der Jakobs-Pilgerweg auch durch die Orte mit den berühmtesten schwarzen Madonnen.
Alle diese Madonnen sind als machtvolle, thronende Königinnen dargestellt und meist aus Zedernholz beziehungsweise Wacholder geschnitzt, beides heilige Hölzer und im damaligen Frankreich weit verbreitet.
Das Holz dieser Urmadonnen war goldglänzend bis kupferfarben und wurde durch Kerzenruß sowie durch Berührung frommer Hände zunehmend dunkel bis schwarz. Inwieweit vorchristliche finstere Muttergottheiten die Wahl des dunklen Holzes beeinflussten ist unklar. Fest steht jedoch, dass die dunklen Madonnen nichts mit den rein christlichen Ikonen zu tun haben.
Ursprünglich dienten die schwarzen Holzmadonnen als Reliquienschrein und besaßen im Rücken, am Hals oder in der Herzgegend ein Reliquienloch für Haarreste oder Stofffragmente. Als die Kirche den Haarkult verbot, versteckte man diese Reliquienlöcher unter dünnen Stoffbinden. Ob diese Kaschierung die verpönte Reliquie verbergen oder sie vor den Berührungen gläubiger Pilger schützen sollte, ist ein weiteres Rätsel der schwarzen Marien.
Diese Bindentechnik ist ebenfalls eine Besonderheit der Romanik. Statt das Holz direkt zu bemalen, wickelte man feine, leimgetränkte Gipsbinden eng um den meist ohren- und haarlosen Marienkorpus, ließ diese trocknen und brachte dann erst die Farben auf - eine aufwändige Prozedur, da die Stoffstreifen von den Mumienbinden bekannter Heiligenreliquien stammen mussten. Die Originalfarben der starr gefältelten Madonnengewandung, an der jeglicher christliche Hinweis fehlte, waren ursprünglich Rot und Grün, ein Überbleibsel keltischer Farbsymbolik.
Das Jesuskind trug dieselben Farben oder schlichtes Weiß. Ob der spätere blaue Madonnenmantel ein Versuch ist, vorchristliches Farbdenken auszulöschen, bleibt dahingestellt.
Die Künstler der Hochromanik stellen ihre Madonnen, wie schon erwähnt, auf einem Thronsessel sitzend dar, wobei das verschwindend kleine Jesuskind mit den unkindlichen Zügen die Macht der Frau auf ihrem Thronsessel noch unterstreicht. Ganz lose hält die Mutter ihr Kind mit ihren oft überlangen Fingern bzw. Händen, die in Richtung des Beters weisen, so als ob sie ihn schützen bzw. ihm ihre Kraft übermitteln will. Diese Unproportionalität entspricht der damaligen christlichen Symbolik, in der die Hand stellvertretend für die Person steht (siehe z.B. Handauflegung bei der Priesterweihe). Unklar ist die Symbolik der weißen und schwarzen Hand mancher Madonnen. Der Kopf der Madonna ist ebenfalls übergroß und sitzt auf einem brustlosen Rumpf.
Die Augen, oftmals ohne Pupillen, haben einen starren Blick, der einen entfernt liegenden Punkt hinter dem Beter fixiert, was diesen unwillkürlich respektvoll zurückweichen lässt. Was das herbkantige Gesicht der Königin anlangt, so ist es geschlechtsneutral. Maria besitzt nach dem Verständnis einer Zeit, in welcher Mann und Frau als einander ebenbürtig angesehen werden, sehr wohl auch männliche Eigenschaften - Majestät, Strenge, Urteilskraft sowie tiefe Weisheit. - Auch die Maße der Schwarzen Madonnen sind einander verblüffend ähnlich; sie haben ebenfalls eine tiefere Bedeutung und hängen mit der komplizierten Zahlensymbolik romanischer Baukunst zusammen.
Die Schwarzen Madonnen hatten ihren Platz meist in der Krypta unterhalb des Kirchenschiffs und thronten in fast völliger Dunkelheit über Kraftlinien und Wasseradern. Der Pilger musste betend das Rund der Krypta umschreiten. Dabei empfand er das Dunkel nicht mehr als angsteinflößend sondern zunehmend als bergenden Mutterschoß und stand schließlich nach Beendigung seiner Runde vor der Mutter und ihren kraftspendenden Händen.
Die Gotik jedoch verbot diese Pilgerrunde als zu heidnisch.
In der Gotik beginnen liebliche, blauummantelte Mädchen- madonnen die schwarzen Königinnen zu verdrängen. Grund dafür ist die angesichts von Krieg, Hungersnot, Missernten, Inquisition, Pest und Tod unbändige Sehnsucht der Menschen nach Farben, Schönheit und Licht. Diese Sehnsucht vermag jedoch die dunkle Mutter nicht zu stillen. Als die Kirche Schluss macht mit der gleichberechtigten Position der Frau, wird die machtvoll thronende, strenge Herrin unglaubwürdig und in kürzester
Zeit von einer liebreizenden, jungfräulich reinen und vor allem demütig passiven Mädchengestalt abgelöst.
Weit über hundert Schwarze Madonnen haben die Französische Revolution überlebt. Heute gilt die Schwarze Madonna als Kultfigur feministischer Theologie.
Dr. Hannelore Nics
(nach: P. v. Cronenburg, Schwarze Madonnen, München, 1999)


Die Farbe der Kleider

Die Farbe der Kleider ist auf die jeweilige liturgische Zeit ausgerichtet. Mit einigen Ausnahmen entspricht also die Farbe des Kleides der Muttergottes der Farbe des Messgewandes des Priesters. Im Monat Mai wird das hellblaue Gewand für die Muttergottes verwendet. Zu Weihnachten wird sie mit dem Altöttinger Gewand bekleidet ( schwarz-weiß mit reicher Goldbestickung). Ohne Gewand ist sie zu den Kartagen.

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