1         Intro Costa Rica 2006

Mit dem Rad ist man immer mitten drin zwischen Land und Leuten. Die Natur ist greifbar nah und der Eindruck am intensivsten: Affenscheiße unter dem Autoreifen fällt eben nicht so sehr auf, wie am Schutzblech vorbei am Schienbein klebend. Der Geruch von Regen dringt nicht durch die Klimaanlage des Reisebusses. Costa Ricas Landschaft ist ebenso abwechslungsreich wie Fauna und Flora. Zudem ist es sehr klein, an guten Tagen kann man Pazifik- und Karibikküste vom höchsten Berg gleichzeitig sehen. Also lag es nahe, Costa Rica mit dem Rad zu umrunden. Das freundliche und hilfsbereite Naturell der Ticos und Ticas (Einwohner von Costa Rica) erleichtert den Zugang zu diesem Land. Costa Rica ist nicht billig. Die Bezeichnung „Schweiz von Mittelamerika“ bezieht sich nicht auf die Berge oder gewienerte Fußböden, sondern auf die Preise. Dafür ist es aber absolut sicher – und das sollte einem das Geld wert sein.

Die Straßenverhältnisse sind überwiegend gut, Räder werden gegen Aufpreis problemlos in Bussen mitgenommen. Die Ticos stehen früh auf, machen keine Siesta und sind abends noch anzutreffen. Aber es wird recht schnell dunkel bis gegen 19 Uhr, da sollte man sein Quartier erreicht haben.

Das Erlebnis und die Erfahrung einer Radtour durch Costa Rica sind absolut herausragend. Pura Vida!

 

2         Flug Berlin – Madrid – San Jose. 17-02-2006

Ungefragt hatten wir dank des schlechten Service von Iberia noch einen Tag in Madrid verbringen dürfen bevor es nach Costa Rica ging. Auch die unfreiwilligen Blicke am nächsten Tag auf Guatemala City für einige Stunden durch die hintere Kabinentür aufgrund der Routenänderung ließen nicht gerade Begeisterung aufkommen. Der verspätete Anflug auf das nächtliche Lichtermeer der Hochebene von San Jose steigerte die Spannung noch etwas. Aber unsere Fahrräder fanden sich nach längerer und chaotischer Suche ebenso wie unsere Rucksäcke - wir gehörten damit zu den wenigen Glücklichen, deren Gepäck fast vollständig, trotz Zwischenaufenthalt in Madrid und Rerouting, geliefert wurde. Lediglich meine Pedale fehlten, vielleicht müssen die Piloten von Iberia treten? Der Versuch das nur 3 Km entfernte Alajuela per Rad zu erreichen scheiterte an stark befahrener Straße, der Dunkelheit um 22 Uhr und mangelnder Fahrbereitschaft meines Rades.

Hier sollten wir gleich einen Einblick in die offenherzige Mentalität der Ticos erhalten. In aller Kürze waren Taxi und Hotel organisiert. Ein kurzer Streifzug auf Nahrungssuche in Alajuela offenbarte uns allerdings ein relativ ernüchterndes Dörfchen wo sich Polizisten und Nutten um eine Tränke scharten, so dass Dusche und textilfreier Schlaf in tropischer Wärme die angenehmere Alternative boten. Endlich Loslassen, wir sind da.

 

3         Alajuela – Fraijanes. 14 Km

Sehr gute, aber recht schmale Fahrbahn, extrem steil und an Wochenenden sehr starker Verkehr, vor allem die Quads sind sehr nervend. Äußerst schöne Landschaft.

 

Am nächsten Morgen hatte unser Wirt schon Reis mit Bohnen serviert und nebenbei Fahrradläden ausfindig gemacht und so konnten wir am Sonntag um 9 Uhr (!) neue Pedale organisieren, das Gepäck aufschnallen und unserer Ungeduld endlich freien Lauf lassen. Die Pedale waren allerdings Klick-Pedale mit minimaler Behelfstrittfläche, die mich die nächsten 950 Km des Öfteren auf eine Geduldsprobe stellen sollten. Jetzt ging es mir so wie den Radfahrern auf Cuba: bei deren chinesischen Rädern wird nur die Achse der Pedale als Trittfläche genutzt, da der Rest schon vor langer Zeit abgefallen ist und Ersatzteile nicht erhältlich sind.

Schnell fanden wir die richtige Straße raus zu unserem ersten Ziel dem Vulkan Poas. Bereits nach wenigen Kilometern war klar, dass wir Klimawechsel, die schattenlose Hitze und den extremen Anstieg bei weitem unterschätzt hatten. Die einheimischen Ausflügler röhren in ihren Quads und Jeeps an uns vorbei, wir mussten den größten Teil der Strecke schieben. Das Tretlager meines Rades verabschiedete sich überraschend, es war wohl ein Fehler, meinem altgedienten Muli nach der Cuba-Durchquerung im Vorjahr nochmals eine solche Strapaze zuzumuten. Zu den rutschigen Pedalen gesellte sich also die nächsten vier Wochen ein ausgeschlagenes Tretlager.

Bei der ersten Pause in einem Soda (Imbiss) trauten wir uns noch nicht, Leitungswasser zu trinken. Die Cola war warm, aber kühles Imperial-Bier hätte man in ausreichender Menge noch da. Im unvermeidlichen Fernseher lief - klar: ein Fußballspiel während sich vor der Terrasse ein wunderschönes Bergpanorama ausbreitete. Jedes Tor wurde mit einem minutenlangen Schrei des Reportes begrüßt – goooooooooal, wobei das „L“ in einem gurgelnden Röcheln untergeht. Später sollten wir diesen Ruf noch des Öfteren von Kindern nachgeahmt hören.

Am Nachmittag beschlossen wir schweißdurchtränkt erst einmal in einem von den idyllisch gelegenen Ausflugslokalen anzulanden. Die Radtour war etwas zur Tortour ausgeartet...

Das Essen verdunstete durch unsere Mundhöhle ebenso schnell wie die leckeren frischen Erdbeersäfte. Reis mit schwarzen Bohnen, gegrilltes Fleisch mit Maisfladen klingt vielleicht nicht sehr luxuriös, war aber extrem köstlich zubereitet. Auch die Hühnersuppe verabreicht im Literformat war nicht zu verachten. Überhaupt ist Huhn in Costa Rica in keiner Weise vergleichbar mit dem Trockensurrogat, das bei uns unter gleicher Bezeichnung erhältlich ist. So sollte es denn auch die restliche Zeit bleiben: frisch gepresste exotische Fruchtsäfte und abwechslungsreiches gutes Essen in angenehmer Atmosphäre. Unter schattigen Bäumen sitzend mit Blick auf die überbordende Vegetation, einfach ein Traum.

Die Vulkanspitze war noch weit in der Ferne unter Wolken versteckt. Träge von der Rast und dem üppigen Mahl erblickten wir nach einigen weiteren Steigungen eine einsame rustikale Blockhütte neben dem nächsten Ausflugslokal, das allerdings schon geschlossen hatte. Ohne Diskussion wussten wir gleich: das ist genau das, was wir jetzt brauchen. Grüne Wiese mit Regenbogen zwischen Eukalyptus und Kiefern - was will man mehr.

 

4         Fraijanes – Poasito – Vulkan Poas. 10 Km und zu Fuß

Die Strecke bleibt sehr gut befahrbar und steil, die Aussicht wird immer szenischer.

 

Der nächste Morgen graute wieder mit einigen Steigungen und erbarmungsloser Sonne. Das Frühstück verlagerten wir vor einen Minisuper mit Platanos und Erdbeer-Trinkjoghurt.

Zwischendurch hielten wir an einem Mirador Quetzales an, was ich zunächst für eine Touri-Trap hielt, da dort die erste der später so zahlreichen Tip-Boxen angebracht war. Aber tatsächlich: nachwenigen Minuten flog ein Quetzal durch die Baumwipfel. Nun, dann konnten wir diesen Punkt ja schon mal abhaken.

Da ohnehin die Räder ständig geschoben wurden, beschlossen wir nach kurzer Fahrt die nächste Cabina zu nehmen. Direkt am Hang mit überwältigendem Blick auf die Hochebene, die bis zum Pazifik abfällt. Die restlichen 10 Km zum Kraterrand wanderten wir. Beim Eingang zum Nationalpark war man einigermaßen erstaunt über Fußgänger und stufte uns prompt als Nationales ein, was den üblicherweise horrenden Eintrittspreis von US$ 8 auf 600 Colones drückte. Von da ab wurden die wunderschönen Wiesen abgelöst vom Regenwald. Urplötzlich steht man vor dem riesigen Krater mit dem dampfenden See und den am Rand angeordneten Fumarolen. Wir haben Glück, es ist fast wolkenfrei. Die dahinter liegende Tiefebene, die sich bis zur Karibikküste erstreckt, kann man durch die Nebelfelder erahnen.

Abends in dicke Pullover gehüllt verbrachten wir auf der verglasten Veranda unserer Bleibe, unter uns die Lichter der Großstadt, ein Los Angeles im Kleinformat, über uns der Mond, der überall auf der Welt sein aufgedunsenes Gesicht gleichermaßen zeigt. Später haben wir Feuerholz gesammelt und der Kamin in der Cabina taute unsere klammen Glieder wieder auf.

 

5         Poasito – La Virgen de Sarapiqui. 60 Km

Die Strecke bleibt sehr gut befahrbar, steil bergauf und bergab. Ab San Miguel gleichmäßig bergab, dafür gemeinsam mit Lastwagen. Sehr schöne Landschaft (ja: schon wieder :-).

 

Endlich die Früchte der letzten beiden Tage genießen: es geht bergab! Die Räder kommen wirklich ins Rollen. Durch die Täler vorbei an den Wasserfällen von La Paz erreichen wir den ersten Ort seit Alajuela: San Miguel. Ich kann mich nur noch an die Bäckerei erinnern und das ist auch gut so. Wir sichten die ersten Palmen, entlang dem Rio Sarapiqui durch Ananasplantagen kommen wir bis zu dem etwas desolat wirkenden, zu beiden Seiten der Straße aufgereihten La Virgen. Hier gönnten wir uns ein richtiges Ressort mit Parklandschaft, nachdem wir die überall empfohlene und in höchsten Tönen gelobte Quintana Lodge verworfen hatten (Im Garten gab es an jeder Pflanze Beschriftungen und ich glaube auch einige ausgestopfte Kolibris entdeckt zu haben).

Von dem Ressort aus konnte man direkt eine Wanderung in den Regenwald unternehmen, der auf einer Insel entlang dem Sarapiqui-Fluss liegt. Nun gut, einen behelfsmäßigen Stacheldraht mußte man vorher überwinden, alternativ hätte sich auch der offizielle Eingang mit US$18 Eintritt (pro Person versteht sich) angeboten. Hängebrücken, Ceibas und Mosquitos inklusive. Die Fauna beschränkte sich auf leuchtend bunte Vögel von Kolibris bis gelbschwänzigen Keine-Ahnung-wie-das-Vieh-heißt-Vogel , ich erspare mir jetzt mal die wissenden Beschreibungen, die aus den Field-Guides kopiert werden. Nur wenige Tiere, das Marketing von Costa Rica funktioniert wirklich sehr gut. Auch hier fallen einem die Baumfrösche oder Faultiere nicht direkt auf den Kopf, sondern werden, wie im Rest der Welt, nur mit viel Zeit und Geduld entdeckt. Bedauerlicherweise wird die Erwartungshaltung durch die Versprechungen so hoch geschraubt, dass man nur schwerlich einer Enttäuschung entgeht. Dabei hat das Land wirklich so viel zu bieten, der Rummel um die Natur wäre gar nicht nötig.

Das abendliche Buffet füllte unsere Kraftreserven bevor wir uns nach einer wirklich warmen und sauberen Dusche von den Fröschen unter dem Rieddach in den Schlaf quaken ließen.

 

6         La Virgen de Sarapiqui – La Fortuna de Arenal. 90 Km

Die Strecke bleibt sehr gut befahrbar, ständig bergauf und bergab. Ab Aquas Zarcas bergab und dann eben. Wenig Verkehr.

 

Zwischen dem ersehnten Frühstück an der bereits bekannten Bäckerei von San Miguel und dem Ressort, das leider für eine zweite Nacht ausgebucht war, stand die stetige Bergauf-Strecke, die wir gestern in Faultiermanier so lässig herabgerollt waren. Ich hatte mich zudem noch an Jalapenos überfressen, so dass die ersten 40 Km bis Aguas Zarcas eine harte Prüfung darstellten. An einem Fluss legten wir unter einem Riesenbambusbusch eine längere Siesta ein um die Mittagshitze auszublenden, was wir uns fortan zur Gewohnheit machten: zwischen 7 und 13 Uhr morgens und dann erst wieder ab 15 bis 19 Uhr hält man es auf dem Rad aus.

Ab Km 70 konnten wir die Silhouette vom Vulkan Arenal erkennen und von ab da wurde es auch etwas härter. Die letzten 10 Km sahen wir ständig genau die Schattenlinie der Wolken vor uns, konnten diese aber nicht erreichen. Immer wieder merkte ich mir Bäume, die sich im Schatten befanden, kaum passierten wir ihn, waren die Wolken weiter gewandert und die Schattenlinie geflohen. Ja, wir krochen mit einer Geschwindigkeit von unter 10 Km/h auf die Ziellinie zu.

Aber was für ein Goldgräbernest erwartete uns: Arenal empfanden wir als eines der schönsten Dörfer, die wir in Costa Rica angetroffen haben. Nicht der Architektur wegen, sondern des Lebensgefühls dort.

Literweise Fruchtsäfte und echter Cappuccino, üppige Casados (Gericht mit den verschiedenen lokalen Spezialitäten, Fisch oder Huhn und Gallo Pinto – Reis mit schwarzen Bohnen, auch treffenderweise „Christianos y Moros“ genannt) sowie eine lebendige Ansammlung von Häusern und Hütten. Im Hotel gleich gegenüber des Cafes (weiter kamen wir erst einmal nicht) bekamen wir das beste Zimmer im zweiten Stock mit Blick auf den Vulkan vom Bett aus, zumindest wenn die Wolken ihn nicht verhüllen.

 

7         La Fortuna de Arenal. 20 Km

 

Regen, die ganze Nacht durch. Eigentlich sollte ja die Regenzeit schon seit vielen Wochen vorbei sein. Wir buchen eine Reittour um 8 Uhr zum Wasserfall. Während des Ritts sehen wir die ersten Orchideen, Tukane und schwirrenden Touristen an Seilrollen, wie wir sie vom Kinderspielplatz her kennen, mit dem Unterschied, dass dort eben auch nur Kinder dranhängen - eine praktische Fortbewegungsart durch den Dschungel, ohne ihn genauer betrachten zu müssen. Aber wozu sind die Bergsteigerhelme gut?

Man kann direkt unter dem Wasserfall oder in nahegelegenen Pools schwimmen, mitten im Regenwald. Später treffen ganze Pferdeherden mit noch mehr wasserbegeisterten Reitern ein. In Badehose auf dem glitschig-steilen Pfad runter zum Pool und hinein ins Getümmel. Da der Regen bald schwächer wurde wollten wir noch zu den Thermen auf der anderen Seite des Vulkans fahren, auf der Suche nach einem nebelfreien Ort.

Der Vulkan war während unseres Aufenthaltes erloschen und ganz im Gegensatz zu den aufblühenden Thermen. Letztere konnte man gegen Einwurf größerer Scheine (so ab US$ 30) und nach Vorbestellung (!) genießen, soweit man Rummelplatzatmosphäre liebt.

Interessant, dass das Original versucht die Kopien nachzuempfinden: so werden die Therme bis zur Unkenntlichkeit der tatsächlich vorhandenen echten Basaltstufen umbaut – ich erwähne nur die Sitzsteine an der Poolbar mit dem Malle-Charme, wo Cocktails und üppiges Buffet schnell die Landschaft und Quellen vergessen lassen.

Auf dem Weg zurück warfen wir noch einen kurzen Blick auf die Krokodile in einem Teich als Ausgleich für die „offizielle“ Krokodilfarm, von der wir uns mittlerweile schon, ohne sie gesehen zu haben, ein Bild machen konnten.

Vor uns lag recht verführerisch der Balineario National de Tabacon (Tico Interpretation von Schwimmbad) am Ortsausgang von Arenal: eine interessante Wasserrutschenkonstruktion in schlichtem Ambiente. Der Bademeister, der auch zugleich als Koch im angegliederten Restaurant fungierte war denn von unserem Besuch so begeistert, dass er das Wasser zum Gleiten auf der Betonbahn voll aufdrehte und uns Tipps gab, wie man die größte Geschwindigkeit aufnimmt. Diesmal hätte ich jetzt gerne einen Helm gehabt und sei es nur vor dem Gesicht, damit ich nicht sehen muß wie ich aus der Halbröhre in der Kurve hinausfliege.

Bei einem Spaziergang durch Arenal kann man der Lieblingsbeschäftigung der Ticos zuschauen: der Gartenmaniküre. Der Rasen im Vorgarten wird dabei in preußischer Ordnung auf Golfrasenniveau kastriert.

Auch meine Freundin die mich weltweit begleitet, die Trennschleife, wird hier häufig angetroffen, gilt es doch viele weitere Unterkünfte für Reisende wie uns zu bauen.

Abends am Hauptplatz wieder Casados und Fische dezimiert. Durch Regen und Wolken hatten wir den Vulkan nicht gesehen und das sollte auch so bleiben.

 

8         La Fortuna de Arenal – Nueva Arenal. 60 Km

Die Strecke bleibt bis zum See sehr gut befahrbar, ständig bergauf und bergab, viele rasende Jeeps/Autos. Danach Schotterpiste mit Schlaglöchern. Sehr wenig Verkehr.

 

Die erste Strecke kannten wir schon vom Vortag und auch den Regen, ebenso wie die Steigungen. Am See mit Staudamm gab es erst einmal Pipas (Kokosnüsse) zur Erfrischung und Brüllaffen zur Unterhaltung. Dann durften wir in die grüne Hölle eintauchen: Die Piste geht mitten durch den Regenwald. Das Rascheln in den Blättern verriet uns die Anwesenheit von Nasenbären und politisch völlig unkorrekt packte ich unser Kokosbrot aus und opferte es in kleinen Stücken auf der Strasse. Ein Fehler: nachdem der Nasenbärchef reine Luft erschnüffelt und seinen Kumpels signalisiert hatte, stürzte die gesamte Meute aus dem Wald auf die Brotstückchen – doch auch unsere Rucksäcke schienen nicht ungenießbar. Schnell waren wir umstellt, letztendlich traute sich doch keiner an die fette Beute.

Siempre Potoles (meine Verballhornung von Potholes – Schlaglöchern) und Regen für uns Dauerwarmduscher, das gegenüberliegende Ufer verschwand im mystischen Nebelatem. Ganz profan tauchte der lange voraus angekündigte schweizer Berggasthof aus dem Wald auf. Die Skurrilität wurde noch von den lecker originalen Rösti mit Gulasch übertroffen. Die Sonne schien den Rest des Weges, entlang an den Haciendas der Superreichen. Überall Schilder was nicht alles zu verkaufen war, warum auch nicht, mal nebenbei eine kleine Farm erwerben?

Die Nacht verbrachten wir auf einem Hügel in dem Chalet einer Schweizerin, die es auf sich nahm, unsere Sachen eigenhändig (ohne Handschuhe und Mundschutz!) in die Waschmaschine zu befördern. Applaus an dieser Stelle für diesen mutigen Einsatz – hatte doch unsere schweißgetränkte Kleidung schon seit einer Woche in Plastiktüten vor sich hin gegärt.

Abends besuchten wir den Ort wo jede Menge Expatriates sich in der Gringobar in den wohlverdienten Schlaf soffen. Die deutsche Bäckerei, Highlight  jedes Omnibus-Adventure-Travel-Experience, hatte inzwischen Konkurrenz von einer österreichischen Bäckerei erhalten, die direkt daneben gebaut wurde. Ein wenig so wie Aldi immer neben Lidl baut (oder ist es umgekehrt?), die Welt ist doch überall gleich.

Das Restaurant auf Holzstelzen hoch über dem Regenwald lag gleich neben dem Westernsaloon in dem die Technohits des Großstadtdschungels wummerten. Die Casados waren köstlich, der Regen inzwischen meditativ.

 

9         Nueva Arenal – Eco Lodge. 5 Km (kein Druckfehler :-)

Asphaltstrasse mit wenig Verkehr, bis auf den Abstecher zur Lodge sehr flach.

 

Wir wollten den Regen aussitzen und endlich einmal etwas wandern in dem Regenwald, also beschlossen wir nur die wenigen Kilometer zur Eco-Lodge zu fahren. Die steile Schotterpiste hoch auf den nebelverhangenen Hügel war gesäumt von niedlichen Hunden, die später dann von der etwas härteren Variante abgelöst wurde. Der Trick mit dem erhobenen Arm und den blind geworfenen Steinen funktionierte aber auch hier in der Einsamkeit ohne Herrchen.

Die Eco-Lodge selber erinnert stark an eine nordamerikanische Blockhütte, nur die landesüblichen „For Sale“-Schilder waren hier durch Eimer mit der Aufschrift „Tip“ ersetzt. Trinkgeld wofür, Ertrinkgeld für Regen? Das Lodge-eigene Eco-Adventure-Zipline-Reservat war nur gegen Eintritt (US$ 16, Zipline extra gegen eine Zillion $) mit Führung in lärmender Horde in Survival-Ausrüstung zu betreten, es sei denn man hüpfte im Nebel einfach über den Zaun. Ein Gruppe Zopilotes (Geier) begrüßte uns und wies den Eingang zum Reservat. Auf Holzscheiben balancierend tauchten wir in den grünen Schwamm ein: echter Primärwald. Nach zwei Stunden waren wir durch und nahmen uns einen Hügel mit schönem Ausblick ins Visier. Hoch war einfach, auf dem Weg nach unten folgten wir zunächst den Blattschneideameisen, was aber zunehmend in einen Mulipfad mutierte: Schlamm bis zu den Knien und kein Weg zurück. Waren wir froh, dass wir unsere Stiefel nicht putzen mussten, sondern dies dem Regen überlassen konnten.

Abends loderte ein romantisch behagliches Kaminfeuer in der Lounge.

10   Eco Lodge – Tilaran – Santa Elena. 45 Km plus Bus

Asphaltstraße mit wenig Verkehr, größtenteils flach. Von Tilaran nach Santa Elena nur für Hardcores, die ihr Fahrrad hassen und die Prüfung suchen.

 

Ohne Wolken gab es endlich einen wunderbaren Ausblick auf den See und später dann zum ersten Mal auf den Vulkan. Einfach perfekt: mal hier und da Pause machen, den Windsurfern zusehen oder auch den schwerfällig fliegenden Tukanen. Der Schnabel scheint eine Fehlkonstruktion zu sein: zu schwer um die Balance zu halten, wirken die Tukane wie im permanenten Sturzflug.

Wenn Sonne, dann richtig: es wurde immer heißer, bis wir endlich in Tilaran Schatten erreichten.

Am Wegesrand wie üblich die Tempel der Zeugen Jehovas: architektonisch unseren Umspann-Transformator-Häuschen nachempfunden, inklusive des schützenden Maschendrahtzaunes mit krönendem Stacheldraht.

Alle Berichte hatten vor der Strecke von Tilaran nach Santa Elena dringend gewarnt, dem möchte ich mich anschließen: steil auf und ab durch eine flussbettähnliche, staubige Teststrecke für 4WD und alte Schulbusse. Die Tüte und Trinkwasser zum nachspülen nicht vergessen: es könnte sein, dass du deinem Frühstück wieder begegnest und es ist ethisch nicht vertretbar, dass man wertvolle Kalorien achtlos auf den Boden wirft.

Es wird behauptet, die Straße würde nicht ausgebaut, um die Reservate vor dem Massentourismus zu schützen. Man könnte aber auch auf die Idee kommen, dass hier das von US Bürgen beherrschte Business sich einfach nur zufälligerweise mitten in den Reservaten befindet. Die Quäker, die den Ort ursprünglich gegründet hatten, sind jedenfalls bereits geflohen.

Nach knapp 3 Stunden für die wenigen Kilometer heißt es dann am unvermeidlichen Fußballplatz: Willkommen im El-Dorado der Eco-Adventure-World, quasi dem Las Vegas der Naturfreunde. Aber Vorsicht: nicht dass jetzt jemand auf die Idee kommt, man könne so einfach in den Primärwald spazieren. Dieser muss geschützt werden, vor allem vor knauserigen Naivlingen, die glauben, Wald wachse einfach so ins Blaue hinein.

Ich vermute in Santa Elena wird bald auch der Gang zur Klospülung als Half-day-eco-hiking-tour-to-Salton-de-mierda-event verkauft (zipline-adventure für die Wurst extra).

Das Eis aus dem Supermarkt (zwischen dem original tibetischen Gewürztee und den Marshmallows) ist allerdings wirklich von glücklichen Kühen und extrem lecker.

Der Ort ist enttäuschend, die Attraktionen reiner Rummel, die Regenbogenlodge allerdings ein ruhiges, kleines Paradies mit urgemütlichen Puppenhäuschen aus Holz.

Abends führt eine Gruppe echter und echt total besoffener Cowboys auf Pferden eine Art Stepptanz auf der Dorfstraße vor. Unglaublich die Beherrschung der Pferde, die die Kunststücke tatsächlich unbeschadet überleben.

 

11   Santa Elena – Monte Verde. 20 Km

Schotterpiste, wo es hoch führt muss es irgendwann einmal wieder runter gehen.

 

Recht einfach die Strecke zum Santa Elena Reservat zu finden, geht es gemütlich (weil Schieben an den zu steilen Abschnitten) durch eine extrem schöne Landschaft. Regenbögen überdachen die tropfenden Urwaldriesen. Im Reservat angelangt können wir uns für keinen speziellen Parcours der aufgeführten Wanderwege entscheiden, also machen wir systematisch alle hintereinander in 4 Stunden. Der Schlamm wird tiefer, der Nebel kälter, auf der Aussichtsplattform (mit Blick in eine Wolke) tobt eisiger Wind. Den Kolibris scheint dies nichts auszumachen, wir rollen wieder den Berg hinunter, hin zum Casado de Camarones – wie die wohl vom Meer hier heraufgekommen sind?

Abends noch der Vollständigkeit halber, quasi als Absacker, zum Monteverde Reservat und richtig: nachts kost nix, auch Ticos müssen mal Pause machen.

 

12   Santa Elena – Puntarenas – Montezuma. 75 Km plus Fähre und Bus

Die Berge runter brutale staubige Schotterpiste, danach Asphaltiert und Panamericana-Highway. Bergauf sollte man diese Strecke  bewältigen können, die Straße ist in besserem Zustand als die von Tilaran. Auf Nicoya sehr viel Verkehr, teils asphaltiert teils Schlaglochpiste.

 

Wir hatten nun genug von Bergen, Natur und vielleicht auch ein wenig vom Radfahren und planten uns gemütlich den Hang hinab gleiten zu lassen, um in Puntarenas am Hafen dem Treiben der Menschen zuzusehen. Der Hang entpuppte sich allerdings mit einigen Komplikationen versehen: Die Aussicht links der Nebelwald in den Bergen verschwindend und rechts das Panorama auf den Pazifik war ebenso umwerfend wie der Orkan, der uns bergab zur permanenten Vollbremsung zwang. Die nächsten Wochen sollten von dieser Fahrt meine Hände des Öfteren beim Fahren taub werden und einschlafen.

Mein Wunsch, dass endlich die Windrichtung wechselt, damit wir automatisch abgebremst werden, erfüllte uns die nächste Kehre. Nun wurden wir im Gesicht gesandstrahlt und durften auf steilstem Bergab auch noch treten, damit wir nicht den Berg rückwärts hinauf geschoben wurden. Wie dramatisch die Situation war, wurde uns so richtig bewusst, als die Insassen eines Reisebusses an einem Aussichtspunkt uns unter großem Hallo wie wilde Tiere filmte und fotografierte. Wahrscheinlich sahen wir aus wie Max und Moritz im letzten Kapitel bevor die Vögel kommen.

Unten angelangt, hatten wir für die äußerst reizvolle und liebliche Landschaft mit romantischen Flüsschen wenig übrig. Wir wollten jetzt endlich ans Meer.

Dazwischen lag allerdings noch ein kleines Stück Panamericana. Die Überland-Trucks weichen höflich auf die Gegenfahrbahn aus, wenn diese frei ist. Ansonsten drückt die Bugwelle des Sattelschleppers das Rad in den Graben (da kein Seitenstreifen vorhanden ist). Sollte man wider Erwarten die erste Attacke überstanden haben, saugt der Fahrtwind des Auflegers Mann und Maus in die Reifen. Also fährt man lieber gleich freiwillig in den Graben. Dort warten blaue Krabben darauf überrollt zu werden. Hier treffen wir auch zum ersten Mal auf Leguane, zumindest auf ihre plattgewalzten Schwänze.

Ein Pipaverkäufer am Straßenrand kennt den Plan der Fähre nach Nicoya auswendig, behauptet aber sie noch nie genutzt zu haben. Wir geben Gas, denn noch könnten wir es schaffen die Fähre zu erreichen.

Puntarenas erweist sich interessanter und schöner als beschrieben, eigentlich hätten wir an dieser lang gezogenen Lagunenstadt mit den Kolonialhäusern aus Holz noch bleiben sollen, aber wir dachten, dazu wäre auf dem Rückweg noch immer Zeit.

In dem total abgewrackten Hafen finden wir tatsächlich die Fähre. Als ich mich an einen Strommast anlehne, erhalte ich prompt einen Stromschlag.

Die Fähre sieht so aus, als wolle man sie nur einmal nutzen. Vorbei an Mangroven gleiten wir in den Abendhimmel an dem lange Reihen von Pelikanen vorbeischweben. Das Geräusch der Flügelschwingen beruhigt durch seine Monotonie. Wir sollten die gesamte Küste entlang noch viele Schwärme erleben, immer in einer Linie und wenn man genau darunter sich befindet, gleitet pulsierender Schatten über die Haut.

Die Anlegestelle auf Nicoya befand sich schon im Dunkeln, alle Passagiere von der Fähre standen dem Anschein nach ratlos herum, während es Nacht wurde. Zu weit, um heute noch unser Etappenziel im dichten Verkehr per Rad zu erreichen.

Eine Gruppe von Leuten schnappte sich den einzigen Pickup, drückte dem Fahrer Geld in die Hand und sprang auf die Ladefläche. Da waren wir wohl nicht schnell genug gewesen...

Irgendwann tauchte endlich der Bus auf und -  oh Wunder – problemlos wurden unsere Räder irgendwo zwischen Säcken und Sonstigem reingequetscht. Mir war schon längst egal, ob jetzt die Gangschaltung abreißt oder eine Felge verbiegt.

Im Dunkeln rammte ein Laster ohne Licht unseren Bus, glücklicherweise nicht auf der Seite mit den Rädern. Montezuma machte dann einen recht ruhigen und netten Eindruck komplett mit Hippies und solchen, die es werden wollen.

Völlig unwirklich erscheint uns, dass wir den Morgen noch im Nebelwald verbracht hatten und jetzt in der lauen Nacht unter Sternenhimmel am Pazifikstrand zwischen den Fischerbooten spazierten – so schön kann das Klischee sein.

Es gab warme Duschen und frischen Tunfisch im Strandrestaurant.

Am Straßenrand rammeln zwei von den katzengroßen Cane-toads (Kröten), warum auch nicht.

 

13   Montezuma.

Unasphaltierte flache Straße ohne Verkehr.

 

Unser Ressort verfügte über ein Schwimmbad, wir aber nicht über die Mittel, noch eine Nacht hier zu verbringen. Gleich gegenüber fanden wir wieder bei einer Schweizerin einen schön gestalteten Garten mit eigenen Küstenabschnitt und Hängematten zwischen den Bäumen. Wir sollten später noch einmal die Unterkunft wechseln, diesmal hinter der Kirche (ersparte uns den Wecker) mitten im Ort mit einem riesigen, extrem sauberen Zimmer (war aber kein Schweizer ;-) allerdings ohne Strand und Garten.

Montezuma verfügt über nette Cafes und was man sonst noch so zu einem geruhsamen Leben benötigt. Beliebt ist die Früchteabteilung im Supermarkt: Maracujas, Grenadillas, Papayas und noch eine ganze Menge mehr Exoten zum durchtesten, ebenso wie natürlich die schon bekannte Eiskrem.

Unweit befindet sich der Strand zu dem wir eigentlich kein Fahrrad benötigt hätten. Die Palmen gehen fast fließend in das türkisblaue Wasser über, gleich neben dem Korallenriff mit Muränen, Papageien- und Pufferfischen. Die Kokosnüsse kann man sich selber pflücken oder den Eichhörnchen zusehen, wie diese die Schale durchbeißen um im Kokossaft zu duschen. Der kurze Ausflug zum Wasserfall lohnt sich allein schon wegen des kühlen Sees und ok ok, ich höre ja schon damit auf.

Einen habe ich noch: Sonnenuntergang nicht vergessen...

 

14   MontezumaCabo Blanco.  18 Km

Unasphaltierte flache Straße ohne Verkehr.

 

Der Nationalpark Cabo Blanco ist sehr schnell erreicht, vorbei an weitgefächerten Banyanbäumen und gefährlich dornenbewehrten Bäumen, auf denen sich die fetten Leguane tummeln. Im Dschungel für die Wanderung zum Strand wird es extrem heiß und schwül. Belohnt wird man im Wald mit der Sichtung von metallisch blauen Schmetterlingen mit handtellergroßem Flügeln, wieder Brüllaffen und Nasenbären, die den Grund systematisch umwühlen (nach Kokosbrot?).

Am Strand kann man lässig im Bambushain dem Wellenrauschen lauschen und sich von den Mönchsaffen im Siesta-Tran die Bananen für das Mittagessen klauen lassen.

In Montezuma zurück testen wir die andere Richtung, auch hier öder Traumstrand diesmal mit Gummibäumen und Meermandel.

Allmählich ruft allein der Geruch von Mangos bereits einen Brechreiz hervor, ich hatte mich an den frei umher liegenden Früchten völlig überfressen. Und als die Leute sahen, dass ich Mangos zum Essen sammele, bekam ich gleich noch jede Menge davon geschenkt. Die mußte ich auch gleich vor Ort aus Höflichkeit verzehren. Kurzum: ich war von der Gier nach Mangos fürs erste geheilt.

 

15   Montezuma.

Unasphaltierter flacher Strand ohne viel Verkehr.

 

16   Montezuma – Jaco – Quepos. 80 Km plus Taxiboot

Asphaltierte hügelige Straße mit breiten Seitenstreifen und wenig Verkehr.

 

Früh morgens packten wir Räder und Rucksack auf das kleine Taxiboot und freuten uns darauf endlich bald wieder auf dem Rad schwitzen zu dürfen. Unfairerweise kostete der Transport der Räder genauso viel wie eine Person, aber die dusseligen Surfbretter hingegen nichts. Die See war die zwei Stunden ruhig und wir kreuzten das offene Meer. Bei Wellengang würde ich diese Abkürzung nicht empfehlen, auch wenn uns versichert wurde, dass Funkgeräte und Notausrüstung sich an Bord befinden: unser Boot war nicht wesentlich größer als ein Tretboot.

Die Küstenstraße bietet ein angenehmes Panorama und an den Straßenständen ist die Versorgung mit Obst gesichert. Endlich bekamen wir nach dem ganzen fancy-food in Montezuma auch wieder Casado.

Spannend ist es auch den Überland-Trucks beim Überqueren der Brücken zuzusehen. Einmal überlegten wir, wie wir unsere Räder über eine besonders wackelige Konstruktion bringen sollen, als ein Laster von hinten drängelte und dann auch wirklich über die Bücke fuhr. Nichts für schwache Nerven und den deutschen TÜV.

Am Estrellas-Strand hätte man wieder prima ein fünfzehiges Faultier abgeben können: 5 Kilometer lang und 100 Meter breit, Palmen satt, aber die Piste lockt.

Wem Arenal zu umtriebig und touristisch erscheint, der ist mit Quepos sehr gut dran: Auch wenn man hier Illy-Kaffee im legendären klimatisierten italienischen Mini-Feinkost-Laden schlürfen kann, ist der Rest des Ortes rund um den Fußballplatz (dem Zocalo-Ersatz der Ticos) sehr ursprünglich und angenehm geblieben. Die Atmosphäre ist sehr schön, gerade auch weil die Strände erst 15 Km weiter anzutreffen sind.

Beim abendlichen Stromausfall tritt eine würdige Stille ein, sogar in der berüchtigten Locos Kneipe am Ortsausgang, die nur aus einer Art Gitterkäfig, trashiger Lautsprecherbox und wundersam unerschöpflichen Vorräten an Schnaps und Bier besteht.

Der brutal sabbernde Kampfhund hinter dem Eisentor zur Autowerkstatt, in der sich unsere Posada befand, stellte sich als lammfromm heraus: er spielte mit dem zahmen Papageien des Wirtes. Letzterer hatte sich alle Zähne durch Metallstifte ersetzen lassen, wahrscheinlich hatte er die Idee aus irgendeinem James-Bond-Film. Ständig lötete er an irgendeinem Draht herum, vielleicht war es auch nur sein neues Gebiss. Er war sehr freundlich und gab uns den entscheidenden Tipp: für die nächste Etappe würden wir Staubmasken aus dem Baumarkt nebenan benötigen. Oh ja, wie recht er doch behalten sollte.

 

17   Quepos – Manuel Antonio.

Asphaltierte, schmale und hügelige Straße mit viel Verkehr.

 

Wir gingen zu Fuß und teil per Bus, weil die Strecke an der Küste und durch den Dschungel sehr schön ist.

Der Nationalpark Manuel Antonio war sehr enttäuschend: betonierte Wege, lärmende Horden mit Ghettoblaster und selbst Telefonhäuschen mitten im Park. Da hebt es auch nicht die Stimmung, wenn man mittags am Strand von einheimischen Leguanen umzingelt wird, die einem geschickt die Mangos abluchsen, die uns zum Mittagsessen gedacht waren.

 

18   Quepos.

Heute mal was ganz anderes: rafting im Rio Naranjo. Schon die Fahrt zu den Kaskaden war den Trip wert. Durch den Dschungel und zwischen den rund geschliffenen Felsen schäumte das Wildwasser. Ich selber befand mich mehr unter als über Wasser.

Der Abend klingt geruhsam aus bei Sonnenuntergang, creolischen Fisch und Cocktails im barba roja (der Pirat Rotbart hatte sich angeblich hier irgendwo unter einem Busch verewigt, kein Wunder bei dem Ausblick).

 

19   Quepos – Matapalo. 35 Km

Sehr staubige Piste mit einigem Verkehr.

 

Es gibt genau drei Straßen nach Panama: Die auf der Karibikseite sollten wir später sehen, dann noch die Panamericana über den Pass des Todes und eben diese Küstenstraße. Niemand will letztere ausbauen, weil das faktisch die Panamericana an die Küste verlegen würde: gut so, hoffentlich passiert das nie! Die Küste ist zu schön, als dass sie im Verkehr versinken darf.

Trotzdem gibt es Sattelschlepper, die diesen Weg wagen und dabei eine Menge Staub aufwirbeln. Als wir nach dem härtesten Stück in einen Supermarkt Wasser kauften, wurden wir wie Marsmenschen angeglotzt. Es war schon ein wenig peinlich.

Matapalo selber besteht nur aus einigen herunter gekommenen Strandanlagen, irgendwie ist hier das Konzept nicht aufgegangen. Der Eigentümer unserer Hütte war in der Nacht so besoffen, dass er gar nicht mehr wußte ob denn jetzt Französisch, Spanisch oder Englisch seine Muttersprache sei. Der Musik nach zu schließen war es Erstere (non je ne regret rien, was jetzt aber bestimmt nicht wörtlich gemeint war).

Wir hatten derweil einen meterhohen Haufen Treibholz am Strand gesammelt und verfeuerten diesen die halbe Nacht lang. Romantik vermengte sich mit den Schweißperlen von der Glut

 

20   Matapalo – Ojachal. 60 Km

Sehr staubige Piste mit einigem Verkehr bis Dominical, dann asphaltiert und gut, langgezogene Steigungen.

 

Dominical macht einen sehr netten Eindruck, aber wir wollen weiter kommen. Das Rad fahren an der Küste macht einfach zu viel Spaß. Die Berge nähern sich immer mehr dem Strand. Die Kulisse ist sehr imposant, ich kann mich gar nicht satt sehen.

In Ojachal angekommen, haben wir Zum ersten Mal wirklich Probleme eine Unterkunft zu finden. Nach zwei Stunden traue ich mich sogar in eine Anlage mit einer Herde von Schäferhunden, die glücklicherweise deutsch sprechen (zumindest das Basisvokabular aus! und platz!!! und was einem noch so einfällt, wenn vier ausgewachsene Hunde in ihrem Territorium auf einem zustürmen, natürlich nur, um mit mir zu spielen und ich weiß nicht, ob mir das Spiel gefallen wird). Der freundliche Kanadier gibt mir ein Bier aus und lädt uns in den Pool ein, nicht ohne vorher beiläufig auf die Funktionsweise der Dusche hinzuweisen.

Abends beginnt es wieder zu regnen, da macht es dann auch nichts mehr, wenn kein Restaurant geöffnet hat – eigentlich gab es ja auch gar kein richtiges. Auch hier weiß der freundliche Kanadier Rat und Hilfe und bestellt aus dem Regenwald eine Lieferpizza, die dann auch so schmeckte wie von einem Gummihut.

 

21   Ojachal – Palmar Norte – San Isidro – Col de Muerte – Cartago. 35 + 20 Km plus Bus

Asphaltiert und flach an der Küste. Asphaltiert und steil mit viel Verkehr im Gebirge.

 

Vor dem Strand von Ojachal hatte man wirklich einen Stand aufgebaut und wollte Eintritt, wahrscheinlich weil hier einzigartig auf der Welt die Kanalisation direkt in den maritimen Nationalpark mündet.

Wir traben nach kurzer Rast weiter.

Die Entscheidung nicht in den Corcovado Nationalpark zu fahren ist uns sehr schwer gefallen, aber die Kosten schreckten uns ebenso ab, wie die Stelle wo wir die Räder durch den Mangrovenwald hätten tragen müssen und im Reiseführer es dazu hieß, dass bei Ebbe die extrem aggressiven Zitronenhaie nicht so häufig anzutreffen wären. Ich bezweifelte dass diese ebenfalls BRAV! oder AUUUS! befolgt hätten.

Palmar Norte ist recht banal, einzig in einem Park finden sich etwas unauffällig und ohne Hinweis einige von den mysteriösen tonnenschweren Steinkugeln, die der Tico andernorts gerne als Springbrunnenersatz in seinem Vorgarten auf den Golfrasen ablagert.

5 Stunden im klimatisierten und trockenen Bus zu sitzen empfanden wir als richtigen Luxus, gerne darf man auch eindösen, wenn man genügend Ananasplantagen optisch goutiert hat.

Mit mehr Zeit hätte man auch den Col per Rad meistern können, auch wenn es kalt und nass ist: die Eindrücke im Nebelwald und die Abfahrt vom Pass nach Cartago lohnen sich sicherlich. Als wir dort waren lag der Pass zudem über den Wolken.

Der Busfahrer hatte wegen der Verspätung und weil wir die einzigen für Cartago waren, keine Lust in die Stadt hinein zu fahren, warf uns an irgendeiner Kreuzung raus, so dass wir im Stockdunkeln eine Stunde lang uns durch die Vororte von Cartago kämpfen mussten.

Am Straßenrand war die Gosse teilweise als metertiefer Graben ausgebaut und prompt ist auch ein betrunkener Tico-Radfahrer mal dort zur Erkundung hinab gestiegen. Die Nase sah gebrochen aus, der Krankenwagen war auch schon vor Ort.

Wenigstens das Hotel an der Basilika erwies sich urgemütlich und die Hähnchen rotierten am Holzkohlengrill gleich um die Ecke.

 

22   Cartago – Orosi. 35 Km

Asphaltiert und bergab mit wenig Verkehr.

 

Frisch gestärkt mit Puddingteilchen in der Bäckerei, einem Rundgang zu den Kolonialstil-Häusern und einer kurzen aber heftigen Fressorgie im Markt (hier gab es endlich alle Früchte, von denen wir vorher nur den Saft kannten, z.B. Cas), starten wir zu unserem ersten Ziel, dem botanischen Garten. Sehr lohnenswert, auch wenn zwischen den Baumriesen des Öfteren die Strommasten des angrenzenden Umspannwerkes durchbrechen.

Das Orosital beherbergt einen reizvollen Stausee und direkt vor der Abfahrt ins Tal befindet sich eine grüngeschorene Picknickwiese die zum Verweilen einlädt. Die Serpentinen lassen einen das Ärgste befürchten für die morgige Seerundfahrt, aber so schlimm wird es dann später doch nicht. Der lebendige Ort wirbt mit der ältesten Kirche von Costa Rica und zwei Thermalbädern. Erstere ist beeindruckend, letztere haben wenig Tiefgang, sind lauwarm, mit Ausnahme des badwannengroßen Babybeckens.

Die extrem steilen Hänge rund um Orosi sind mit Dorfstraßen gepflastert, an denen Häuser wie eine Pfefferkornrispe gebaut sind. Ich vermute mal ein ordentlicher Guss und die Flächen sind wieder frei für den Wald.

In Orosi kann man ob der guten und zahlreichen Restaurants durchaus Fett ansetzen: frische Forelle ist die lokale Spezialität.

Die Unterkünfte sind extrem unterschiedlich: vom verwanzten Backpacker, stockdunkler Blockhütte bis zum Business-Motel oder eben einem alten Holzhaus ohne lästigen Cafebetrieb dafür mit eigener Veranda. Um in diese Herberge zu kommen, sind wir extra einen Tag länger geblieben: vom Bett aus konnte man den Irazu und Turrialba sehen. Die Erinnerungen an Fortuna werden wieder wach.

 

23   Orosi – Lago de Cachi. 32 Km

Asphaltiert und hügelig mit kaum Verkehr.

 

Die gemütliche Rundfahrt weil gepäcklos, führte an Kaffeeplantagen und weiteren Miradores vorbei zu einem sehr versteckt gelegenem Balineario Ujarras in der Nähe den Ruinas. Nach der Staumauer fangen die Citrusplantagen mit Orange und Zitrone an. Am Ende gelangt man zu dem blauen Wunder von Orosi: eine imposanten Hängebrücke in dezentem THW-Signalblau.

Und schon zog auch wieder der Nebel auf, fast hatten wir ihn bereits ein wenig vermisst. Die Brücke findet man im Übrigen auch leicht bei dichtem Nebel...

 

24   Orosi – Tapanti. 20 Km

Zunächst asphaltiert, dann Schotter.

 

Auch heute wollten wir es locker angehen, allein es blieb beim Wollen. Der Nebel verdichtete sich bald zu Regen und in Folge zu einer Wassersuppe. Merke: kein Regenwald ohne Regen. Wenn die Wolken aufrissen konnte man die Schönheit der Landschaft erahnen. An der Rangerstation kannte man keine Gnade und wir mussten den vollen Preis zahlen.

Von den Tieren keine Spur im Nationalreservat und da hatten sie mein vollstes Verständnis: bei so einem Sauwetter hätte ich mich auch in meine Höhle verkrochen und mir „Schweinchen Dick“ oder was immer heute aktuell ist angesehen.

Eine erste Wanderung zum Fluss war gesäumt von Grillhütten und das roch verdammt gut, es war Feiertag. Unten im Fluss zu baden wie die Ticos erschien mir zu obercool: wir waren doch schon völlig durchnässt.

Die nächste Runde führte den Berg hinauf. Nach zwei Stunden durch die knietiefen Schlamm hatte ich das Gefühl, dass mir Wurzeln an den Fußsohlen austreiben – es waren aber nur meine sich in Auflösung befindlichen Stiefel.

Den dritten Weg haben wir uns für das nächste Leben aufgehoben.

Abends im Tal gab es noch ein Feuerwerk und richtig: Casados, diesmal in einer Campesino-Karaoke-Bar. Zunächst dachten wir noch, da würden Hunde vor der Tür jaulen, da die Musik so schlecht war.

 

25   Orosi – Tucurriquie – Turrialba. 50 Km

Größtenteils asphaltiert, kein Verkehr, schönste Landschaft.

 

Insgesamt über 3 Wochen waren vergangen und wir beschlossen, doch noch mal an die Karibik-Küste zu fahren. Immer im Gebirge sehnten wir uns ans Meer, an der Küste angelangt, trauerten wir den Vulkanen nach. In Costa Rica kein Problem: die Wege sind kurz, die Berge hoch und die Küsten lang.

Wir hatten uns für die nächste Etappe die richtige Route gewählt: die Südseite des Orosi-Tales war flacher und frisch geteert. Tucurrique ist auf unserer Karte großspurig als Ort eingetragen: Wenige Holzhäuser, die ein Fußballfeld umstehen. Der Stausee von Jolanda war dagegen gar nicht verzeichnet. Wir fuhren durch endlose Zuckerrohrfelder und konnten von außen auch eine Zuckerfabrik besichtigen.

Turrialba ist ein hektischer Marktflecken mit den schlechtesten Unterkünften, die wir bis dato gesehen hatten (da waren wir ja noch nicht an der Karibik-Küste gewesen). Z.B. In der einen gefängnisartigen Zimmerzelle funktionierte die Dusche nicht, im nächsten ließ sie sich nicht mehr abstellen. Zum Dank ließ ich meine Stiefel und Sandalen zurück (wahrscheinlich mussten die das Zimmer danach für einige Wochen lüften) und setzte die restliche Reise mit Flip-Flops aus dem Supermarkt fort.

Abends zogen wir uns einen Grill rein und buchten noch schnell eine Rafting-Tour durch den Rio Reventazon.

 

26   Turrialba – Siquirres – Puerto Limon. Raft und Bus

Größtenteils asphaltiert, kein Verkehr. Ab Siquirres Autobahn mit ununterbrochener LKW Kette.

 

Heute bleiben nur die Räder trocken, sie dürfen mit dem Bus fahren. Mit dem Bus geht es auf abenteuerlicher Strecke an Zimtbaumpflanzungen vorbei hinab zum Rio Reventazon. Im Gegensatz zu der unprofessionellen Tauchfahrt im Rio Naranjo bei Quepos, die zwar Spaß gemacht hatte, aber wenig mit Rafting zu tun hatte, wurde diese Tour mit fast militärischer Präzision durchgeführt. Jedenfalls wurden die Kommandos vorher geübt und in Kasernenhofton ausgeteilt. Es gab ein Dschungelcamp, als einzige Prüfung musste man hier so schnell Guacamole essen wie möglich, sonst wurde man nicht satt. Affen, Zopilotes und Tukane hängen in den Bäumen, während wir durch die Stromschnellen paddeln. Als Highlight drängt sich kurz vor Siquirres der Fluss durch eine enge Felsschlucht. Hier bin ich ausgestiegen und ließ mich einfach treiben bis wir zur alten Eisenbahnbrücke kamen, wo vor hundert Jahren der Reichtum Costa Ricas mit Bananen begründet wurde.

Ab Siquirres drückt die tropische Schwüle wieder und wir luden unsere Räder nach kurzer Fahrt in den nächsten Bus um. Die Autobahn von San Jose nach Puerto Limon ist nichts für Radfahrer: kein Seitenstreifen und dichter Verkehr.

Die Überraschung bereitete uns Puerto Limon: von den Horrorstories bewahrheitete sich keine. Das sichere, saubere, fast schalldichte und klimatisierte Zimmer war nur der erste Hinweis. Schöne Häuser, auch nachts konnte man am Hafen und durch den Faultierpark spazieren. Ok, am Supermarkt hatte uns eine zwielichtige Type abgepasst, aber er war nicht ernsthaft an einem Raub interessiert. Auch im Busbahnhof wollte der Fahrer zunächst nicht unsere Räder rausrücken und verdünnisierte sich, vielleicht hatte er auch nur Durchfall und daher etwas besseres zu tun.

Abends sammelte die Polizei noch die Besoffenen ein, von unserem Balkon aus ein amüsantes Schauspiel.

 

27   Puerto Limon – Cahuita. 50 Km

Asphaltiert, flach, kaum Verkehr. Schöne Tour zwischen Palmen.

 

Puerto Limon hatte uns richtig aufleben lassen, war es doch die erste interessante Stadt nach langer Zeit. Auf dem Balkon des Hafencafes beobachteten wir das Anlanden der Kreuzfahrtschiffe: heute war die AIDA dran. Wir waren neidisch auf die blitzsaubere Tropenkleidung der Passagiere, weniger allerdings auf den Rummel durch den sie sich in die Stadt kämpfen mussten. Während wir an unseren Refrescos saugten, durften die Kreuzfahrer wählen, welcher Führer in Fantasieuniform sie am wenigsten ausplündern wird. Zeit zu haben ist etwas schönes. Die Preise stiegen: die Kinder fragten nicht mehr nach 100 Colones, um ein Faultier im Park zu zeigen, sondern gleich einen ganzen Dollar.

Die Küstenstraße ist sehr angenehm eingekeilt zwischen Strand und Palmen. Als es Mittages wieder zu regen anfing nutzten wir die Zwangspause, um ein Churrasco am Straßengrill zu testen. Der Test verlief sehr positiv, aber leider hörte es irgendwann auf zu regnen.

Die größte technische Leistung der Ticos ist die Erfindung der Schlaglöcher: eigentlich lud die flache geradlinige Straße zur schnellen Fahrt ein. Die tiefen und sehr breiten Schlaglöcher (Euphemismus für Schlaghöhlen) bremsten jeden Bus aus, während wir entspannt mit einen Schlenker ausweichen konnten. Sollte dennoch ein Gürteltier überfahren werden, erkennt man dies sogleich an den Geierhaufen.

Cahuita ist ein trostloses ödes Kaff, ein Goa-Verschnitt mit Esoterik-bio-touch. Ein Abendessen mit in Kokosmilch ersoffenem Korallenfisch und ein Frühstück mit geräucherter Kokosnuss sollten zum Kennenlernen reichen. Die seltsamen Ragga-Dissen vermitteln eher den Eindruck von Disney wie er sich Goa vorstellt.

Für den Nationalpark Cahuita trauen sie sich nicht richtig Eintritt zu verlangen, offensichtlich haben die Rastajungs Ärger gemacht. Das Korallenriff ist soweit ich das sehen konnte völlig zerstört in trübem Wasser, trotzdem fahren die Schnorcheltourboote hin. In der regenfreien Zeit ist es vielleicht etwas besser, bei klarem Wasser kann man sicherlich die Zerstörung deutlicher sehen.

 

28   Cahuita – Puerto Viejo. 40 Km

Anfangs asphaltiert, flach, kaum Verkehr. Schöne Tour zwischen Palmen.

Bevor man die kleinen Törtchen mit geräucherter Kokosnuss probiert, sollte man seine Fresssperre einschalten und deutlich einrasten lassen.

Durch Kakaoplantagen geht es nach Puerto Viejo, uns kommen die kurzen Etappen wie kleine Sonntagsradausflüge vor. Puerto Viejo ist verschrien als gefährlicher Drogenumschlagplatz. Vielleicht haben die Einwohner nur diese Legende aufgebaut, damit sie von Touristenmassen verschont werden.

Die Versuchung war groß noch mal eben einen Ausflug nach Panama zu unternehmen, schon der Name der Grenzstadt klingt verführerisch: Sixaola.

Viele nette Cafes in Puerto Viejo und ein Strand zum Faulenzen. Der Name alter Hafen kommt zu allen Ehren durch das angelandete Schiffswrack, das inzwischen einen kleinen botanischen Garten auf dem weggerosteten Deck beherbergt. Die etwas relaxtere Art findet sich auch in der obligatorischen Siesta wieder: hier werden die schattigsten und luftigsten Orte aufgesucht, mit einem Nickerchen direkt im Meermandelbaum. Interessant ist auch ein sehr bekannter Backpacker, der sich einen künstlerischen Anstrich gibt: dort lebt man in einer kleinen Zeltstadt mitten im Schlamm und findet es cool zu ignorieren, dass man am Strand selber noch günstig aber auf jeden Fall schöner übernachten könnte.

Die Regenbögen zerfließen im Meer und unsere Hüttenanlage hat schon etwas paradiesisches, kurz vor der Sintflut. Nachts schüttet es ohne Ende, so dass der Rasen völlig unter Wasser gesetzt wird, was die Frösche zu lautstarken Konzerten im Takt der prasselnden Tropfen animiert.

 

29   Puerto Viejo.

Anfangs Siesta, dann noch flacher.

 

30   Puerto Viejo – San Jose – Heredia. 40 Km plus Bus

Autobahn.

Die Strecke ist zwar schön, aber wir haben keine Zeit mehr und auch nicht die Nerven auf der Autobahn zu fahren. Auch auf San Jose haben wir keine Lust, also steigen wir am Busbahnhof am Stadtrand von San Jose aus. Die Richtung nach Heredia finden wir leicht und die Fahrt ist wider Erwarten angenehm, ebenso wie das perfekte Kolonialstädtchen Heredia, das auch für das studentische Publikum (bzw. die Bars, die von diesen frequentiert werden) bekannt ist. Allein am Marktplatz könnte man Tage verbringen.

Auf der Hochebene gibt es ein weit verzeigtes Wegenetz mit vielen kleinen Dörfern, die eine Rundreise lohnen würden, wenn nicht morgen der Flieger zurückgehen würde.

 

31   Heredia – Alajuela. 25 Km

Asphaltiert, hügelig, erträglicher Verkehr.

 

Ein letzter Versuch, einen letzten Vulkan, den Barva, zu erklimmen geben wir nach einigen Stunden auf, obwohl wir schon fast die Baumgrenze erreicht hatten: auch nach dem wochenlangen Training ist es einfach zu steil. Auf einem Fußballplatz (wo sonst) genießen wir den Blick auf die Hochebene von San Jose. Im Supermarkt füllen wir unsere Rucksäcke mit Trockenfrüchten – wir wissen gar nicht was wir am meisten vermissen werden und was uns darüber trösten könnte.

Zurück in Alajuela wirkt unser erster Ort in Costa Rica fremd und viel freundlicher – die Ticos haben ihr Gemüt auf uns abgefärbt. Diesmal brauchen wir kein Hotel. Wehmütig fahren wir nachts zum Flughafen, vorbei am Supermarkt mit dem Sportflugzeugdenkmal, fast erwischt mich doch noch ein letztes VW-Käfer-großes Schlagloch – ich hätte es ihm gegönnt. Aber mein Rad kommt zurück nach Berlin, wo ich es herzlos ausschlachte.

Wieder zuhause wirken die niedlichen Euromünzen wie Kindergeld: die gewichtigen Colones hätten nun wirklich die Bezeichnung Pesos (= Gewichte) verdient.

Goooooooal, beim Eröffnungsspiel der Fußball Weltmeisterschaft gewinnt Deutschland gegen Costa Rica 4:2 – wie gerne wäre ich zum Trösten zurück gefahren. Wirklich.

 

 

 

Kontakt Gabi & Giscard: Fluxus2001 (ät) yahoo.de

 

Weitere Links:

http://de.geocities.com/mietlewski/crhomepage.htm

http://www.bikedoll.de/Radreisen/Amerika/Costa_Rica/costa_rica.html

http://www.geocities.com/TheTropics/Island/6810/

http://www.velofahren.de/amerika.html#AMERIKA

 

 

 

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