EIN LEBEN FÜR DEN ISLAM

Zum Tode von Annemarie Schimmel

von Botschafter Dr. Harald Kindermann
German Embassy Riyadh, Saudi Arabia

Mit dem Tode von Annemarie Schimmel hat die Welt eine der bedeutendsten Stimmen der Verständigung zwischen dem Westen und dem Islam verloren. In über hundert Büchern hat sie sich dafür eingesetzt, Verständnis für den Islam zu wecken, den sie als „die am meisten angegriffene und mißverstandene aller Religionen“ bezeichnete. Mit großer Geduld versuchte sie, Vorurteilen über den Orient zu begegnen und die Tiefe und den Reichtum der islamischen Kultur darzustellen.

Die begnadete Wissenschaftlerin wurde 1922 im mitteldeutschen Erfurt geboren und begann bereits mit fünfzehn Jahren das Studium der Arabischen Sprache. Im Alter von neunzehn Jahren promovierte sie zum Doktor der Philologie und erhielt 1952 einen weiteren Doktortitel im Fach Religionswissenschaften. Professuren in Bonn, Ankara und Harvard waren die Stationen einer außergewöhnlichen akademischen Karriere. Einer ihrer wissenschaftlichen Schwerpunkte lag auf der Poesie der islamischen Völker. Ihr verdanken wir zahlreiche Übertragungen großer arabischer Literatur ins Deutsche. Dabei konzentrierte sich Annemarie Schimmel nicht nur auf ihre Hochschultätigkeit. Ihr umfangreiches Werk umfaßt auch zahlreiche Schriften, die den Islam einer breiten, nicht fachkundigen Öffentlichkeit nahegebracht haben. Vor allem aber nahm sich Annemarie Schimmel viel Zeit für Reisen, um ganz in die islamische Kultur einzutauchen und dabei auch das Glaubensleben des einfachen Volkes zu studieren.

Im Oktober 2001, unmittelbar nach den Ereignissen des 11. September, besuchte Annemarie Schimmel auf Einladung der saudischen Regierung das Königreich. Sie hielt in Riad zwei vielbeachtete Vorträge. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland veröffentlichte sie in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über ihren Besuch im Königreich einen besonders einfühlsamen Bericht. [Den hat Dikigoros leider nicht gefunden.]

Der Dialog der Kulturen lag ihr besonders am Herzen. Als Brückenbauerin zwischen Orient und Okzident hatte sie über Jahrzehnte wertvolle Aufbauarbeit geleistet, auf die auch das deutsche Außenministerium zurückgreifen konnte, als es im letzten Jahr eine eigene Arbeitseinheit sowie das Amt eines Beauftragten für den Dialog mit dem Islam schuf. Ebenfalls im Sinne der Veständigung zwischen westlicher und arabischer Welt ist die aktuelle Ankündigung des Direktors der Frankfurter Buchmesse, die Länder der Arabischen Liga als Gastregion zur Buchmesse im Jahre 2004 einzuladen. [Ob daraus etwas wird, wagt Dikigoros noch zu bezweifeln.] Diese Nachricht hat Annemarie Schimmel nicht mehr erreicht. Sie starb am 27. Januar (24. Dhu al-Qa´dah) in Bonn. Wir alle [plural maiestatis?] sind - heute mehr denn je - aufgerufen, ihrem Beispiel zu folgen, indem wir unermüdlich unsere Kenntnis über den jeweils anderen vertiefen und den Dialog der Kulturen mit Leben erfüllen.

[Anm. Dikigoros: Und so etwas ist Botschafter der BRD - armes Deutschland! Wer sich über den Werdegang jenes begnadeten Diplomaten näher informieren will, kann das hier tun.]