Augusto "César" Sandino

(16.5.1895 - 21.2.1934)

[Hut auf schrägem Vogel]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros*

[Sandinos Flagge]

1895
18. Mai: Augusto Nicolás** Calderón wird als unehelicher Sohn der Dienstmagd Margarita Calderón in San Rafael del Norte (heute ein Ortsteil von Niquinohomo), Nicaragua geboren. Sein Vater ist - angeblich** - deren Arbeitgeber, der Kaffeebauer Gregorio Sandino. Er wächst bei seiner Großmutter mütterlicherseits auf.

1904
Augusto beginnt auf der Kaffeeplantage von Gregorio Sandino zu arbeiten.

1912
General Benjamin Zeledón unternimmt einen Militärputsch gegen Präsident Adolfo Díaz, den dieser mit Hilfe US-amerikanischer Truppen nieder schlägt.
Der halbwüchsige Augusto empfindet die US-Truppen - die praktischer Weise gleich im Lande bleiben - als "imperialistische Besatzer" und Zeledón als "nationalen Martyrer". Er bezeichnet später seinen abgrundtiefen Haß auf "die Gringos" als Folge dieses Erlebnisses.

1914
Die USA mischen sich auch in den mexikanischen Bürgerkrieg ein und besetzen die wichtigsten Häfen an der Ostküste.

1917
Die USA treten offen in den Ersten Weltkrieg ein.

1918
Die USA gehören zu den Siegermächten des Ersten Weltkriegs. An ein Abschütteln ihrer Hegemonie über Mittelamerika ist vorerst nicht zu denken.
(Es liegt dies auch gar nicht in dessen Interesse. Fast alle Staaten Lateinamerikas zählen direkt oder indirekt zu den Kriegs- und Nachkriegsgewinnlern.)

1921
Nach einem mißlungenen Mordanschlag auf Onkel Dagobert Dagoberto Rivas, den Neffen eines hochrangigen Parteibonzen Politikers, muß Augusto außer Landes fliehen. In Honduras findet er Arbeit auf einer Zuckerrohr-Plantage.

1923
Augusto zieht weiter nach Guatemala, wo er auf einer Bananenplantage der United Fruit Company (Inhaber der Marke "Chiquita [kleines Mädchen]") arbeitet.***


(Wenn Augusto tatsächlich schon damals ein so großer USA-Hasser war, wie er später behauptet, dann war er jedenfalls in Bezug auf seine Arbeitgeber blind, taub und stumm nicht besonders wählerisch - Geld stinkt nicht :-)


1924
Augusto zieht weiter nach Mexiko, wo er für Standard Oil arbeitet, erst auf einem Ölfeld in Veracruz, dann in einer Raffinerie in Tampico.
(Bitte sagt doch nicht immerzu "Tämmpiko", liebe des Spanischen Unkundige - dann müßte man es "Témpico" schreiben -; es heißt "Tampíeko" :-)


Auch hier stört er sich offenbar nicht daran, daß er für "Yankee-Ausbeuter" arbeitet - und dabei gutes Geld verdient. (Die von United Fruit, Standard Oil u.a. US-Unternehmen gezahlten Löhne zählen in ihren Branchen zu den höchsten der Welt; sie betragen ein Vielfaches des durchschnittlichen Arbeiterverdienstes in Mittelamerika.) Angeblich spart Augusto in den 5 Jahren bis zu seiner Rückkehr nach Nicaragua rund 5.000 US-$ an - selbst in den USA ein kleines, in Mittelamerika sogar ein großes Vermögen, entsprechend ca. 200.000.- Teuro 100 Jahre später.


1926
Augusto kehrt - unter dem Falschnamen "Augusto César Sandino" - nach Nicaragua zurück.
Ein neuerlicher Militärputsch - diesmal unter General José María Moncada - gegen Díaz führt zum Bürgerkrieg, mit Bautista Sacasa als Präsident einer von Mexiko unterstützten Gegenregierung im Osten des Landes.

1927
Nachdem die Bürgerkriegsparteien auf Druck der USA einen Waffenstillstand geschlossen haben, rekrutiert Sandino eine eigene Guerillatruppe und setzt den Kampf fort.
Sandinos Glorifizierer - u.a. die Schmierfinken Reporter des jüdischen Wochenblatts Time - behaupten, er habe eine "Armee" (Schätzungen über deren Umfang bewegen sich zwischen 300 und 3.000 Mann :-) befehligt und den USA formell den Krieg erklärt. Besagte Kreise versehen Sandino auch mit einer politischen Ideologie: Er erhält "Solidaritätsadressen" von kommunistischen Parteien aus aller der Welt, u.a. von Stalins KPdSU und von Tschiang Kai-sheks Kuomintang. Tatsächlich ist Sandino ein Wirrkopf, der mit politischen Ismen kaum etwas anfangen kann. Er vertritt zunächst einen kruden nicaraguanischen Nationalismus, dann - nachdem er wohl festgestellt hat, daß es eine "nicaraguanische Nation" gar nicht gibt - einen zentralamerikanischen Regionalismus (unter Berufung auf ein Staatsgebilde, das ca. 100 Jahre zuvor mal kurz existierte) und schließlich eine imaginären lateinamerikanischen Rassismus (damals noch kein Schimpfwort, sondern ein wissenschaftlicher Begriff :-), davon ausgehend, daß die Mestizen eine eigene "Rasse" darstellten.****


1928
Sandino zerstört systematisch ausländische - vor allem US-amerikanische - Unternehmen im Lande und fügt Nicaragua damit großen wirtschaftlichen Schaden zu. Es gelingt der Regierung jedoch trotz Unterstützung durch U.S. Marines nicht, sein Trüppchen, das immer wieder im Urwald untertaucht, zum entscheidenden Kampf zu stellen.

1929
Harry Cohn und Frank Capra produzieren den Film "Flight", der die Kämpfe zwischen den U.S. Marines und Sandino ("Lobo") thematisiert.
(Der Film kommt 1930 unter dem Titel "Flieger" auch in deutsche Kinos.)


1931
Ein schweres Erdbeben zerstört weite Teile der Infrastruktur Nicaraguas. Der Bürgerkrieg macht nicht mehr viel Sinn.

1933
Januar: In den USA ergreift Franklin D. Roosevelt die Macht. Er zieht die U.S. Marines aus Nicaragua ab, nachdem diese noch beim Aufbau einer "Nationalgarde" unter Oberst Anastasio Somoza geholfen haben. Sandino legt die Waffen nieder und verbrüdert sich demonstrativ mit Somoza.


1934
21. Februar: Augusto César Sandino wird bei einem Zechgelage "Versöhnungsbankett" in Managua erschossen.
(Linke "Historiker" behaupten, daß dies "auf Veranlassung Somozas" - der zwei Jahre später die Macht ergreifen und eine Familien-Dynastie gründen sollte, die Nicaragua Jahrzehnte lang beherrschte - geschehen sei.)

* * * * *

1961
Eine Terroristengruppe, die sich die Machtergreifung in Nicaragua nach kubanischem Vorbild zum Ziel gesetzt hat, nimmt den Namen "Frente Sandinista de Liberación National [F.S.L.N.]" an.
(Linke Sympathisanten Sympathisierende Sympathisierend:innen im deutschsprachigen Raum übersetzen das gerne mit "Sandinistische Befreiungsfront", wobei sie das "Nationale" unterschlagen.)

1979
Nach zweijährigem Bürgerkrieg gelingt den "Sandinistas" die Machtergreifung. Sie ruinieren Nicaragua binnen weniger Jahre. Sie bringen Nicaragua binnen weniger Jahre zu kultureller und wirtschaftlicher Blüte. Bald sind alle Genossen Genießend:innen Millionäre (die Regierungsbonzen Regierend:innen in US-$ - vornehmlich aus deutscher Entwicklungs- und "Wiederaufbauhilfe" -, die Untertanen Untertuend:innen in "Córdobas").


Die wundersame Geldvermehrung: aus 10 mach 10.000, aus 1.000 eine Million! Sandino hätte sich im Grabe umgedreht wäre stolz gewesen auf seine Epigonen.

2010
Die Quasselbude Der Kongreß von Nicaragua ernennt Sandino, seinen Hut und seine Stiefel einstimmig zu "Nationalhelden".
Letztere sind denn auch auf Denkmälern immer gut zu erkennen, während seine Visage dahinter darunter mit Recht zurück tritt. (Dikigoros ist kein anderer Fall dieser Art bekannt; wer doch einen kennt darf ihm gerne mailen :-)

[Sandinos Hut, Stiefel und Maultier]


*Dikigoros sucht sonst für seine biografischen Seiten stets Titelbilder ohne Kopfbedeckung aus. Es gibt nur eine Handvoll (weniger als 2%), von deren Protagonisten er keines gefunden hat (fast ausschließlich Muslime). Hier hätte er aber auch so eine Ausnahme gemacht, denn auf Sandino trifft das zu, was mal ein boshafter General über einen deutschen Politiker der Systemzeit Weimarer Republik gesagt hat: "Der ist zwar kein Kopf [...], aber ein Hut!"

[Hut mit Sandino] [Aluchip mit Hut ohne Sandino] [Hut ohne Sandino]

**Später nimmt er in einem Anfall von Größenwahn an Stelle von "Nicolás" den zweiten Vornamen "César" an, ebenso wie er ungeniert den Nachnamen Sandino annimmt, obwohl die Vaterschaft durchaus zweifelhaft ist. Gregorio Sandino war reinblütiger Weißer, Margarita Calderón soll Mestizin gewesen sein. Augusto sieht aber nicht aus wie ein Dreiviertel-Weißer, sondern eher wie ein Dreiviertel-Indio. Daß er seit seinem 9. Lebensjahr "bei seinem Vater gelebt" haben soll, besagt in diesem Zusammenhang gar nichts. Unstreitig ist nur, daß Augusto seit seinem 9. Lebensjahr auf der Plantage von Gregorio Sandino arbeitete. Und selbst wenn der sein leiblicher Vater gewesen wäre, hätte er kein Recht gehabt, dessen Namen zu führen, denn seine Mutter war nicht mit ihm verheiratet - auch das ist unstreitig.

***Die UFC zählt bis heute zu den Lieblings-Haßobjekten (man sehe Dikigoros diese contradictio in adiecto nach :-) der linken "Anti-Imperialisten". Ihr wird vorgeworfen, sie habe den mittelamerikanischen "Bananen-Republiken" eine Monokultur aufgezwungen und sie so völlig in ihre Abhängigkeit gebracht. Das trifft nicht zu. 1. hatte die UFC kein Monopol - es gab dort noch andere (in- und ausländische, nicht nur US-amerikanische) Unternehmen, ohne die eine nennenswerte Export-Wirtschaft in jenen Ländern überhaupt nie entstanden wäre, und 2. konnte von "Monokultur" keine Rede sein: UFC investierte nicht nur in Bananen, sondern auch in Kakao, Manilahanf, Palmöl und Zuckerrohr und baute nebenbei die Infrastruktur (Straßen, Rundfunkstationen, Hafenanlagen) auf und aus.


****Im Zeitalter des "Anti-Rassismus" wird das ungern thematisiert. Aber ebenso wenig wie die "prä-kolumbischen" Indios in Lateinamerika eine einheitliche Rasse darstellten, taten dies die "Entdecker/Eroberer" von der iberischen Halbinsel. Der daraus entstandene "bronzefarbene" (so die inzwischen offizielle Bezeichnung) Rassen-Mischmasch zählt zum minderwertigsten, den die Menschheit je hervor gebracht hat. Wie man darauf "stolz" sein kann, bleibt das Geheimnis von Chávez, Correa, Humala, Morales, Ocasio-Córtez und Konsorten Konsort:innen Konsortierenden Konsortierend:innen.


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