Forscher entdecken älteste Stadt im Meer vor der indischen Küste

Die Ansiedlung ist nicht nur ungewöhnlich groß, sie ist viel-
leicht auch älter als jede andere bisher bekannte Stadt

Paris - Indische und britische Wissenschaftler haben im Golf von Khambhat vor der Küste des nordindischen Bundesstaats Gujarat Reste einer versunkenen Stadt entdeckt. Wie die französische Zeitung "Le Figaro" jetzt berichtet, ist die Ansiedlung nicht nur ungewöhnlich groß - wenn sich erste Datierungen bestätigen, wäre sie auch älter als jede andere bisher bekannte Stadt.

Bei Ultraschall-Untersuchungen der Kontinentalplatte im Golf von Khambhat stießen Ozeanographen vom National Institut of Ocean Technology (NIOT) schon 1991 auf Spuren einer menschlichen Siedlung. Weitere Untersuchungen ergaben: 30 Kilometer vor der heutigen Küste hatte in prähistorischer Zeit eine Stadt von ungewöhnlichen Ausmaßen gelegen. Sie erstreckte sich über eine Länge von neun Kilometern, wies Reste großer Gebäude auf - eines war 200 Meter lang und 45 Meter breit -, und an einer Stelle waren Reste eines Damms erkennbar. Ihre Lage lässt vermuten, dass Alt-Khambhat der Induskultur angehörte, die zwischen 3500 und 1500 vor Christus in Nordindien und dem heutigen Pakistan verbreitet war. Die Induskultur wurde erst 1920 entdeckt; ihr werden inzwischen rund 400 Städte zugerechnet. Auf Khambhats Zugehörigkeit zur Induskultur weisen 2000 Objekte hin, die die Forscher aus dem Wasser bergen konnten: Werkzeuge aus poliertem Stein, Scherben, kleine Figuren, Halbedelsteine und die Versteinerungen menschlicher Knochen.

Kopfzerbrechen bereiten den Wissenschaftler indessen zwei runde, bearbeitete Holzstücke, die auf dem Meeresgrund gefunden wurden. Die Radiokarbon-Analyse datiert das eine Holzstück auf die Zeit um 5500, das andere 7500 vor Christus - Jahrtausende vor Beginn der Induskultur.

Skeptiker sagen, die Hölzer müssten nicht notwendig zu den Bauten gehören; sie könnten zum Beispiel angespült worden sein. Wenn sich die Datierung aber bestätigt, müssten die Geschichtsbücher umgeschrieben werden: Bislang wird angenommen, dass die frühesten Städte in Mesopotamien entstanden. (SAD)


Nachbemerkung N. Dikigoros
Angesichts der vielen Orte, an denen "Wissenschaftler" schon nach "Atlantis" gesucht haben, muß man sich wundern, daß sie dabei noch nicht auf den Golf von Khambhāt gekommen sind - was auch daran liegen mag, daß viele im Westen diesen Namen gar nicht kennen. Wer dagegen unter "Gulf of Cambay" sucht, wird z.B. finden, daß an dessen nordwestlichem Ende, in Lothal, schon in den 1950er und 1960er Jahren eine Jahrtausende alte Stadt mit allen "modernen" Einrichtungen (u.a. einem riesigen Schiffsdock) ausgegraben wurde - die man allerdings meist zur "Harappa-Kultur" zählt. (Je älter die Fundstücke werden, desto weiter versuchen einige, die letztere zeitlich "nach hinten" auszudehnen; erst wenige andere sprechen offen von einer "Prä-Harappa-Kultur".)

Was man jetzt - anno 2002 - ein paar Kilometer davon entfernt unter Wasser gefunden hat, ist halt noch ein paar Nummern größer. Wenn man Platon ernst nehmen will - und er ist nun mal unsere einzige Quelle, wenngleich er nur aus zweiter Hand, pardon, aus zweitem, pardon drittem, nein sogar viertem Mund, berichtet -, dann gibt es keinen einzigen anderen Ort auf der Welt, an dem alles über Atlantis behauptete zusammen paßt. Bereits an der Kombination von Kastenwesen, Elefanten und Verehrung des Rindes scheitern alle anderen Kandidaten. Und auch der Zeitrahmen paßt nur hier (jedenfalls in etwa, wenn man denn noch ein wenig drauf legt - so genau ist die Radiokarbon-Methode ja auch nicht :-). Dazu kommt die für die "Induskultur" so charakteristische Verwendung von Messing, die Platon in Atlantis gleich mehrmals erwähnt. (Er nennt es "Goldkupfer [oreíchalkos]" - und so heißt jene Legierung in Griechenland bis heute.) Und die Geografie? Das "Schöne Reich [Saurashtr]" auf der Halbinsel Kāthiāwār lag im "westlichen Meer", nämlich in der westlichen Hälfte des "Indischen Ozeans", von Griechenland und Ägypten aus gesehen auch jenseits der "Säulen des Herkules" (denn damit war damals nicht die Meerenge von Gibraltar gemeint, sondern der Hellespont). Vor 9.000 Jahren hatte jene Halbinsel wohl - ebenso wie das benachbarte Kachchh, von dem das längst allgemein angenommen wird - noch den Charakter einer richtigen Insel, die nur durch eine schmale Landbrücke mit dem Festland verbunden war (wahrscheinlich beim heutigen Surindranagar, dem Ort, der die alte wedische Gottheit im Namen trägt; dort verlaufen noch heute die Eisenbahnlinie und die Überlandstraße von Ahmädābād nach Rājkot), bevor die Gewässer dazwischen verschlammten, versumpften und verlandeten, wie es Platon beschrieben hat. Zusammen mit den im Meer versunkenen Teilen ist jene [Halb-]Insel auch größer als "Asien" und "Libyen/Afrika" zusammen, denn zur Zeit des Solon verstand man unter letzteren lediglich die Westküste der heutigen Türkei und die Nordküste des heutigen Libyen und Tunesien - weiter waren die Griechen noch nicht vorgedrungen; und für sie, die damals - und noch lange danach - in kleinen Stadtstaaten lebten, war das allemal ein Riesenreich. Und was die Wahrscheinlichkeit von Flutkatastrofen anbelangt, so liegt just am Ende des Golfs von Khambhāt das Epizentrum von See- und Erdbeben, die solche bevorzugt auslösen. (Das letzte ist ja noch nicht so lange her.)

[Rekonstruktion der alten Stadt Lothal]

Und last not least: Eine Überlieferung dieser Geschichte von irgend einer obskuren, im Atlantik versunkenen Insel - sei es nun bei Bimini, bei den Kanarischen Inseln oder wo sonst man Atlantis schon "entdeckt" haben will - bis ins alte Hellas bzw. ins alte Ägypten ist nicht nachvollziehbar - wohl aber aus dem alten Indien, nämlich über Persien und/oder die arabische Halbinsel. Aber müßte man diese Geschichte, wenn sie denn aus Indien stammte, nicht auch dort wiederfinden? Na klar, Indien ist schließlich das Land der Geschichten, und wenn man sich ein wenig in seiner alten Literatur umschaut, dann stößt man sehr schnell auf die mutmaßliche Urfassung der Geschichte von Atlantis: Das 16. Buch des Mahābhārat berichtet von Dwārkā (im Westen auch "Dvaraka" geschrieben) und seinem Untergang im Meer nach einem großen Krieg. Heute heißt nur noch eine Stadt so - und die liegt just am anderen Ende der Halbinsel Kāthiāwār, ungefähr auf gleicher Breite wie Lothal -; aber ursprünglich hieß das ganze "Schöne Reich" so, mit beiden Städten (und noch vielen anderen Orten, deren Nachfolger den Indern bis heute heilig sind). Aber Platons ägyptischer Gewährsmann behauptet doch, der Name "Atlantis" sei eine sinngemäße Übersetzung ins Griechische - wo soll denn da die Übereinstimmung liegen? Nun ja, man darf halt nicht von einer falschen Etymologie ausgehen, von wegen "Atlantis" habe etwas mit "Träger" zu tun und "Dwārkā" bedeute eine Stadt mit "vielen Toren" - wie es viele Toren tun. Zur Zeit Solons meinte "Atlantis" ganz allgemein einen Eingang mit zwei (Stütz-)Pfeilern; das war kein einmaliger Name, sondern konnte auf alles Mögliche bezogen werden - und wurde es auch: zuerst auf zwei Bergspitzen im Kyllene-Gebirge, dann auf den Hellespont und zuletzt auf die Meerenge von Gibraltar (wo der Name dann schließlich in der Sage vom Riesen "Atlas" hängen blieb). Und "Dwārkā" bedeutet - na was wohl? Einen doppelt (nicht "vielfach"!) gesicherten Eingang. Noch Fragen? Ach so - wie konnte Solons Gewährsmann denn die Griechen mit den Indern verwechseln bzw. sie gleich setzen? Nun, das ging damals sehr leicht: So wie für die Griechen alle Nicht-Hellenen "Barbaren" waren, so waren für die Ägypter alle Nicht-Ägypter "die anderen", "Eure Leute", wie Solons Gewährsmann zu ihm sagt. So einfach löst sich das Rätsel Atlantis auf!


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