1960 gilt als das "Jahr Afrikas". Siebzehn ehemalige europäische Kolonien erlangten damals ihre Unabhängigkeit.

Sie nahmen recht unterschiedliche Entwicklungen, leider häufig keine gute. Wie sie heute dastehen, wird in dieser Reihe erläutert.
Kamerun liegt in Zentralafrika. Die Bevölkerung besteht aus etwa 200 ethnischen Minderheiten.

Kamerun war deutsche Kolonie (1884-1919), wurde dann zwischen Franzosen und Briten aufgeteilt. Die größten Städte sind die Hauptstadt Jaunde und die Hafenstadt Douala. Kamerun grenzt an Nigeria, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Republik Kongo, Gabun und Äquatorialguinea. Das Land ist reich an Bodenschätzen, so dass die USA schon vor Jahren ihre Entwicklungshilfe eingestellt haben. (Anm. Dikigoros: Dafür hat die BRDDR sie verdoppelt; hinzu kommen Kredite à fond perdu, deren Rückzahlung regelmäßig erlassen wird.) Kamerun war zwar bislang "stabil", aber die Dauerherrschaft des Präsidenten
Paul Biya
- seit 1982 an der Macht - hat zu Gewaltausbrüchen im Land geführt, insbesondere wegen der Benachteiligung des englischsprachigen Westens.
Kameruns bekanntester Regisseur Jean-Pierre Bekolo hatte 2013 den Film "Le Président" über den ewigen Biya gedreht. Selbstverständlich darf der Film in Kamerun nicht gezeigt werden. Bekolo schützt nur sein internationaler Ruf.
(Anm. Dikigoros: Hätte jemand einen solchen Film über einen der [anti-]"deutschen" Präsidenten seit 1982 - von denen jeder einzelne hundertmal mehr Dreck am Stecken hatte als Biya, nicht nur
Drecksäcker - gedreht, dann wäre der in der BRD selbstverständlich verboten worden, und den Macher würde nicht mal sein internationaler Ruf schützen.)
Die Probleme der Korruption und der Arbeitslosigkeit hat Biya nie gelöst, weil er Teil des Problems ist. Die natürlichen Ressourcen wie Öl, Mineralien und Holz stehen unter direkter Kontrolle des Präsidenten. Biya hat ein informelles System von Personenbeziehungen aufgebaut, das der Machtausübung dient. Sein Machtgerüst besteht aus Bestechung, Erpressung und Wahlmanipulation. (Anm.: Das kommt Dikigoros so bekannt vor - wer war wohl wessen Vorbild?) Korruption seiner engen Mitarbeiter wird solange geduldet, solange sie dem Regime nützlich sind. Danach werden sie angeklagt und verschwinden in Gefängnissen. Derzeit sind dies z.B. der früher sehr mächtige Generalsekretär des Präsidialamtes und ein langjähriger Finanzminister. Den Entwicklungshilfegebern verspricht Biya regelmäßig Reformen, ohne sie je anwenden zu wollen.
Wer von den jungen Arbeitslosen (oft Hochschulabgänger) Glück hat, fährt Mopedtaxi. Über 50.000 gibt es in dem Land. Eine gemeinsame Debatte über wichtige Fragen findet nicht einmal in der Regierung statt. Es gibt so gut wie keine Kabinettsitzungen mit dem Präsidenten. Minister, Präfekte erfahren ihre Ernennung oder Absetzung aus dem Radio, ohne den Präsidenten jemals zu sehen. Sie wurden auch nicht gefragt.
In Kamerun zeigt sich beispielhaft die direkte Verbindung zwischen politischer Macht und Reichtum. Die Wohlhabenden sind hier nicht die Unternehmer, sondern die Günstlinge des Regimes. Die miserable Platzierung auf dem Korruptionsindex von Transparancy International ist nicht etwa eine abstrakte Zahl, sondern sie wird bei jeder Bewegung im Alltag fühlbar. Polizisten, Zöllner, Richter, Ärzte (ohne Bestechung gibt es im Krankenhaus kein Bett), Lehrer und Soldaten leben von Bestechungsgeldern und Erpressung. Die Gehälter im Staatsdienst sind niedrig und begünstigen die Korruption. Sich auf der Straße zu bewegen, ist teuer und muss an jeder Sperre erneut erkauft werden. Illegale Straßenkontrollen erhöhen natürlich die Transportkosten von Waren. Die Korruption ist allgegenwärtig.
Es gibt sogar Kameruner, die sich gerne an die autoritäre Ordnung der Kolonialzeit erinnern, weil sie zumindest den Schein von Gerechtigkeit bot. Die deutsche Brauerei Warsteiner konnte vor wenigen Jahren landesweit sogar mit der Kolonialzeit für ihre Produkte werben. Die Lebensbedingungen vieler Kameruner in der Klassengesellschaft, in der große Teile der Mittelschicht weggebrochen sind, die Oberschicht sich Privilegien verschafft und die Mehrheit der Bevölkerung ausbeutet, sind heute oft schlechter als zu Beginn der Unabhängigkeit. Weiße Kolonialherren wurden durch eine schwarze Feudalklasse ersetzt.
Entwicklungshemmend sind auch die überbordende Bürokratie und Ineffizienz der Verwaltung. (Anm. Dikigoros: dto) Die Wirtschaftsentwicklung wird zudem gehemmt durch die mangelnde Infrastruktur - insbesondere schlechte Straßen -, sowie durch häufige Stromausfälle und Internetprobleme. Nur etwa 48% der Bevölkerung haben Zugang zu Elektrizität. Seit Jahren werden Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur vernachlässigt. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder in Privatschulen, kuriert sich in Europa oder den USA und fährt teure Geländewagen.
Paul Biyas autoritärer Führungsstil stößt nicht nur in der englischsprachigen Region auf Protest. Ohne eine soziale Angleichung droht Kamerun zu zerbrechen. Der Schriftsteller Patrice Nganang erklärte, dass Kamerun eine neue Verfassung brauche, einen neuen Gesellschaftsvertrag, um die "Klugheit, die Fantasie" der Kinder Kameruns einzusetzen. Dies sei aber "nur auf der Asche des Regimes möglich". (Anm. Dikigoros: nochmal dto!) Biya (87) will aber auch nach 38 Jahren nicht von der Macht lassen.
Im Demokratie-Index 2019 von The Economist belegt Kamerun Platz 141 von 167. CPI Platz 153 von 180.**
*Volker Seitz war BRD-Botschafter in Kamerun. (Sein Großvater Theodor Seitz war bis 1910 Gouverneur des deutschen Schutzgebiets Kamerun.) Was von seiner Analyse zu halten ist, ergibt sich u.a. daraus, wem er die Schuld daran gibt, daß Kamerun noch nie Fußball-Weltmeister geworden ist: dem Präsidenten Paul Biya.

**Und was von jenem "Index" zu halten ist, ergibt sich daraus, daß die BRDDR und die USA darin nicht den geteilten Platz Platz 179/180 einnehmen. Der Artikel erschien wenige Tage nach dem größten Wahlbetrug in der Geschichte der USA, der die senile Marionette Lets go Brandon
Sleepy Jo Biden an die Macht gebracht hatte. Damals gab es auf der Welt nur zwei Staatsoberhäupter, die sich freien, nicht-manipulierten Wahlen hätten stellen können, nämlich
Putin und
Lukaschenka.
Daher hätten Rußland und Belarus den geteilten Platz 1/2 einnehmen müssen. (Diese Feststellung gilt übrigens noch immer.)