GNADENFREI - AN MEIN VOLK

Der Aufruf an die Freiwilligen von 1813

Text: Deutsches Historisches Museum, Berlin

Bilder, Links und Nachbemerkung: Nikolas Dikigoros

Die Idee einer Volkserhebung gegen Napoleon schwelte in Deutschland seit 1809. Doch erst mit der französischen Niederlage in Rußland erwuchs der anti-napoleonische Widerstand zu einem Massenphänomen. Als der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. am 17. März 1813 nach langem Zögern in seinem berühmten Aufruf »An mein Volk« verkündete, daß er mit Rußland ein Bündnis gegen Napoleon geschlossen habe, und zum Kampf aufrief, war dies die langersehnte Proklamation eines nationalen Bündnisses von Fürst und Volk.

»Der König rief, und alle, alle kamen«! - so erklärten im nachhinein die Schulbücher die Welle der 1813 einsetzenden nationalen Begeisterung. Der Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig, wie ihn Johann Peter Krafft in seinem Gemälde schildert, war von den regulären Truppen der Alliierten (vor allem Rußland, Österreich, Preussen) erfochten worden.

[Siegesmeldung an Friedrich Wilhelm III von Preußen nach der Völkerschlacht bei Leipzig, 
Gemälde von Johann Peter Krafft]

Doch in der nationalen Erinnerung des 19. Jahrhunderts setzte sich die Auffassung fest, daß die in der Proklamation vom Preußenkönig geforderte patriotische Spendenbereitschaft, Selbstaufopferung der Freiwilligen und glühende Vaterlandsliebe der Deutschen die Garanten des Erfolges gewesen seien.

Diesen alle Volksschichten ergreifenden nationalen Enthusiasmus hat Gustav Graef in seinem - vor allem in Preußen - populären Gemälde »Ferdinande von Schmettau opfert ihr Haar auf dem Altar des Vaterlandes« versinnbildlicht. 1831 hieß es dazu in einem preußischen Schulbuch: »Ein wahrhaft edles Fräulein in Schlesien, zu arm, um irgend etwas von einigem Werthe geben zu können, verkaufte das lange schöne Haar, um mit dem daraus gelösten Gelde ein Scherflein für das Vaterland beizutragen«.

1. Nachbemerkung: Da die Rechteinhaber des Graef-Gemäldes Ferdinande von Schmettau aus unerfindlichen Gründen die Genehmigung zur Veröffentlichung im Internet verweigert haben, bildet Dikigoros hier als Ersatz das Graef-Gemälde Auszug der Landwehr ab, das ihm ohnehin viel besser zum Thema zu passen scheint. Anläßlich desselben schrieb nämlich der Halbjude Carl Heun (der sich mit dem Anti-Semiten Wilhelm Hauff das Pseudonym "H. Clauren" teilte :-) das Gedicht Gnadenfrei, dessen Anfangszeile zum geflügelten Wort wurde: "Der König rief, und alle, alle kamen", welches bei der 100-Jahrfeier der Befreiungskriege 1913 und ein Jahr später beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs ausgiebig zitiert wurde.

Dreißig Jahre später, als aus der "Landwehr" der "Volkssturm" wurde, war "H. Clauren" vergessen, und man sollte statt dessen auf einen Satz zurück greifen, der Heuns Zeitgenossen Carl Theodor Körner zugeschrieben wurde.

[Propagandaplakat mit falschem Körner-Zitat. Copyright: Deutsches Historisches Museum Berlin]

2. Nachbemerkung: Anno 2015, also 202 Jahre nachdem der König gerufen hatte und alle, alle kamen, rief erneut jemand - diesmal nicht der König, sondern die Kanzlerin, und diesmal nicht die Deutschen, sondern die militanten muslimischen Männer der ganzen Welt - und alle, alle kamen. Es war der Anfang vom Ende Deutschlands und Europas, denn das Volk stand nicht auf gegen die Tyrannin, die regulären Truppen kämpften nicht, und auch aus Rußland kam keine Hilfe.

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