Isidoro Falchi

(26.04.1838 - 30.04.1914)

[Isidoro Falchi]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1838
26. April: Isidoro Falchi wird als 16. von 17 Kindern des Gutsherrn Luigi Falchi und seiner Ehefrau Bibiana, geb. Grazzini, in Montopoli (Toscana) geboren, wo er aufwächst und zunächst Privatunterricht erhält.
Die Toscana gehört seit 1737 - mit einem französischen "Intermezzo" zur Zeit Napoléons - de facto zum Habsburgerreich und wird von näheren oder ferneren Verwandten des Erzherzogshauses regiert.

1848-57
Falchi besucht das Bischöfliche Gymnasium in San Miniato.

1856
Der berüchtigte Pirat patriotische Weltenbummler Giuseppe Garibaldi kehrt nach mehrjähriger Abwesenheit zurück und ruft zum "Unabhängigkeitskrieg" für ein politisch geeintes "Italien" auf.

1857
Falchi nimmt ein Studium der Medizin an der Universität Pisa auf.

1858-59
Falchi.

1860-61
Falchi.

1862
Falchi schließt sein Medizinstudium ab und wird Amtsarzt in Campiglia Marittima.

1865
Falchi heiratet Antonia, geb. Gianni. (Aus der Ehe geht eine Tochter hervor, bei deren Geburt die Mutter im Kindbett stirbt - damals die häufigste Todesursache für Frauen in Italien nördlich der Pontischen Sümpfe.)

1871
Falchi heiratet in 2. Ehe Cesira, geb. Mainardi, die Witwe seines Bruders Francesco.** (Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.)

1879
Falchi wird in den Stadtrat von Campiglia Marittima gewählt.
Im Stadtarchiv von Siena liest er einiges über die alten Etrusker.

1880
Mai: Falchi besucht die Siedlung Colonna di Buriano auf dem Berg Vetulonia, wo man ihm drei alte Münzen vorlegt, deren Beschriftung "VATL" (die alten Römer und Etrusker hatten keine Minuskeln, sondern schrieben alles in "Blockschrift") er als etruskisch deutet. Die Lokalpresse von Campiglia Marittima - die sonst kaum ein Thema von Interesse hat - tritt das gebührend breit; von der "Fachwelt" wird Falchi jedoch einstweilen ebenso belächelt wie kurz zuvor Heinrich Schliemann mit seinem "Troia-Spleen".

1881
Falchi veröffentlicht .

1889
Falchi.

1897
Falchi veröffentlicht.

1903
.


1914
30. April: Isidoro Falchi stirbt in Montopoli.


Posthum erscheint .

* * * * *

1915
Mit dem Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg beginnt die staatliche Firma Ferromin, die noch brauchbaren Schlacken der in Populonia entdeckten alten Eisenminen der Etrusker auszugraben und zu verwerten. (Diese Tätigkeit wird auch nach Kriegsende fortgeführt. Als sie

1969
eingestellt wird, sind insgesamt ca. eine Million m³ Abraum ausgehoben und umfangreiche etruskische Überreste freigelegt worden - was Falchi mit dem ihm zur Verfügung stehenden technischen und finanziellen Mitteln nie vermocht hätte.****)

1978
In Vetulonia wird ein kleines archäologisches Museum eröffnet, das mangels Besuchern (der Ort ist nicht gerade ein Touristenmagnet, und die Einheimischen haben kaum Interesse) bald wieder eingeht.

2000
Juni: In Vetulonia wird ein größeres "Archäologisches Museum Isidoro Falchi" eröffnet.


*

**In christlichen Rechtsordnungen wurde und wird eine solche Eheschließung mit scheelen Blicken angesehen, beinahe als Inzest, die einer gerichtlichen Genehmigung bedarf. Nach mosaïschem Recht ist sie dagegen nicht nur erlaubt, sondern geradezu geboten, als quasi-religiöse Pflicht. Bei kinderreichen Familien war das meist unproblematisch, da sich fast immer ein noch unverheirateter oder schon selber verwitweter Bruder fand. Was aber, wenn nicht? Dann mußte sich derjenige Bruder, der sich das finanziell am ehesten leisten konnte, die Witwe als Zweitfrau ans Bein binden, denn Bigamie bzw. Polygamie war erlaubt. Erst seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie den Juden in fast allen Staaten Europas verboten - eine von mehreren Kehrseiten der so oft gedankenlos gelobten "Juden-Emancipation", die nicht nur gleiche Rechte, sondern auch gleiche Pflichten und Verbote für die jüdischen Untertanen der allerchristlichsten Herrscher mit sich brachte.
(Zu den anderen zählten u.a. die Aufhebung der individuellen Befreiung von Steuern und Abgaben - die bis dahin von den jüdischen Gemeinden pauschal mit der Obrigkeit ausgehandelt worden waren -, die Aufhebung der Befreiung vom Militärdienst, die Aufhebung des Rechts, sich in eigenen Ghettos abzuschließen - was wörtlich zu nehmen war: Die Judenviertel ["Štetl"] - die von Christenhunden und anderen "Gojim" [jüdische Bezeichnung für nicht-jüdische "Untermenschen"] nicht betreten werden durften - hatten eigene Stadttore, die nachts abgeschlossen wurden.)
Heute besteht - von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt und nur einigen auf Familienrecht spezialisierten Juristen bekannt - in fast allen europäischen Staaten westlich des einstigen "Eisernen Vorhangs" die paradoxe Rechtslage, daß nicht nur Christen, sondern auch Juden Polygamie verboten ist, während sie Muslimen erlaubt ist; so dürfen muslimische Immigranten - legal, illegal, sch...egal - bis zu vier Ehefrauen nebst deren näheren und ferneren Verwandten im Rahmen der "Familienzusammenführung" nachholen; alles auf Kosten der Steuern zahlenden Eingeborenen.
Zum Trost - wenn das denn einer ist: Ähnliche "Rechts"[un]ordnungen gibt es auch außerhalb Europas: So dürfen z.B. in der VRC Han-Chinesen nur einmal heiraten und nur ein Kind haben, während Muslime in Ost-Turkestan, pardon Sinkiang, bis zu vier Frauen gleichzeitig heiraten und beliebig viele Kinder haben dürfen. Letzteres dürfen sie auch in Bhārat, während Hindūs nur mit einer Frau gleichzeitig verheiratet sein dürfen und selbst, wenn sie verwitwet sind, nach ihren religiösen Grundsätzen keine andere Witwe heiraten sollen. (Zur Kolonialzeit war Polygamie zwar auf dem Papier allgemein verboten; aber bei Muslimen drückten die Briten beide Augen zu, während sie bei Nicht-Muslimen streng auf die Einhaltung dieses Verbots achteten - ebenso auf die des Verbots der "Kinderehe", obwohl das de facto bloß eine - allerdings rechtsverbindliche, nicht ohne weiteres auflösbare - Verlobung war. Die niederländischen Kolonialherren in Insuldinde ["Indonesien"] hielten es ebenso.)

***

****Falchis Bedeutung liegt nicht so sehr in seiner Ausgrabungstätigkeit als vielmehr darin, daß er überhaupt auf die Idee kam, an bestimmten Orten nach etwas zu suchen, was andere längst abgeschrieben hatten, nämlich den Überresten der etruskischen Kultur an der toskanischen Küste.
Heute gibt es in bzw. bei Populonia (einem Kuhdorf von nichtmal 100 Einwohnern) ein riesiges Freilicht-Museum ("Archäologischer Park") mit Akropolis, Nekropolis und stillgelegten Eisenerzminen, von dem das Städtchen Piombino - zu dem P. verwaltungsrechtlich gehört - dem Vernehmen nach recht gut leben kann, denn sein Besuch zählt zum Pflichtprogramm aller Pauschalreisenden in die Toskana und aller Schulausflüge in der Provinz Livorno.


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