Die Tagesschau fragt: "Sind die Netze fit für die Mobilitätswende?" Der Titel klingt wie die Herausforderung, sich nach langem Winterschlaf kritisch den Hüftspeck zu greifen und ihm den Kampf anzusagen. Die URL verrät, worum es wirklich geht: "Netzstabilität - E-Mobilität". In acht Jahren sollen aus 1,5 Millionen E-Autos 15 Millionen werden, und den Energieversorgern und Netzbetreibern schwant Übles. Von Belastung ist die Rede, ja, von Zusammenbruch gar! Und das im besten Netz, das wir je hatten und das in 15 Jahren befreit sein soll von verstopfendem Kohle-, Gas- und Atomstrom! Freie Fahrt für grüne Energie! Doch die Gesetze der Thermodynamik lassen sich nicht von demokratischen Beschlüssen beeindrucken, weshalb die Netzbetreiber in Baden-Württemberg einen Feldversuch starteten.
Bei oberflächlichem Lesen könnte man annehmen, den EEG-Claqueuren und Kraftwerk-Abschaltern in den Medien geht auch langsam ein Licht auf, dass da etwas nicht stimmen kann mit der Energiewende, der Elektromobilisierung und dem ganzen Rest. Aber ich muss Sie enttäuschen, liebe Leser. Es sind nicht in erster Linie die Netze, die fitgemacht werden, es sind die Verbraucher. Der "Fokus auf dem privaten Bereich" wird nämlich noch wichtig.
Und die Solar-Anlage auf dem Dach, die netzsynchron läuft wie fast alle im Land, liefert am "klassischen Abend" dummerweise nichts. Wissen wir natürlich alles, aber kribbelt da nicht das schlechte Gewissen beim E-Auto-Fahrer? Das Licht macht er an, kochen will er und dann auch noch den Tesla laden? Wie egoistisch!
Eine wichtige Erkenntnis aus der Studie für die Netze BW: Klassische Batteriespeicher sind unflexibel. Deshalb will man in Zukunft vor allem auf intelligentes Laden setzen. Das bedeutet, dass die Stromversorgung durch den Netzbetreiber aus der Ferne gesteuert werden würde.
Und dann auch noch das! Unflexibel sind sie, diese "klassischen Batteriespeicher" - gemeint sind natürlich die in den Autos. Intelligenz soll die Speicher künftig flexibler machen. Flexibler in welcher Hinsicht? Und für wen? Die angestrebte Fernsteuerung legt nahe, dass es hier nicht um den Autofahrer geht, denn dessen Bedürfnisse sind mit der Abfolge - nach Hause kommen, Auto laden, am nächsten Morgen mit vollem Akku wieder losfahren" vollständig gedeckt. Was genau soll also "smarter" werden?
Bedeutet im Klartext, dass per Fernsteuerung und "Intelligenz" entschieden wird, wer wann und wie viel laden darf. Das Entlastungsprinzip ist sogar nachvollziehbar, und die Lastverteilung über einen größeren Zeitraum kann helfen, Nachfragespitzen abzufedern. Leicht vorstellbar, was passieren würde, wenn alle 113 Teilnehmer der im SWR beschriebenen Studie gleichzeitig ihre Autos laden würden. Doch die Sache hat einen Haken: Dass das Fahrzeug am nächsten Morgen tatsächlich vollgeladen ist, lässt sich vielleicht im Modell sicherstellen. Für künftige 15 Millionen E-Autos jedoch nicht.
Auf diese Weise könnte ein wesentliches Merkmal des privaten Autos verloren gehen: das Versprechen der permanenten Verfügbarkeit. Wenn nachts die Sirene klingelt und die Freiwillige Feuerwehr zum Einsatz ruft, die Tochter dringend vom Bahnhof abgeholt werden muss oder eine Havarie die dringende Anwesenheit in der Firma verlangt, wartet die "ferne Intelligenz" beim Netzbetreiber vielleicht noch auf einen Ladeslot für Ihr Auto. Es stellt sich also die Frage, wie man die Verbraucher auf diese unbequeme Galeere bringt. Am besten freiwillig, indem man ihnen ein Angebot macht, das sie nicht ablehnen können. Sagt Wunsch:
Mitmachen, lautet die Devise! Und Vorteile ausschenken. Wer sich "intelligent steuern" lässt, bekommt einen kleinen Bonus beim Strompreis! Die rechtlichen Voraussetzungen dafür gibt es übrigens schon längst. Dass der SWR hier so tut, als müsse der Gesetzgeber da nochmal ran, ist Augenwischerei. Seit 2016 regelt § 14a EnWG die "netzdienliche Steuerung", verlangt aber für jeden gesteuerten Verbraucher - das kann ein Haushalt, ein Gerät oder auch ein Auto sein - separate Zähler. Man dachte damals allerdings, das Ausrollen der "SmartMeter" würde deutlich zügiger ablaufen.
Die Netzdienlichkeit kauft man dem Verbraucher wie der Industrie ab, wo man das "Abwurflast" nennt. Es ist gewissermaßen wie mit dem Märchen von der Überlastung der Intensivstationen. Dort wurde der Bürger vom Patienten zur Belastung umdeklariert, und seine heilige Pflicht war es, dem System möglichst nicht allzu sehr zur Last zu fallen. Das Mittel der Triage, wer eine Behandlung verdiente und wer nicht, sollte eine experimentelle Impfung sein. Für das Stromnetz mutiert der Kunde auch immer mehr zur Belastung, und dessen Aufgabe soll darin bestehen, seinen Bedarf nach den Nöten eines am Zusammenbruch stehenden Systems auszurichten. In beiden Fällen dreht man das Dienstleister-Kunde-Verhältnis frech um.
Nur von der Ausgestaltung des Triage-System ist bei Strom noch keine genaue Rede. Doch da wird sich sicher bald ein passendes Token finden. Das E-Auto des Notarztes, des Polizisten oder des Feuerwehrmanns im Einsatz - wer würde da nicht zurückstecken und das anämische Netz solidarisch durch längeres Warten entlasten? Und stellen Sie sich erst die Dringlichkeit vor, wenn das zu ladende Auto einem Klima-Aktivisten gehört, der dringend einen Flieger zur nächsten Klimakonferenz erreichen muss! Otto Normalsteuerzahler wird sich wohl hinten anstellen und seine hohe Flexibilität und den günstigeren Strompreis mit viel Lebenszeit und Einschränkungen bezahlen müssen.
Und damit ist auf lange Sicht nicht nur das Laden von E‑Autos gemeint. "Netzdienlich" kann es auch sein, den vollen Akku zur Netzstabilisierung anzuzapfen, statt damit von A nach B zu fahren. Auf dieses "Potenzial" sind die Apostel der Energiewende scharf wie der Bär auf den Honig. So auch Volker Quatschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin (Anm. Dikigoros: Professor für degenerierte Quatschologie an der Hirntransenwichsstation Berlin? Die liegt doch im selben Gebäude wie die Quasselbude!), der beim Anblick von E-Autos auf Twitter sogleich an lecker Pumpspeicher-Kraftwerke denkt:
Unter dieser Prämisse muss man den Erkennungsspruch von Frau Baerbock nur geringfügig anpassen, damit er Sinn ergibt: "Wer am Netz hängt, ist der Speicher."
Wenn also dereinst die 15 Millionen E-Autos im Land sind, könnte der eine oder andere Fahrer morgens feststellen, dass sich der Ladestecker nicht lösen lässt und die Car-App mitteilt: "Stabilisiere Netz, Energie-Upload läuft - danke für Ihre Netzdienlichkeit!" Sie sollten dann nicht betrübt sein oder auf ihre Eigentumsrechte verweisen, die haben Sie nämlich nicht mehr, denn das Auto ist nur geleast und Sie haben für den Batteriespeicher einen kniffeligen, aber günstigen Liefervertrag mit Ihrem Energie-Anbieter unterschrieben. Gewiss haben Sie das so nicht gewollt; aber ich hatte ja auch nicht die Absicht, ein Drehbuch zu schreiben, das gerade Punkt für Punkt abgearbeitet wird, als ich hier und hier ein paar Jahre in eine dystopische Zukunft zu blicken versuchte.
![[Dystopische Zukunft - Zeichnung von Karsten Schley]](eautoskariks.jpg)
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt.
Klaus Schmid (30.11.2022):
Das wird lustig. Der Arzt, der dringend zum Patienten gerufen wird, und der Handwerker, der dringend den Wasserrohrbruch reparieren soll - die können alle nicht kommen, weil das Netz den Akku leergesaugt hat. Übrigens mal bei smard.de nachsehen, wie toll uns die Erneuerbaren aktuell mit Strom versorgen.
Moritz Ramtal (30.11.2022):
[...] Genau deshalb dürfen Sie es in ein paar Jahren auch gar nicht mehr selbst entscheiden, es gibt dann nichts anderes mehr als E-Autos zu kaufen.
Marco Müller (30.11.2022):
Meiner Auffassung nach wird mit der E-Mobilität ein anderes Ziel als der Umweltschutz verfolgt; es geht vordergründig um die gewollte Einschränkung und Reduzierung des Individualverkehrs. Das klassische Autofahren ist eine analoge und anonyme Angelegenheit. So lange ich Bargeld habe, kann ich überall tanken und fahren so lange mir danach ist. Bei der E-Mobilität kann sowohl überwacht und natürlich auch reglementiert und der Radius deutlich eingeschränkt werden; auf Knopfdruck.
(Anm. Dikigoros: Die grenzenlose Überwachung ist jetzt schon gewährleistet, jedenfalls für alle, die ein "Navi" benutzen. Aber was soll's - das gilt ja auch für Fußgänger, die ein "Handy" mit sich herum tragen :-)
Ilona Grimm (30.11.2022):
Soll ich das jetzt meinen Nachbarn weitersagen, die seit vier Wochen (nach sechsmonatiger Wartezeit) stolz wie Bolle mit ihrem mehrfach subventionierten (= „preiswerten“) E-Auto durch die Gegend gurken? Nein, lieber nicht; ich mag meine Nachbarn. Aber ich ahnte, wie es kommen würde und versuchte, rechtzeitig vor der Anschaffung zu warnen. Als notorische „Verschwörungsschwurblerin“ fand ich jedoch kein Gehör [...] Wissen macht einsam - nicht nur im Fach Elektrotechnik.
Karl Kaiser (30.11.2022):
Bei uns gibt es intelligente Autos, intelligente Stromzähler, intelligente Netze und eine ganze Menge intelligenter Geräte mehr - sogar künstliche Intelligenz gibt es hier schon. Um Deutschland herum gibt es intelligente Politiker, intelligente Professoren, intelligente Intellektuelle und intelligente Schüler. Intelligenz gibt es dort auch - natürliche Intelligenz allerdings. So viel zur Zukunft.
Hennig Velten (30.11.2022):
Wer ist eigentlich so blöd und hat noch nicht realisiert, dass die E-Karren nichts als Einschränkung der Mobilität für den Plebs bedeuten. (Anm. Dikigoros: die Plebs - gebrauche keine Fremdwörter, deren Sinn oder "Gender" Du nicht kennst!) Ich kann es immer nur wiederholen, aber wahrscheinlich muss es erst weh tun, bevor es die Masse begreift: Wenn Sie einen Verbrenner auftanken, bezahlen Sie NACH dem Tankvorgang. Bei einem E-Karren müssen Sie sich VORHER identifizieren. Wenn Big Brother der Meinung ist, dass Sie schon zu viel gefahren sind, oder dass Sie ein sozial schädliches Element sind, bleibt die Steckdose zu. Doch auch wenn Sie lieber Ihren Langstrecken-tauglichen Diesel fahren, Sie entgehen Big Brother nicht. Gerade werden von RWE & Co. Mitteilungen verschickt, dass demnächst "intelligente online-Zähler" eingebaut werden. Big Brother weiss dann nicht nur in Echtzeit, welche Geräte Sie einschalten, sonder er kann bei einem "brown-out" Sie auch gezielt abschalten. Natürlich können Sie (noch) der Zählerauswechslung widersprechen. Schmeißen Sie einfach den Monteur 'raus!
Jack Beauregard (30.11.2022)
Woher die Tagesschau einen E-Auto-Bestand von 1,5 Mio Autos in Deutschland hernimmt ist mir schleierhaft. Laut Kraftfahrt Bundesamt sind - Stand Okt.2022 - 840.00 reine Elektro-PKW in Deutschland zugelassen. Um auf die angeblichen 1,5 Mio zu kommen muss man wohl jeden Elektrokarren für Renter, alle mehr oder weniger Hybride mit noch nie benutzten Ladekabel und wahrscheinlich noch eine Menge Mähroboter großzügig mit dazurechnen. Paradebeispiel dafür, wie Öffentlich-Rechtliche die Fakten hart an der Grenze zur Lüge framen und verdrehen. Ich denke, dieser ganze Elektro-Zirkus wird in absehbarer Zeit kollabieren, trotz Staatsprämien und permanenten Schönquatschens in den meisten Medien. Spätestens wenn es keine Kohle mehr für Prämien gibt. Dänemark, England und auch Norwegen sind da mit Wegfall der Mwst.-Begünstigung schon voraus geeilt. Und der steigende Strompreis on top. Solche reinen Elektro-Fahrzeuge werden immer weniger anpacken. Der Markt, fehlende Nachfrage und Wirtschaftlichkeit werden es richten. 840.000 E-Autos zu 48.000.000 Gesamtbestand PKW. Das sagt wohl alles... Rechnen Sie es aus!
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