Türkei und Deutschland: Derselbe Elefant im Raum

von Ahmet Refii Dener (Die Achse des Guten, 23. April 2025)

Anmerkungen und ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

Wer wissen will, wie es in Deutschland in zehn Jahren aussieht, der schaue in die Türkei. Dort ist die syrische Massenmigration schon viel weiter fortgeschritten. Und die politische Korrektheit längst tot.

Wer wissen will, wie es in Deutschland in zehn Jahren aussieht, wenn man weiterhin zwischen Wunschdenken und Durchwinken pendelt, der schaue nach Osten, genauer: in die Türkei. Nicht, weil sie alles falsch macht, sondern weil sie mit denselben Problemen kämpft, nur unter anderen Bedingungen. Und in einem entscheidenden Punkt der Entwicklung voraus ist: dem Punkt, an dem die Stimmung kippt. So weit muss man es in Deutschland nicht kommen lassen - aber man ist auf bestem Weg dorthin.

Schwarzarbeit als Staatsprinzip

Rund 99% der syrischen Geflüchteten im arbeitsfähigen Alter arbeiten in der Türkei schwarz, belegt eine Studie der Universität Ankara. Also ohne Verträge, ohne Rechte, ohne Absicherung, dafür mit Zwölf-Stunden-Schichten in Textilfabriken, auf Baustellen oder als Tagelöhner auf dem Gemüsefeld. Und ja: Das ist legal. Nicht im Gesetzestext, aber in der Praxis. Kontrolliert wird kaum. Das Jobcenter, wie wir es aus Deutschland kennen, gibt es in der Türkei nicht. Dafür gibt es die Genehmigung zum Stillhalten. Der Staat schaut weg, die Bevölkerung nicht mehr.

Deutschland - das andere Modell: "Bleib, solange du willst"

Der Unterschied zu Deutschland? In Deutschland muss niemand arbeiten, der nicht will - aber auch ohne Arbeit kann man gut leben. In der Türkei muss jeder arbeiten, auch wenn's nur für einen Hungerlohn ist. Wer in Deutschland einreist, kann sich bei geschickter Planung bis zur Mindestrente durchhangeln - keine Ironie, nur eine Zustandsbeschreibung. Das Modell heißt: Nicht Integration durch Arbeit, sondern Integration durch Bürokratie. Man sitzt es aus. Und das funktioniert. Noch.

Vom Invasoren-Image zur Realität

In der Türkei ist das Wort "Invasion" längst kein Tabu mehr, wenn es um syrische Geflüchtete geht. Die politische Korrektheit ist tot - erdrückt von der Realität in Städten wie Istanbul, wo 505.000 (2024) registrierte Syrer leben. Inklusive der Nichtregistrierten sollen es eine Million sein. In Kilis, nahe der syrischen Grenze, stellen sie inzwischen 30% der Bevölkerung. Der soziale Sprengstoff liegt längst offen auf der Straße. Und nein, das ist kein rechter Slogan, sondern eine schlichte Demografiefrage. Die Geburtenrate syrischer Frauen liegt in der Türkei bei 5,6 Kindern - in Deutschland immerhin noch bei rund 3,9. Noch.

Islamisierung als Nebenwirkung

Eine unbeabsichtigte Nebenwirkung: Die Moscheen sind plötzlich wieder voll. 85.000 Moscheen gibt es in der Türkei - früher oft leer, heute mit Zulauf. Jährlich kommen 1.000 Moscheen hinzu. Nicht weil die Türken religiöser geworden wären - im Gegenteil: Viele besuchen die Moschee nur zum Freitagsgebet, wenn überhaupt. Es sind die neuen Bürger, die wieder fünfmal täglich beten, ganz traditionell. Auch das ist Teil der Realität - auch das wird hierzulande ignoriert.

Von Wahlstimmen und Parallelparteien

Und dann ist da noch der Punkt, den niemand laut aussprechen will: In beiden Ländern werden massenhaft Staatsbürgerschaften vergeben - an Menschen, die (noch) gar nicht wählen, aber künftig wahlentscheidend sein könnten. Neue Parteien mit starkem Migrationshintergrund entstehen, gespeist von einer Community, die sich nicht mehr als Gäste, sondern als Mitgestalter sieht. Das ist nicht per se schlecht. Aber es ist ein Machtfaktor, den bisher nur eine Seite wirklich versteht.

Die Justiz schweigt - die Zahlen nicht

In der Türkei ist es wie in Deutschland: Die Kriminalstatistik differenziert ungern nach Herkunft. Doch das türkische Justizministerium selbst lieferte Zahlen: 2022 standen über 411.000 Personen vor Gericht - deren Nationalitäten wurden sehr wohl erfasst.* Die Kleindelikte, von Diebstahl bis Körperverletzung, dürften in die Millionen gehen. Nur: Offiziell spricht man nicht darüber. Man will keine Ressentiments schüren. Dabei ist die Realität längst zum Ressentiment geworden.

Fazit: Die Warnung liegt im Osten

Die Türkei ist kein Vorbild. Aber ein Vorgeschmack. Sie hat vieles falsch gemacht - weil sie keine Wahl hatte. Deutschland hat noch eine. Aber nicht mehr lange. Wer glaubt, dass Integration ohne klare Regeln funktioniert, hat den Elefanten im Raum nicht nur übersehen - er serviert ihm auch noch Tee.


*Die Zahlen wurden auf X von Umit Özdağ am 20. Dezember 2023 geteilt. Die Statistik stammt vom türkischen Justizministerium. Ümit Özdağ, der Vorsitzende der türkischen Zafer Partisi ("Partei des Sieges"), wurde am 20. Januar 2025 in Ankara festgenommen Anlass war eine Rede, die er am 19. Januar 2025 bei einem Parteitreffen in Antalya hielt. Darin äußerte er sich kritisch über Präsident Recep Tayyip Erdoğan und die regierende AKP. Er sagte unter anderem, dass in den letzten tausend Jahren kein Kreuzzug dem türkischen Staat und Volk so viel Schaden zugefügt habe wie Erdoğan und seine Partei. Ihm wird die öffentliche Anstiftung zu Hass und Feindseligkeit vorgeworfen. Also ist er ein politischer Gefangene des Erdogan Regimes.


LESERPOST
(ausgewählt und z.T. leicht gekürzt von Dikigoros)

Lutz Liebezeit (23.04.2025)

Es gibt natürlich Möglichkeiten, die Migration verträglich zu lösen, indem man aufsplittet in Migranten und Gastarbeiter, oder Fremdarbeiter, ohne sie einzubürgern, mit einem Aufenthaltsstatus, oder Tolerierurungsstatus. (Anm. Dikigoros: So ist doch auch die Gesetzeslage - noch. Die regierenden Politiker halten sich bloß nicht dran!) D.h., die Einheimischen bräuchten die Politik nicht aus der Hand zu geben. Statt großspuriger Versicherungen und Steuerzahlungen ließe sich ein kleiner Prozentsatz an Steuern einbehalten. Mit der Steuer gibt's die Aufenthaltsgenehmigung, meinetwegen auch Greencard. Die Migranten würden motiviert. Und wer Sprachkurse belegt, kriegt weitere Erleichtungen [...] Natürlich kann man einbürgern, aber als Ausnahme und vor allem nur bei guter Führung. Deutschland ist mit der Migrantenschwemme sowieso kein "sicherer Herkunftsstaat" mehr. Die Politik ist der unsichere Hafen. Es werden die Konflikte der Herkunftsländer importiert, und das nicht nur aus Versehen. Auf die Religionen kommt man zurück, weil das das einzige ist, was irgendwie an die Heimat erinnert [...]

Elias Hallmoser (23.04.2025)
Wer glaubt, dass es in Deutschland ohne Grenzsicherung, konsequente Zurückweisungen an den Grenzen und ohne massenhafte Abschiebungen funktioniert und dann auch noch von "Integration" träumt, der hat den Elefanten im Raum nicht nur übersehen – er serviert ihm auch noch Tee. Obwohl in der - verglichen mit der Zeit von vor 60 Jahren - heute bereits schon nahezu zur Unkenntlichkeit umgewandelten Bundesrepublik Deutschland nicht mehr so viel zu retten ist.

P. Krämer (23.04.2025)
Noch immer haben wir in Deutschland eine Haltung, in dem nicht die Verursacher der Probleme benannt werden, sondern diejenigen angegriffen werden, die auf diese hinweisen. Was für Erdogan die Terroristen sind, ist für die deutsche Regierung der Populist, Rechte, der Demokratiefeind. Sollten wir irgendwann aufwachen, ist es zu spät, fürchte ich. (Anm. Dikigoros: Das Berliner Verbrecherregime, das in der BRDDR die Macht ergriffen hat, ist keine "deutsche Regierung", sondern eine anti-deutsche Diktatur!)

Isabella Martini (23.04.2025)
Ich habe nicht den Eindruck, dass es sich um den gleichen Elefanten handelt. Erdogan lässt sich doch seine 500.000 syrischen Flüchtlinge mit Milliarden Euros subventionieren. Den Deal, den Merkel seinerzeit mit ihm vereinbarte, dass sie für jeden Geflüchteten einen anderen von ihm nimmt, fand er doch super. Erst als die Gelder nicht so schnell flossen wie er sich das vorgestellt hatte drohte er, die Grenzen aufzumachen. Dank vermutlicher Blitzüberweisung war danach Ruhe im Karton. (Anm. Dikigoros: Wirklich? Die "Flüchtlinge" kommen doch weiter - sie werden geradezu gezielt von der Türkei nach Griechenland geschleust!)

L. Luhmann (23.04.2025)
[...] Wer glaubt, dass Massen an Muselmanen in nichtmuselmanische Gesellschaften integriert werden können, kennt den Islam und die Muselmanen nicht! Alles läuft auf Bürgerkrieg hinaus. (Anm. Dikigoros: Muslimische Migranten sind keine "Bürger" - auch dann nicht, wenn sie widerrechtlich "eingebürgert" wurden!)


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