Das China-Syndrom

von R. Schilling (ZYN!)

Die Wahl des Urlaubsortes ist zu einer kniffligen Sache geworden. Wer die Fahrt zum Flughafen überlebt, der wird vielleicht an einer Synagoge auf Djerba in die Luft gesprengt oder stirbt im Kugelhagel vor den Pyramiden von Gizeh. Reist man weiter in die Welt hinaus, so drohen Entführung, Vergewaltigung, Malaria und Dauer-Diarrhöe.

Wer sich nicht umbringen lassen will, aber das Risiko liebt, der macht Survival Training, rutscht Gebirgsbäche hinunter, fliegt mit America-Airlines, klettert ohne Sicherung an Felsüberhängen rum oder macht nach 3 Monaten mal das Katzenklo sauber.

Alles lahmarschige Aktionen, die nur die eigene Gesundheit gefährden und nicht zu einem dauerhaften Erfolgserlebnis führen. Zum Glück bietet Chi-Ling-Travel jetzt den ultimativen Kick für alle Adrenalin Süchtigen an:

CHINA!

Sie gähnen? Denken an dämliche Terrakotta-Figuren, die verbotene Stadt, Fahrräder, Drei-Schluchten-Staudamm oder die chinesische Mauer? Falsch, denn China ist nicht nur das Land mit einer vielfältigen kulturellen Vergangenheit, sondern es ist das Land der Hinrichtungen. Für nur 3500 $ kann man sich nicht nur die freitäglichen Hinrichtungen anschauen, man kann gegen einen kleinen Aufpreis selbst auch zum Scharfrichter werden und ein asoziales Subjekt der chinesischen Gesellschaft in ein Organspenderlager verwandeln. Ich war dort, und dies ist mein kleiner Reisebericht:

1. Tag:

Flug von Frankfurt nach Beijing. Ich hasse fliegen! Die ekelhafteste Form der Fortbewegung, aber in diesem Fall unbedingt notwendig. Ich hasse Stewardessen. Diese Weiber grinsen dich auch noch freundlich an, wenn alle Triebwerke brennen oder du während des Absturz deinen Vordermann in den Nacken kotzt. Ich weiß auch nicht, was das für Typen sind, die vorne drin sitzen und die Maschine steuern. Religiöse Fanatiker? Umgeschulte Bauarbeiter? Was haben die heute für eine Laune? Sind sie halbwegs nüchtern und wissen, welcher Knopf für was ist? Aber egal! Ich will in den nächsten Tagen vollkommen legal einen Menschen erschießen und da muss über die eine oder andere Phobie hinweg gesehen werden.

Nach 2 Stunden Aufenthalt in Beijing geht es mit einem nagelneuen Airbus zum Ziel der Reise. Hangzhou, Hauptstadt der Provinz Zhejiang. Mittlerweile bin ich so besoffen, dass mir das fliegen gar nichts mehr ausmacht. Soll die Scheiß-Karre doch abstürzen. Gehört doch nicht mir! Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel bekomme ich gar nicht mehr mit. Erst als uns eine zierliche Pekinesin sich als unsere Reiseleiterin und Dolmetscherin vorstellt, werde ich halbwegs wieder wach. "Mein Name ist Tu en Chu und möchte Sie im Namen von der Provinz Zhejiang willkommen heißen. Bitte Sie wenden sich mit allen Fragen und eventuell Problemen auftretenden an mich" Mich wundert es, das sie problemlos das "r" sprechen kann. Also auch nur wieder so ein Vorurteil, wie das, das die Asiatinnen ihr Ding quer sitzen haben. Damit sie gleich weiß, mit was für einem Arschloch sie es zu tun hat, lalle ich: "Hey Turnschuh! Wo issn hier die Bar?"

2. Tag:

Für den heutigen Tag bietet die Reisegesellschaft den Besuch in einem Kloster an. Ist vollkommen uninteressant und ich weiß nicht, ob es buddhistisch, Budweiser oder Budspencer ist, aber da chinesische Kloster für mich gleichbedeutend mit Kung Fu, Karate und all die Sachen mit Fußtritten und Handkantenschlägen sind, fahre ich mit. Statt Action und zersplitternde Kiefer sehe ich nur glatzköpfige Langweiler, die mir nach wenigen Minuten schon auf den Sack gehen. Fehlen nur noch die Springerstiefel und ein bisschen "Sieg Heil", dann hätte ich auch daheim bleiben können. Ich begrüße jeden Mönch, der mir entgegen kommt mit dem nach oben gezeigten Daumen und einem lauten "GOIL", aber sie ignorieren mich einfach. "Die Mönche hier in vollkommener Askese leben, geben sich hin Meditation, um am Ende ihres Weges erlangen Erleuchtung" So oder so ähnlich erklärt uns Miss Turnschuh das Leben dieser Nichtsnutze. Am Souvenirshop erwerbe ich einen kleinen 100 Watt Erleuchtungsstrahler mit dem Motiv des Klosters und eine Schneekugel mit einem fetten grinsenden Buddha. Damit unsere Reiseleiterin und Dolmetscherin weiß, mit was für einem Arschloch sie zu tun hat, erkläre ich ihr: "Der erinnert mich an meinen Vater" "Oh, war er ein weiser Mann?" "Nein, aber so sah er aus, wenn er auf dem Scheißhaus saß. Er hat nie die Tür abgeschlossen und wenn man hereinkam, grinste er genauso dämlich".

3. Tag:

Fahrt ins Stadtgefängnis von Hangzhou! Wir dürfen uns unseren Delinquenten aussuchen. Es ist unglaublich aufregend und ich fühle mich wie ein kleiner Junge, der in der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses freie Auswahl hat. Soll es der Gemüsedieb sein? Oder der korrupte Beamte? Der Busfahrer, der im Suff drei Menschen auf ihren Fahrrädern zermalmt hat? Der Mörder oder doch lieber der Spanner? Nach langem Hin und Her entscheide ich mich für den Vergewaltiger eines kleinen Jungen. Ein schmächtiger Typ, dessen inneren Organe bald in westlichen Körpern ihren Job machen werden. Während er am ganzen Leib zittert, fühle ich mich großartig. Mit einem Genickschuss werde ich nicht nur diesen Urlaub krönen, sondern gleichzeitig eine hochmoralische Tat begehen. Mein Finger am Abzug, und dieses miese Stück Gelb wird sich nie wieder an einem Kind vergehen. Oh göttliches China! Keine Moralapostel und krähende Psychologen. Keine Gutachten, die den Täter zum Opfer machen, weil Nachbar oder Onkel in seiner Kindheit etwas zu heftig Hoppe Hoppe Reiter mit ihm gespielt haben. Tu en chu erklärt mir noch, das es ein sauberer Treffer sein muss, da unterhalb seines Halses so ziemlich alles auf dem Markt landen wird.

Damit er weiß, was für ein Arschloch ihn erschießt, sage ich noch zum Abschied: "Übermorgen werde ich dir die Rübe wegpusten. Danach gibt's einen dreifachen Wodka und zum Nachtisch werde ich mir von deiner Schwester einen abkauen lassen." Er versteht kein Wort, und die Mieze übersetzt es auch nicht. Er zittert nur. Für einen kleinen Moment überkommt mich ein Schauer des Mitleids, aber dann siegt die Erkenntnis, das der kleine Junge, den er missbraucht hat, mindestens genauso gezittert haben muss.

4. Tag:

Drei Kerle aus der Reisegruppe sind ausgestiegen. Diese Memmen! Den Verurteilten in ihre (bereits verkauften) Augen zu sehen, war ihnen zuviel. Sie sitzen in der Hotelbar und lassen sich nur noch vollaufen. Ein Typ aus England versucht uns von der Unmenschlichkeit unseres Vorhabens zu überzeugen, aber wir wollten diesen verdammten Job, und nun werden wir ihn auch ohne wenn und aber ausführen. Heute ist Trainingstag. Das heißt, daß uns erst die Prozedur erklärt wird und wir dann die ersten Übungsschüsse auf Strohpuppen abgeben dürfen. Dies gibt einen kleinen Vorgeschmack auf den großen Tag. Die Kalaschnikow liegt gut an der Schulter und hat einen erträglichen Rückschlag. Keine Blutergüsse zu befürchten, wie ich sie vor zwei Jahren in Namibia erlitt, als ich mit einem antiquierten Drilling die Steppe von einem weißen, alles voll scheißenden Nashorn befreite. Ich gebe am Ende des Trainings dem Ausbilder einen 20 Dollarschein. Er freut sich, als wäre er gerade mit heiliger Pisse getauft worden. Tja, bin ja schließlich kein Arschloch.

5. Tag:

Mann! Ich konnte die ganze Nacht nicht pennen. Musste ständig pissen und hab eine nach der anderen gequalmt. Um 4 Uhr ließ ich mir noch eine Flasche Wodka kommen, aber die innere Unruhe blieb. Nun gut, man tötet nicht jeden Tag einen Menschen. Dazu gehört schon ein fettes Stück Gewohnheit. Nach dem Frühstück geht's mir besser und schon bald fahren wir mit einer alten Möhre, die nur noch auf 3 Pötten läuft, zur Hinrichtungsstätte.

Das Stadion ist mit gut und gerne 10.000 Menschen gefüllt. Es herrscht Volksfeststimmung, und ich fühle mich wie ein Gladiator, der den Circus Maximus betritt. Sie applaudieren mir zu! Es geht mir besser. Auf der Laufbahn stehen Autos mit Kühlaggregaten. Die Hingerichteten werden so schnell wie möglich ausgeweidet. Das nenn ich Geschäft! Sie machen Kohle mit der Hinrichtung und jede Menge Kohle mit den Organen und werden gleichzeitig so ihren sozialen Abfall los. Gar nicht so dumm, diese Schlitzaugen. Gar nicht so dumm.

Die Delinquenten werden herein geführt, und die Menge beginnt zu schreien und zu toben. Sie werfen mit Flaschen und Dosen nach den Todgeweihten. Das eine oder andere Geschoss trifft Polizisten und Soldaten, was dieser (Tod) ernsten Szenerie einen heiteren Touch verleiht. Wie Hunde werden unsere ausgesuchten Objekte vor uns hingestellt, und ein Uniformierter baut sich vor jedem auf und brüllt das Urteil ins Stadion. Danach wird ein weiterer Befehl gebrüllt, und die Soldaten drücken die Delinquenten auf die Knie. Ich entsichere das Gewehr und drücke es dem Vergewaltiger ins Genick. Er zittert wie ein Zitteraal im Wackelpudding, jammert wie ein altes Waschweib, während sich auf seiner Hose ein großer Fleck bildet. Er furzt. Erst kleine Pupser, dann kracht es lang und stinkend aus der Hocke. Mir wird übel. Er stinkt! Nun ja, gelbe Säcke stinken nun mal. Ob es nun der gelbe Sack zu Hause ist, oder der gelbe Sack hier im Stadion. Wertstoffe, die recycelt werden, riechen nicht nach Joop for Men. Dieser Moment ist, trotzt des Gestanks, nicht zu überbieten. Ich stehe hier und habe Gottes Macht über Leben und Tod in den Händen. Kein Wildschwein, Elefant oder einen polnischen Autodieb auf der Flucht. Hier stehe ich! Das Gewehr parat und entscheide über den letzten Herzschlag eines Menschen.

Ich bin GOTT! Brauche nicht auf ein Kommando zu warten und drücke ab. Plopp! Der Kinderficker fällt vorüber ins Gras, und Blut und Hirn verteilen sich in der Nähe des Elfmeterpunkts. Zu wenig! Nur ein halbe Erektion. Ich laufe durch die Reihen. Es macht Plopp! Plopp! Plopp! Einer nach dem anderen fällt wortlos kopfüber und ich schreie: „Amnesty International, Gott, die Hamburg-Mannheimer und der F.C. Bayern München können mich am Arsch lecken. Ich bin GOTT!! Tu en chu kommt auf mich zugelaufen und schreit:" Böses Wort! Böses Wort! Sie dürfen nicht sagen dieses böse Wort!"

Später in der Hotelbar beginne ich zu begreifen, dass man Amnesty International lieber nicht in China erwähnt. Die Leute aus der Reisegruppe haben sich in zwei Lager geteilt. Die, die ebenfalls geschossen haben, halten mich für einen Helden. Die anderen für einen Killer. Ist es gut, dass ich mich so gut fühlte? Er ist tot. So oder so. Und nichts hätte ihn retten können.

In der letzten Nacht stelle ich noch fest, das die Asiatinnen ihr Ding genauso sitzen haben, wie die Frauen in der westlichen Welt. Nur sie sind engfotzig. Verdammt engfotzig, aber für diese Erkenntnis hätte ich nicht nach China reisen müssen.

Wie auch immer. 2003 geht es nach Vietnam. Hab ich schon gebucht. Dort kann man unter vollem Einsatz das Massaker von My Lai nachspielen. Die verkaufen jetzt nicht mehr ihre Töchter an die Zuhälter in den großen Städten, sondern Großvater und Großmama für einen einmaligen Auftritt.

Engfotzig sind sie ja, diese Schlitzaugen, aber auch verdammt innovativ. Zumindest, was das Urlaubsfeeling angeht!

Beitrag von ZYN! Autor / Autorin R.Schilling

Disclaimer: Sie lasen soeben eine Satire. Die gesamte Handlung ist frei erfunden, und sämtliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen bestenfalls zufällig. Der Inhalt mag Ihnen in empörender Weise über Gebühr unkorrekt, haltlos, schlecht oder auch nur geschmacklos vorgekommen sein. Wenn dem so ist, dann danken Sie einem höheren Wesen Ihrer Wahl dafür, daß Sie in einem Land leben wo dergleichen noch veröffentlicht werden darf, und vermeiden Sie sicherheitshalber jeden weiteren Kontakt mit ZYN!. Alle Angaben ohne Gewähr.


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