Sprengung des AKW Gundremmingen

von Dirk Maxeiner (Die Achse des Guten, 26. Oktober 2025)

Anmerkungen und ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

Die Bilder der heutigen Sprengung der Kühltürme des AKW in Gundremmingen haben gute Chancen, als Zeichen einer komplett durchgeknallten Ideologie in die Geschichte einzugehen. Die Hoffnung auf einen politischen Restverstand in Bayern war vergeblich.

Sie haben es getan: Die Kühltürme des bayrischen Atomkraftwerks Gundremmingen wurden heute pünktlich um 12 Uhr gesprengt. In diesem Land fährt zwar kaum ein Zug mehr pünktlich in einen Bahnhof ein, die willkürliche und sinnlose Zerstörung eines Kernkraftwerkes klappt aber immer noch auf die Minute. Es soll keine Umkehr auf dem einsamen und zunehmend verlustreichen Weg zur deutschen Energiewende mehr möglich sein. Deutsch sein, so ließ Richard Wagner dereinst wissen, heißt, eine Sache um ihr selbst willen zu tun.

Das technologische Vorzeigeland Bayern und sein Ministerpräsident Markus Söder ließen die Zerstörung des bis 2021 noch voll funktionsfähigen Kraftwerkes mehr oder weniger tatenlos geschehen – obwohl man noch zu Anfang dieses Jahres gegenteiliges verkündet hatte. Die Hoffnung, jemand könne den Verantwortlichen bei diesem wirtschafts- und energiepolitsch suizidalen Akt noch in den Arm fallen, erwies sich wie so oft als vergeblich. Kein Wunder, dass der bayrische Ministerpräsident, der sonst für jedes Stuntfoto zu haben ist, Gundremmingen am heutigen Tage weiträumig umfuhr. Der Mann lässt sich zwar gerne mit illusionären Lufttaxis abbilden, an einer Konfrontation mit der selbstzerstörerischen Wirklichkeit unserer industriellen und wirtschaftlichen Basis ist er aber offensichtlich nicht interessiert.

Gundremmingen lieferte über viele Jahrzehnte zuverlässig – und ohne dass ein Mensch zu Schaden kam – etwa ein Viertel des Stroms in Bayern. Das Befahren der unfallträchtigen Staatsstraße 2028, die nicht weit vom Kraftwerk entfernt vorbeiläuft, ist jedenfalls deutlich gefährlicher als ein Arbeitsplatz im Kraftwerk.

Diesmal war doch etwas anders

Wie bei solchen Happenings üblich, waren tausende Schaulustige angereist, aber diesmal war doch etwas anders.

Ich hatte dem Kraftwerk am Sonntag vor zwei Wochen einen Abschiedsbesuch abgestattet, unter den Kühltürmen hatten sich da schon Grüppchen von Besuchern eingefunden. "Ich weiß ja nicht, ob das mit der Sprengung wirklich eine gute Idee ist", begann ein junger Mann ein tastendes Gespräch. Der Zweifel an der Sinnhaftigkeit der deutschen Energiepolitik ist im Volk angekommen und nagt an der Erzählung von der Großartigkeit der Energiewende. Es trauen sich aber nur wenige, es laut auszusprechen.

Dank der unabhängigen Online-Medien sind aber eben doch immer mehr Menschen darüber informiert, was solche Aktionen für die Zukunft des Landes bedeuten, nämlich nichts Gutes. Für die großen Medien war die Berichterstattung über den "Rückbau" hingegen eine Gelegenheit, sich mal wieder zu blamieren; besonders gefallen hat mir eine ahnungslos plappernde Moderatorin des bayrischen Rundfunks, die mit ihrem Köpfchen den Blick auf die im Lifestream gerade fallenden Kühltürme zuverlässig versperrte.

Die Türme von Gundremmingen waren ein sichtbares Zeichen für die Vollversorgung der Bewohner dieses Landes, nicht nur was die Lieferung von Strom anbetrifft. Gundremmingen ist eine wohlhabende Gemeinde, die Straßen hübsch gepflastert, die Kirche renoviert, die öffentlichen Gebäude tadellos in Schuss, vor den Häusern Carports mit vielen gepflegten Fahrzeugen der Mittel- und Oberklasse. Und mittendrin der gut besuchte Gasthof Ochsen mit gutbürgerlicher schwäbischer Küche, ein Metzger und ein Dorflädle mit der medial viel gehypten roten "Sprengwurst".

Ein Endlager darf auf keinen Fall gefunden werden

Die Zukunft soll jetzt mit einem "Batteriespeicher" und einem "Gaskraftwerk in Planung" gemeistert werden, mal sehen, was in ein paar Jahren daraus geworden ist. Ansonsten gibt’s noch ein überirdisches Lager für Castoren mit Atommüll, das dringend benötigt wird, um die Atomangst in Deutschland hochzuhalten. Ein Endlager darf auf keinen Fall gefunden, eine Wiederverwertung auf keinen Fall organisiert werden, weil dies dem gemeinen Bürger signalisieren würde, dass dieses Problem gut lösbar ist – außer In Deutschland. Da muss es aus volkspädagogischen Gründen aufrechterhalten werden.

Ansonsten sieht es für die Apologeten des Atomausstiegs jenseits des deutschen Hobbitlandes nicht gut aus. Denn es gibt kein wohlhabendes Land mit geringem Energieverbrauch, die beiden Faktoren korrelieren unmittelbar miteinander. Beispiel: China baut gerade 33 weitere AKWs und plant 43 weitere. Und auch in Europa dreht sich längst der Wind: In Finnland wurde das neue Reaktor-Unit Olkiluoto 3 in Betrieb genommen, In Tschechien ist am Standort Dukovany Nuclear Power Station ein Plan zur Errichtung zweier zusätzlicher Reaktoren mit im Gang, in den Niederlande sind zwei neue Kernkraftwerke geplant, in Belgien wurde der geplante Ausstieg aus der Kernkraft verschoben. Die Europäische Kommission hat angekündigt, dass im EU-Haushalt 2028–2034 „neue oder zusätzliche“ Kernspaltungs-Kapazitäten gefördert werden könnten.

Die Milliardäre Bill Gates (Microsoft), Jeff Bezos (Amazon), and Sam Altman (Open AI) investieren für den sprunghaft ansteigenden Stromverbrauch gewaltige Summen in neue oder zu reaktivierende Kernkraftwerke. Für Gundremmingen ist es wohl zu spät, da mal ein Bewerbunbgsschreiben zu verfassen. Und Markus Söder hat ein schönes Foto verpasst.


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