Wenig beachtet von den deutschen Medien ist zwischen Afghanistan und Pakistan ein Krieg ausgebrochen. Worum geht es bei den Streit zwischen den Ländern? Und gibt es Verbindungen zum Iran-Krieg?Da deutsche Medien den Krieg zwischen Afghanistan und Pakistan, der nur einen Tag vor den Iran-Krieg ausgebrochen ist, wenig berichten, übersetze ich hier einen Artikel des Pakistan-Korrespondenten der TASS, der die Hintergründe erklärt und auf mögliche Verbindungen zum Iran-Krieg hinweist. Beginn der Übersetzung:Islamabad und Kabuls „offener Krieg“ an der Durand-Linie: Zufall oder präzise Kalkulation?Ilja Ryschow, Pakistan-Korrespondent der TASS, über die Gründe für die Eskalation des langjährigen Konflikts zwischen Pakistan und Afghanistan zu einer geopolitischen Katastrophe im Herzen Asiens. Hunderte Tote und Verwundete sind die Opfer der wohl schwersten Phase der eskalierenden Krise zwischen Afghanistan und Pakistan. Was vor Kurzem noch als Grenzscharmützel bezeichnet wurde, hat sich zu einem beinahe ausgewachsenen Krieg zwischen den Nachbarn ausgeweitet. Dies ist der zweite größere bewaffnete Zusammenstoß innerhalb der letzten vier Monate. Diesmal sind die Einsätze so hoch wie nie zuvor. Eine Trennlinie, die ein Volk spaltetDie Militäroperation gegen die afghanischen Taliban, „Ghazab lil Haq“ (Urdu für „Gerechte Empörung“), wurde erstmals am 27. Februar gegen 3:00 Uhr morgens im pakistanischen Staatsfernsehen erwähnt. Wenige Minuten später gab der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif eine Erklärung ab, die wie ein Urteil über die jahrelang angespannten Beziehungen zu Afghanistan klang: „Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht zwischen uns und euch offener Krieg.“ Die Eskalation hat die Grenze überschritten. Pakistanische Flugzeuge flogen Angriffe auf Kabul und die Provinzen Kandahar, Nangarhar und Paktika. Um die Ursprünge der aktuellen Krise zu verstehen, müssen wir mehr als ein Jahrhundert zurückblicken. Die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan verläuft entlang der sogenannten Durand-Linie, einem Überbleibsel des Zweiten Anglo-Afghanischen Krieges von 1878–1881. 1893 haben der afghanische Emir Abdur Rahman und der britisch-indische Diplomat Henry Mortimer Durand das Gebiet der historischen Region Paschtunistan durch ein Abkommen aufgeteilt. Nach der Unabhängigkeit Pakistans 1947 weigerte sich Afghanistan, diese Grenze anzuerkennen. Das Parlament bezeichnete sie als „aufgezwungen“ und kündigte 1949 alle entsprechenden Verträge auf. Pakistan hingegen beharrt auf dem offiziellen Status der Durand-Linie.
So sind die beiden Länder seit fast 80 Jahren durch eine unmarkierte und umstrittene Linie von 2.600 km Länge getrennt.
Hinter dem Streit steht das Schicksal von Millionen Menschen. Die Paschtunen, die beidseits der Grenze leben, stellen etwa die Hälfte der afghanischen Bevölkerung (rund 25 Millionen) und mindestens 15% der pakistanischen Bevölkerung (rund 40 Millionen). Die Idee, ein unabhängiges Paschtunistan zu schaffen, taucht im politischen Diskurs immer wieder auf und verschärft die ohnehin schon schwierigen Beziehungen zusätzlich. Freunde oder Rivalen?Die Geschichte der Beziehungen zwischen den beiden Ländern ist daher voller Widersprüche. 1947 lehnte Afghanistan Pakistans Beitritt zur UNO ab und forderte eine Überprüfung der Grenze. Nachdem Kabul dieses Ziel verfehlt hatte, unterstützte es die paschtunischen Unabhängigkeitskämpfer in Pakistan, was 1961 zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen führte. Sie wurden zwei Jahre später wieder aufgenommen. Während die Beziehungen zwischen den beiden Ländern nach Pakistans Unabhängigkeit wegen des Territorialstreits zunächst offen konfliktgeladen waren, wich die Konfrontation später einem komplexeren Machtspiel. Mit dem Ausbruch des militärischen Konflikts in Afghanistan 1979 bot sich Islamabad die Gelegenheit, nicht nur über Grenzen zu streiten, sondern die Ereignisse jenseits der Durand-Linie tatsächlich zu beeinflussen. Auf Pakistan trainierten in dieser Zeit Mudschaheddin-Einheiten und Millionen afghanischer Flüchtlinge flohen dorthin. Als die Taliban im September 1996 Kabul einnahmen und das Islamische Emirat Afghanistan ausriefen, gehörte Islamabad zu den wenigen Ländern, die ihre Regierung anerkannten. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde Pakistan jedoch zu einem Verbündeten der USA im „Krieg gegen den Terror“, beispielsweise durch die Unterstützung der Operation Enduring Freedom gegen die Taliban in Afghanistan. Wie sich später herausstellte, diente Pakistan jedoch als Zufluchtsort für Anführer der Al-Qaida, und Osama bin Laden wurde 2011 von US-Spezialkräften nicht in den Berghöhlen Afghanistans, sondern in der pakistanischen Stadt Abbottabad getötet. Nach der Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 war einer der ersten ausländischen Gäste in Kabul der Chef des pakistanischen Geheimdienstes ISI, General Faiz Hamid. Waren die alten Verbündeten wieder zusammen? Doch die Idylle währte nicht lange. „Indische Kolonie“: Islamabads größte AngstDer wichtigste Streitpunkt in den Beziehungen zwischen Islamabad und Kabul waren diesmal die Aktivitäten der Tehrik-e-Taliban Pakistan (auch bekannt als Fitna al-Khawarij oder Pakistanische Taliban-Bewegung). Diese Militanten kämpfen seit Jahrzehnten gegen die pakistanische Regierung und finden Zuflucht in Afghanistan. Kabul weigert sich, ihre Anführer auszuliefern oder ihre Aktivitäten einzuschränken. Genau diese Forderung stellt Islamabad seit 2021 – bisher erfolglos. Doch 2025 kam es zu einer weitaus größeren Eskalation der Spannungen zwischen den Ländern. Anfang Oktober traf der afghanische Außenminister Amir Khan Muttaqi zu einem offiziellen Besuch in Indien ein. Das gemeinsame Kommuniqué im Anschluss an die Gespräche versteckte sich eine schwere Beleidigung für Pakistan: Das von Islamabad beanspruchte Gebiet Jammu und Kaschmir wurde als Teil Indiens bezeichnet. Für Pakistan, das Afghanistan jahrzehntelang als seine Einflusssphäre betrachtete – und im Falle eines Konflikts mit Indien als „tiefes Hinterland“ –, fühlte sich das wie eine Ohrfeige an. Die langjährige Feindschaft mit Neu-Delhi, verschärft durch Kabuls Unterstützung der pakistanischen Taliban, brachte Islamabad in eine äußerst schwierige Lage. Vom Waffenstillstand zur „gerechten Empörung“Anfang Oktober 2025 brachen die ersten größeren Gefechte an der pakistanisch-afghanischen Grenze aus, die Dutzende Menschenleben forderten. Ein von Katar und der Türkei vermittelter Waffenstillstand zerbrach nach einem schweren Terroranschlag in der pakistanischen Hauptstadt. Am 6. Februar 2026 sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer schiitischen Moschee in Islamabad in die Luft und riss mehr als 30 Menschen mit in den Tod. Das "Kalifat Khorasan", der afghanische Ableger des Islamischen Staates, bekannte sich zu dem Anschlag. Daraufhin folgten Angriffe auf pakistanische Sicherheitskräfte in den Provinzen Khyber Pakhtunkhwa und Belutschistan. Die pakistanische Regierung beteuerte, alle Spuren führten zu Verstecken von Kämpfern auf afghanischer Seite. Am 22. Februar 2026 führte die pakistanische Luftwaffe als „Vergeltung für die Terroranschläge“ „chirurgische Schläge“ gegen Ziele in Afghanistan durch, in denen sich nach Angaben der pakistanischen Luftwaffe Terroristen aufhielten. Kabul hingegen wertete diese Aktionen als „Verletzung der Souveränität“ und kündigte Vergeltung an. Am Abend des 26. Februar rückten afghanische Streitkräfte entlang der gesamten Grenze vor und gaben an, pakistanische Militärbasen und Grenzposten eingenommen zu haben. Daraufhin entsandte Islamabad seine Luftwaffe. Laut dem pakistanischen Informationsminister Attaullah Tarar wurden Brigade- und Korpshauptquartiere, Munitionsdepots und Logistikzentren zerstört. Am 27. Februar 2026 wurde dieselbe Erklärung wiederholt, was die neue Natur der Konfrontation verdeutlichte. Gleichzeitig warf Khawaja Asif Kabul vor, zu einer „Kolonie Indiens“ geworden zu sein, Terrorismus zu fördern und die Bevölkerung zu unterdrücken. Ungleicher Kampf?Eine umfassende Betrachtung der Konfrontation zwischen Islamabad und Kabul zeigt, dass Pakistans Aktionen keine chaotischen Reaktionen mehr auf die terroristische Bedrohung durch den Nachbarn sind. Pakistan hat eine umfassende Offensive gegen die Taliban gestartet und nutzt dabei alle verfügbaren Mittel, Waffengewalt ist nur eines davon. Islamabad hat wichtige Grenzübergänge geschlossen. Erstmals verknüpft die Islamische Republik offen Handel und Politik und fordert vom Emirat ein entschiedenes Vorgehen gegen Terroristen, um die Wirtschaftsbeziehungen wiederherzustellen. Kabul, seiner traditionellen Handelswege beraubt, ist gezwungen, Waren über nördliche Pässe umzuleiten – durch Gebiete mit starker Anti-Taliban-Gesinnung. Gleichzeitig verfügt Pakistan über absolute militärische Überlegenheit. Seine Luftwaffe kann Kabul und Kandahar ungehindert angreifen, denn den Taliban fehlen effektive Luftverteidigung und der politische Einfluss, um eine internationale Verurteilung dieser Bombenangriffe zu erzwingen. Obwohl Afghanistan keine Armee besitzt, die die Front halten kann, verfügt es über Einheiten, die für den Guerillakrieg ausgebildet sind. Pakistans reguläre Truppen hatten im gebirgigen Gelände jenseits der Grenze trotz ihrer Stärke in der Vergangenheit Schwierigkeiten. Ein möglicher Übergang zu einer großangelegten Bodenoffensive auf afghanischem Gebiet würde sich wahrscheinlich allmählich zu einem langwierigen Krieg ohne klaren Sieger entwickeln. Ein andauernder Konflikt birgt für Pakistan zudem die Gefahr einer Vergeltungswelle von Terroranschlägen durch militante Mitglieder der "Tehreek-e-Taliban Pakistan". Wer profitiert?Trotz aller Widersprüche gab es kaum Voraussetzungen für einen umfassenden Krieg zwischen Pakistan und Afghanistan. Der Konflikt war chronisch, aber beherrschbar. Warum ust er nun, Ende Februar 2026, mit solcher Intensität aufgeflammt? Und wer könnte von der Inszenierung des Nebelkerzenangriffs profitiert haben? Die Antwort liegt offenbar nicht in der Region selbst, sondern in den Ambitionen globaler Akteure. Es ist bemerkenswert, dass die USA und Israel am 28. Februar 2026, nur 24 Stunden nach der Eskalation an der pakistanisch-afghanischen Grenze, die Militäroperation gegen den Iran gestartet haben. Vielleicht ist diese Entwicklung reiner Zufall. Doch wenn es sich tatsächlich um ein geplantes Szenario handelt, besteht dessen Zweck nicht nur darin, Pakistan und Afghanistan zu provozieren, sondern die Aufmerksamkeit der regionalen Großmächte vom eigentlichen Schauplatz geopolitischer Auseinandersetzungen – dem Nahen Osten – abzulenken. Ende der Übersetzungzurück zu Amānållāh zurück zu Muhammad Alī Jinnāh zurück zu Hamīd Karzai zurück zu Fâegheh Atashin |