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Am 8. Mai 1945 kapitulierte Hitlerdeutschland, vielmehr das, was noch davon übrig war. Doch damit war der Zweite Weltkrieg nicht zu Ende. An der asiatischen Front wurde weiter gekämpft. Am 26. Juli stellte der amerikanische Präsident
Truman
den Japanern ein Ultimatum: "Wir werden Japans Fähigkeit zur Kriegsführung vollständig zerstören. Wenn sie jetzt nicht unsere Bedingungen akzeptieren, dann können sie einen Regen der Vernichtung aus der Luft erwarten, wie man ihn auf dieser Erde noch nicht gesehen hat." Seit Ende November 1944 hatten die Alliierten den Großraum Tokio bombardiert und der japanischen Kriegsmaschine schwere Schäden zugefügt. Bei Luftangriffen waren mehr als eine Million Zivilisten ums Leben gekommen. Die Führung der US-Luftstreitkräfte setzte darauf, durch die Zerstörung der Großstädte den Krieg zu entscheiden. Eine aufwendige Invasion des Inselstaates sollte unter allen Umständen vermieden werden.
Am 26. Juli, dem Tag des Ultimatums, traf "Little Boy" auf der Insel Tinian ein. Es war die zweite von drei Atombomben, die die Amerikaner gebaut hatten, seit 1939 das Projekt "Manhattan" unter der Leitung von Robert Oppenheimer gestartet worden war. Die erste Bombe war zehn Tage zuvor in der Wüste von New Mexiko gezündet worden. Als man Truman meldete, dass der Test alle Erwartungen übertroffen hatte, war für ihn klar, dass er diese militärische Option nutzen würde. In Tokio wurde heftig über Trumans Potsdamer Ultimatum diskutiert, dem sich Großbritannien und China anschlossen. Doch noch hatte die Kriegspartei die Oberhand. Die Aussicht, alle überseeischen Besitzungen räumen zu müssen, etwa Formosa (heute Taiwan), Korea oder die Mandschurei, war allzu schmerzlich. Noch hoffte man auf die Vermittlung der Sowjetunion, die sich dem Ultimatum zunächst nicht angeschlossen hatte. Doch
Stalin
wartete die Entwicklung ab und schloss sich dann am 8. August der Front gegen Japan an.
Am 6. August startete ein kleiner, von den Japanern gar nicht beachteter Verband von Flugzeugen den Angriff auf Hiroshima. Die Stadt war ausgewählt worden, weil es hier nach amerikanischen Informationen keine Kriegsgefangenenlager gab. Am Detonationspunkt der Atombombe erreichte die Hitze unvorstellbare 60 Millionen Grad. Die dem Lichtblitz folgende Druckwelle breitete sich mit 3.000 Metern pro Sekunde aus. In den ersten Sekunden nach der Explosion gab es 70.000 bis 80.000 Tote. Von vielen blieb nichts als die Kontur ihres Schattens. Bis Ende 1945 starben noch einmal so viele Menschen. 1950 erreichte die Zahl der Opfer 200.000. In späteren Jahren kamen noch einmal knapp 100.000 Menschen hinzu. Am 9. August warfen die Amerikaner ihre dritte und letzte Atombombe auf Nagasaki, wo etwa 35.000 Menschen durch die Explosion umkamen.
Insgesamt forderte der Zweite Weltkrieg etwa drei Millionen japanische Opfer. Angesichts dieses schrecklichen Blutzolls sollte man sich aber daran erinnern, dass die Zahl der Opfer der japanischen Aggression mehr als 20 Millionen betrug. Die Atombomben erreichten ihr Ziel. Am 15. August erklärte Kaiser Hirohito die bis dahin für viele Japaner undenkbare Kapitulation. Der Preis dafür war sehr hoch: Die Welt war unwiderruflich in das Zeitalter nuklearer Kriegsführung eingetreten.
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