Liebe Gemeinde,
Dreieinigkeit – wie soll man das verstehen? Wir glauben an einen Gott, aber wir glauben an Gott, den Vater, der uns geschaffen hat und erhält; wir glauben an Gott, den Sohn, der als Mensch auf dieser Erde gelebt hat und wir glauben an Gott, den Heiligen Geist, in dem Gottes Kraft zu uns kommt. Jeder Glaube für sich ist unproblematisch, zählen wir aber zusammen, ergibt sich mathematisch eine falsche Rechnung! 1 + 1 + 1 ergibt im Blick auf Gott nämlich 1.
Ewig der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist. Und doch sind es nicht drei Ewige, sondern ein Ewiger, wie es auch nicht drei Ungeschaffene oder drei Unermessliche sind, sondern ein Ungeschaffener und ein Unermesslicher. Ebenso ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der Heilige Geist. Und doch sind es nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger. ...
Liebe Gemeinde,
Amen.
in zwei Tagen feiern wir das Fest Trinitatis, das der Dreieinigkeit Gottes gewidmet ist. Darüber möchte ich mit Ihnen ein wenig nachdenken, wobei uns eine Geschichte helfen kann, die vom großen Kirchenvater Augustinus berichtet wird:
„Tagelang grübelte er über Gottes Dreieinigkeit, vergebens! Eines Nachts, im Traum, ging er am Strand des Mittelmeers spazieren und kam an einem kleinen Jungen vorbei, der am Strand spielte. Dieser schöpfte mit einer Muschel geduldig Wasser aus dem Meer in eine kleine Grube, die er in den Sand gegraben hatte. „Was hast du vor?“ fragte Augustinus das Kind freundlich. „Ich will das ganze Meer in diese Grube schütten“, sagte der Kleine. Augustinus musste lächeln und sagte: „Was für ein Unsinn, deine Sandgrube ist doch viel zu klein für das große Meer!“ Da sah ihn der Junge mit durchdringenden Augen an und sagte: „Und du, Augustin, versuchst schon seit Tagen, die große Dreieinigkeit Gottes in deinen kleinen Verstand zu bekommen ...“. Dieses Traumerlebnis wurde für Augustinus zum Fingerzeig für seine theologischen Überlegungen: „So wenig es diesem Jungen gelingen würde, das Meer auszuschöpfen, so wenig würde es dem Menschen jemals gelingen, mit seinem Verstand die Dreieinigkeit Gottes zu ergründen“.“
Weil alles nicht so einfach ist, wurde in früheren Jahrhunderten ein Glaubensbekenntnis gesprochen, das im 5. Jahrhundert in Südgallien entstanden ist: das sogenannte Athanasium. Dieses enthält schwerpunktmäßig Aussagen zur Trinität Gottes und kann uns helfen, neu darüber nachzudenken. Einige Verse daraus möchte ich kurz ansprechen:
Denn wie uns die christliche Wahrheit zwingt, jede Person einzeln für sich als Gott und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der allgemeine Glaube, von drei Göttern oder Herren zu sprechen.
viele Menschen unserer Zeit sagen: „Ich glaube“ - drücken damit aber aus. „Ich vertraue ... der Zukunft“, „dem Fortschritt“ und vielem mehr!
Wenn wir Christen aber sagen: „Ich glaube“ und unseren Glauben bekennen, so geben wir Gott die Ehre und verkünden ihn, als den Schöpfer der Welt, Jesus Christus als den Retter der Menschen und den Heiligen Geist, als Tröster, Beistand und uns Richtung gebender Helfer. Und neben dem Bekenntnis erinnern wir uns, jedes Mal aufs Neue, an unsere Taufe und bekennen uns als zu Gott gehörigen Menschen.
Wir kommen also nicht nur zusammen, um Gemeinschaft zu erleben und uns mit anderen Menschen auszutauschen, sondern wir bekennen uns mit unserem ganzen Sein als Menschen, die mit Gott in Verbindung stehen. Dass wir mit dem aufs engste verbunden sind, der uns unser Leben gab und der es uns heute und jeden Tag aufs Neue ermöglicht mit ihm das Leben in seiner ganzen Fülle zu schmecken, zu fühlen, zu erfassen.
Da ist einerseits der liebende Gott, der uns als Vater begegnet, weil er uns als sein Kind in die Arme schließen will, um uns Geborgenheit und Sicherheit zu schenken. Andererseits begegnet uns Gott als Sohn, der für jeden von uns Mensch geworden ist. Der ein für allemal, wie es im Hebräerbrief formuliert ist, unsere Schuld beglichen hat, indem er für jeden einzelnen von uns sein Leben hingegeben hat. Und dann begegnet uns der liebende Gott in unserem innersten Menschsein als Tröster. Der uns hilft auch die schweren Stunden unseres Lebens aus Gottes Hand zu nehmen. Der Heilige Geist, der sich unserem Geist mitteilt und mitteilen kann, wie kein Mensch es je könnte.
Es sind also nicht 3 Götter, an die wir glauben, sondern ein einziger Gott, der uns in unserem Leben in verschiedenen Situationen unterschiedlich begegnet. Wir müssen nur Momente der Stille, des Gebetes und des Bekennens suchen, um ihm zu begegnen.
Möge uns Gott jeden Tag neu die Möglichkeit schenken, dies von unserem innersten Sein her zu begreifen, um daran froh zu werden. Denn dann werden wir mit Mut und Zuversicht den dreieinigen Gott verkünden und anbeten. Ja, dann können wir getrost alle Menschen ermutigen, sich mit uns gemeinsam auf den Weg zu machen. Diesem dreieinigen Gott entgegen und von ihm geführt in ein Leben in die Freiheit der Kinder Gottes!